Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1913-04-18 · Heft 16 (18.4.1913) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 16 (18.4.1913)
Date
1913-04-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2651273-2651815-2651832--08907-2666192
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

Nr. 6 י JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 161 Ungarn Der gewesene ungarische Justizminister, Reichstagsa|,geordneter Gern Polonyi, hat ein neues I'ainplilct, betitelt: ״Die Wirkling des Geset/- ״ t w u r f e s über die Wahl der Reichs- I,, g s a b g e o r d 11 c t c n auf die K o n f e s s i - oiien“, erscheinen lassen. In Wirklichkeit lälit er die anderen Konfessionen so ziemlich in Ruhe und hescluiftigt sich ausschlielJlich mit den Juden. Er beginnt seine Tiraden damit, daß die Vorlage zum Schaden des Katholizismus das Judentum in auffallender Weise favorisiert und dessen Machteinfinit in bedenklicher Weise hebt und für das ganze (.hristentuni eine kaum mehr abstellbare Gefahr bc- (Inuit. Er verdächtigt die Regierung, dal) sie direkt den /weck verfolge, die katholischen Gläubigen zugiu.sten der Juden des politischen Einflusses zu berauben. Der Intelligenz-, Steuer- und VermögenszruMis, sämtliche Methoden und Kombinationen sollen diesen Zweck verfolgen. Auch die Altersbestimmung der Wähler von 24 bis 30 Jahren sei eine direkte, ׳,!ו!" Judentum bewilligte Belohnung, welche die Quistenheit mit von Jahr zu Jahr ununterbrochen abnehmendem Einflüsse bezahlen muH. Ein solches Wahlrecht habe nur derjenige erreichen können, der ne! st seinen Verbindungen mit dem Hause Rothschild auch aus anderen Gründen sich dem Judentum dankbar erweisen wolle. England Die Installation des neuen Oberrabbiners von l'rglniid, Dr, Hertz, fand nm Montag, den II, April, in der Great Synagogue statt. Da der neue Chief R.d.bi vor kurzem seinen Vater verloren hat, vollzog sich die Zeremonie der Amtseinführung in den einfuchsten Formen. Zahlreiche nicht jüdische Würdenträger, darunter der Lord Mayor von London und die Sheriffs, die in Amtstracht erschienen, wohnten dem feierlichen Akte bei. Frankreich Wie sehr böse Hcispiclc gute Sitten verderben, i-t in der Konferenz der französischen Medizinstu* liierenden, die kürzlich hier stattfand, wieder einmal /״tage getreten. Ganz nach deutschen Mustern wurde eine Resolution gefaßt, die sich dem Wortlaute nach zwar gegen alle ausländischen Studenten richtet, in Wirklichkeit aber lediglich ilic jüdischen Studicrenden aus Rußland treffen soll. Die französischen Mcdizinstudicrendeu fordern: 1. daß die Ausländer von dem Studium an den medizinischen Fakultäten Frankreichs vollständig ausgeschlossen werden sollen; 2. daß es den ausländischen Studenten im allgemeinen verwehrt sein soll, sich in Paris zu konzentrieren; es sind vielmehr Maßnahmen zu treffen, um ihre Verteilung über die Universitäten der I rovinz herbeizuführen; 3. daß künftig Ausländer zur Ausübung der ärztlichen Praxis in Frankreich nicht mehr zugelassen werden sollen, selbst wenn sie im Besitze eines französischen Diploms sind, und daß die bereits praktizierenden Ausländer zur Erwerbung des französischen Bürgerrechts und zur Leistung von Militärdienst ungehalten werden sollen. Mau sieht, aller Chauvinismus und Deutschenhaß kann es nicht verhindern, daß die reaktionär-antisemitische deutsche Studentenschaft