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Jüdische Rundschau · 1913-05-02 · Heft 18 (2.5.1913) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 18 (2.5.1913)
Date
1913-05-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 182 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 18 R AUS ALL£R W£IT •־ Russland Der nationalistische Erzbischof Antonius von Wolhynien veröffentlich im ״Sewero-Sapadny Golos“ eine Zuschrift, in welcher er sich in scharfen Worten gegen das Ritualmordmärchen wendet. Es heißt darin: ״Die Feindseligkeit gegen die Juden nimmt wahnwitzige Formen an. Das Volk, das Christus vergessen hat, walzt auf die Juden che schwere Beschuldigung des Rifualinordcs. Die U11wissenlieit der Menschen geht so weit, daß sie sogar behaupten, in der Bibel werde der Gebrauch von Blut für Osterbrot erwähnt. Die ״jüdischen Blatter“ lieben mich nicht, aber ich erkläre im Namen der Gerechtigkeit: Die Juden gebrauchen kein Menschen• bltit zu religiösen Zwecken, die Verleumder verstehen nicht, was in der Heiligen Schrift steht. Viele hehaupten, es bestehe unter den Juden eine Sekte, welche Blut gebraucht. Ich erkläre, daß auch diese Behauptung unwahr ist, Es gibt jetzt seihst keine Meiden, die Blut gebrauchen. Audi der Kitabenmord in Kiew ist nichts als ein gemeiner Mord.“ Amerika ln New York fand am '21. April im grollen Saal der Cooper-Uniou ein Meeting unter dem Vorsitz von Herrn Dr. M a g 11 e s statt, bei dem die Herren Nahmt! Sokolow und Nathan Straus Ansprachen hielten. Herr Straus erklärte unter dem stürmischen Beifall der Versammlung, daß er sieh zum Programm des Zionismus voll und ganz bekenne und die Tätigkeif der zionistischen Organisation in jeder Weise fördern werde. Türkei lieber Vorschlag der Jiidengemtinde in Athen wurden gleidi nach Besetzung Salonikis durch die Griechen 20 jüdische junge Leute aus Griechenland als Gendarmen nach Saloniki gerufen. Diese halten sich so gut bewährt und auch die Juden von Saloniki haben diesen Gendarmen ein solches Zutrauen gezeigt, daß die griechische Regierung sidt veranlaßt sah, weitere 30 Juden aus Athen in die Gendarmerie für Saloniki aufzunchmcn. Ucberdies haben sich hekanntlich seinerzeit auch Salonikier Juden für diesen Dienst gemeldet und versehen denselben zur vollsten Zufriedenheit des Oberkommandos. Eingeweihte Kreise wollen wissen, daß die griechische Regierung die Absicht habe, in dem jüdischen Stadtteil von Saloniki allmählich den Verwaltungs- und Sicherlicitsdienst ganz von Juden besorgen zu lassen. * Der neugcwählte griechische Patriarch Germanos V. hat dem Chachain Baschi der Türkei in seiner Amtsresidenz einen Bestich abgestattet. Der Patriarch kam in Begleitung einer großen Anzahl von Prälaten, die Mitglieder dos heiligen Synods sind. Besonders angenehm berührte es, dall der Patriarch die Gelegenheit wahrnahm, dem ürolirabbiuer den Metropolit von Tsehesmc vorzustellen, der beauftragt war, in Gegenwart des Patriarchen und der Mitglieder des heiligen Synods das Bedauern darüber auszusprechen, daß in Tschesme vor kurzem die dortigen Juden wegen eines falschen Ritualmordgerüchtes in Unruhe versetzt wurden. Mit Zustimmung des Patriarehen gab der Metropolit die Erklärung ab, in Zukunft solche lügenhaften Ausstreuungen, an die kein vernünftiger Mensch glauben könne, im Keime zu ersticken. Die gesamte Presse von Konstantinopel gibt ihrer Genugtuung über diese Entrevuc Ausdruck. Spanien Aus Madrid wird gemeldet: Im Laufe der letzten Monate sind von ausgewanderten Juden aus Saloniki und anderen