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Jüdische Rundschau · 1913-04-18 · Heft 16 (18.4.1913) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 16 (18.4.1913)
Date
1913-04-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seile 160 JUED13CHB RUNDSCHAU Nr.!6 nichtjüdischen Mitbürgern zuvorzutun und werden des• halb wohl oder übel auch von dem B,•umstrahl der Hauptversammlung getroffen werden, wenn Herr Oeheimrat Fuchs nicht etwa bereit ist, zu der objektiv jüdischen und subjektiv deutschen Gesinnung für den elsässischcn Speziallall noch ein Drittes zu konzedieren. + Zu dem Gegenstand wird uns noch geschrieben: Da3 die Verdächtigung der deutsch-nationalen Gesinnung jüdischer Mitbürger bei den Führern des jüdischen ״Liberalismus“, die bekanntlich auch im ״Zentra!verein" dominieren, nicht erst in den letzten Jahren beliebt geworden ist, ja, dal) sic lange vor der Entstehung der zionistischen Bewegung!geübt wurde, zeigt deutlich ein Artikel des Wienerr Obersabbiners Dr. Güdemann, den dieser unterm 14. Oktober 1889 in dein jüdischen Literatenblatt von Dr, Moritz Rahmcr (XVIII. Jahrg. Nr. 44) veröffentlicht hat. Er wendet sich darin gegen Professor Ludwig Geiger, der in einer Besprechung seiner (Güdeninmis) ״Geschichte des Erziehungswesens und das Alter der abendländischen Juden“ Band 3, vor allem auch seine deutsche Gesinnung verdächtigt hatte. Güdemann protestiert mit aller Schärfe gegen die ״d urchaus nicht u ri g c f ä!1 r I i e h e Be• schuldigung.“ Er bemerkt dort wörtlich: ״Auch ein anderes wichtiges Erfordernis fehlt in L, Geigers Belehrung für den Geschichtsschreiber der Juden — Taktgefühl. Gewiß soll der deutsche Jude sich als Deutscher fühlen und dies in allen Lebensäußerungen beweisen, wie ich denn seit den 25 Jahren, seit welchen ich mitten im Leben stehe, meine deutsche Gesinnung nachdrücklicher und wirk• samer bekundet habe, als G. in seiner Studierstube dies zu tun je Gelegenheit haben wird. Ob es aber taktvoll ist, zu einer Zeit, wo Tausende und Abertausende von Deutschen das Prädikat eines solchen den Juden abspreehen, zum Champion des Deutschtums sich aulzuwerlcn, wie G, tut, das überlasse ich jedem Einsichtsvollen zur Beurteilung,“ Sollte man diesen letzten Satz, nicht den ver• antwortungsvollen Leitern des Zentralvereius heute ins Stammbuch schreiben? Daß er von Dr. Güdemann, dem Protestrabbincr, ausging, und daß dieser schon vor 24 Jahren genötigt war, sein ,,Deutschtum“ gegenüber den Verdächtigungen seines ״Glaubensgenossen“ Ludteig Geiger zu verteidigen, mag besonders denen zu denken geben, die sieh über Wesen und Grundlagen eines assimilierten, entnationalisierteu Judentums noch nicht völlig im Klaren sind. Der Kampf der Herren Geiger und Genossen richtet sich damals wie heute letzten Endes gegen den leider in so geringem Mn Ile bei den deutschen Juden noch vorhandenen Rest der jüdischen Gesinnung. — So konnte es kommen, daß derselbe Vorwurf aus jenem Lager vor 24 Jahren den Wiener Oherrabhiner traf, gegen den heute wir Zionisten uns zu wehren haben. E. St. Organisation für hebräische Sprache und Kultur Am Sonntag, den 13. April, fand in Berlin eine konstituierende Vcrsam in I u 11 g d o r deutschen Abteilung der Histadruth statt, au der etwa 100 Personen teilgeuonuneu haben. Es waren mehrere jüdisch-nationale Organisationen vertreten, darunter die Zionistische Vereinigung für Deutschland, der Bund Jüdischer Corporationen, das Kartell Zionistischer Studenten uns Deutsch- Land, die jüdisch - nationale Frauenvereinigung, der Hcrzl-Kluh, das Kartell Zionistischer Studenten aus Rußland, der Verein der Palästinenser u. a. m. Außerdem waren nähere Berichte über die hebräische Arbeit in Hamburg, Breslau, Köln, Frankfurt a. 1VL, Halberstadt, Lübeck eingetroffen, die in allgemeinen Strichen verlesen wurden, Herr Leo Motzkin croffnetc im Namen des Zentralkomitees die Versammlung und gab einen Ueberblick über den Stand der hebräischen Organ!