Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVIII (1913)
- Issue
- Heft 23 (6.6.1913)
- Date
- 1913-06-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2651815-2651839--08985-2666277- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Tunis 1× ep/1048155
OCR text
Seite 232 JUED1SCH E RUNDSCHAU NJr 23 Der XI. Kongreß Der Kongreß findet vom 2. bis 9. Seplember 1011 (JO. Ab bis 7. Ein! 5673) in Wien statt. Das Kongrcßburcau hat seine Tätigkeit am 2. Juni begonnen. Seine Adresse lautet: Bureau des XI. Z i o n i s t e n k o n g r e s s c s, Wien II, Kar me- I i t c r p I a t z I. Die Kongreß Veranstaltungen zerfallen in die V er- Handlungen und die allgemeine V c r a n s t a I - t ungen. Von den Verhandlungen finden die Eroffnnngssitzung in der Katharinenlialle, die übrigen Sitzungen im Musikvercinsgebäude statt. KoiigrelSbesuchcr, die wegen Platzmangel zu den Verhandlungen keinen Einlall erhalten sollten, werden an den allgemeinen Veranstaltungen teilnehmen können, die in gröllerer Anzahl statt finden. Es sind u. a, ein akademischer Festakt, ein Turn- und Sportfest, mehrere Meetings, Lichtbildcrvortriigc und Aus- Stellungen geplant. Der Einlaß zu jeder Sitzung und jeder Veranstaltung ist nur gegen Karten gestattet, die für jede einzelne V c,r a 11 s t a 11 u n g besonders ausgegeben w erden. Die Einlaßkarten für die V c r 11 a 11 d I u n g e n kosten für jede Sitzung Kr. 1.— (M. 0.85, Frs. 1,03, Rbl. 0,40, 1)011. 0,20, 10 d.). Es finden elf Sitzungen des Kongresses statt. Da schon jetzt eine grolle Zahl von Bestellungen auf Einlaßkarten vorliegen und eine äußerst starke Beteiligung zu erwarten ist, empfichlt cs sich, die Karten im Vorverkauf zu bestellen. Hie (Jchilhren für Karten im Vorverkauf betrugen: Eröffnungssitzung Jede weitere Sitzung *kmtlifhe Plätze Sitz Isigensitz Kr. 3,- Kr. 1,30 Kr. 3,— M. 2,»0 M. 1,30 M. 2,1.0 Fr. 3,20 Fr. 1,1.0 Fr. 3.20 KM. 1,20 Hbl. 0,(50 Rbl. 4,20 1)011. %«0 Holl. 0,30 Holl. OJiO 811. 2,*> Sh. 1,3 Sh. 2,ti Sämtliche Verhandlungen Sitz Logen sitz 1. X Kr 3.3,• M 15,(10 M. 28,00 Fr. 111,20 Fr. 35,20 K bl. 7,20 Rbl. 13,20 11011. 3,•so Holl. H.110 Sh. 15,ft £ 1,7,0 Bestellungen für Einlaßkarten zu den Verhandlungen sind unter gleichzeitiger Einsendung des Betrages an das Kongreßbureau zu richten. Bestcllungen, welche ohne Einsendung der entsprechenden Geldbeträge erfolgen, müssen unberücksichtigt bleiben und können nicht beantwortet werden. Wegen der Karten zu den allgemeinen Vera 11staltungen folgen demnächst nähere Angaben. Da für Ordner schön jetzt hinreichend gesorgt ist, kann auf Einlaß durch Beteiligung am Ordnerdienst nicht gerechnet werden. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß auch P r e ß k a r t c n nur in ganz beschränkter Anzahl ausgegeben werden könne n. Hebräische Kurse Am M< ntag, den 9. Juni, beginnt in Berlin ein hebräischer Kursus für Anfänger. Personen, die sich etwa noch beteiligen wollen, werden höfl. um u nt - gehende Mitteilung ersucht. Das Honorar für den ganzen Kursus (bis Anfang August) beträgt (1 M. Der Unterricht findet Montags und Donnerstags von 8Va bis 10 Uhr abends statt. Es wird auch die Einrichtung eines hehr. Kursus für etwas Vorgeschrittene beabsichtigt, falls sich hinreichend Teilnehmer melden werden. Wir bitten daher diejenigen, die an einem solchen Kursus teilnehmen wollen, uns ihre Adresse gefl. umgehend angeben zu wollen. Das Deutsche L a 11 d c s k 0 וזו i t e e der ״Organisation für hebräische Sprache und Kultur“, Berlin-Charlottenburg, Kuntstr. 