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Jüdische Rundschau · 1913-03-07 · Heft 10 (7.3.1913) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 10 (7.3.1913)
Date
1913-03-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 9ö JUEDJSCHE RUNDSCHAU Nr. 10 heit — als auch der Gemeindevertretung gefunden. Bis nun gehören der jüdischen Turncrsclialt der Verein Bar Kuciiba mit ca. 600 Mitgliedern, der ״Jini. I rauenbund f. Turnen u. Sport“ mit 180 Mitgliedern, der Ruderklub "Ivria■‘ und die Ruder- und Turnabtei- Jungen des V. J. St. an. Mit jedem Jahr wächst das allgemeine Verständnis für die Bedeutung der körpcrlichen Pflege der Jugend. Auch wir Juden lernen einscheii, daß es eine physische Kultur gibt, die man nicht ungestraft vernachlässigen darf, (ierude der Umstand, daß die deutschen Juden /u 02 ״״ Städter und zu mehr als 50 "״ Großstädter geworden sind und als solche vielfach Berufen obliegen, weiche weniger physischen, um so mehr psychischen Anstrengungen ausgesetzt sind, recht fertigt vor allem die Bedeutung derartiger Bestrebungen, die zu fördern Pflicht eines jeden Juden sein dürtte. T. ן!יי § f\« n 1« Mitteilungen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland ln unseren Beständen fehlt Nr. •II der Jüdischen Rundschau vom Jahrgang 1012. Wir bitten diejenigen unserer Freunde, die diese Nummer entbehren können, uns ihi Exemplar zur Verfügung zu stellen.. ׳4 In einer Stadt Oberschlesiens (70 000 Einwohner) bieten si.uli einem jüdischen Optiker gute Niederlassungsinöglichkciten, Anfragen an unser Bureau erbeten. AUS D€M öSMeiriDCN Berlin, 4. März. Der Verein ״Jüdische Lesehalle und Bibliothek" hielt am 22. v. M. in seinen Lcscräumvn, Oranienburger Straße 58, die 10. Generalvcrsanifnlung ab. Der Vorsitzende Dr. Max Ginsberg eröffuete die Sitzung und richtete an die zahlreich erschienenen Mitglieder folgende bcachtcns• werte Ansprache: ״Die Jüdische Lesehalle und Bibliothek vertritt von jeher die Ueberzeugung, daß es ohne ein gesichertes Wissen nie eine gesicherte Gesinnung geben kann. In dieser Gewißheit hat sie seit Beginn ihres Bestehens ihre unverrückbare Auffabe zu erfüllen gesucht, und da wir jetzt von den rfolgen unseres 18. Arbeitsjahres berichten, können wir mit freudiger Genugtuung feslstellen: Das Ziel war hoch und die Wege waren gut. Wir schulen breite, jedem bequeme Zugänge z.utit jüdischen Buch, zur Fülle der Tatsachen, die Lehre und Geschichte umfassen, Diese Litefatursehät/.e werden in unserer Bibliothek andauernd vermehrt. Auch im Berichtsjahrc haben unsere Bücherbestände, insbesondere dank den hochherzigen Zuwendungen der Herren Geheimrat Professor Ludwig Geiger und Oskar Tietz, eine wertvolle Bereicherung um etwa 550 auf 8500 Bände erhalten, von denen im verflossenen Jahre ungefähr 50 0״ ausgeliehen wurden. Linen hedeutenden Zuwachs hat unsere Büchersammlung in jüngstcr Zeit durch die Dr, Gustav K a r p e I e s - Biblioflick erfahren, für deren Ucbcrwctsiuig wir der Witwe Dank zollen. Auch unsere Zeitschriftciiabteilinig ist unseres unvergeßlichen Mitarbeiters den wärmsten im Berichtsjahre erheblich vergrößert worden, so daß jetzt in den Leseräumen 08 jüdische Blätter in den verschiedensten Sprachen ständig ausliegen, die auch in reichem Maße benutzt wurden. Ich erwähne nur, daß im letzten Jahre eine Besuchsziffer von '11 (!15 Personen festgestellt werden konnte, ein überzeugender Beweis für das außerordentliche Bedürfnis, dein unser Werk entspricht. Mögen diesem Werke im begonnenen Jahre neue Mithelfer erstehen und möge in w'eitere Kreise unserer Gemeinschaft die Erkenntnis dringen, daß jüdisches Wissen das jüdische Gewissen stark inacht!" Nach diesen mit lebhaftem Beifall mitgenommenen Ausführungen erstattete der Schatzmeister Herr Iknas Levy den Kassenbericht, der in Einnahmen und Ausgaben mit 8000 M. ahschließt. Durch Vergleiche mit früheren Rcchnungsabschliissen zeigte er, wie sich das Institut aus beseheidensten Anfängen zu seiner gegenwärtigen Bedcutung lorteutwickelt hat. Herr Iknas Levy dankte insbesondere der hochherzigen Gönnerin des Vereins, Frau Franziska Gins berg, die für die Adolf Ginsberg-Stiftung, wie alljährlich, auch in diesem Jahrc einen namhaften Betrag gestiftet hat, sowie dem Ehepaar Oscar Tietz für seine materielle Hille. Auf Antrag der Revisionskommission erfolgte dann einstimmig die Entlastung für den um die Zwecke des Vereins hochverdienten