• sation im allgemeinen. Er hob die Schwierigkeiten hervor, mit denen die Zentrale der Histadruth /u kämpfen hatte, und schilderte die verschiedenen Aktioneu, die die Histadruth organisatorisch und durch Einflu« auf verschiedene Institutionen unternommen hat. Vor allem aber akzentuierte Herr Motzkin die beiden wichtigen Punkte im Arbeitsprogramm der Histadruth: Die Gründung der licbr. Verlagsgesellschaft ״T’chi■ jali“ und die bevorstehende Tagung der hebräischen Organisation. Die Arbeit der ״T'chijah", für die bereits vor drei Jahren auf Initiative einer Reihe von Komitecmitglicdcrn der Histadruth Anteile in Höbe von 175000 M. gezeichnet waren, sei nachher ins Stocken geraten. Weder seien die gezeichneten Sinnmen eingclöst, noch neue Gesellschafter gewonnen worden. Da habe die Zentrale der Histadruth vor einigen Monaten dies Gebiet der Tätigkeit mit über- Zar ge!L Beachtung! Der jüdischen und der christlichen Feier« tage wegen werden die beiden nächsten Nummern der ״Jüdischen Rundschau“ nicht am Freitag, sondern am Sonnabend in die Hände unserer Leser gelangen. Redaktion u. Verlag ״Jüdische Rundschau“ nommen. Nach eifrigen Bemühungen sei es ihr nunmehr gelungen, einen Teil der Zeichnungen in Höhe von 80000 M. zu realisieren, so daß nach Erledigung einiger Formalitäten in den nächsten Tagen an die Gründung der ״T’chijah“ herangegangen werden könne. Es werde mm eine der wichtigsten Aufgaben der Zentrale der Histadruth sein, das Stammkapital der Gesellschaft wesentlich zu vergrößern — sowohl durch Einlösung der gezeichneten Beträge, als auch durch Werbung neuer Gesellschafter. — Darauf erstattete Herr Motzkin Bericht über die Vorbcrcitimgcn zur hebräischen Tagung, die Ende August, eine Woche vor dem Zionistenkongreß, in Wien stattfinden soll. Von der Einberufung eines heb r ä i s c h e n Kongresses habe die Zentrale vorläufig absehen müssen, infolge vielfacher Mindernisse, die sich in letzter Zeit eingestellt haben. Es soll mm eine hebräische Konferenz auf Grund von Wahlen cinberufen werden, die sowohl für die praktischen Aufgaben der hebräischen Bewegung, als auch für die theoretische Beleuchtung der hebräischen Probleme von grundlegender Bedeutung werden soll. Insbesondere werde das hebräische Erzidiungsprohlem in seiner ganzen Weite und Tiefe aufgerollt werden müssen. Außerdem sollen Berichte seitens der hebräisclien Sonderorgauisationen und Institute in Palästiua und der Diaspora auf dieser Tagung erstattet werden. — Diese Hauptaufgaben nun, insbesondere die Einberufung der Konferenz, — da es sich dabei nicht bloß um eine ״Einberufung“, vielmehr um eine vorhergehende gründliche Organisierung der hebräisclien Arbeit handle, - erfordern einer intensiven Arbeit seitens der Zentrale, so daß sie mit Arbeiten, die den Lanclesabteilimgen ziistelieu, womöglich nicht belastet werden sollte. Demgegenüber sei es zu bedauern, daß das deutsche Laiuieskoinitee in eleu letzten Monaten inaktiv geworden ist. Die Zentrale, die an dessen Stelle die Arbeit in Deutsehland provisorisch geleistet hatte, könne aus erwähnten Gründen der wachsenden hebräischen