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Jüdische Rundschau · 1913-03-14 · Heft 11 (14.3.1913) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 11 (14.3.1913)
Date
1913-03-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 104 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. U Fürstenberg, Herr Steiner. — E r s a t z d e 1 e!; i 0 r t c. Frl Aron Herr Goldschmidt, J ri. kamerase, Dipl.- Ing. Rcscek, Dr. Weigert. sämtlich Hamburg. Turn- und Sportverein Königsberg. Deicgierte• Leo Piczenick, Königsberg, Dr. A. Löwenherz, Berlin, Frl. E. Hurwitz, Berlin, Frl. (1. Haase, Berlin. , , ״ , J. T. V. Posen. Delegierte: Dr. Leo Golm, Herr Bernstein, Moritz Sachs, Frl. Baer, Ignatz Wohl, Oskar Schwarz. - Ersa t zd c l cg.i c r t e: Herr Brüll, Frl. Lnuffer, Herr Auerbach, sämtlich Posen. furnvcrcin Stettin. Delegierte: I lerr Aronheim, Stettin, Herr Freundlich, Stettin. j. T. V. Köln entsendet sechs Turner. Die Namen der Delegierten sind noch nicht bekannt gecrcbcn» j, T. V. Dortmund. Delegierter: Siegfried Bambcrger, Dortmund. J. T. V. Essen. Siegfried Moses, Essen. Die Agenden der Beratungen werden in erster Linie organisatorischer Natur sein. Es gilt dem Kreise, der von seiten des V. Turntages eingesetzt wurde, sein Statut zu geben. Die Stellung des Verbandes zu den verschiedenen anderen Organisationen wird auf ('!rund eines Referates festgclcgt werden, und es werden weiterhin technische Fragen erörtert werden, die sieb hauptsächlich auf die Einfügung des sportlichen Betriebes in den Rahmen der hestehenden Turnvereine beziehen. In der öffentlichen Eröffnungssitzung am Sonnabendabend wird Herr Dr. Sandler, Charloitenbiirg, ein Referat halten über ״Die körperliche Regeneration der Juden“. Für die breitere jüdische Oeffentlichkeit ist anherdem das grolle Hallcn-Turn- und Sportfest bestimmt, das am Montagnachmittag in der städtischen Zentralturnhalle in der Prinzenstraße, der größten Turnhalle Berlins, stattfindet. Der gesamte Turn- und Sportbetrieb unserer Vereine in seinen vielfachen Zweigen wird bei dieser Gelegenheit vorgeführt werden. In internen Vorturner-, Sportwnrts- und Vorturncrinncnstunden soll den Teilnehmern besondere technische Anregung geboten werden, und am Sonntagabend hat der Berliner Bar Kochba unsere Freunde zu seinem Puriinfcstc geladen. Zur Naturgeschichte des K. C. Lesefrüchte und Reflexionen von Dr. lsaac Landau. Ich habe während meiner Studienzeit manche K. C. er kennen gelernt, einen Kollegen darunter, der mir sehr sympathisch war; von dem Wesen und der Tendenz des K. C. habe ich aber nie eine genaue Kenntnis erlangen können und diesen Mangel oft schmerzlich vermißt. Ich war daher dem Zufall sehr dankbar, der mir eine Reihe von Heften der K. C.- Blätter in der Jüdischen Lesehalle in Danzig in die Hände spielte, und was ich daraus über Wesen und Ziele der ״Tcndciizvcrbindungcn deutscher Studenten jüdischen Glaubens im K.C.“ entnahm, will ich zu allgemeinem Nutzen und Frommen nebst den dazu gehörigen Glossen hierhersetzen, Eine Bemerkung vorher. Man muH den Leuten nicht unnötig Anlali zum Reden gehen! Ich gebe daher dem K.C. den wohlmeinenden Rat, das Titelbild der Zeitschrift abzuschaffen: Es zeigt drei dolelibewehrte vorwärts stürmende Jünglinge, denen die Randleiste des Klischees sämtlich die obere Schädelpartie mit dem darin befindlichen Gehirn abgeschnitten hat. Line TemJeii/.vcrhindimg wird charakterisiert durch ihren Tenden/paragraph. Ich habe das letzte Heft der K. C.