Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1913-03-28 · Heft 13 (28.3.1913) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 13 (28.3.1913)
Date
1913-03-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2651273-2651815-2651829--08872-2666154
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 13 Seile 12*1 JUEDISCH E RUNDSCHAU (Jcstahlt wie der Körper ist der Wille dieser Jugend. Ein Wille beherrscht sie: Ihr Volk zu erneuern' I:s war die erste große Demonstration der nationaljüdischen Jugend des Deutschen Reichs. So will das lest gewertet sein und ähnlich wurde es auch öffentlieh vom Vorsitzenden des Ausschusses, I lerrn Rechtsninvalt G r e i f e 11 h a g e n , verkündet. lieber zweihundert junge Männer zogen kräftigen Schrittes, frohen Sanges in die Halle, nahmen flink Aufstellung und turnten flott und gleichmäßig die Freiübungen. Es scldoll sich das Müiincrtiiriicii in Riegen an. Kolli turnte am Barren, I laiberst,•1dl, Hamburg am Reck, Posen am hohen Plerd mit l ederbreit. Es würde zu weit führen, alle 21 Riegen;ait/u/ahlen. An allen Geraten wurde ein gutes Mannschaftsturnen gezeigt. Jeder Turner suchte das beste zu geben, um eine gute Gesnmtwirkung zu erzielen. Man bewunderte nicht den einzelnen Münchener, Königsberger oder Berliner Turner. Der Eindruck einer einheitlich geschlossenen Masse, ohne «lern einzellten das Individuelle zu nehmen, sollte erweckt « erden. Dies ist schöner und besser gelungen, als wir erwartet haben. Das Frauenturnen zeigte drei Abstufungen im Turnen am Barren, Acht Barren, an vier der B.ir Kochba-Berlin, dem sich die wenigen auswärtigen Bainen .•!!»schlossen, an den anderen vier der ״lftus“ (,,Jüdischer Frauenbund für Turnen und .Sport“). In der Unterstufe galt es die leichten Uebungen möglichst gut auszuführen: die Mittelstufe zeigte schon turnerische Gewandtheit und Schulung. Die Oberstufe turnte Uebungen, wie sic von mittelguten Turnern der Miiniicrabtcilungen ausgeführt werden. Diese Uehungen wurden gut und mit weiblicher Grazie ausgeführt. Das Frauenturnen wurde mit 16 schönen wirksamen Freiübungen eingeleitet. Diese 150 Frauen sind unser Stolz und unsere Hoffnung. Sie sollen uns als Mütter dereinst ein frohes kräftiges Geschlecht junger Juden schenken. Und von klein auf wollen wir das neue Geschlecht erziehen. Das zeigten unsere 100 spielenden Kinder, Knaben und Mädchen. Ich sah einen alten Mann stolz lachenden Auges, als in fröhlichem Spiel die kleinen Jungen, vom Prelltuch aus in die Luft geschleudert, das Haiigeltau hoclibefcstigt wie es war — am Ende zu erwischen versuchten, emporhangelten und sich in mutigem Schwung hinabwarfen. Die Männer zeigten eine Musterriege am Reck. Das gute Turnen wird am besten charakterisiert, wenn man bedenkt, dall schön und korrekt nusgeführte Riesenwellen nicht die schwersten, nur die seihstverständlichen Leistungen der ausgewählten Zwanzig darslcllten. Es schlossen sich verschiedenartige Sprünge über Doppel- und Dreifach-Bock und Salto am Federbrett an. Fünf Kölner Turner zeigten in absolutem Gleichmaß mit viel Geschick mehrere Gruppen von Stockschlagübungen und erweckten liier• mit den stärksten Beifall des Tages. 21 Frauen des ״Bar Kocbb.1“ (Berlin) wählten als Sondervorfülirung gleichzeitig ausgeführte Hantel-, Stab- und Keulenschwingübungcn. Es klappte gut und ergab ein liiib• schcs Bild. Die mwrtlichen Veranstaltungen waren leiclitath- Ictischc, Fcchtübungen und Saalhockey. Der ״Iftus“ ließ 17 Damen mit französischem Florett autreten. Erst wurde Schule gefochtcn, alsdann fochten zwei Damen miteinander und zwei Damen mit dem Fechtmeister. Der ״Bar Kochba“ stellte eine Mäimerricge mit deutschem Stoßrapier und eine aus K. Z. V.ern bestehende studentische Säbciriegc. Die Studenten zeigten Schulhicbc, Kontrafechten und