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Jüdische Rundschau · 1913-04-04 · Heft 14 (4.4.1913) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 14 (4.4.1913)
Date
1913-04-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 140 JUEDISCHERUN OSCHAU Nr. 14 X miteinander gellen und geschlossen auftreten — welcher Aufgabe auch die Zirkulare dienen winden. Ferner sollen diese theoretische und praktische Ab- Handlungen über Turnen und Sport enthalten sowie auch die hebräische Turnsprache fortbilden, liesonders hervorgehoben wird die Feststellung des 1 um- Systems. Jedes Volk habe eine eigene, seinein Wesen entsprechende Turninethode. In Palästina sei man jedoch noch nicht soweit, ob/war die Frage nach der Wahl des Systems verschiedene 1 urnvereine daselbst bereits mehrfach beschäftigt hätte. Also: nicht einmal das System steht fest. Man ist im Sudler! begriffen. Und doch wird mit Erfolg gearbeitet. Einige Beispiele hierfür: Jerusalem. Der Verein bestellt seit anderthalb Jahren und hat sich ausgezeichnet entwickelt. Er hat vier Abtcilungen, darunter eine Mädchen- und eine Jcsclmvahbachurin-Abtcilung, Turnlehrcr ist O o 1 d s c h m i d t, nebst drei Vorturnern. Jedes Mitglied turnt zweimal wöchentlich. Jaffa. Der Verein besteht seit sieben Jahren und hat vielfache Widerstände überwunden. Er zählt 12» Mitglieder und hat anlkrdcm zwei Zweiggruppen: eine in Tel Abib mit zwanzig Mitgliedern und eine Mädchengruppe mit fünfzig Mitgliedern. Die Lehrer sind O r I o w und Her m a 11!1 nebst fünf Vorturnern. Der Verein besitzt eine ansehnliche Zahl Geräte und sonstige Gegenstände sowie ein eigenes Lokal mit Leseräumen, wo häufig Vorlesungen aus der hebräischen Literatur stattfinden. P c t a c h T i k w a 11. I>er Verein zählt 95 Mitglieder, darunter 30 Damen. Geturnt wird dreimal wöchentlich, auch werden Spiele im Freien veranstaltet. Geräte sind genügend vorhanden. Als Lehrer wirkt Fl c r tu a 1111, der jede Woche einmal hinkomnit, nebst zwei Vorturnern. l>er Verein betreibt auch eine energische kulturelle Tätigkeit; die von ihm veranstalteten Sprach-, Literatur- und Gcsdiichtskurse werden von den Kolonisten zahlreich besucht.. Und so geht cs weiter: S i k r o 11 J a k o b: 86 Mitglieder (27 Damen); Rechoboth: 50 Mitglieder (20 Damen); Ek ro n: 25 Mitglieder; Haifa: 30 Mitglieder; Rischonie-Zion:25 Mitglieder, darunter 18 Damen. Manche Vereine, wie der letztgenannte, hatten merkwürdigerweise heftige Gegnerschaft zu überwinden, die sie in ihrem Eifer noch bestärkte. Denn sie fühlen sich von einem Ideal getragen, das ihnen über die mannigfachen Schwierigkeiten des Anfangsstadiums hüiweghilft. Es wird mitunter gesagt, cs gebe in Palästina ״zu viel Kultur“; der ״Geist“ überwiege dort zu sehr. Diesen ״Vorwurf“ könnte die palästinensische Turnbewegung widerlegen. Berlin. J o s c f L i n. * In Wien hat sich ein ״Jüdischer. Wan derbund BIau* Wei ß“ nach dem Muster der Berliner Vereinigung gleichen Namens gegründet. Der Bund erläßt einen Aufruf an die jüdische Bevölkerung Wiens, der die Unterschriften der Elite des hauptstädtischen Judentums aufweist. Ausweis Schekel: Berlin 4,—, Hamburg 310,—, Kaschmin 9,—, Erlangen 5,—, Siegburg 55,—, Stolp i. P, 5,—, Wronkc 30,—, ülogau 2,-— M. Landesorganisationsbeiträge: 1. Ortsgruppen: Erlangen 6,—, Hamburg 175,—, Stolp i. P. 11,—,'WronkejOO,—,Glogau 2, — M 2. Einzclbeiträgc: Leopold Landau, Ham bürg 10,—, Frau Dr. llantkc, Berlin 5,—, Tiieodoi Hantkc, Berlin 5,—, Rechtsanwalt Dr. Littmann (V J. St.) 10,—, B. Sulmann, Berlin 20,—, Red. S. II Goldmann, Frankfurt a. M. 10,—, Rechtsanwalt Cohn Brandenburg a. H. 6,—, Dr. Nissel, Königsberg 10,— Dr. Victor, Wandsbek 50,—, Rechtsanwalt Dr. Mar tin Meyer, Lübeck 10,—, M. Sternberg, Varel 5,— Hillcl Klein, Elberfeld 5,-, S. Enker, Köln a. Uh 5.