-blätter noch nicht erhalten können und kann daher nicht bestimmt versichern, «laß ich die nüerneuste Tendenz des K.C. hier aufuhreii kann. Dieser Zweifel erscheint nicht unberechtigt, wenn man bedenkt, daß der K.C. seinen Tcnden/pai'agrapli seit iSÜS schon zweimal geändert hat. Ich will alle drei Fassungen unverändert hierher setzen: II, 3, •11*). ithiS. Die Tendenz der Verbindungen im K.C. ist der Kampf gegen den Antisemitismus in der Studentensehaft, die Erziehung ihrer Mitglieder zu selbstbewußten Juilen, die sich ihrer Pflichten gegen ihr deutsches Vaterland bewußt bleiben und im biirgcrliehen Leben die Gleichberechtigung der Juden zu verteidigen imstande sind. Die Verbindungen im K.C. nehmen keine Stellung zu irgendwelchen politischen und religiösen Scmderhcstrehungen innerhalb des Judentums. I‘HW». Die Verbindungen im K.C. haben zum Zweck, den Kampf gegen den Antisemitismus in der deutschen Studentenschaft und die Erziehung ihrer Mitglieder zu selbstbewußten Juden, die auf deutschvaterländischer Grundlage im bürgerlichen Leben die vollständige politische und gesellschaftliche Gleich- Berechtigung der deutschen Juden erstreben. *Die Verbindungen im K. C. nehmen keine Stellung zu irgendwelchen politischen und religiösen Sonderbcstrclumgcn innerhalb des Judentums. HMW. Die Verbindungen im K. C. stehen auf dem Boden dcutsch-vatcrländischer Gesinnung. Sie haben zum Zweck, den Kampf gegen den Antisemitismus in der Studentenschaft und die Erziehung ihrer Mitglieder zu selbstbewußten Juden, die im Bewußtsein, daß die deutschen Juden einen durch Geschichte, Kultur- und Rechtsgemeiiischaft mit dem deutschen Vaterland •unlöslich verbundenen Volkstcil bilden, jederzeit bereit und imstande sind, für die politische und gesellschaftliche Gleichberechtigung der Juden eiiiziitreteii. Zu politischen und religiösen Sonder- Bestrebungen innerhalb des Judentums, sofern sie der Tendenz von Absatz 1 nicht widersprechen, nehmen die K. C.-Verbindungen keine Stellung. Man bemerkt, wie das jüdische Prinzip immer tiefer rutscht und dafür das deutsche immer höher steigt. Warum? Weshalb? Wozu? Hat sich seit dem Jahre 1SS6, dem Griiiidungsjahre der 1. K. C.-Verbindung ״Viadrina“, In der Lage der jüdischen Studentenschaft so viel verändert? Auch Herrn Dr. Solon (II, 3, ■II) stößt diese Frage auf: ״Was waren die Ursachen für die immer stärkere Betonung des deutschen Gedanken? Waren es Kon- Zessionen an die,antisemitischen Gegner? Wollten wir durch Betonung unserer Vaterlandsliebe unsere Gesinmuigstiichtigkeit beweisen?“ Ich will die Fragen des Herrn Dr. Solon noch offen lassen und zuerst meine beantworten, immer mit Zitaten aus den K. C.- blättern! 1, 5, 76 ״Der S.C. geht mit einer Juderiver* bimlung nicht in einem (Fest-)Zuge!“ Dem S. C. gc- *) Die römische Ziffer bedeutet den Jahrgang, die zweite Zahl die Nummer des Heftes, die dritte die Seitenzahl, hören an der Kaiser, der Kronprinz, sieben andere preußische Prinzen und außerdem noch sonst, was zu den maßgebenden Kreisen gehört! Auf dem Kartelltag der Deutschen Burschenschaft wird 186() der Antrag angebracht (II, 8, 15J) ״Jüdische Reichsaiigehörige sind nicht als Deutsche zu betrachten.“ Der Antrag' wird zurückgezogen, dafür ״gibt aber der A.D. C. der Erwartung Ausdruck, daß auch in Zu• kimft die Rursdiciisdtaftcii in ihrer ablehnenden Hai- Bing gegenüber der Aufnahme jüdischer Studierender einmütig zusammenstclicn werden“. Dieser Beschluß wird 1807 bestätigt. ״Ja,“ sagt Dr. Marx I, 5, 71, ״man hat die Juden im gesellschaftlichen und öffentliehen Lehen tief gedcmiitigt, eine reaktionäre Ströimmg hat an ihrer Liebe zur deutschen Nation gerüttelt, dennoch gibt der K. C. die Hoffnung nicht auf, daß eine bald nahende Zeit den Geist der Humanitas und Liberias auch in Deutschland zum Siege führen möge über Chauvinismus und hochmütiges Autochthoncntum!