Mensurfechten mit Sekundanten und Testanten. Ein Bild von Sport und Spiel. Und mehr: ein Zeichen der Wehrhaftigkeit für unsere jüdische Ehre. Bei den leichtathletischen Vorführungen sahen wir den sportlichen Wettbewerb in Hocksprung mul Stabhochsprung; bei letzterem war Eg er (Berlin) der weitaus beste. Im 800-m-Lauf lag Jakobi (Berlin) dauernd an der Spitze und siegte überlegen. Die Laufkonkurrenzen sind natürlich bei den engen Kurven der Halle nicht einwandfrei. Doch sic zeigten das Können unserer Sportslcutc. Im Stafettenlauf 10 > SO Meter siegte die 1. Männerabteilung des ,,Bar Kochba“ (Berlin), Das Können unserer Sportsleute kam in der Halle am besten beim Stillaufcn dem Beschauer zum Bewußtsein, Die 80 jungen Läufer lassen die Aussicht auf gute sportliche Leistungen für diesen Sommer erhoffen. Das Fest wurde mit einem Hockeyspiel beendet. Es sei noch gesagt, daß Eg er (Berlin) und Wohl (Posen) am besten turnten, daß Brüll der kräftigste und Meyer deif fleißigste Gipfclturncr war. Mit anerkennenswerter mehrseitiger Unter- Stützung leitete Burin die Veranstaltungen und sorgte für einen schönen und würdigen Ablaut'. Die Zuschauer waren voll befriedigt, ja bcgeistert. Ihre Begeisterung führe sie in unsere Reiben. ' Stefan Docrnberg. IV.Delegiertcn־undMltglicdervcrsammlung des jüdischen Frauenbundes E. V. in Leipzig (Fortsetzung.) Der zweite Tag, Mittwoch, 19. März, brachte zunächst die Neuwahlen zum Bundesvorstand. An Stelle der ausscheidenden Beisitzerinnen, Frau Lea C a I v a r y (Posen) und Frau Martha Schlesinger (Frankfurt a. M.), wurden Frau Kommerzienrat Eugenie Wert heim (Kassel) und Frau Strdtrat Julie Wiener (Kattowitz) in den Vorstand berufen. Es referierten hierauf Frau Isabclla Heim (Nürnberg) über ״B a h n h o f s h i I f e“ und Frau Henry I.evi-Elkan (Frankfurt a. M.) über ״Wob• 111111 g 8 f ii rsor g e“. Den Anregungen der Vortra• geiidcii folgend, beschloß die Versammlung, zwei neu zu konstituierende Kommissionen mit dem wei• teren Ausbau der hier gegebenen Gedanken zu he■ trauen. Am Nachmittag erstattete Frau Stephanie Fnrchhcimcr (Frankfurt a. M.) Bericht über das M ä d c h c 11 - R c 11 u 11 ין s 11 c i in 11 e s I ü d I s e h c 11 F r a 11 e!1 b 11 n d e s zu Frankfurt - Neu - Isenburg. Dieses habe während seines bisherigen fünfjährigen Bestehens über 80 jüdischen Mädchen Aufnahme gewährt und solle zu einem Zentrum der Fürsorge und Nächstenliebe misgebaut werden. Ferner sprach Frau Paula Nassauer (Frankfurt a. M.) über das ,,1'r ,111׳ e n b u c h“. Dieses soll durch Sammlung der besten Arbeiten zeigen, was die jüdische Frau der Gegenwart in Kunst, Literatur und Wissenschaft zu leisten vermag. Nunmehr folgte ein Referat der Frau I lelene Meyer (Stargard) über ״A r h e i t s 11 a c h ־ w eis 1111 d S t e 11 e 11 v e r m i 111 u 11 g“. I )er Jiidisclie Frauenbund als Verkörperung der jüdischen Frauenbewegung betrachte auch diesen wichtigen Teil sozialer Arbeit als Anfang jeder vernünftige» Sozialpolitik. Weiterhin wird man in Zukunft mit dem Bureau für Statistik der Juden in Berlin in staudige Verbindung treten, Sittlichkeitsliteratur verbreiteil, die Liste cler Vcrtrnucnspcrsoncn für!las Ausland tunlichst erweitern, die Errichtung von weihliehen Jugendgruppen und Frauenheimen propagieren und eine Petition wegen Anstellung jüdischer Lehrerinnen an öffentlichen Schulen an die zuständigen Behörden richten und die organisierten deutschen Frauen veranlassen, diese Petition zu unterschreiben. Schließlich sprach noch 111־. Pappenheim über die bekannte Broschüre ״Kinderelend“ der Schwester Henriette Arendt, einer getauften Jüdin, und legte dar, wie sehr darin die wahren Verhältnisse übertrieben und durchaus objektiv zu behandelnde Tat- Sachen tendenziös entstellt worden sind. Den ar* beitsreichcn