auch in Frankreich Schule macht. Russland Die gewissenlose Boykotflietze der führenden pulnischen Kreise hat in Mlawa (Qouv. Plotzk) zu argen Ausschreitungen gegen die Juden geführt. Finige hundert Hooligans drangen in die jüdischen Geschäftsläden und Wohnhäuser ein und verwundeten zahlreiche Juden. Die Polizei w׳ar gegen die Exzedeuten machtlos. Erst einem starken Militäraufgehot gelang cs, die Ordnung wiederherzustellen. Auch in dein Städtchen Razion desselben Gouvernements wurde ein kleiner Pogrom vorbereitet, dessen Durchiuhrung gleichfalls nur durch das Einschreiten von Truppen verhindert werden konnte. PALAeSTINA־RUI10SCHAU Der Vcrwaltungsrat der Immoblllcngcscllschaft ״Palästina“ m. b. H. in Berlin hat in seiner am 6. April d. J. abgehaltenen Sitzung beschlossen, der demnächst stattfindenden (icscllschaftcrvcrsammlung vorzuschlagcn, für das abgclaufcnc Geschäftsjahr 1012 eine Dividende von 8 "״ auszuschüttcn. Für das Geschäftsjahr 1011 wurde bekanntlich eine Dividende von 6 verteilt, Im Laufe des zweiten Halbjahres 1012 sind für weitere 23(00 M. Stammanteilc der Gesellschaft & 500 M. verkauft worden. Prinz Joachim, der jünpte Sohn des Deutschen Kaisers, der sich einige Tage in Palästina aufgchalten hat, besuchte am 24. Märt, bei seiner Rückkehr von Jerusalem, in Begleitung des deutschen Konsuls, auch das neue jüdische Stadtviertel Tel- A w i w. Dr. Franz Oppenheimer ist in Jaffa ein• I getroffen, um die seinen Namen tragende Siedlung«• genossenschaft in Augenschein zu nehmen. es TRIBVewe-ss Herr Parteisekretär Kurt Blumenfeld ersucht uns um Aufnahme der folgenden Berichtigung. Leider enthält der Bericht über meine Rede in der Protcstvcrsammlung der ״BcrlincrZionist i- א c 11 c 11 Verein! g 11 n g“ vom 8. April zahlreiche irtriimer. Ausführungen der Rede des Herrn Rechtsanwalt Gronemann sind in mein Referat hineingekommen, andererseits sind meine Gedankengänge nur sehr lückenhaft wiedergegeben. Insbesondere sei richtig gestellt, daß ich ,,nicht einen liberalen Staats* reihtsleltrer Mende“, sondern Anton Mcnger zitiert habe. Der ״Verein der palästinensischen Studenten" in Berlin beehrt sich, im Hinblick darauf, daß mehrere seiner Mitglieder ehemals als hebräische Lehrer in Palästina tätig waren, den Vcreinen, die sich für die Erlernung und Förderung der hebräischen Sprache interessieren, folgenden Paragrapheu seiner Statuten mitzutcilcn: ״Der V, p. St. ist bemüht, an der Verbreitung der hebräischen Sprache durch Erteilung von Unterrieht Anteil zu nehmen." Der Verein ist daher gern bereit, allen, die »ich mit derartigen Gesuchen!111 ilut wenden mögen, mit Rat und Tat, sci's in Auswahl der geeigneten Lehrbüchcr und Methoden, wie in den geeigneten Lehrkräften beizustehen. Schriftliche Anfragen erbittet an den Schriftführer des Vereines, Herrn B. Borudim stud. mcd., Hcktor- Straße 13 Der Vorsitzende Leon Schulmann, stud. phil. Suarezstr. 