“ Wem fallen da nicht die schönen Sprichworte ein, die es über die Hoffnung gibt, besonders daß Hoffen und Harren usw.l Der Tciutcu/paragiaph lies K.C. sieht vorläufig bombenfest; nicht dasselbe kann man von der Auslegung des Tciidcnzparagraphen sagen. Dr. Marx I, 5, 70 sagt, die erste und wichtigste Aufgabe des K.C. sei die Bekämpfung des Antisemitismus im studentischen Leben, dann die im bürgerlichen Leben, dann käme die Erziehung zu deutsch-vaterländischer Gesinnung und schließlich der Standpunkt der Neutralität in allen jüdischen Dingen. Dr. Holländer II, 3, •12 meint dagegen: ״Es ist klar, daß man den K. C.-Ocdaiikcn nicht erfaßt, wenn man ihn als einen auf akademische Verhältnisse zugcschnittencn Abwehrverein (gemeint ist doch wohl der ״Verein zur Abwehr des Antisemitismus“ Der Verf.) auffaßte. ״Die innerliehe Durchdringung mit allen Fragen des Judentums ist unsere Arbeit.“ Das ist doch etwas anderes, als was Dr. Marx sagt, für mein Empfinden übrigens auch etwas Schöneres! Von Dr. Marx stammen auch Aussprüche über den Zionismus, die eingehendster Beachtung wert sind. Er sagt: ״Das K. C.-Statut verwehrt es dem K. C. er keineswegs, kolonisatorische Bestrebungen zur Lösung der gesamten Judenfrage in den Landern des östlichen Mittelmeeres zu unterstützen, in den unendlich zukunftsreichen Ländern der Levante, mit Palästina, mit Jerusalem als Mittelpuukt. Ob diese Bestrebungen ausgesprochen völkischcn Charakter tragen, ist Sache des wandelbaren Temperaments der Bewegung und vor allem eine Frage der Zweckmäßigkeit.“ I, 5, 72. Sehr vernünftig gesprochen! Aber was hat Herr Dr. Marx im Satze vorher gesagt? ״Ein K.C.er kann nicht Zionist sein, soweit der Zionismus jedes Oleichbcrechtigungsbcstreben der deutschen Juden als unnütz, jedes Nichtlasscnwollcn vom vaterländischen Gefüllt als verwerflich betrachtet.“ Zum ersten Punkt kann man nur sagen, daß Herr Dr. Marx vielleicht nächstens noch entdecken wird, daß der Zionismus für die deutschen Juden einen 1000 ",0 Zuschlag zur Einkommensteuer erstrebt, und zum zweiten, daß cs Pflicht der Redaktion der K. C.-Blätter gewesen wäre, hier einzuschreiteii. Sie hätte sich sagen müssen, daß diese Charakterisierung eines beträchtlichen Teils der deutschen Juden als Hochverräter wie jede Dcnunziation eine zweischneidige Waffe sei, daß diese Denunziation falls überhaupt, doch nur den Erfolg Bücher und Zeitschriften Die GcUtcsreligion und das jüdische Rcligionsgesetz von Dr. Ignaz Ziegler. Mit einem Gcleitwort von Rudolf Eucken. Berlin, Verlag von Georg Reimer. Besprochen von N a t a n b c n M ord c c h a i. Der tiefen Sehnsucht unseres Zeitalters nach religiösen Werten eine Gasse zu bahnen, ohne in wissenschaftlich und philosophisch überwundene Vorstellungen vergangener Zeiten zurückzufallen, dies hohe Ziel hat Rud. Eucken begeistert, die Grundlagen einer ״Geistcsrcligion“ zu zeichnen, welche ähnlich wie der Deismus vergangener Jahrhunderte die Gebildeten sämtlicher Konfessionen umfassen könnte. Das Wesen dieser Geistcsreligion kann dahin gefaßt werden, daß sie den Gottesbegriff nicht nur von dogmatischen Beschränktheiten, sondern auch von allen kosmischen Verbindungen vollkommen loslöst und mit dem sittlichen Bewußtsein des Menschen, seinem Streben nach Vervollkommnung identifiziert, wobei die ״Persönlichkeit“ Goltcs natürlich hinfällig wird. — Eine Auseinandersetzung mit dieser Geistesreligion vom Standpunkt des Judentums aus ist in jedem Falle eine Notwendigkeit. Darum müssen wir den* Verfasser Dank wissen, gleichgültig, ob wir seinen Thesen ausnahmslos zustimmen können oder nicht. Uns