Städten der Küsten des Acgäischcn und Adriatischcn Meeres mehr als 8000 Gesuche um Naturalisation in Madrid gestellt worden. Den meisten dieser Gesucltc ist in wohlwollender Weise entsprochen worden. Die spanische Tätigkeit in Marokko beginnt nach der feierlichen Unterzeichnung des Vertrags mit zwei unterm gestrigen Datum erschienenen Dekreten, deren eines die Einfuhr spanischer Güter, das andere di« Organisation des öffentlichen Unterrichts zum Gegenstand hat. Das dem Unterricht betreffende Dekret kann als historische Merkwürdigkeit bezeichnet werden, denn zum erstenmal wieder seit Jahrhunierten erscheint da in einem amtlichen spanischen Dokument die staatliche Sorgfalt den Angelegenheiten der jüdischen Glaubensgemeinschaft zugewamlt. Neben den Vorkehrungen im Interesse des staatlichen Unterrichtswesens für Spanier und Mauren wird mimlieh verfügt, daß ״zur Gründung von Lehranstalten u d'״ Hcbriicr geschritten werden soll, die sich hauptsächlich der Pflege des spanisch-jüdischen Ritus und der spanischen Sprache zu widmen haben“. Als vorbereitende Maßregel wird im Mutterland selber ate Abhaltung eines akademischen Kurses über jüdischpanische Geschichte und Literatur vorgeschriebe״, aus dem dann die Gründung von Lehrstühlen für diese Materien hervorgelten soll. 1h *14 Wie der ,,Temps“ berichtet, hat Baron Edmund Rothschild durch Vermittlung des Chacham- Baschi Haiiu N a 1111111 in Koustantinopcl bei der türkischen Regierung um die Erlaubnis nncligcsuclit, in Palästina Gr a b 11 n g e!1 vorn c h m e 11 z u dürfen. Der ״Kcvcil“ aus Beirut teilt nun mit, daß die Konzession hierzu seitens der Regierung erteilt sei. Derselben Zeiuneldung zufolge beahsichtigt Baron Rothschild, in Jerusalem ein Museum zu begründen, in dem alle die Geschichte der Juden in Palästina betreffenden Objekte vereinigt werden sollen. Wie das Jerusalemer Blatt ״Hacheruth“ meldet, hat das Ehepaar T i e t z aus Deutschland anläßlich seiner jüngsten Anwesenheit in Palästina 15 000 M. mit der Bestimmung gestiftet, daß der Makkabivcrein in Jerusalem diese Summe als Fonds für den Bau eines hebräischen Theaters in J c r u s a I e in verwende. Der Bauplatz, der anstoßend an die Lämmelschule liegt, soll bereits erworben worden sein. * Die jüdische Siedlung im äußersten Süden Paliistinas, in Ci a z a, ging in letzter Zeit stark zurück und es blieben am Ende mir 16 Familien gegenüber 10 00t) Arabern. Jetzt ist jedoch die neue Kolonie Djemmali gegründet worden, und ,cs ist zu hoffen, daß der Einfluß dieser Kolonie dazu beitragen wird, das jüdische Element auch in den Städten z,u festigen. ♦ 1111 Aufträge des Jüdischen Instituts für technische Erziehung in Palästina reist der Direktor dieses Instituts, Herr Dr. A. Finkeistein, am 15. April nach Haifa, utn dort an Ort und Stelle die nötigen Vorherdtungen zu treffen für die Fortführung der Bauten und für die etwa in einem Jahre zu erwartende Eröffnung des Instituts. TURneii &SP0RT Die Turnfrage in den Jugend- Dem Delegicrtentage des Verbandes jüdischer Jugendvercine Deutschlands, der am 11. und 12. Mai (Pfingsten) in Frankfurt a. M. tagen wird, liegt u. a. ein Antrag des westdeutschen Bcz.irksvcrbanUes zur Turnfrage vor. Die Leitsätze, die da aufgcstellt werden, decken sich ungefähr mit den eigenartigen Anschauungen, die Herr Schu st er-Aachen vor einiger Zeit in den ״Mitteilungen“ des Verbandes zum besten gab. Sie sind interessant genug, um auch an dieser Stelle wiedergegeben zu werden: 1. Die Ausbildung des Körpers ist aus gesmidlieitliehen und erzieherischen