Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVIII (1913)
- Issue
- Heft 11 (14.3.1913)
- Date
- 1913-03-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 11 JOED15CHI3. RUNDSCHAU. Seite 105 Julien würde, der Gesamtheit der deutschen Juden Schaden zu bringen. Es ist doch eine alte Cie• schichte, daß bei judenfeindlichen Maßnahmen für die Regierungen noch immer der Grundsatz gegolten hat: ״Blut ist Blut, und Jud' ist Jud’l“ Die An• preisuug des K. C. als besonders zuverlässige Stütze des Deutschtums scheint bei den maßgebenden Stellen auch nicht den gewünschten Erfolg zu haben, denn, klagt der K. C. I, 5, 83 ״Der K. C. zählt nicht einen Beamten in der Regierung und nur einen Richter!“ Mir persönlich sind hingegen allein zwei jüdische Richter bekannt, die sich zum Zionismus bekennen und außerdem noch zwei preußische höhere Beamte. Vielleicht geht die Regierung dabei von dem Oe• danken aus, daß das andauernde im Munde führen des Wortes ״deutsch-vaterländisch“ noch kein gc-!lügender Beweis sei. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen! Um hier den Punkt K. C. und Zionismus abzuschließen: ״Einen Kampf gegen den Zionismus will der K.C. nicht.“ (Dr. Solon 11,3,46.) Fs gibt nämlich zionistische Alte Herren im K. C. Ich bin mit der Auslegung des Tcndciizpar.1•;;(,׳iplicii noch nicht zu Ende. II, 3, 15, ״Klar und deutlich gibt die Fassung des Tcndcii/.paragrnphcn wieder, daß wir die deutschen Juden als einen Teil des deutschen, nicht des jüdischen Volkes ansehen." Es wird hier also glatt die Einheit des jüdischen Volkes geleugnet. Und der K. C. ist ein Beweis dafür, daß es eine Einheit des jüdischen Volkes gibt! Beweis: Annoncenteil I, 20/11, 216. Herr Ingenieur-Technolog Jacob S. Mcycrsohn Viadrinae-Darmstadt aus Ncrft, Kurland, Rußland, zeigt seine Verlobung an, Was hat der Russe Mcycrsohn im K. C, zu suchen, wenn der K, C. sich als Teil des deutschen, und nicht des jüdischen Volkes betrachtet? Ferner, wie konnte der Holländer Wilhelm Loeb aus Haag in den K.C. aufgenommen werden? (11,4,75.) Holland ist doch nicht Deutschland, im Gegenteil, es steht, wie wir aus der jüngsten Vergangenheit wissen, in ziemlich engem Konnex mit dem Erbfeind Frankreich. II, 2, 27. ״Der K.C. lehnt die Bestrebungen zur Lösung der deutschen Judenfrage außerhalb Deutschlands ab." Der einzelne K. C. er für seine Person anscheinend nicht! Dr. Aufrecht wohnt in Sault St. Marie Ontario Kanada, I, 8, 126, Dr. Alexander in New York, Dr. ־ Hirschland in Landen E. C. (II, 2, 36), ebendort Patent-Ingenieur Daniel Baruch (II, 2, 10). Sie werden wohl alle gute K.C. er bleiben, aber wenn sic die übliche Karenzzeit in ihren neuen Vaterländern abgesessen haben, Bürger von Kanada, Amerika, England werden. Und wenn nicht sie, dann ihre Kinder. ״Sie werden (sc. in Amerika — Anm. des Vcrf.) vollgültige Staatsbürger I. Klasse werden, ohne sich zu diesem Zwecke mit der Schmach der Taufe beflecken zu müssen.“ (Dr. Aufrecht 11, 4,66.) Aber das deutsch-vaterländische Prinzip?! Man verzeihe mir, daß ich so auf dem Ausdruck ״deutsch• vaterländisch“ herunircite, aber ich habe das vom K.C. gelernt, er arbeitet damit auch bei allen mög• liehen und unmöglichen Gelegenheiten. Gelegentlich der Frage der Aufnahme der Bonner K. C.-Vcrbiiulung Rhcno-Silesia in die Vertretervcrsammlung der dortigen Universität, ersucht die präsidierende Burschenschaft Frankonia die Rhcno-Silesia ״um eine kurze Mitteilung der Grundsätze, besonders bezüglich der der Schlange im Paradies; cs wäre lächerlich, darauf erst noch hinweisen zu müssen. Aber Gott nicht mehr als Schöpfer von Himmel und Erde gelten zu lassen, das ist auch für einen liberalen Rabbiner ein starkes Stück. Mit diesem lieben Gott, der nur so in meiner Brust wohnt und als!