Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVIII (1913)
- Issue
- Heft 22 (30.5.1913)
- Date
- 1913-05-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2651815-2651838--08973-2666264- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 22 IUEOISCHH n II MD?.CH AU Seite 221 bei der Anstellung jüdischer Oberlehrer betätigt. David weiß nicht, daß an königlichen Anstalten von diesen 75 Oberlehrern nur verschwindend wenige angestellt sind und daß es nie Zufall ist, wenn in den Städten mit starker jüdischer Bevölkerung, die er nennt - Hannover, Cöln, löüsseldorf usw. — i(Cin jüdischer Oberlehrer ist; sondern das liegt an den Herren Stadtverordneten, den Herren Stadtschul• raten und anderen Instanzen, mögen diese sich nun liberal oder anders nennen. Wenn heute etwa 40 bis 50 jüdische junge Leute sich dem Obcrlclircrbcruf statt der Jura oder Medizin zuweiideten, wären die Folgen davon: Ein Geschrei der christlichen Oberlehrer über die ״Verjudung ihres Berufes“; Haß der anstellungsfähigcn christlichen Kandidaten, die jetzt schon so wie so lange genug warten nrtissen, über die jüdische Konkurrenz. Also 40 bis 50 Juden würden statt mit Ende Zwanzig, erst Ende der dreifliger Jahre in eine feste Lebensstellung kommen, und »kr Antisemitismus der christlichen Oberlehrer würde ans wirtschaftlichen Gründen neue Nahrung bekommen, selbst wenn die rasscitiäßigen durch die Zusammenarbeit mit jüdischen Kollegen (die ja doch nur für einen sehr geringen Prozentsatz von ihnen in Betracht kommt), bei ihnen an Boden verlieren sollten, ich entschieden bezweifle. Dagegen ist die Forderung Davids nach objektiv-uisscnsdiaftlichcr Literatur über das Judentum zu begrüßen, wenn ich tnir auch nicht viel Erfolg davon v erspreche. Seinen Vorschlag dagegen, daß die liberalen Zeitungen für Oberlehrer einen ermäßigten Abonnentenpreis fcstsctzen sollten, halte ich für einen schlechten Witz. Gebildete Leute wiihlpn ihre Zeitungslektüre nach ihrer Parteizugehörigkeit, nicht nach der Differenz des Abunncntenprciscs um ein paar Mark. Um sich vor dem endgültigen Zusammenbruch zu bcwahren, wird die Staatsbürger-Zeitung gut daran tun, den Gedanken Davids aufzunehmcn und Juden ermäßigte Preise zu gewähren: der Erfolg wäre ungcheuer! Mit solch phantastischen, weltfremden Ideen wie sie Herr Dr. David aus Bochum in seiner Perle entwickelt hat, erreicht man weniger als nichts. Wenn er die Zeit, die er darauf verwandt hat, mit einem Privatissimum für jüdische Eltern ansgcfüllt und das Thema ״Schule und Haus“ mit besonderer Beziehung luf «las jüdische Haus ausgcsponneii hätte, dann würde er eine der zahlreichen Wurzeln des bei Ober- Ithrern herrschenden Antisemitismus bloß gelegt haben; mir von hier aus kann dem Antisemitismus an den Schulen Abbruch getan und ein merkbarer Einfluß ml die Gesinnung der Lehrer ausgeübt werden. Da!her David diesen Gedanken in zwei Sätzchen abfertigt, so bleiben seine Vorschläge wertlos und man hat insbesondere die Pflicht, jüdische Abiturienten vor ihrer Befolgung dringend zu warnen. TURnen 5-sport Der Stafettenlauf Potsdam—Berlin Am kommenden Sonntag wird diese große sportliehe Prüfung zum sechsten Male ausgetragen und zum dritten Male hat eilte jüdische Mannschaft, die de« Timivereins Bar Kochba, ihre lleteiligimg zugevi;:t. Zinn ersten Male beteiligten wir uns mm Jahre Ull inul vermochten unter 38 Mannschaften den 2I. Platz zu belegen. Das war ein Ergebnis, mit dem wir für den Anfang zufrieden sein konnten, zumal die Sportabtciluug des Vereins damals noch zecht jungen