Gründen eine der wichtigsten Aufgaben der dem Verbände angeschlossenen Vereine, 2. Den Verbandsvcreiucn wird empfohlen, in ihren Satzungen die Körperpflege als einen den geistigen und ethischen Bestrebungen gleichwertigen Faktor zum Ausdruck zu bringen, 3. Im Sinne unseres neutralen Programms ist die Pflege der Leibesübungen von einer Verquickung mit politischen und konfessionellen Sondcrbcstrehnngen fernzuhalten, 4. Jeder Verbandsvcrein setzt einen Ausschuß ein, welcher für Einrichtung, Durchführung und Pronngicrung der für die Körperpflege notwendigen Veranstaltungen Sorge trägt. 5. Die Veranstaltungen sind von sachkundigen Personen in steter Fühlungnahme mit den Vereins- Vorständen zu leiten. In den Vcreinsvorsländen soll wenigstens ein auf dein Gebiete der Körperpflege erfahrenes Mitglied vertreten sein. 6. Als die für unsere Vereine zweckmäßige Methode der Körperausbildung ist das Turnen zu bczcichneu, wie es vorbildlich in den zur Deutschen Turncrscbaft zusamnicngesclilossenen Turnvcreinen geübt wird. 7. Die ausschließliche Pflege einer bestimmten Sportayt, wie Schwimmen. Rudcrn; Kegeln, Tennis, Fußball usw., ist als unzureichend anztischcn, während sie als Teilveranstaltung in Anlehnung an eine Turnabteilung zweckmäßig sein kann, das gleiche gilt für Wanderfingen. 8. Wo örtliche Verhältnisse, z. B. zu geringe Mitgliederzahl, spärliche Mittel, Mangel an geeigneten Räumlichkeiten, die Einrichtungen eines Turnhetriebes erschweren, sind Turnspiele (Hallen- und Rasenspiele) oder, wenn auch das nicht möglich, wenigstens Turnwanderungen unter Leitung eines I urtiers, und zwar zweckentsprechend für die männliche und die weibliche Jugend getrennt ein- Zufuhren. Es ist aber fast immer gelöst mit ganz bescheidenen Mitteln möglich, sowohl Tumspiele als auch Turnen in geeigneter Weise im Freien ahzuhaltcu. 9. Die turnerische Erziehung, insbesondere auch die Heranbildung von Vorturnern, ist durch ein als Vorturner ausgebiidetes Mitglied, oder in Ermangelung eines solchen, durch einen besonders anzustellcndcn Turn wart — z. B. durch einen Vorturner eines allgemeinen Turnvereins — zu leiten. 10. Wo bereits jüdische Turnvereine bestehen, d!c den Voraussetzungen von Ziffer 3 entsprechen, ist statt der Einrichtung eigener Turnabende die Teilnahme an den Veranstaltungen dieser Vereine zu fördern. Durch unsere Tuniahteilungcn soll die IRtätigung unserer Mitglieder in den interkonfesnoitdlen Turnvereinen nicht beeinträchtigt werden, im Gegenteil ist es erwünscht, daß unsere Turner gleichzeitig auch der Deutschen Turnerschaft, in welcher sie aufklarend wirken können, als Mitgiieder angeboren. Wenn man sich erinnert, mit welchem Geschrei vor fünfzehn Jahren die Kunde von der Gründung der ersten jüdischen Turnvereine in Deutschland von unseren Assiinilantcn aufgenommen wurde, dann wird mau cs immerhin als ein erfreuliches Zeichen der Zeit werten müssen, mit welcher Selbstverständlichkeit diese selben Kreise ähnlichen Gedankengängen folgen, wie sie von ihnen so lange Jahre hindurch bekämpft wurden. Wie auf so vielen anderen Gebieten, werden sie auch hier versuchen, aus der Arbeit der National- Juden Nutzen zu ziehen und gleichzeitig die einzig möglichen Konsequenzen zu vermeiden. Der Versuch wird mißlingen und ihre Arbeit wird auch hier zur Unfruchtbarkeit verurteilt bleiben. Man wird unschwer erkennen, daß Absatz 3 und 10 sich gegen die Mitgliedschaft in den Vereinen des Deutschen Kreises der Jüdischen Turnerschaft richten und es wäre korrekter und ehrlicher zugleich, wenn das