Tag beschloß ein gemeinsames Abendessen. Am nächsten Morgen tagten die Kommissionen. Vom Jüdischen Verlag Mit dem Herannahen des XI. Kongresses wird sich die Nachfrage nach den Protokollen der vergnngenen Tagungen, mit dem besten Agitationsmaterial der zionistischen Bewegung, bedeutend steigern, Um mm die Aufgabe, die eine eifrige Werbetätigkeit an alle Zionisten stellt, zu erleichtern, hat der ״Jüdische Verlag“ den Preis des Protokolls zum X. Kongreß bei Abnahme von Partien zu 10 Stück auf 1 M. in broschiertem, 1,50 M. in gebundenem Zustand festgesetzt. Auch hat der Verlag die Restauflage des V. Kongrcßprotokolls, das die genaueste Darstellung der Verhandlungen bietet, aus denen die Schöpfung des J. N. F. und die Richtung der demokratischen Fraktion hervorging, aufgekauft und mit dem geringen Preis von 2 M. für das broschierte Exemplar versehen. Von der hebräischen Wandkarte von Palästina, die in allen interessierten Kreisen großen Beifall gefunden hat, ließ der Verlag eine vierte Ausgabe!!erstellen auf lackierter Leinwand mit Stäben zum Schulgebrauch, die den Vorzug größerer Daucrhaftlgkeit besitzt. Ferner verweisen wir auf das Inserat in dieser Nummer. 53 TRiBi/erie Zu dem Artikel ״Zur Naturgeschichte des K. C.“ in Nr. 11 unseres Blattes schreibt uns Herr E. Marx, Essen: Sehr geehrte Redaktion I Als Abonnent der ״Jüdischen Rundschau“ las ich den Aufsatz von Dr. Landau: ״Zur Naturgeschichte des K. und war ganz überrascht, ln welchem Lichte ich mich da wiedersah. Ich, der Ich m ja dischen Fragen einen ״positiv-jüdischen“ Standpunkt cinnehme, soll auf einmal Abwehrjude, Zionistenfresser usw. sein. Herr Dr. Landau hat mich ganzlieh mißverstanden. Wer sucht, der findet. Herr Dr. Landau sucht hinter Tendenz und Oebahren des K. C. gewisse Züge, und er findet sic daher auch aus jeder Acußerung jedes K. C.'ers. Es ist mir unangenehm, in einem Lichte zu erscheinen, wie Dr. Landau mich hinstcllt; es kontrastiert dies völlig mit meinen Anschauungen. Ich wäre Ihnen daher sehr verbunden, wenn Sie diese und die folgenden Zeilen in die nächste Nummer Ihres Blattes aufnehmen würden. Unter den Momenten, die ich als wesentlich für die K. C,*Tendenz hinstellte, vermißt Dr. Landau das positiv-jüdische Moment. Er sucht mich in Gcgensatz zu bringen zu Dr. Holländer, welcher die innerliche Durchdringung mit allen Fragen des Judentu ms als Aufgabe des K. C. hinstellt. Ich kann darauf Herrn Dr. Landau nur erwidern, daß die jüdische Grundlage des K.C. für mich etwas Sclbstverstündliches ist. Wenn man in zionistischen Kreisen vielfach sagt, daß sich die deutsch-vaterländische Gesinnung von selbst verstehe, so sage ich, daß für mich die jüdische Gesinnung sich von selbst versteht. Ich bekenne mich an dieser Stelle nun aber auch ausdrücklich zu dem erwähnten Standpunkt Dr. Holländers. Es wird mir dann zum Vorwurf gemacht, daß ich sagte, ein K. C.'er könne nicht Zionist sein, soweit der Zionismus deutsch-vaterländische Gesinnung verachte, Darin soll eine Kränkung oder gar Deiiiinziatimi aller Zionisten liegen. Nim geht doch klar aus meiner Acußerung hervor, daß ich nur eine ganz bestimmte sehr kleine Spielart des deutschen Zionismus meine, jene Spielart, die siclf B. kürzlieh auf der jüdischen AkademikerversaiimiUmg in Berlin (zur Besprechung der Kliitikerfragc) in dem Wort von der unglücklichen Liehe zu Deutschland olfenbarte. Ich dachte nicht daran, das Gros der deutschen Zionisten in jener Weise zu charakterisieren; aus der Wendung ״soweit" geht klar hervor, daß ich nur einen Bruchteil meinte, Es geht aus dein Satz im Gegenteil hervor, daß ein Zionist, der nicht die Empfindungen jenes Bruchteils hegt, Mitglied des K.C. sein kann. Wer auf dem Boden des Tendenz- Paragraphen des K. C.