Datums war. Das Vorjahr zeigte dann sclmit einen recht achtbaren Fortschritt, indem unser Schlußmann als 17. unter 51 Mannschaften einlief, ttisinal haben 57 Mannschaften mit 275(1 Läufern Ire Meldung abgegeben. Obwohl mit einer allgeweinen Formverbesserung unserer Gegner zu rechnen ®י. gellt der Bar Kochba mit weit besseren Chancen als im Vorjahre ins Rennen, Der Eifer und die Gewissenhaftigkeit, die unsere Leute beim vorweitenden Training an den Tag legten, läßt ein gutes Abschneidern erhoffen, und die Organisation, die in den bewährten Händen unseres Nathan K a - zuinski liegt, dürfte wohl von keinem unserer ״'per übertroffen werden. Die organisatorischen Anforderungen, die an die teilnehmenden Vereine I'stellt werden, sind nämlich keineswegs geringer. )|C sportliche Aufgabe, die der einzelnen Mannschaft stellt ist, ist folgende: Auf der etwa 25 km langen trecke von der Glienicker Brücke in Potsdam bis Hismarckdenkmal auf dem Königsplatz in Berlin?5 »״« Läufer zu verteilen. Auf ein Startzeichen ״u[t von Potsdam je ein Mann jeder Mannschaft ■0 und übergibt seinem zunächststehenden Kämesacn cinc Rolle, in der eine Urkunde enthalten ist. Weser übergibt sie dem nächsten und so fort bis 11«lieh der 50. Läufer das Ziel am Bisinarckdcnkmal jnt l)ie Mannschaft des Läufers, der zuerst ״״*״״rot. ist Sieger. Aber auch um die übrige kamt *ie en<sPinnt sich jedesmal ein erbitterter im T‘ ^uff7abe der Vereinsleitungen ist es nun, t. Laufe der Wochen, die dem Rennen vorherauf Grund sorgfältiger Prüfungen mit der 111fWv״J11 der Hand, aus dem Läufermaterial, das Verfügung steht, die tüchtigsten Leute auszu* wählen und ihnen nach Maßgabe ihrer körperlichen Eignung ihre Strecke ztizuweiscn. Nicht jeder Läufer eignet sich nämlich gerade für die Durchschnitts* strecke von 500 m, die auf einen jeden entfällt. Der eine wird schon bei einer Strecke von 400 m sein relativ bestes Können zeigen, wahrend man einem anderen ruhig 800 111 anvertraucn kann, ohne daß er sein Tempo beträchtlich verlangsamt. Eine kluge und von rein sportlichen Gesichtspunkten getroffene Auswahl ist hier in hohem Maße für den Erfolg entscheidend. Wie in den Vorjahren, werden auch diesmal die Zionisten Berlins an dem Abschncidcn unserer natioiialjüdischen Mannschaft ein hohes Interesse nehmen und sich kurz nach neun Uhr, wenn das Eintreffen der ersten Läufer am Rismarckdcnkmal zu erwarten ist, am Ziel cinfindcn. Um 11 Uhr findet im Restaurant von Kistcnmachcr, in den Zelten, die Preisverteilung statt. Der Ablauf in Potsdam ist auf 8 Uhr morgens festgesetzt. ׳ PA LScSTIi; A•״ U ii DSCHflU Die Regierungssteuern von Pethach-Tikwah betragen im laufenden Jahre ca. 85 000 Frcs.; die Gemeindesteuern 83067 Frcs. Die Kosten für die Bewachung der Pflanzungen machen allein mehr als 30 000 Frcs. aus. — Der Vorstand der Kolonie hat beschlossen, einen zweiten Arzt für die Kolonie zu engagieren. — Im abgelaufcnen Jahre arbeiteten aus den benachbarten arabischen Dörfern in der Kolonie 1100 Männer und 1200 Frauen und Kinder. « AUS ALLER WELT Russland In letzter Zeit häufen sich die Masscnauswcisungen von Juden aus verschiedenen Gebieten des russischen Reiches. Ein soeben erlassener Befehl des Kommandierenden des Wiliiacr Militärbezirks Gene-!