55. ] VOM HILFSVeREIMi Die Generalversammlung des ״Hilfsvereins der deutschen Juden“ fand Sonntag, den 13. April, in Berlin statt. Die starkbesuchte Versammlung nahm mit Befriedigung den Rechenschaftsbericht des Vor- Standes zur Kenntnis. Herr Dr, James Simon, der Vorsitzende des Vereins, erstattete den altgcmcineu Bericht über die Hilfstätigkeit und das Schulwerk, während Herr Dr. Paul Nathan ausführlich über das durch den Balkankricg nötig gewordene Hilfswerk auf dem Balkan berichtete. Aus dem Jahresbericht geht hervor, daß die Entwicklung des Hilf»- Vereins der deutschen Juden auch im abgelaufenen Jahre eine günstige war. IX׳r Hilfsverein hat über 26 000 Mitglieder und mehr als 170 000 M, Jahresbeitrüge. Zu diesen regelmäßigen Beiträgen brachte das Jahr PM2 wieder eine Reihe von Schenkungen und Zuwendungen. Die einmaligen Beiträge inklusive Stiftungen und die Mitglicderbcitrügc betrugen eine Million Mark, Unter den einmaligen Spenden, ist bcsonders eine Zuwendung von Herrn Dr, James Simon im Betrage von 100 (MH) M, zu erwähnen. Ferner wandten zwei bekannte Förderer der jüdischen Kolonisationsarbeit in Palästina dem Hilfsverein größere Summen für palästinensische Zwecke zu; Herr Gotz aus Moskau stiftete 50 000 M. für das Rabbinerseminar in Jerusalem, Herr Feinherg aus Irkutsk 50 000 Frcs. für ein jüdisches Miidchenheim in Palästina. In rund 50 Bildungsanstalten aller Art, die der Hilfsvcrciit unterstützt oder unter seiner eigenen Verwaltung hat, werden heute etwa 7000 Zöglinge herangebildet. Das Schulwcrk, an dein der Hilfsverein beteiligt ist, besteht u. a. aus 14 Kindergärten, 10 Knabenschulen, 3 Mädchenschulen, 7 gemischten Schulen (2 Kolonicschuicn), I Mittelschule, 1 Handelsrealsclutlc, I Hmtdwerkmclntle, 2 Fortbildung»• schulen, 1 Lehrerseminar, I Kindcrgärtnerinncnkursus, I Rahhincrkursus, 2 Miidclteiiheime, Nahezu 30 dieser Anstalten, wovon der gröllte Teil unter eigener Regie des Hilfsvereins steht, befinden sich in Palästina und Syrien. Das Technikum in H!1 i f a , in dessen Kuratorium der Hilfsvcrciit entsprechend vertreten ist, soll bereits im April 1014 eröffnet werden. Die Ausgaben für das Sch u I w cr k betrugen im Jahre 1012 rund 280 000 M, Das Hilfswerk für die notleidenden Juden im Osten hat im Jahre 1012 besonders große Dirnensionen nnnehinen müssen. Erdbeben in der Türkei, der Balkankricg und die starke Auswanderung der Juden aus Rußland infolge des Immer wachsenden Drucke» und der fortgesetzten Ausweisungen machten große Aufwendungen nötig. Das Hilfswerk für Rußland und die Auswanderung erforderten im Jahre 1012 rund 215000 M. Die gesamten Ausgaben des Hilfsvercln* waren entsprechend der großen Not unter den Juden Im Orient und jn Osteuropa erheblich höher als im Vorjahre, nämlich 664 000 M. und erhöhten sich bis zum April dieses Jahres infolge des Balkanhilfswerk« auf über 000000 M. TVRneii s^sport Die Sportabteilung des Berliner Bar Kochba hält am kommenden Sonntag auf ihrem Spiel- und Sportplätze in Schulzcndorf ihr diesjähriges Eröffnurigsmecting ab. Der Besuch des schön gelegenen Platzes sei angelegentlichst empfohlen, Der Wiener jüdische Sportklub ,11 a k 6 a h", der auf ganz bedeutende sportliche Erfolge in Wien und in der Provinz zuriickblickt, hat sielt neuerdings in schlesischen Städten Lorbeeren geholt und sich gleichzeitig um die riationaljiidischc Sache sehr verdient gemacht. In Biclitz. und Tr o pp au siegte die ״llakoah" über erstklassige Mannschaften. Die Beteiligung der jüdischen Oeifentlichkeit war sehr stark. Die zionistischen Ortsgruppen dieser Städte veranstatteten zu Ehren der geschätzten Gäste Festabende. In zahlreichen Ansprachen wurde die vorbildliche Tätigkeit dieser prächtigen Muskcljuden gebührend gewürdigt. Anläßlich des Wiener Kongresse« werden die Zionisten aller Länder Gelegenheit haben, die Lclstungen