93. Mitteilungen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland ״ Wir bitten hierdurch unsere rednerisch befähigten Gesinnungsgenossen, die ihre Sommerferien in Norderncy verbringen, sieh auf der Hin- oder Rückfahrt unserer zionistischen Ortsgruppe Emden für einen Vortrag zur Verfügung zu stellen. Vermiitlung übernimmt unser Bureau. Wir bitten alle. Oesinnungsgenossen, die nach H a rz b u r g, T h a I e, Sti d e rod e und Schierke im Harz reisen, dies dem Vorsitzenden des Gruppenverbände* für Mitteldeutschland, Herrn Isaak Feuer* fing, Halberstadt, Roonstraßc 14, mitzuteilen. Der Gnippenverband beabsichtigt auch in diesem Jahre ,n den genannten Kurorten Versammlungen zu verantUUtn. 55 AUS ALLER WEIT » l De utselilon d Die Landesverrats-Affäre des österreichischen Obersten Redl in Prag gibt auch den ״Deutsch- Sozialen Blättern“ Anlaß zu Betrachtungen. Sie sind allerdings danach. Das Organ der Partei Lattmann macht darauf aufmerksam, daß nach dem Fall Hofriclitcr jetzt der Fall Redl im österreichischen Heere vorgekoiiuneii sei. Leider sind nun aber die beiden genannten Männer unverfälschte Arier und selbst mit Hilfe der Leide vom Semigotha ist in ihren Adern kein jüdisches Blut naehztiweisen. Trotzdem bekammen es die ״Deutsch-Soziale» Blätter‘‘ fertig, die Angelegenheit im antisemitischen Sinne nusz.uschlachtet!, indem sie schreiben: ״Es muß doch manches Faule im österreichischen Offizierkorps sein. Ob daran die starke Vcrjtidiing mit ihren unver-!!!eidlich erscheinenden Begleitumständen völlig tutschuldig ist?“ Also: zwei christliche Offiziere begehen gemeine Verbrechen, während jüdische Offiziere weder in diese Affären verwickelt sind, noch sich sonst etwas haben zuschulden kommen lassen. Trotzdem sind die Fälle Redl und Hofrichter Folgen der ״Verjudung“ des Offizierkorps. Das ist schon Wahnsinn, in dem keine Methode mehr steckt! Aber die ״Deutsch-Sozialen Blätter“ glauben offenbar, ihren Lesern alles bieten zu können. Oesterreich Den Akt der Notwehr, zu dem die jüdischuationuleti Studenten Wiens im Laufe der letzten Wochen gegenüber den detitselmationalen Ehrabschneidern geschritten sind, hat ihnen bereits einen moralischen Erfolg eingebracht: Der akademische Senat der Wiener Universität erließ am 2. Juni eine Kundmachung an die Studentenschaft, worin er die Studenten zur Rückkehr und Ordnung auf akademischem Boden aiiffordcrt, damit die Maßnahmen vermieden werden, die ihnen zu schwerem Nachteil gereichen würden. Der Senat verurteilt gemäß seinem schon eiligenommenen Standpunkt die sogenannten Waidhofcner Beschlüsse. Er betrachtet den Vorwurf der Ehrlosigkeit gegenüber jüdischen Studenten als schwere Beleidigung. Er werde stets die Angriffe von Stu* dierenden auf ihre Kommilitonen anderer Nation oder Konfession mit empfindlichen Strafen belegen. Andererseits müsse der Senat dabei beharren, daß eine in Tätlichkeiten ausartende Selbsthilfe von ihm stets werde geahndet werden. Die Forderung der jüdischnationalen Studentenschaft, alle Verbindungen zu suspendieren, die sich die Waidhofcner Beschlüsse zur Richtschnur nehmen, falle nicht in die Kompetenz des Senates. England Aus London wird gemeldet, daß die Ito ihre Tätigkeit, die bisher in der Fürsorge für die nach Galvcston Auswandcrnden