Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVIII (1913)
- Issue
- Heft 14 (4.4.1913)
- Date
- 1913-04-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14 Seite 139 J U E DI f. C H E RUNDSCHAU Gesellschaft jüdischer Aerzte und Natur- Wissenschaftler für sanitäre Interessen in Palästina Unter diesem Namen hat sich vor kurzem ein Verein konstituiert, dessen Aufgabe cs sein soll, für die Besserung der sanitären Zustände in dem ’jiklisehen Siedlungsgebiet in Palästina zu wirken. Wie unsere Leser wissen, ist die Idee der Organisation der jüdischen Aerzte auf dem <). und 10. ’ Kongreß besonders von Dr. Benderski propagiert worden, ohne da(i cs bisher gelungen wäre, eine solche Orpaiiisation wirklich ins Leben zu rufen. Die nunmehr zu- Stande gekommene Gesellschaft weist in einem Aufruf, der in diesen Tagen an alle jüdischen Aerzte unu Naturwissenschaftler Deutschlands versandt wird und im Laufe der kommenden Wochen auch in die übrigen Länder Europas gelangen wird, auf die betrübende Tatsache hin, daß in den meisten Städten und Kolonien Palästinas trotz der gelegentlichen guten Erfolge überhaupt noch keine systematischen Sankrungsversuche unternommen worden sind, und daß das gesamte Gebiet der sanitären Fürsorge, ohne dessen Pflege eine gcdcilichc Kolonisation über- Haupt nicht betrieben werden kann, von seiten der jüdischen Organisationen bisher nicht die gebührende Beachtung gefunden bat. Schon in allernächster Zeit wird die Gesellschaft ein Institut ins Leben rufen und wird dabei bestrebt sein, sowohl mit dem von Herrn Nathan Straus begründeten Health officc in Jerusalem, das unser Gesinnungsgenosse, Herr Dr. irünn, leitet, als auch mit dem in Deutschland entstandenen Internationalen Komitee zur Assanierung Jerusalems zusamincnzuarbcitcn. •Wie wir neulich bcreits berichteten, hat das Actious-Comitc in seiner letzten Sitzung aus den Mitteln des Fonds zur Bcgründung eines mikrobiologischen Instituts 10 000 M. für die ersten Anschaffungskosten sowie einen jührliehen Zuschuß zu den Betriebskosten in Höbe der Zinsen des genannten Fonds bewilligt. Es liegen auch bereits zahlreiche Mitgliedcranmeldungcn sowie namhafte Einzclspcndcn vor. Das Programm der Gesellschaft ist sehr umfassend: Kampf gegen Malaria und Trachom, Sorge für Säuglingspflege und Schulhygiene, Beschaffung von Sera und Vaccinen, Verbreitung aufklärender Schriffen, Sorge für ärztliches Hilfspersonal, Ausnutzung der Heilfaktoren des Landes, Unterstützung bestehender Anstalten und wissenschaftlicher Arbeiten, kurzum, jede Maßnahme, die der Besserung der gesundlieblichen Zustände dient, soll in den Kreis der Aufgaben der Gesellschaft fallen. Wir hoffen, daß unsere Freunde, Aerzte und Nicht-Acrztc in großer* Zahl das junge Unternehmen, sei es durch Beitritt zu der Gesellschaft, sei es durch einmalige Zuwendungen, unterstützen werden, daß unsere Presse das Verständnis für die snnitären Bestrebungen im Kreise ihrer Leser zu wecken suchen wird, und daß es insbesondere kein zionistischer Arzt, Chemiker, Zahnarzt, Apotheker itsw. versäumen wird, der Gesellschaft als Mitglied bei/tilretcn. (Der jährliche Mitgliedsbeitrug beträgt nur 0 M.) Aber auch von nicht-zionistischer Seite erhoffen wir weitgehendste Unterstützung. Handelt es sielt doch hier um ein Gebiet, auf dein Juden aller Parteirichtungcn Zusammenwirken können. 