interessiert die Arbeit vor allen Dingen von unserem zionistischen Standpunkt aus, und da haben wir von vornherein an den erkenntnistheoretischen Voraussetzungen des Verfassers Kritik zu üben. Eine Wertung des Judentums, die aüf seinem ethlsch-rcligiösen Gehalt ausschließlich basiert, muß ebenso zur Einseitigkeit führen wie die Wertung auf ausschlicßlieh nationaler Grundlage. Wie zu einem klaren Sehen beide Augen erforderlich sind und das Zudrücken einen Auges, sei cs das rechte oder linke, ein versthobencs Bild ergeben würde, so wird nur derjenige eine klar umrissciie Anschauung vom Judentum gcwiiuien, welcher bei seiner Beurteilung den ethisch• religiösen und den nationalen Gesichtswinkel gleich• zeitig anzulegen weiß. Von dieser Grundwahrheit aus, die leider für viele noch keine Binsenwahrheit ist, müssen wir bemängeln, daß Ziegler in seiner Schrift das jüdische Gesetz nur als Religionsgcsctz gelten lassen will und lediglich auf seine ethisch-sittlichen Zwecke hin behandelt. Allerdings spricht er auch vorübergehend von den nationalen Prinzipien des Judentums, aber Nationalität und Religion sind ihm auch in Israel ״zwei vollständig gesonderte Gebiete“, und das erste Moment wird dem zweiten durchaus untergeordnet. Von dieser falschen Prämisse aus gelangt Ziegler zu einem verkehrten Schluß. Er sagt: ״Der Stolz, auf die hohe Stufe der eigenen Religion ist für den Kulturjuden die sicherste Basis für die Treue zur Nationalität.“ Nun, die Erfahrungcii des vorigen Jahrhunderts zeigen zur Genüge, daß dieser Stolz die sichere Basis leider nicht war. Der Satz wäre umgekehrt richtiger gewesen. Mit dem Schwinden des jüdischen National!- tätsgcfühls ist unzähligen Kulturjiidcn auch jedes positive religiöse Interesse abhanden gekommen. Ei ist tausendmal wahrscheinlicher, daß ein Nationaljude, der sich in die Kultur und Gedankenwelt unseres hebräischen Schrifttums versenkt (denn von bloßen Hcdadschrcicrn reden wir nicht), zur Würdigung der religiösen Faktoren in Israel fortschrcitet, als daß ein assimilierter Religionsjude — Religion in Reinkultur — von seinen abstrakten Begriffsbildungen aus den Weg zur konkreten jüdischen Nationalität zurückfindet. Deswegen ist auch die Polemik verfehlt, die Ziegler gegen Dr. J 0 s e p 11 - S t o I p führt. Wenn Joseph behauptet: ״Die wicdercrwachende Nation mit ihren großen äußeren und inneren Erlebnissen wird ihre religiös-ethische Genialität von neuem bekunden“, so ist damit nicht gesagt, daß Joseph, wie Ziegler will, ״die Religion a!1 die Nationalität bindet“, sondern er meint, daß ein neues nationaljüdischcs Leben in Palästina religiöse Strömungen auslösen kann, welche das Bett der nationalen Gemeinschaft überfluten und der Mitmensehheit zum Segen gereichen werden. So war es auch in alter Zeit der Fall, wo der religiöse Reichtum Israels überquoll und die Welt tränkte, wie eine volle Brunnenschalc ihre Wasserfülle überströmen und in ein weites Sammelhecken abfließen läßt. Durchaus muß man aber auch vom jüdischreligiösen Standpunkt aus dem Versuch Zieglers entgegentreten, den Gottesbegriff vom Kosmischen völlig loszulöscn und ausschließlich auf das sittlich-ethische Prinzip fcstzulcgcn. Mit diesem Ver* such setzt sich Ziegler in krassen Widerspruch nicht nur mit dem orthodoxen Judentum, sondern auch mit der von den Entwicklungsfanatikern so stark geliebkosten ״Religion der Propheten“, welche sich auch der jüdische Liberalismus von den Schlacken primitiver hebräischer Oottesvorstellungen gesäubert denkt. — 1*c sechs Tage der Weltschöpfung sind im Judentum ebensowenig Dogma gewesen, wie das Reden

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