Bewegung in Deutschland und den sich daraus ergebenden vielfachen Spezialatifgabcn nicht gerecht werden. Es müsse liier eine Reorganisation der deutschen Abteilung der Histadruth vorgenommen werden. Es müsse auch über die Mögüchkeiteu der hebräischen Arbeit in Deutschland eingehend verhandelt werden, - Möglichkeiten, die erfreulicherweise vorhanden sind, die aber Opfer an Zeit und Arbeit bedürfen, um ins Leben gerufen zu werden. Herr Rechtsanwalt Dr. Gron cm an 11 begrüßte die Versammlung im Namen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland und drückte seinen Wunsch aus, daß die deutsche Abteilung der Histadruth vor allem auf die I Icbräisierung derer ihre Tätigkeit riehteil möchte, die noch kein Hebräisch verstehen, aber Verlangen danach haben, die hebräische Sprache zu erlernen. Nachdem Herr Dr. P c r 1111 a n n die frühere Tätigkeit in Deutschland skizziert hatte, entwickelte sich eine lebhafte sechsstündige Debatte. Es wurde über verschiedene Einzelntifgalieii der hebräischen Arbeit verhandelt, darunter über die Frage der 11c-, bräisclien Kindergärten, die von Herrn Dr. Z i 111 in e rm a u n speziell für Berlin des näheren erörtert wurde. Die Ausführungen von Frau Lina Wagner galten insbesondere der Einrichtung von Kimlerklubs und־ Kinderzirkeln. Die Frage der hebräischen Schulen wurde von Herrn Leser angeschnitten und durch die Herren P. Cohen und Schulmann aus Palästina ergänzt. Herr David Cohn sprach über ehe Unterriditsiiicthmlen für hebräische Kurse, Die brennende Frage der hebräischen Lehrbehelfe für Deutschland wurde von den Herren Dr. Rosen bl üth, Rabbiner Dr. Emil Levy, Alex Adler Lübeck und Josef Lin ausführlich besprochen. All diese Fragen und Vorschläge, die teils gestreift und angeregt, teils auch näher erörtert wurden, sind zur Kenntnis de* neu gewählten Landeskomitees genommen worden, das demnächst seine Bestimmungen darüber treffen soll, , Na,ch cj«cr mehrstündigen Debatte über die eigentliche Konstituierung des Landeskomitees, an der sich die Herren Dr, Heinrich Locwe, Dr. J. Meisl, Dr. Rosenblüth, Alex Adler, Dr. Jorderi, Kraus, Gonzer u. a. beteiligten wurde der Beschluß gefaßt, ein Landeskomitee wallten, das sich aus Mitgliedern von verschiedenen Städten Deutschlands zusammensetzt und dessen gC. schäftsführcmler Ausschuß seinen Sitz in Berlin hat. Allen regelrechten hebräischen Gruppen in Deutsch! latid stellt das Recht zu, je ein Mitglied für das Landes• komitee der Histadruth zu ernennen. Zu Mitglieder!, des geschäftsführenden Ausschusses wurden gewählt die Herren Dr. S. Gronemann, Dr. S. Perlmann, Frau Lina Wagner, Josef Lin, Dr, J. Meisl, Dr. S. Bernstein, Dr. Alfred Wolff, Dozent Dr. J. Ban et h, M. Gonzer Dr. Georg G e r 8 o 11 und P i 11 c h a 8 Cola׳ n. ' Zuletzt wurde auf Antrag des Herrn Dr. Bernstein dem Vorsitzenden der Versammlung, Herrn Leo Motzkin, für seine geschickte und hingchnngs. volle Leitung der Dank der Versammlung ausge* sprachen. Die Adresse des Deutschen Landeskomitecs der Histadruth ist vorläufig: Organisation für hebräische Sprache und Kultur, Bcrlin-Charlottenburg, Kantstr 93 (Tel.: Wilhelm 1113). :: AUS.ALieß WEIT ״ Deufsctifand Die russische Zeitung ״kjetsch“ ist über die Verfügung entrüstet, durch die die sächsische Rcgicruug die Zulassung der Ausländer an der Univcrsitlit Leipzig regelt. Nach dieser Verfügung werden Abiturienten russischer Gymnasien an der Lctpziger Universität im allgemeinen nur noch dann aufgenommen, wenn sie bereits ein Jahr an einer rttssisehen Universität