—, Richard Kaufmann, Bamberg 5,~, Rosa Holde Krossen 10,—, Rechtsanwalt l>r, Bernstein, Elber feld 10,—, Leopold Jacobv, Chemnitz 30, -, Gust.n Schwabe Varel i. O, 2ÜÖ,~, l»r. mcd. Jacob Tu gcndrcich, Grunewald 15,—, H. Jocob, Stettin 5,— Rcf. Dr. Bacr, Stettin 5,—, Apoth. Georg Bcermann Stettin 5,—, Rel. lk. Ilugo Ascher, Stettin 5, M 3. Verschiedene Spenden: Hamburg 1, Wronkc 19,32 M. Eingang vom 21. März bis 2. April 1913 Schekel: 420,— M,; Landesorgan isations beitrage 745,32 M. Gesamteingang: Schekel: 1030,— M.; Lan Organisationsbeiträge: 5528,57 M. Adresse für Geldsendungen: Zionistisch! Vereinigung für Deutschland, Berlin W15 Sächsische Straße 8. Postscheckkonto: Berlin 8091, Bankkonto A. H. Heymann & Co., Berlin W56, Hinter de Katholischen Kirche 1. % ׳ Vom Jüdischen Virlrg Der jüdische Alm.iimdi, das erste Werl׳ und der Stolz des Jüdischen Verlags ist fast vergriffen. V11״ der gewöhnlichen Ausgabe hat der Verlag nur noch 2 -300 picht mehr ganz frisch ausschende Exemplare, die nunmehr im Preis herabgesetzt worden sind. Wir nehmen an, daß die Gesinnungsgenossen diese leichte Gelegenheit nicht vorühcrgeiicn lassen werden, zu einem billigen Preis ein Huch zu erwerben, in welchem sich alle vereinigt finden, die über Juden und Judentum etwas nuszitsage» haben. Die kommende״ Monate werden im Zeichen der Kongre»wählen stehen. Der XI. Kongreß wird gewisserinaßen die Fortsetzung des X. bilden. Wir glauben daher, daß die Vorgänge dieses letzten Kongresses, der einen Markstein in der Geschichte des Zionismus bildet, besonderes Interesse schon der Orientierung wegen verdient. Um diesem Interesse eiitgrgenzukoiiiiiicn, )ist der jüdische Verlag auch den Preis für das Protokoll des X. Kongresses herabgesetzt. Im übrigen verweisen wir auf das Inserat des Jüdischen Verlags. «us'Dsn f>c/ncjr!DCH Frankfurt a. M. 111 einer Reihe antisemitischer, konservativer und Zeiitruinsblätter wird mit der Ueherslirift ״Judenaustausch“ eine Korrespondenz aus Frankfurt a. M. veröffentlicht, die das ״Rätsel löst“, warum die ״Freisinns-Demokratie“ für den Sozialdemokr.'iten Benno Schmidt als Stadtrat gestimmt hat: Herr Schmidt ist Jude, und jetzt revanchiert sieh die Sozialdemokratie und wird fiir den Juden Dr. Heil brun n als Bürgermeister cintreten, nach dem Schema: Wählst du meinen Stadtrat, so wähle ich deinen• Bürgermeister! Die freisinnig-demokratische und die sozialdemokratische Fraktion im Stadt- Parlament hätten sich schon lange in dieser Hinsicht ׳eciuigt und ״große Freude herrsche daher in Israels lallen״. Neuerdings bringt auch die Berliner ״Gerniania“ diese Zuschrift, die ihr von einem ״als zuverlässig bekannten Herrn in Frankfurt a. M.“ zugegangen sei, und bemerkt, daß diese Mitteilungen einen sehr lehrreichen Einblick in die Verhältnisse der Stadtverwaltung von Frankfurt a. M. gewähren, ״wenn sie auf Wahrheit beruhen“. Sie beruhen ober nicht auf Wahrheit, und jener Korrespondent ist nicht zuverlässig, ,sondern entweder ein unwissender oder ein Fälscher, denn die Sozialdemokratie hat sich hekanntlich .sofort in unzweideutigster Weise gegen die Kandidatur Heilbrunii ausgesprochen. Berlin. Eine streng gläubige Jüdin sollte sich auf Anordnung der Laudesversicherungsanstalt wegen ihres Luiigeuleidens einem Heilverfahren in einer Lungenheilstätte unterziehen. Das Mädchen weigerte sich, weil sie in der Anstalt keine koschere Beköstiguug erhalten sollte. Wegen der Weigerung entzog die Versicherungsanstalt der Jüdin die