111 dem Komitee sind 54 Männer, darunter die glänzendsten Namen der zeitgenössischen Judcnhcit vertreten. Von bckannten Medizinern nennen wir Exzellenz Ehrlich, Prof. James Israel (Berlin), üelieimrnt Landau (Berlin), Prof. Jacques Loch (New York); der Aufruf trägt ferner die Unterseliriiteu von Prof. Warbürg, von James S i nj, o 11 und Dr. Paul N a t h a 11, Geheünrat Timend o r f c r, Prof. K a I i 8 e 11 e r, Ochcimrat Ros in (Freiburg), ferner namhafter Hab* bincr, Schriftsteller u. a. Geldsendungen und Briefe sind an den Vorsitze״• den der Gesellschaft, Dr. Aron Sandler, Berlin- Chartotteiiburg, Droysenstr. 6, zu richten, Gemeindebeamte und Beiträge zur Angestelltenversicherung Herr Dr. Wilhelm N c u m a n n , Generalsekretär des Deutsch-Israelitischen Genieiiulebumles, bittet uns um Aufnahme der folgenden Zeilen: ״Bei den Verhandlungen des Gcmcimlctages im Jahre 1<1!1 über das damals noch zu erwartende Angestelltenversichcrungsgesetz und mehr noch bei den anschließenden Kommissioiisbcratungc״ im Schoße des D. J. G. B, ist der Wunsch der überwiegenden Mehrheit der Gcnieindebeanitcn, in das Gesetz einhezogeu zu werden, so lebhaft hervorgetreten, daß sogar eine entsprechende Petition an den Reichstag gerichtet wurde. Ohne daß man die Unzulänglichkeit der Leistungen, besonders an dem natürlichen Wunsch unserer Beamtenschaft gemessen, den olieiitlich angestellten christlichen Kollegen mit gleicher Vorhildüng hinsichtlich der Alters- und Reliktenversorgung gleichgestellt zu werden, verkannte, überwog doch die Genugtuung über die Erfüllung des langgehegten Wunsches, endlich einen, wenn auch noch so bcschcidcncn Rechtsanspruch erlangt zu haben. Lme gewisse Verbesserung der Leistungen wurde durch die Umwandlung der bestehenden Lehrerhilfskassen in ״Ereatzkassen“ im Sinne des Gesetzes und ihre Zusammenfassung in eine Verbandskasse angestrebt. Der D. J. G. B. hat große Opfer an Geid und größere an Arbeit auf Erreichung dieses Zieles verwendet, du unter schwierigen Verhältnissen Mögliche ist geschellen, die Verbandskasse int in Tätigkeit und die Frage ihn r "cnu jilti-en Lu1.;,!,ur1g durch die Aufsichrhetiö.de v.v.l <m t.'l». •.hliiuer' Zeit entschieden werde n. Gleichviel «!kr, ob ׳d, ■־. heiß er! trehte Ziel erreicht wird,!!,*!;', .!!1• Ikli,׳; ge an eine unter kollcgiaier Leitung nid,ende Kr<!־.:*.c oder ob sic* schließ-’ lieh äodi;;n den ,1! ,;,;•!t werden müssen, sic bleibe« eine ä,iickt;״k* ,.de.r.tung für die in ihrer Mehr/..:־,! d11 buoldut I״a1i״c1:schaft, zumal für die Fiir.:or;,!id.*tcn unter ihnen, die ׳schon voiher freiwillig Beiträge für AUujunu Reliktenversorguhg übernommen haben. Bei ddi jei'igen teuren Zeiten ist die Luge manclicr Beamten geradezu kritisch geworden und!;ißt Schlimmes bmiird.Ser, Dcr.li.'.lb hat• sidi d,;r Verl., ,d der jüdischen Lchiervudiic an den De״i״d1-t:.raeliti!;chcn Gemeindebund als den immer hil.:bereiten Anwalt, wie der Gemeinden, so der Beamten gewandt, er möge ׳die erster«! veranlassen, die Ik!träge für die Angcstclltcnversicherung im vollen Betrage zu übernehmen. Eine ernste Aufgabe, der sich der Bund im Vertrauen auf die Erkenntlichkeit der Gemeinden für die treue Pflichterfüllung ihrer Beamten unterzieht. Zu seinem Teile geht der D. I. G. B. mit dem Beispiele voran, indem er für sein Personal, die vollen Beiträge übernommen hat. Gern würde er mehr tun und den bcdürftigsten Gemeinden, deren Beamte eine Hilfe ja am nötigsten haben, finanziell bcistchcn. Aber es ist genugsam bekannt, daß die knappen Mittel des D. J. G. li. mehr als gänzlich für die von ihm bcreits übernommenen Aufgaben fcstgeicgt sind; er ist zurzeit für mehrere unaufschiebbare Aufgaben bei den Großgemcindcn gleichzeitig vorstellig, er kann die eine Sache nicht durch die andere schädigen. Ein gutes Vorzeichen ist cs, daß bereits verschicdcnc Gemeinden freiwillig im Sinne unseres Appells vorgegangen sind. So dürfen wir hoffen daß überall, wo es irgend möglich ist, die Ocmemden diesem würdigen Vorbilde nachstrcben und den Trägern des Gottesdienstes und des Unterrichtes, den Erhaltern und Förderern unserer Religion die Möglidikcit schaffen werden, deren Forderung zu er• füllen daß sic Gott in Freuden dienen. Das vermag nur der, der wenigstens von den allcrdrückendsten Sorgen frei ist.