-Statuts steht, kann, wie Dr. Holländer nusführte, im übrigen in jüdischen Fragen jeden ihm richtig diinkemlcn Standpunkt cinnchmcn. Ich persönlich z. B. darf mich als aufrichtiger Freund aller wirtschaftlich-kulturellen jüdischen Xolonisationsbestrebuugcn in Palästina bezeichnen. Jedenfalls halte ich mit Dr. Holländer die lebendige Pflege der jüdischen Fragen für eine Aufgabe des K. C. Was jene Spielart des Zionismus betrifft, welche nach meinen Ausführungen im K, C. keinerlei Platz hat, weil sic eben gänzlich außerhalb des Bodens der K. C,-Tcndcnz. steht, so habe ich aber auch hier wahrhaftig keinerlei ״Denunziation" beabsichtigt. Ich habe nur gesagt, daß sic keinesfalls in den K. C, gehört. Endlich ironisiert l)r, Landau meine Hoffnung, daß auch in Deutschland noch manches sich bessern wird. Ich zweifle allerdings nicht im mindesten daran, und glaube hierbei das Gros der Zionisten auf meiner Seite zu haben, daß die politische Stellung der dcutsehen Juden sich mit dein früher oder spater zu erwartenden Siege der Linken bessern wird. Als Gast Ihres Blattes wollte ich lediglich auf die Glossen Dr. Landaus zu meinem Tendenzaufsatz erwidern; ich muß cs mir leider versagen, allgemein auf den Artikel l>r. Landaus zu antworten. Gestatten Sie nur folgende Bemerkung: Dr. Landau zitiert Acußcrungcn von Dr. P. Alsberg, der übrigens niemals Redakteur der K. C.-Bliittcr war noch ist (wie Dr. Landau behauptet), sowie die harmlose Bemerkung Dr. Klempners, um ein Bild zu geben, wie K. C.’er sich zur Trinkfrage stellen. Es wäre objektiver gewesen, gleichzeitig auch die entgegengesetzten Artikel zu zitieren, so den von Dr. Marum: ״Cavcte commilitoncs“ (I, 4, 61) und den von Dr. Simon: ״Sport oder Alkohol“ (1, 6, 94). Uebrigcns ist Dr. Landau ebenso wie ich überzeugt, daß sich in den Kreisen zionistischer oder nationaljüdischcr Akadentiker ebenso viel Begeisterung für den Trinkkomment findet wie in den von ilim zitierten Artikeln. In dieser Weise wäre vieles, ja wohl alles in dem Artikel Dr. Landaus zu glossieren; doch, wie gesagt, ich muß mir versagen, darauf cinzugchcn. Indem ich Ihnen für eine Veröffentlichung dieser Zeilen im voraus verbindlichst danke, bin ich ergebenst Dr. phil. et jur. Erich Marx, * Zu vorstehenden Ausführungen schreibt uns Herr Dr. Landau: Das Bekenntnis des Herrn Dr. Marx zu einem positiven Judentum ist sehr erfreulich, und trotzdem muß ich aufs schärfste gegen ihn Stellung nehmen. Die Methode, mit der er seinen von mir angegriffenen Satz über den Patriotismus der deutschen Zionisten ־׳״rtddigt, ist direkt antisemitisch — man verstehe mich recht: Es ist die Methode, die die Antisemiten in einem ganz, konkreten Falle, nämlich der sögenannten Ritualmordfragc, gegen uns Juden anwenden, um uns zu schädigen. Wenn man sich mit irgendeinem Antisemiten, viele werden sagen, überhaupt mit einem Christen, über das Ritualmordmärchen unterhält, wird man immer dasselbe hören: ״Natürlich fällt es mir nicht im geringsten ein, der Gesamtheit der Juden den Vorwurf zu machen, daß sic Ritualmördc begehe; aber es existiert eben eine kleine Sekte, die Sie vielleicht selbst nicht kennen, unter den Juden, die usw. usw.“ Herr Dr. Marx argumentiert genau 80: er meint nur eine kleine, .ganz bestimmte Spielart des deutschen Zionismus usw. usw. Nun Herr Dr. Marx! Ich stehe seit 10 Jahren in der zionistischen Bewegung — da der Zionismus in Deutschland erst 15 Jahre alt ist, ist das eine immerhin lange Zeit — ich kenne einen großen Teil der maßgebenden Führer des deutschen Zionismus persönlich; die Spielart, die Sie meinen, habe ich noch nicht gefunden! Wir sprechen von deutschen Zionisten, daß englische oder französische Zionisten deutsche Patrioten sein sollen, kann kein Mensch verlangen. Herr Dr. Marx erwähnt den Ausspruch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.