bestand wegen Geldmangels einstellt. Diesen Zweig der tmigrantenfürsorge wird von nun an die lea übernehmen. Daß die Ito dieses Werk, dessen Nutzen und wohltätige Wirkung von niemandem angezweifelt wird nicht mehr weiterzuführen vermag, zeugt von• einer organisatarischen Schwache, die den Initiatoren der Ge- Seilschaft kaum den Mut gehen dürfte, zu ihrem nationalpolitischen Programm zurückzukcltrcn. * In London starb in der Vorwoche, im Alter von wenig über 50 Jahren Isak Suwalsky, der Redakteur des ״H a j e h u d i“, des einzigen hebräischen Blattes in England. Sechzehn Jahre lang hat er mit großer Zähigkeit das Unternehmen gehalten und nun nach seinem Tode ist kaum mit dem Fortbestehen des 11:1״ j e hu<1 i“ zu rechnen. Frankreich Wir Zionisten haben es seit langem bedauert, daß die ״Alliance Israclite Universelle", die bereits im Jahre 1870 durch die Begründung von ״Mikweh Israel“ ihr Wirken in Palästina mitgenommen hat, diese Tätigkeit in den letzten Jahren immer mehr hat in den Hintergrund treten lassen. Wenn nun den Worten, die Herr S. Bi gart, der Sekretär der A.l.U. jüngst in der Pariser jüdischen Volks• Universität gesprochen hat, Taten folgen werden, so ist eine überaus erfreuliche Acndcrunß der Alliance- Politik im Sinne unserer zionistischen Forderungen zu erwarten. Herr Bigart sagte tt. a., daß gewisse Umstände leider die Alliance daran gehindert haben, dem Werke in Palästina die Sorgfalt und die Mittel zuzuwenden, die ursprünglich dafür gedacht waren, so daß die Entwicklung viel zu langsam vor sich ging. Dies solle jetzt aber anders werde«. Das Komitee habe beschlossen mit größter Energie au die Ausgestaltung des begonnenen Werkes iKran/u^clK’ii, Die erste Aufgabe!sei die Fürsorge für die schulentlassene Jugend. Natürlich ist aus dieser Erklärung nicht zu ersehen, in welchem Ihnfange Mittel für Paiästin,!zwecke bereit gestellt wer* den sollen und mich darüber, oh eine Reform des Schul wesens im Sinne einer hebräisch •palästinischen Erziehung geplant ist, verlautet noch nichts. Hoffen wir, daß das gesamte Alliance-Werk» auf dem Wege, den Herr Bigart angedeutet hat, einer Verjüngung entgegengellt! Daß der Palästinagedanke über kurz oder lang auch hier den Sieg davontragen muß, war uns me zweifelhaft und wird nun hoffentlich in nicht allzu ferner Zeit zur Wirklichkeit werden. Türkei Vor einigen Monaten beschloß das Kricgsmimsu•. rium, eine strategischen Zwecken dienende Bahn un/iilegcn, die rund um die Hauptstadt fuhren sollte. Die Träte führte hierbei auch über den alten jüdiselten Friedhof von Haskeny. Dieser Dcgrähnisphitz ist der älteste und berühmteste Konstantinopcls und enthält eine Anzahl von Gräbern angesehener k,d>- bitter und Gelehrter, die trotz ihres ehrwürdigen Alters von mehreren hundert Jahren sämtlich gut erhalten sind. Der Ban der Bahn wurde mit besonderer Eile in Angriff genommen, wurde aber wenige Tage später suspendiert, da das Großrnhhiuat energischen Einspruch erhoben hatte. Acht Monate lang wurde nun nichts weiter in der Angelegenheit veranlaßt bis nun endlich vor wenigen Tagen die Regierung an das GroBrabhinat mit dem Ersuchen herantrat, sich endgültig zu entscheiden, da die Bahn int Interesse der Landesverteidigung eine unabweisbare Notwendigkeit sei. Gleichzeitig teilte der Kriegsminister mit, daß er bereit sei, für irgendeinen materiellen Sc haden, der entstehen