immatrikuliert gewesen sind, mich müssen die ausländischen Studenten die deutsche Sprache genügend beherrschen. Diese sächsische Ver- Ordnung ist allerdings nicht zu billigen. Man hat bei dem Kliuikerstrcik allgemein anerkannt, daß in manchen medizinischen Kliniken eine Ueberfülittng bestellt, die zum Teil durch den Andrang russischer Studenten hcrvorgeriifcn worden ist, und dal) sich daher, wetin's nicht anders geht, die Ausländer eine gewisse Beschränkung werden gefallen lassen müssen. Nur gerade das, was die sächsische Regierung verfugt hat, hätte sic nicht tun dürfen, so schreibt die ״f rankfurter Zeitung", weil es im Effekt nur die Ucbc1 nähme einer echt russischen Politik aut eine deutsche Universität ist. Wie bekannt, läßt die russische Regierung die Juden nur in einer sehr beschränkten Anzahl zum Universitätsstudium zu, und gerade darum sind so viele russische Juden genötigt, im Ausland zu studieren. Wenn nun die Feipziger Universität nur noch solche Russen annimmt, die schon in Rußktml immatrikuliert waren, so sind eben die russischen Juden, die in Rußla'iit nicht immatrikuliert werden, von der Leipziger Universität ausgeschlossen. Die Leipziger Universität unterstiit/t also die russische jiiclcnnoliiik, die von der ganzen zivilisierten Welt verurteilt wird! Man hat also nicht eine allgemeine Verfügung erlassen, etwa dal) aus-!;indische Studenten dort, wo Raummangel ist, nur in einem gewissen Prozentsatz zu den inländischen ziigelassen werden sollen, sondern man hat mir me russischen Juden aufs Korn genommen und diese bedauernswerten Leute noch weiter bedrängt. Indem wir das aufs entschiedenste mißbilligen, müssen wir doch auch der ״Rjctscli" etwas abgeben. Wenn nämlich dieses Blatt zu jener Verfügung bemcikt, ״diese barbarischen, kulturfeindlichen Maßnahmen eröffnen ein neues Kapitel in der Geschichte des Volkes der Denker und Dichter“, so muß man dem Blatte doch sagen, daß es sich vor allem gegen das Volk der echt russischen Leute wenden soßte. Dort ist die Quelle• der Barbarei und Kultiirfehul■ liebkeit, denn wenn nicht die russische Regie! 1mg ihre barbarische Jmlenpolitik betriebe, so gäbe es an deutschen Universitäten keinen solchen Andrang russischer Juden, mul die sächsische Regierung hatte nicht diese Gelegenheit ergreifen können, sich bloß■ zustcllcn. * Die von antisc'iniliseher Seite mit besonderer Vorliebe verbreitete Fa lief vom Reichtum der Juden erhält durch das jetzt in Deutschland erschienene ״Jahrbuch der Millionäre“, das vom Rc• gierlingsrat Rudolf Martin verfaßt ist, wieder ׳ mmal ihre Beleuchtung. So befindet sich unter den 21 ersten Millionären und IndustriemagnaU״־ der Rheinprovinz kein einziger Jude noch Judcnstämmling. Oesterreich Der Wiener jüdische Volksrat und die /ioni-ti* sehen Kultusvorständc, Hof- und Gcrichtsadvoknt Dr. Jakob Ehrlich mul Ob.-Ing. Robert Stricker, dürfen mit Genugtuung auf den ersten greifbare״ Erfolg seit dem Lmziige der Zionisten in die Kulmsstiibe ziirückbliekeii. Sie haben in einem wichtige״ Zweige der Gemcimlcvei walliing, in der Frage der Vergebung öffentlicher Arbeiten und Lieferungen der Kultusgemeiiulc, Rcmcdur geschaffen. Mit ly gegen 13 Stimmen wurde ein Antrag des Vertreter• kollegiums niedcrgcstiinmt, der bei Vergebung der Arbeiten für das zu errichtende Kinderspital die alte Protektionswirtschaft vcitcrfüliren und die freie Konkurrenz ausschalten wollte. Der Kultuspräsident Dr. Stern hat infolge dieser Vorgänge demissioniert,

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