“ a» «4 14 M and Sache, daß die Amnestie äußerst dürftig ausgefallen ist und seihst im Vergleich mit derjenigen vom Jahre 1<)05 einen Rückschritt bedeutet. Wenn es also in der Presse und im Parlamente geheißen hatte, Maklakow kämpfe im Ministerkabinett gegen den Justizminister Stschcglowitow um eine Erweiterung de« Ra hin eng der Amnestie, so war es eine vorübergehende Täuschung der öffentlichen Meinung. Jetzt weiß man wenigstens, mit wem man es zu tun hat. Türkei Die Versuche der englischen Juden, die Regierung des Landes in der Frage der Pässe jüdischer Reisender In Rußland zu einer ähnlichen Haltung zu bewegen, wie sie die amerikanische eingenommen hat, sind bekanntlich bisher erfolglos geblieben. Man glaubt jedoch, daß das Verhalten des Ministers nicht sowohl von prinzipiellen Bedenken als vielmehr von den Forderungen der augenblicklichen politischen Weltlage diktiert war, und hält an der Hoffnung fest, daß unter veränderten Verhältnissen die Bemühungen weniger aussichtslos erscheinen dürften. Bonar Law, der Führer der Unionistcnpnrtci hatte in der Vorwoche während seines Aufenthaltes in Manchester mit dem Rabbiner Dr. Solomon eine kurze Unterreduug über die Frage und bat ihn, ihm ein schrittliches Exposä über die Angelegenheit zugehen zu lassen. Nach Erhalt dieses Schriftstückes hat er nun Herr« Dr, S n 1 o 111 o n mitgeteilt, daß er hei der ersten Gelegenheit, die sieh bieten würde, für diese gc* rechte Sache eintreten werde. Finnland Das Ministerium hat wieder einmal einen ikweis seiner doppelzüngigen Haltung gegenüber den Juilen gegeben. Nachdem das Parlament eine neuerliehe Beschränkung der jüdischen Rechte nbgelclint hat, ist miumehr eine Kommission eingesetzt worden, welche über die Besserung der Lage der Juden beraten soll. Durch diese Maßnahme »oll äugenschein lieh die öffentliche Aufmerksamkeit von den Judenmistreibungen abgelenkt werden, die gleichzeitig angeordnet wurden. Russland Wenn man bisher noch im Zweifel darüber gewesen ist, zu welcher Partei der neue Minister des Innern Maklakow gehört, so sind nunmehr alle Zweifel behoben worden. In demon• s t r a 11 v e r Weise hat er nämlich am Kong r e ß des Verbandes des russischen V o I* kes tcilgcnommen, der von Purischkewitsch, Markow und Genossen in der letzten Woche gelegentlich des Ronianowjubiliiums nach Petersburg einberufen worden ist. Neben Maklakow war es aus den ministeriellen Kreisen nur noch der Oberprokurcur Sablcr, der die crzrcaktioiiiirc Kundgebung öffent lieh gefordert hat. Hat er doch den Verbnndlcrn sogar die offiziellen Oberprokurctirsräume für ihre Verhandlungen zur Verfügung gestellt, Maklakow aber tat 80, als ob er mit dem Verband des russischen Volkes aufs engste liiert wäre. Somit sind also alle Legenden von einem liberaleren Geist, der mit Maklakow ins Ministerium des Innern eingezogen sei, hinfällig geworden. Ganz dazu stimmt auch die Tat Die jüdischen Hilfsgcscllschuftcn hatten bereit* durch ihre Delegierten, die Herren Dr. Paul Nat h a h, Elkan Adler und Dr. Bernhard Kahn, die den Balkan bereisten, Vorsorge getroffen, daß der