״sittliche Stimme“ eine demütig-verstohlene Existenz führt, kann ich nur herzliches Mitleid haben. Ich bin noch immer so rückständig, daß mich ein aus dem Vollen ■gegriffener ״heidnisch-kosmischer“ Satz wie: ״Die ״Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes und seiner Hände Werk kündet das Firmament“ tausendmal mehr erbaut, als der konstruierte Begriffsgatt der ״Geistesjeligion“. Wollte man nach Zieglerschcm Rezept eine Säuberung der Bibel von allem Kosmischen vornehmen, so würde das eine nette Bescherung werden. Die schönsten Psalmen, die grandiosesten Visionen der Propheten müßten unrettbar der Zensur verfallen. — Der sittliche Grundcharaktcr des jüdischen Gottes- ■begriffe! in allen Ehren; aber einer Ucbcrspamiung der ethischen Idee zuliebe Gott aus dem Tempel «der Natur hinauszuweisen, das heißt doch bedenk- Jich über da* Ziel hinausschießen, ״Heilig, heilig, heilig ist der Qott Zebaoth“ - jawohl I Aber wie geht cs weiter? ״Voll ist die ganze Erde seiner Herrlichkeit.“ Den ethischen Gehalt des Rclißlonsgesetzcs 18• raels hat< der Verfasser mit Eifer und Geschick vertreten. Unterstützt von einer unendlichen Fülle heweisender Zitate aus dem nachbiblischem Schrifttum bekämpft er wirksam die sattsam bekannte Auffassung christlicher Theologen, welche der Tochterreligion den Sauerstoff des Lebens zu entziehen fürchten, wenn sie nicht von der ״talmudischcn Stick¬ Frage, ob eine wohllöbliche Verbindung prinzipiell nur jüdische Studenten nufnlinmt, ferner oh eine wohllöbliche sieh den Satzungen der V. V. zu unter* werfen gewillt ist“. I, 5, 74, Die Rhcno-Silesia autwertet mit einer sehr verständigen Auseinander- Setzung, warum sie nur jüdische Studenten aufnehme und der Schlußsatz! ״Im übrigen wissen wir uns mit der gesamten Studentenschaft eins in der in der Förderung aller gemeinsamen Interessen und der Betätigung vaterländischer Gesinnung.“ ״Vaterländisch“ im Original gesperrt gedruckt! Wir sehen, der K. C. kann nicht genug tun in der aufdringlichen Betonung der selbstverständlichen Pflicht eines Staatsbürgers, und wir haben ja oben gesehen, daß er damit den gewünschten Eindruck nicht erzielt. Er wurde selbstverständlich auch in Bonn nicht in die Vertretervcrsammlung aufgenomincn. ״Nur der S. C, stimmte dagegen.“ i, 5, 76. ״Nur“, ist nicht schlecht! Denn dem S.C. gehören an, um es noch einmal zu betonen, der Kaiser, der Kronprinz, und was sonst noch ein bißchen was ist in Deutschland. In der Betonung seines bewußt-jüdischen Standpunkte« ist der K.C, lange nicht so scharf. Dr. Lcrchcnthal untersucht In einem Artikel II, 4, 57 die Stellung der Juden zu den Parteien des Reichstages. Sofort erhält er von der Redaktion einen Rüffel. II, 4, 58. ״Hinsichtlich des vorstehenden Artikels bcmerken wir, daß nach unserer Auffassung die Stellungnalime der Juden zu den politischen Parteien und zu den Reichstagswahlcn nicht nach einseitigjüdischen Gesichtspunkten zu beurteilen ist, sondern daß diese Frage in erster Linie von uns als Deut* »che n zu lösen ist.“ ״Deutsch“ wieder einmal gesperrt gedruckt! Der Ausdruck ״einseitig-jüdische Gesichtspunkte“ im Munde der offiziellen Vertretung einer bewußt-jüdischen Korporation ist sehr, sehr merkwürdig — was würde man sagen, wenn ein Kriegervereinsvorsitzendcr von einseitig-patriotischen Gesichtspunkten sprechen würde? Aber die K.C.er handeln auch nach dieser Parole I Man erinnert sich, wie energisch der K. C. er Dr. Haas im Reichstage geschwiegen hat, als bei der Beratung des Militärctats wieder einmal die Frage der Beförderung der jüdischen Reserveoffiziersaspiranten angeschnitten wurde! (EiertanteI). Aber wie heißt es doch im Tendenzparagraphen des K. C.? ״die jederzeit bereit und imstande sind, für die politische und gesellschaftliehe Gleichberechtigung der Juden einzutreten“. Da Herr Dr. Haas wohl imstande ist, wird er wohl nicht bereit gewesen sein! Es ist klar, daß dieser zahme ״bewußt-jüdische“ Standpunkt wirklich selbstbewußten jungen Juden nicht imponiert und so kommt cs• denn, daß ״sich einzelne jüngere Organisationen unbestreitbar rascher entwickelt haben, als der K.C.