׳als v. Rcnnenkampf bietet einen Beweis für die Tatsache, daß die Judenverfolgung auch auf anderen Gebieten gegenwärtig in Rußland mit Hochdruck betrieben wird, Der General verbietet den Offizieren, sich auf der Straße ln Gesellschaft jüdischer Bekannter zu zeigen. Uebcr die strenge Durchführimg dieser Verordnung haben der Stadtkommandant und seine Adjutanten zu wachen. Dieser Befehl hat unter den Offizieren selbst große Empörung her* vorgerufen, Bulgarien Der Warschauer ״Haint“ erhielt von seinem Korrespondenten aus Sofia die folgende bedeutsame Meldung: Trotzdem die Lage der Juden auf dem Baik.ui bisher noch eine völlig ungeklärte ist und Bulgarien sich vorläufig in einem geradezu schreck* liehen wirtschaftlichen ,Zustmulc befindet, zeigt sich dennoch schon eine starke Tendenz für eine jüdische Einwanderung nach Bulgarien. Aus den verschiede* neu Orten Galiziens und Rußlands, ja sogar aus Deutschland kommen Anfragen von jüdischen Vcr* treten! aller Berufe nach Sofia, in denen der Entschluß sich kuiidgiht, nach Bulgarien auszuwandern, und Erkundigungen über die dortigen Lcbciisbedingimgcn ciugcholt werden. Da cs in Sofia keine speziellen Infoniiütiorisbiircaus für Eniigrationsaiigelcgciilieitcii gibt, so bleiben diese Anfragen, die in allzu großer Zahl einliingen, bis auf weiteres unbeantwortet. Im allgemeinen aber muß darauf hingewicsen werden, daß Bulgarien ein Ackcrbnulnnd ist, in welchem sich die Industrie mir sehr schwach entwickelt. Das Land macht jetzt nach dem Kriege eine große wirtschaftliche Krise durch, und cs muß daher vor einer größeren Zu* Wanderung von Juden mit allem Nachdruck gewarnt werden. Dies um so mehr, als cs durchaus nicht unwahrscheinlich ist, daß die Regierung, um einer weiteren Verschärfung der Krise vorzubeugen, einer solchen Art von Einwanderung Schwierigkeiten in den Weg legen würde. Amerika Die amerikanischen Juden haben dieser Tage eine Aktion initiiert, welche auch in Europa nachgeahmt werden sollte. Es ist das die energische und tatkräftige Stellungnahme gegen den in Amerika überband nehmenden Unfug, unter dem Vorwände, jüdisclie Charaktere darzustellen, die Juden auf der Bühne zu verunglimpfen. Diese Aktion hat in Chicago bereits feste Formen angenommen, indem sich dort eine Liga der jüdischen Theaterbesucher gebildet hat, mit dem Zwecke, jene Theater und Varietees, auf deren Bühnen jüdische Charaktere in tendenziös entstellter und verhöhnender Weise dargestellt werden, zu boykottieren. Die Liga hat zu diesem Zwecke einen Uebcrwachungsdicnst eingesetzt, der ausgezeichnet funktioniert. Da auch in Amerika die Juden zu den fleißigsten Theaterbesuchern zählen, wird diese energische Abwehr sicherlich ihren Zweck nicht verfehlen, ״ י * Z Amerikanische Blatter melden, daß in Halifax gegen den dortigen Schächter Abraham L e v i t die Gesellschaft für Tierschutz einen Prozeß angestrebt hat, um eine prinzipielle Entscheidung darüber zu provozieren, ob das Schachten vom Gesichtspunkte des Tierschutzes nicht strafbar ist. Das Gericht von Halifax ging darauf ein und verurteilte nach Anhörung der beiderseitigen Vertreter den Schächter Levit zu einer Geldstrafe von 6 Dollar und zur Tragung samtlieber Gerichtskosten. Dieses Urteil hat begreiflicherweise unter den Juden von Halifax einen unange* nehmen Eindruck hervorgerufen, und da den gesetzes* treuen Juden von Halifax auch die Möglichkeit, rituell geschlachtetes Fleisch von auswärts zu beschaffen, fehlt, haben sich mehrere jüdische Familien ent* schlossen, aus der Stadt auszuwandern. Man erwartet ein Eingreifen der Regierung gegen diese systema* tische Verfolgung der jüdischen Schlachtmethoden. Kanada Der gewesene Ministerpräsident von Kanada, Wilfried Cauricr, hat durch eine energisch in Angriff genommene Aktion nunmehr auch in Kanada die Frage der Anerkennung der kanadischen