notleidenden jüdischen Bevölkerung Adrianopel■• die mit 18 000 Seelen fast ein Viertel der Einwohnersehaft ausmacht, sofort nach dem Falle der Festung rasche Hilfe gebracht werden könne. Seit einiger Zeit wurden für (15 000 Frs. Lebensmittel, Heizmaterial, Kleidungsstücke üsw. bcreitgehalten, die einen Tag nach dem Fall der Festung nach Adrianopel gebracht wurden. Eine clfglicdrigc Kommission reiste in einem Sonderzuge, der einen Waggon Geflügel und zehn Waggons Lebensmittel enthielt, zur Hilfe- Icistung ab und ist bereits in Adrianopcl eingetroffen. Auch zwei Krankenschwestern von Berlin und ein Arzt zur Pflege der Kranken und Verwundeten mit den nötigen Medikamenten sind von Sofia, wo sie inzwischen stationiert waren, nach Adrianopel abgegangen. Herr Großrabbincr Dr. Ehrenpreis hat sicli acht Tage später ebenfalls nach Adrianopei begeben. * Die griechische Bevölkerung von Rhodos nimmt nach wie vor den Juden gegenüber eine äußerst feindliche Haltung ein. Erst ganz kürzlich wurde — glücklicherweise noch rechtzeitig — ein Attentat entdeckt, durch das beabsichtigt wurde, eine ausschließlich von Juden bewohnte Straße durch Dynamit zu zerstören. Man befürchtet das Schlimmste für die Juden, sobald die Italiener ihre Besatzung zurückgezogen haben werden. Die Juden haben eine Adresse an die Großmächte gerichtet, in der sie ersuchen, die Insel nicht in griechischen Besitz übergehen zu lassen. somsTisciie QEi.cQuna Zionistisches A B-C-Buch In Vertretung von Herrn Dr. Theodor Z10 c i s 11 bitte ich alle diejenigen, die die Bearbeitung von Artikeln für die zweite Auflage des Zionistischen A-B-C-Buchs übernommen haben, ihre Manuskripte umgehend an mich gelangen zu lassen. Dr. Gott hold Weil, Berlin, Wallncrtheaterstr. 31, ptr. TVRheri &SP0RT Von der jüdischen Turnbewegung in Palästina Vor mir liegt ein 10 Seiten umfassendes Heftchen in hebräischer Sprache, das mir ganze Bände zu sprechen scheint. Es ist das erste Zirkular de» Turnverb,indes ״Maccohi“ In Palästina. In knapper Darstellung gibt es ein Bild von ernster, mühevoller Arbeit. Die jüdische Turnbewcguftg In Pall* stin,1 befindet sich noch in den ersten Anfängen. Noch mangelt es vielfach am Notwendigsten: an Turnlehrern, Geräten und zum Teil auch — au der Sprache. Neue hebräische Bezeichnungen für turnerische Hebungen und sportliche Spiele müssen gebildet werden — und sie werden gebildet. Langsam aber rastlos wird die Arbeit vorwärts gebracht. Wanderlehrer werden mit der Aufgabe betraut, an verschiedenen Orten zu wirken; Lehrkursc werden zur Ausbildung von Vorturnern eingerichtet, Schauturnen und Wettspiele veranstaltet. Die einzelnen* Vereine sind seit einem halben Jahre in einer Ge- Samtorganisation zusammcngcschlosscn, deren in Jaffa befindliche Zentrale eine recht stramme Ws* ziplin einzufüliren sucht und nun auch mit der Heraus* gäbe einer Turnerzeitung begonnen hat. Ihr Pro* gramin umfaßt nach der ersten Publikation mannig- •faltige Aufgaben: allem voran Fragen der Organisation, des Verhältnisses zwischen der Zentrale und den einzelnen Vereinen sowie zwischen den Vereinen untereinander Smlann sollen darin die Wege und Mittel zur Erreichung der allgemeinen Ziele der jüdischen Turnbewegung in Palästina erläutert werden, die das gesamte körperliche und geistige Leben ihrer Anhänger umfassen wolle und sic zu gesunden Menschen und ganzen Juden heranzubilden strebe. Es sei auch erwünscht, daß die Verbandsmltglieder, die zumeist auf den Ocbieten der öffentliehen Betätigung in hervorragendem Maße wirken, in wichtigen gesellschaftlichen Fragen Hand in Hand