“ (Schoe• nenberg I, 7, UM.) Den Niedergang des K.C. werden auch die ״liberalen“ Rabbiner nicht aufhalten können. ״Gott schütze mich vor meinen Freunden“, müßten die K. C. er rufen, wenn sie den inneren Zusammenhang erkennen würden 1 Vorläufig lassen sie sich noch von den ״liberalen“ Rabbinern Kcilartikcl für ihre Zeitschrift schreiben. Rabb. Dr. GolUmann-Oppeln schreibt II, 1, 2 über ״Die Bedeutung des K.C. für das deutsche Judentum“. Er hat ein durch keinerlei Sachkenntnis getrübtes Urteil, da er nie K.C.er gewesen ist. Dem Kapitel ״Disziplin im K.C.“ widmet er einen ganzen Abschnitt. Ich spreche ihm auch auf luft“ reden. Manche treffende Bemerkung verdient hervorgehoben zu werden, z. B. der Hinweis, das Christentum habe die Sittlichkeit personifiziert, d. h. eine Persönlichkeit als Vorbild aller Vollkommenheit aufgestellt, während das Judentum die Ethik objektiviert, d. h. durch augenfällige Beispiele aus dem täglichen Leben klarz.umachcn sucht, wie man religiös-sittlich handeln müsse. Ziegler ist besonnen genug, die historischen Religionen alaObJcktivierungendescthlschen Prinzips gelten zu lassen, und so verschwimmt ihm das Judentum nicht ganz und gar zu einem diffusen Gebilde. Interessant ist am Schlüsse seines Werkes der Notschrei nach Vereinfachung und Eindämmung der gesetzlichen Vorschriften des Judentums. Mit diesem Schrei nach der Reform steht der Verfasser nicht vereinzelt da, und die Richtlinien der liberalen Rabbiner sind seiner Sehnsucht Erfül- (urig gewesen. — Letztere zeigen aber auch mit Eviden/., wie gefährlich die religiösen Reformen im Judentum werden können, wenn sie nicht national gcrichtet sind, nicht organisch aus dem Boden einer Volkskultur emporwachsen, sondern die Assimi- I a t i on zur Voraussetzung und — zum Endzweck haben. Damit kommen wir wieder zum Ausgangs• punkt unserer Kritik zurück. Die religiöse Reform im Galuth gleicht jenem Rohrstab, von dem die Bibel spricht: Er durchbohrt die Hand dessen, der sich auf Ihn stützt. — Auch Ziegler wird mit seinem Buch keine nachhaltige Wirkung ausüben in Israel, Wenn überhaupt, so werden die Heroen unserer reli• giösen Entwicklung nur auf palästinensischem Boden gedeihen können. * diesem Gebiete die Sachversländigenqualilikation ab. Wer so wenig Disziplin hat, als Alter Herr einer Korikurrenzvcrbindung des K. C., des A. I.O. V. in > Berlin, Keilartikel für den K. C. zu schreiben und so seine eigene Korporation zu ncglegicren, der soll nicht über Disziplin reden. Würde das ein Alter Herr einer anderen Korporation tun, er säße umgehend vor der Tür. Einige Perlen habe ich aus seinem Artikel herausgesucht. Der Gegensatz zwischen B. I.C. und K.C. soll charakterisiert werden. 11,1,3. ״Der junge Student lernt (im K. C. — Anm. d. Verf.), daß eines ehrlichen Standpunktes Grundlage nicht hohle Begeisterung sondern Ucberzcugung sein soll.