Pässe jüdischer Bürger in Rußland aufs Tapet gebracht. Angeregt wurde diese Aktion durch folgenden Fall: Vor vielen Jahren wanderten drei russische Juden nach Kanada aus und wurden dort, nachdem sie allen gesetzlichen Vorbedingungen entsprochen hatten, vollwertige englische Bürger. Diese drei Bürger de• britischen Reiches hatten, mit ihren kanadischen Pässen versehen, vor einiger Zeit ihre Verwandten in Rußland besucht, Wo sie bei vollständiger Ignorierung ihrer Dokumente verhaftet und zur Verschickung nach Sibirien verurteilt wurden. Der gewesene Minister- Präsident fordert nun, daß Kanada sich ihrer Bürger annehme, denn cs sei ein öffentlicher Skandal, daß England die Bürger Kanadas nicht in Schutz nehmen will. Infolge dieser Intervention hat die gegenwärtige kanadische Regierung beschlossen, die Angelegenheit dem Justizdepartement zur schleunigen Berichterstattung zu überweisen und von demselben Vor* schlage darüber abzuvcrlangen. aut welche Weise für die genannten drei jüdischen Bürger Kanadas sofort das Nötige veranlaßt werden könnte und durch welche Mittel die Wiederholung solcher Fälle hintangchaltcn werden könnte. soniSTisciie Beuesuno Gesinnungsgenossen! Die großartigen Vorbereitungen, die die gesamte zionistische Organisation für den XI. Kongreß ln Wien trifft, lassen erwarten, daß dieser Kongreß sich zu einer machtvollen Kundgebung des zionistischen Gedankens gestalten wird. Der Eindruck des Kon* grosses soll aber nicht nur ein vorübergehender sein, sondern seine Verhandlungen sollen der weiten jü* dischcn Öffentlichkeit dartun, was der Zionismus an positiven Leistungen für das jüdische Volk auf* zuweisen hat. Deswegen ist cs unsere Pflicht, den Berichten über den XI. Zionistenkongreß Eingang in alle jüdischen Kreise zu verschaffen. Die einzig authentischen Bcr ichte über die Kongreß Verhandlungen wird dicKongrc fl ausgabe d c r ״W e 1t“ b r i n g e n. Wir wenden uns ganz besonders an unsere öe* 8 i 11 n 11 n g s g c n o s s c n in Deutschland mit der dringenden Bitte, uns bei der Verbreitung der Kongreßaiisgabe mit allen Kräften zu unterstützen. Ein wirkungsvoller Prospekt für die Kongrcßausgäbe erscheint in den nächsten Tagen. Wir bitten alle Gesinnungsgenossen, die für die Werbung von Abonnenten diesen Prospekt benötigen, umgehend eine beliebige Anzahl mittels der der heutigen Nummer beigclcgtcn Karte zu bestellen. Durch eine Vermehrung der Nummernzalil von fünf auf sechs sowie eine wesentliche Verstärkung des Umfanges werden die Kosten der Kongrcßausgäbe diesmal bedeutend höher, als in den früheren Jahren. — Wir sehen uns daher veranlaßt, von den ständigen und neu cintrctenden Abonnenten der ״Welt“, die auf die Zustellung der Kongreßausgabe reflektieren, eine Nachzahlung in Höhe des halben Bezugspreises zu verlangen. Der Preis der Kongreßausgabe (6 Nummern) be* trägt M. 2.40; Kr. 2.80; Rbl. 1.30; sh. 2.10; Hfl. 1.70; Doll. 0.70; Frcs, 3.60. Die Nachzahlung für die Abonnenten der ״Welt'* betragt M. 1.20; Kr. 1.40; Rbl. 0.65; sh. 1/5; Hfl. 0.85; Doll. 0.35; Frcs. 1.80. Bestellungen (nur gegen Vorausbezahlung) nehmen entgegen: der Verlag und sämtliche Annahmestellen der ״Welt“. Mitteilungen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland In einer mittleren Stadt Obcrschlesiens bietet sich sofort Niederlassungsmöglichkcit für einen Arzt. Von den vorhandenen zwei Acrztcn ist der eine plötzlich unheilbar erkrankt. Krankenkasse mit 1500 M. Fixum ist gesichert. Aussichten für Privatpraxis günstig. Anfragen sind umgehend an unser Bureau zu richten. I