Invalidenreute. Sie klagte vor dem Obcrvcrsicherungsaititc und dieses hat den Weigermigsgrund für triftig anerkannt und auf Grund des § 1306 der Reichs vorsicheruiigsordnung die Versicherungsanstalt verurteilt, die Rente weiter zu zahlen. Die von der Anstalt eingelegte Revision ist vom Reichsvcrsicherungsamt verworfen worden. Die Klägerin stammte aus einer Familie, in der die jüdischen Speisegesetze aufs strengste gehalten wurden. Diese Gesetze dürfen nur im Falle unmittelbarer Lebensgefahr durchbrochen werden. Dieser F'all hat hier nicht Vorgelegen. Folglieh ist die Klägerin zu ihrer Weigerung berechtigt gewesen. Berlin. Das Recht der Hinterbliebenen am Leichnam ihrer verstorbenen Anverwandten spielte eine entscheidende Rolle in einem Rechtsstreite, den die Kläger, die Brüder Sch. in Berlin, gegen die jüdische Gemeinde erhoben hatten. Die Kläger waren nicht bloß aus der BerlinerSynagogeiigemcindc, sondern überhaupt aus dem Judentum ausgetreten und verlangten die Duldung zur Ausgrabung der Leichen ihres vor 25 bzw. 21 Jahren verstorbenen Vaters und Bruders, die in einem Erbbegräbnis auf dem jüdischen Friedhofe in Weißensee begraben lagen. Die Verstorbenen sollten, da die!unterbliebenen Mitglieder der Familie zum Christcntume übergetreten waren, in einem Erbbegräbnisse auf dem Zcntralfriedbofe in Friedrichsteldc beigesetzt werden. Die jüdische Gemeinde weigerte sich, die Ausgrabung der Leichen zu dulden, und so wurde Klage erhoben, gegen die die beklagte Gemeinde vor allem die Einrede geltend machte, der Rechtsweg׳ sei zu einer solchen Klage überhaupt nicht gegeben. In diesem Sinne hatte das Landgericht entschieden, das die Klage als unzulässig angewiesen batte. Diese Ent- Scheidung war aber Vom Kammergericht Berlin für rechtsintümUch erklärt und die Zulässigkeit des Rechtsweges für begründet erachtet worden. Die Revision der jüdischen Gemeinde bekämpfte die Ansiebt des Berufungsgcridds, daß hier eine bürg erliche R e c 111 s s t r e i t i g k e i t vorliege. Au Leichen konnten überhaupt keine Privatrechte hestehen. An den Leichen habe allein das öffentliche Recht du Interesse, das zum Beispiel die Beerdigung der Leichen gebiete. Doch auch das Reichsge rieht entschied, daß die erhobene Klage vor dem ordentlichen Gerichte zulässig sei, denn es handle sich in jedem Falle um einen privatrechtlichen Anspruch, den die Kläger geltend machten, möchten sie nun die Klage auf ihr Recht an dem Erbbegräbnisse und dessen Benutzung im weitesten Sinne stützen, wozu auch die Exhumierung gehöre, oder das Hauptgewicht darauf legen, dal sic als Hinterbliebene überhaupt ein Recht an dem Leichnam ihrer Verstorbenen haben. |)jc Klage sei nur dann ausgeschlossen, wenn ein privatrechtlicher Titel, auf den sich die Kläger stützen könnten überhaupt nicht denkbar sei. Das Reichsge rieht wies deshalb die Revision der beklagten Gemeinde als u n h <: gründet z 11 r ü c k. üssa 1. Pos. Dr. Siegfried Gelles aus Kr״- toschiu, der sclion seit G Jalncii das hiesige Rahbinat verwaltete, ist in einer Gemeinde-Abstimmung mit 121 gegen 16 Stimmen zum Rabbiner der Synagogen gemeinde l.iss.1 gewählt worden. Berlin. Im Warenhaus A. Wertheim sind gegenwärtig palästinensische Spitzen ausgestellt. Wir werden gebeten, darauf hiu/uweisen, daß es sich hierbei nicht um Erzeugnisse aus den Ateliers des ״V e r b a n d c s jüdischer Frauen für K u I - turarbeit in Palästina“ handelt. »JüHeiNS-RUNDSCHAU Berliner Vereinskalender April. Dienstag, 8.: B. Z. V.: Ocffentliehe Versammlung. Sonntag, 13.: Konzert für James Rothstcin. * Berlin. Am Dienstag, den 8. April, abends 9 Uhr, findet in den Prachtsälen des Westens (Spichcrnsälc), Spichern-Str. 3 (zwischen Nürnberger Platz und Kaiserallee), eine große öffentliche Ver- Sammlung der Berliner Zionistischen Vereinig ung statt. Die Herren Generalsekretär Kurt B I u ni e n f e I d und Rechtsanwalt G r o 11 e m a n 11 werden über: ״Unsere Stellungnahme zum Z c 111 r a 1V c r e i n“ sprechen. Frei Aussprache. Eintrittspreis 20 Pf. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird gebeten. Gäste, Damen und Herren, willkommen. Berlin. Der durch seine zahlreichen Lieder bekannte jungjüdisehe Komponist James Rothstcin befindet sieb leider seit Jahren mit seiner Familie in den bedrängtesten Verhältnissen. Es ist eine Bevvegung im Gange, diesen hochbegabten, echt jüdischon Künstler für die nächste Zeit materiell sicher zu stellen. Zunächst ,haben sich ihm folgende hervorragende Kunstkräfte: Frau Ottilie Metzger- L a 11 c rm a 11 n (Hamburg) und die Herren: Konzertsänger Leo G o 11 a n i!1 (der sicherlich allen unseren Lesern durch die vorbildliche Wiedergabe der ״Jüdisclien Volkslieder“ bekannt sein dürfte), Kammersänger Alexander Fl e inemann, Cello-Virtuose Joseph M a I k i n in uneigennützigster Weise für ein Konzert zur Verfügung gestellt, das am Sonntag, den 13. April, abends 8 Uhr, im Beethoven- Saal stattfindet und außer Liedern und Balladen von Schubert, Loewe und Brahms auch eine ganze Anzahl von Liedern (darunter die ״Jüdischen Gesänge“) und Cellostücke (u. a. eine ״Orientalische Rhapsodie“) Rothstcins bringt. Wir machen unsere Leser nachdrücklich auf dieses Korizcrt aufmerksam, das nicht nur einem wahrhaft guten Zwecke dient, sondern auch einen äußerst genußreichen Abend verspricht. Kattowitz. Am Sonntag, den 6. April, findet im Monopol-I lotcl um 1 .,1 Uhr nachmittags eine Ausschußsitzung des Zionistischen Gruppenverbandes Obcrschlesicn statt. Sämtliche im Bezirk wohnenden oder anwesenden Gesinnungsgenossen sind berechtigt, den Verhandlungen beizuwohnen. Gegenstand dej; Tagung ist: ״Die zionistische O r g anisation und ihr künftiges Verhältnis 7. u 111 Z c n t r a i v c r c i n deutscher Staatsbürge r jüdischen Glaubens.“ Angesichts dieses hochbedeutsamen Beratungsgegenstandes wird auf zahlreiche Beteiligung der obersclilcsischen Zionisten gerechnet. Berlin. Am Sonntag, den 23. März, hatten die Hc7. irksgruppen der Schönhauser und R o s e 111 h a 1 c r Vorstadt des Neuen Jüdischen Gcmcmdevcreins ihre Mitglieder zum Pur im ball in das Krieger* Vcrcinshaus in der Chausscestraße geladen. Gegen 600 Personen strömten in den großen Saal und blieben in angeregter Stimmung bis gegen 6 Uhr früh zusammen. Den beiden Bezirksgruppcu, besonders ihren Vorsitzenden, ist cs zu verdanken, daß der jüdische Mittelstand hier ein Zentrum gefunden hat, in dem er sowohl positiv-jüdische Arbeit leistet, als auch an jüdischen Festen fröhlich zusammen ist. F-in reichhaltiges Programm wurde den Festteil• ״litincrii geboten; u. a. wurden jüdische Volkslieder gesungen (von I rl. Vera Gold herg) und jüdische Satiren (Verfasser Dr. Max Jung mann) vorgetragen; außerdem wirkten hervorragende Künstler vom Thalia-Theater (F'rl. Gerda Heim und Herr J u nker nt a n n) und Deutschen Opernhaus (Herr!laut) mit. — Audi im Sommerhalbjahr wird der Neue Jüdische Gcmeiiulcvcrein weiter positiv-jüdische Arbeit leisten; und schon jetzt werden Vorbereitungen für ein populär-wissenschaftliches Programm für den Winter 1913/11 getroffen. Berlin. Am 26. März sprach in einer von der B. Z. V. veranstalteten Volksversammlung der Wiener Arzt uni! Anthropologe Dr. Zollschan, der Verfasser des ״Rassenproblems“, über ״Die jüdische

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