auch im Wortlaut klar zum Ausdruck käme. Denn an und für sich trifft der Ausdruck ״Verquickung mit konfessionellen und politischen Sonilerbestrebungen“ die jüdisch-nationale Tendenz der ״Jüdischen Turnerschaft“ durchaus nicht. ״Konfessionelle Sonderbcstrcbungcn“ in der Turnerei — wenn man dieses Wort nach Assimilantenart schon auf jüdische Dinge an wenden will — halten auch wir für unnötig und verurteilen sie vom jüdi* * sehen Standpunkt sowohl wie von dem des Turners und deutschen Staatsbürgers. Die ״Deutsche Turner- Schaft“ steht, genau wie der Zcntralvcrcin deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, auf streng deutschnationalem Boden. Eine jede Nummer ihres offiziellen Organs und eine jede Verlautbarung ihrer Leitung erbringt von neuem den Beweis. Sie ist nicht antisemitisch, wenn sic auch gegen die asemitische Tendenz, einzelner ihr angeschlossencr Vereine nichts einzuwenden hat und neuerdings den antisemitischen Turnkreis Dcuischöstcrreich zu ihrem Leipziger Turnfest offiziell geladen hat. Für einen ״Konfcssions“• Juden besteht also kein Grund, sich dem Verbände fernzuhalten, zumal, wenn er sich taktvoll von Weihnachtsfeiern, Eisbeincsscn, Turnen am Freitag abend und ähnlichem aussclilicßt. Wenn der ״Verband jüdischer Jugendvereinc Deutschlands“ dennoch den Versuch macht, der großen ״Deutschen Turnerschaft“ Konkurrenz zu machen - denn um eine solche muß es sich trotz aller Ablettgnung handeln — so wird er uns eine Erklärung seiner Motive, — die ja weder nationale noch konfessionelle sein sollen — schuldig sein. Diese Klarstellung aber vermissen wir in der weitläufigen, 10 Punkte umfassenden Resolution. Denn wenn es dem Verbände wirklich nur darum zu tun wäre, seine Mitglieder körp! rlieh zu schulen, dann wäre der Weg, den er beschriften hat, der denkbar ungeeignetste, um zum Ziele zu gelangen. Man wird der turnerischen und organisatoiisehen Erfahrung der Herren Schuster und Gcnossen alles mögliche Zutrauen entgegenbringen können und doch bezweifeln müssen, daß der Betrieb, der sich in diesen Neugründungen entwich׳ in wird, den Vergleich mit den alten und bewährt! n Vereinen der ״Deutschen Turnerschaft“ jemals wird aufnehmen können. Die Herren scheinen die Schwicrigkeiten solch eines Unternehmens überhaupt zu unterschätzen. Eine nähere Beschäftigung mit der Geschichte der ״Jüdischen Turnerschaft“ hätte sie bclehren können, welcher Mühen und aufopfernden Arbeit es bedurfte, um diese Organisation zu ihrer heutigen Bedeutung zu bringen. Wer wirklich die Turnsachc in den Reihen der deutschen Juden fördern will, und unsere nationale Turnerschaft ablehnt, ohne ״konfessionellen Sonderbestrebungen“ zu huldigen, für den gibt es, wenn er ehrlich sein will, nur eine Möglichkeit: Die eifrige und vorbehaltlose Propaganda zum Beitritt zur ״Deutsehen Turnerschaft“! Was die Herren aber wollen, das sind gerade jene konfessionellen Sondcrbcstrebungen kleinlichster Art, die sie abzulehnen vorgeben. , Dem knappen halben Dutzend ״wilder“ jüdischer Turnvereine, die in Deutschland existieren, sollen die Jugendbündler helfen, ihr armseliges Dasein weiter zu fristen und die Betätigung in den ״interkonfessionellcn Turnvereinen“ soll nicht beeinträchtigt werden, ״>m Gegenteil, es ist erwünscht, daß unserer Turner gleichzeitig auch der Deutschen Turnerschaft, in welcher sie aufklärend wirken können, als Mitglieder angehören". Bleibt die Frage, ob den deutschen Turnern die ״Aufklärung“ der jüdischen Jugendbündler ״cf-

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