“ ״Hohle Begeisterung“ ist eine Zusammenstellung, die jedem, der deutsches Sprachgefühl hat, physisches Unbehagen bereiten muß und die Logik des ganzen Satzes ist die aller aus ״Ucberzcugung“ getauften Juden. Herr Dr. Goldmann sagt auch (II, 1, 4), daß gerade jene unter den nichtakademischen jüdischen Verbänden, die im Geiste des K. C. auf allgemeinem Boden unter Ausschluß einer bestimmten Partcirichtung sich gebildet haben, am besten gedeihen und die wichtigsten Erfolge erzielen. Diese Behauptung wird bei allen Kennern, ich rechne auch Dr. Gold• mann zu ihnen, ein mitleidiges Lächeln erregen. Es Ist auch geradezu lächerlich, etwa die eiserne Organi* sation der Deutschen Zionistischen Vereinigung mit den nur aus Honoratiorenvorständen bestehenden Zcntralvercincn deutscher Staatsbürger jüdischen Olaubens zu vergleichen und demzufolge das, was der Zionismus an innerer Erneuerung und Erstarkung im deutschen Judentum nach einstimmigem Urteil geleistet hat, mit der Gesamtheit der Ergebnisse der Eingaben des Zentralvcreins an Töchtcrschulvorstche* rinnen, Kurverwaltungen und Amtsgerichte in Pa• rallelc zu stellen. Wenn ich noch ein Beispiel gegen die Behauptung des Herrn Dr. Goldmann anführen soll: Die Jüdische Jugcndvercinsbcwcgung geht an ihrer ״Neutralität“ rapide und sicher zugrunde. Das Bild vom K.C, wäre unvollständig, wenn ich eine Seite unberücksichtigt lassen würde, ich möchte sie die alkoholische Tendenz des K.C. nennen. Herr Dr. Mainzer entrüstet sich darüber, daß man den K. C. als Pflegcstätte des Alkoholismus bezeichnet (U, 9, 166), ich führe als Gewährsmänner nur K. C. er an, ״Mit jedem Schluck Bier, das dem jungen Aktiven auferlegt wird, nimmt er zugleich eine Dosis Disziplin in sich auf.“ (Dr. Alsberg i, 5, 80 und wiederholt I, 7, 115.) Unwillkürlich stößt einem hier die Frage auf, wo die Disziplin bleibt, wenn der junge Aktive das Bier nicht schluckweise, sondern wie üblich, stromweise wieder von sich gibt. Von demselben Autor, der der Redakteur der K. C.-Blätter ist, stammen auch die goldenen Worte, I, 5, 79, ״Bier und Fcchtschncidigkcit sind von jeher Attri* hüte des deutschen Coulcurstudcntcntums gewesen, und wenn wir K. C. er deutsche Couleurstudenten sein wollen, so werden wir jener beider Charakterzüge nicht entbehren können!“ Das Wort ״beider“ von mir unterstrichen. Das heißt wirklich das deutschvaterländische Gefühl bis in die äußersten Konscquenzen treiben. Ich bezweifle aber, daß die K. C. er in dieser Betätigung germanischer Oesinnung jemals soviel leisten werden, wie ein gewöhnlicher Königsberger Kornträger, der \%—2 Liter Schnaps pro Tag konsumiert. Im übrigen folgen die K.C,er in Ihrer The Jcwish Ycar Book 1913. 5673 - 4. Hcrausgegeben von Isidore Harris, London, 1913. Jcwish Chronicle. I Sh. Das Buch erfüllt für England den gleichen Zweck wie das vom l>cutsch-Israc!i»ischen Ocmcindcbunde herausgegebene statistische Jahrbuch für Deutschland. Sämtliche Gemeinden Englands und der Kolonien mit ihren Beamten und Funktionären werden aufgeführt, sowie ein umfassendes Verzeichnis der in diesen Städten bestehenden Vereine und Organisationen wird gegeben. Merkwürdig mutet uns an das Communal Directory, in welchem eine große Anzahl von hervorragenden Personen des jüdischen öffentlichen Lebens mit ihren Titeln, Aemtcrn und Adressen genannt wird. Ein Verzeichnis von jüdisch-literarischen Publl• katloncn und geschichtlichen Daten beschließt das Buch. Ein Kalendarium mit Notizen über Minhagim usw., bearbeitet von Rabbiner Dr. Friedlaender, ist dem Jahrbuch beigegeben. Für die Orientierung, auch für zionistische Zwecke, ist das Buch sehr ge• eignet. Dr. Tannenwald -Hamburg. Der ״M ä ז z“ erzählt' folgende ״wahre Geschichte": Partenkirchen. Rodelbahn. Kronprinzemöhnc. Eine alte Schneejüdin zu Ihrem Sprößiing: ״Qeh, Siegfried, zum kleinen Prinzen, sag: Königliche Hoheit, wie alt bist du?“ Siegfried geht. ״Königliche Hoheit, ich •oll fr*• gen, wie alt du bist.“ ״Sechs Jahre, du frecher Judenjuage.“