könnte, aufzukoinmen. Infolgedessen berief der große ״Beth Din“ eine besondere Sitzung, in deren Verlauf inan sielt mit Rücksicht auf die Interessen der Landesverteidigung entschloß, der Weiterführung des Kahnbaues zuzustimmen und die Gebeine unter den üblichen Zeremonien /u exhumieren und auf Regierungskosten wieder zu bestatten. Die Regierung hat dem Vorschlag bereitwillig zugcstiimnt. * Zur bevorstehenden Jahresinspektion der tiirkisehen Rcichsfinan/en sinef unter anderen auch drei Juden ernannt worden: Zia Bej Malalon für eine Inspektionstourncc im Wilajcte Bassorah, Ferid Bej Assco für den Bezirk Wan-Bitlis, und Zeki Bej Havon erhielt den Auftrag zur Reorganisation und Leitung des Personaldicnstcs am Ministerium der Posten und Telegraphen. Die Volkszählung auf der Insel Rhodus, die der italienische General Amcgtio vornehmen ließ, hatte das interessante Ergebnis, daß es die Tatsache der relativen Majorität ucr jüdischen Bevölkerung in der Stadt Rhodus feststelltc. Es wurden nämlich gezählt: '3890 Muselmanen, 4290 Juden, 4246 Griechen und 1118 Katholiken. Von der Gesamtbevölkerung der Insel dagegen machen die Juden ungefähr ein Siebentel aus. Tunis Unsere Gesinnungsgenossen in Tunis unternehmen die Herausgabe einer Monatsschrift in jüdisch-arabischen Dialekt, ״Kol-Zion“, deren erste Nummer soeben erschienen ist. Bulgarien l)r. Ehrenpreis, der Großrabbiner von Bulgarien, weilt zurzeit in London und!nachte einem Austräger interessante Angaben über die jüdische Bcvölkcrttng seines Heimatlandes. Wir entnehmen dein Interview u. a., daß bei einer Gesamtbevölkerung von 45 000 Juden 5000 in die Front eintraten, von denen 400—500 fielen. Sowohl die Zahl der Kombattanten, als auch die der Gefallenen ist ganz außerordentlich hoch, und man müßte es als doppelt unrecht etnpfinden wenn das Land eine immerhin beträchtliche Anzahl seiner jüdischen Bürger in den abzutretenden Gebieten ohne Vorbehalt der rumänischen Willkür auslicfcrte. TURnen 5.sport Potsdam—Berlin Die Bar Kochba-Mannschaft placiert,sich als 15 te unter 57. Sportliche Erfahrung führt unseren Har Kochbauern immer wieder die Richtigkeit des Satzes vor Augen, daß ein jeder Stillstand einen Rückschritt bedeute. So wußten sie auch sehr wohl, daß sie in der Rangordnung der Berliner Turn- und Sportvereine, die alljährlich durch den Stafettenlauf Putdam- Berlin bestimmt wird, unweigerlich dem Abstieg verfallen mußten, wenn sie mit dem allgemeinen Fortschritt der «()örtlichen Entwicklung in Berlin nicht Schritt hielten. Diese Einsicht leitete jeden einzelnen ans der Mannschaft bei seinen Vorbereitungen für das Rennen und spornte ihn zu besonders gewissenhaften! Training an. Das Ergebnis hat den ntifgewandten Fleiß und die opfervolle Arbeit der techmscheu Leitung gelohnt: Die Mannschaft, die im Vorjalire unter 51 Mannschaften als 17 te einlief, konnte sieh diesmal als 15 te unter 57 placieren. Die Bedeuümg dieses Erfolges wird der mit den spurtliehen Verhältnissen Berlins nicht Vertraute kaum abschätzen können. Es sei nur gesagt, daß der Bar Kochba die Mannschaften alter und erfolgreicher Sport- und Turnvereine hinter sieh ließ, und daß mir eine der Militärmannschaften, die aus einem so überaus zahlreichen Material ihre Auslese zu treffen vermögen, vor ihm cinlief. Die Mannschaft ist sich aber auch bewußt, daß ihr im nächsten Jahre ei״ weiteres Aufrücken beschicdcn sein kann, wenn der