der ״llnkoah" kennen zu lernen, Der Jüdische Turnverein Posen feierte 1דווז Sonnabend, den 5. April, in den Räumen des Zoologischen Gartens unter zahlreicher Beteiligung aller Ucvölkerungskreise sein 10. Stiftungsfest. Mit vollem Recht konnte der Vorsitzende der Jüdischen Turnerschaft, Herr Rechtsanwalt Greifenhagen• Berlin auf die eminenten Fortschritte hinweisen, welche der Jubclvcrcin gerade in den letzten Jahren gemacht hat und führte diese mit gutem Grunde auf die Zugehörigkeit desselben zur ״Jüdischen Turnerschaft“ zurück. Nicht zufällig haben wir uns in den Vereinen der ״Jüdischen Turncrschaft“ zusammengefunden, sondern in der von jedem vorurteilslos Denkenden anerkannten bewußten Absicht, der lebendigen Fortentwicklung unserer Gemeinschaft zu dienen und so in historischer Kontinuität, anknüpfend an die große Vergangenheit des jüdischen Volkes, die neue Zukunft desselben erbauen zu helfen. Daß unsere Ziele nicht leicht zu erfüllen sind, wissen wir, deshalb ist die energische Arbeit eines jeden Einzelnen erforderlich, und wenn wir auch oft von kleinlichen Kritikern Träumer genannt werden, so ertragen wir dies mit ruhiger Gelassenheit, indem w׳ir uns an das Wort des unvergeßlichen Herzl erinnern, der einmal gesagt hat, daß jede große Tat vorher ein Traum wrar und auch wieder zuin Traum werde. Mit dem Appell gerade in einer Zeit, wo Bestrebungen im (lange sind, die Einheit des deutschen Judentums zu zerstören, treu zur Fahne der ״Jüdischen Turnerschaft" zu halten, schloß der Redner seine begeisterten und begeisternden Ausführungen. Das Schauturnen, zu dem über 60 Turner und Turnerinnen antrnten, erwies auch in qualitativer Bc- Ziehung die hohe Entwicklungsstufe, auf welcher sich der Verein zurzeit befindet, und brachte neben gut zusammengestcllten Freiübungen, die tadellos klappten, ein allgemeines Ricgenturncn, das gute Leistungen aufwies. Hieran schloß sich ein Kürturnen der ersten Frauen- und Männerriege am Barren, das z. T. hervorragende Leistungen zeigte und große Begeisterung unter den Zuschauern auslöste. Die erste Männerriege hatte außerdem noch Gelegenheit, im Rahmen einer von dem Hausdiehtcr des Vereins flott geschriebcnen und gut zur Darstellung gebrachten Revue am hohen Reck zu turnen und cs gelang ihnen, mit ihren wirklich mustergültigen Ucbungcn einen hervorragenden Erfolg zu erzielen. Zwei Turner brachten als besondere Attraktion lebende Skulpturen, die ihren wunderbaren Körperbau und ihre hervorragend ausgcbildete Muskulatur in sehr schönen und wirkungsvollen Machtgruppen zur Geltung brachten. Daß der Geselligkeit auf dem Feste ein breiter Raum gewährt wurde, bedarf bei den als gemütlich bekannten Festen, des Jüdischen Turnvereins erst keine Erwähnung, ebenso daß eine Kaffeetafel mit obligaten Reden und Liedern viel zur Erhöhung der Gemütlichkeit beitrug. Am darauffolgenden Sonntag vormittag trafen sich die Gäste, der Vorstand und ein Teil der Mitglieder im Rathauskcller zum Frühschoppen, Am Nachmittag veranstaltete der Verein eine öffentliche Versammlung, in welcher Herr Rechtsanwalt Greifenhagen.die Ziele der ״Jüdischen Turnerschalt" erörterte. An das Referat knüpfte sich eine lebhafte Debatte. Das Schauturnen sowie die Versammlung brachten dem Verein 25 Neuaufnahmen, sicherlich nicht der kleinste ,Erfolg unserer Veranstaltung.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.