Schatzmeister, Berlin. Am 1. Januar 1014 werden 200 Jahre seit der Einweihung der Synagoge Heidereutergasse verflossen sein. Dieser 200. Gedenktag des ältesten Gotteshauses der Gemeinde soll durch eine entsprechende Feier festlich begangen werden. Berlin. Dem soeben erschienenen XI. Rechenschaftsbericht der ״jüdischen Arbeiterkolonie'‘ in Weißensee entnehmen wir: Die Gesamtzahl aller seit Bestehen Aufgxnommenen hat 6000 erreicht. Die Arbeitslöhne betrugen 24 501,44 M., davon wurde den Kolonisten ein Akkordguthaben von 8452,18 M. gutgeschrieben, Es wäre zu wünschen, daß die jüdische Arbeiterkolonie in Weißensee, entsprechend ihrer so ausgedehnten segensreichen Wirkung recht zahlreiche Freunde und Gönner fände, damit sie fortan sich aus eigenen Einnahmen erhält. Erwünscht ist auch die Zuwendung gebrauchter Kleidungsstücke, die, soweit Berlin in llcliacht kommt, auf eine an Herrn Inspektor Behrendt, Weißeusce, Wörtstr. 20 zu richtende Postkarte ahgcholt werden, Uffhcim. Eine interessante Entdeckung machte man hier in einem Hause, in welchem augenblicklich Reparaturen vorgenoinmeii 1werden. Ah in .an den Keller tiefer legen wollte, bemerkte man, daß die Kellertreppe weiter in den Boden hincingiiij:. Man grub nach und stieß schließlich auf einen mit Buhlen bedeckten Holtbaum, in welchen die Treppe führte. Als die Balken entfernt waren, deckte man ein zwei Meter langes und 1,50 Meter breites Bassin auf, 111 dem klares (ducllwn-xcr stand. Da sich in den Wänden Vertiefungen befanden, wohl um Kerzen auf/unehmen,' glaubt man es mit einem alten ״Mikwcli" zu tun zu haben. In Uffhcim wohnen Juden seit dem Linie des 17. Jahrhunderts. Sehr zahlreich war jedoch die dortige isracltischc Bevölkerung nie, und heutzutage gehört die Gemeinde zu denen, die in absehbarer /.eit verschwinden werden. Karlsruhe. Die Herren Geh. Oherregiertmgsrat Dr. David Mayer in Karlsruhe, Rechtsanwalt Dr. Theodor K a u f m a n 11 in Heidelberg, und Rechtsamvalt l)r. Moritz Straus in Karlsruhe wurden zu Mitgliedern des Oberrnts und Bczirksrabbiner Dr. Baiiah Mayer in Bühl zum Koufereuzrabhiner ernannt. Worms. Der Vorstand der hiesigen Gemeinde versandte dieser T;j|׳c ein Rundschreiben an die Geinciiuicmitglieder, m welchem die Einrichtung von Kursen in der hebräischen Sprache und Vorträgen über verschiedene Gebiete der jüdischen Religion«- Wissenschaft nngekündigt wird. Dieselben werden von Herrn Rabbiner i)r. Holzer geleitet und stehen Interessenten unentgeltlich zur Verfügung. Wronke. Ein Schauermärchen über ein versuchtes kiüialverbrcchen erregte in diesen Tagen aufs höchste die Gemüter der hiesigen Einwohner. Der Vater des dreizehnjährigen Walter I) r o I d n e r machte auf dem hiesigen Poli/cihurcau die Anzeige, daß sein Sohn Walter von der jüdischen Hiindlerfaiuilie Jacob Kaiser der Freiheit beraubt worden sei. Was dort mit ihm gemacht worden sei, wisse er nicht, da er besinnungslos wurde, als mau ihn verschleppte und drei Stunden, bis ein halb 6 Uhr gefangen gehalten worden ist. Die nach dem Verhör des Jungen sofort aiigestellte Untersuchung der mysteriösen Angelegenheit brachte nicht eine Spur von Wahrheit ans Licht. Abermals wurde der Junge deshalb vor die Polizei geladen und einem strengen Verhör unterzogen. Er blieb dabei noch immer bei seiner Aussage und be* teuerte die Wahrheit derselben, bis ihm Zeugen gegenübergestellt wurden. Weinend gestand er dann, daß er die Mär erfunden habe, lim einen Entschuldigungsgruml für seine Eltern zu haben, weil er zu spät nach Hause kam. Ihm brach, so erzählte er, auf dem Wege nach Hause das Rad, so dal) er zwecks Repar.'itur nochmals umkelsren mußte. Da cs iuzwisehen sehr dunkel wurde, hatte er diese Mär erfunden, um sich vor Strafen zu schützen. Gefragt, wie er gerade auf diese Aussage gekommen sei, erklärte er, daß seine Mutter seinem Vater eines Abends eine ähnliche Begebenheit erzählt habe, die sich in Zirke /ugetragen liat, Diese Aufklärung ließ die Polizei durch Ausrufen verkünden. So entstehen Ritualmordmärelien, und wenn die Verleumdungen nicht gleich verscheucht werden, können leicht üble Folgen verursacht werden. Moment im deutschen jmlcntnm bilden sollte. Da zeigt sieh der UutersiIncd zwischen den!*liilistern und uns Zionisten, ׳ denn wir betrachten die Ausländerfrage von einer höheren Warte aus; wir haben ein Ziel. Wenn es aber darauf ankornmt, welcher Teil des Judentums der Erhaltung würdiger ist, dann kann man sagen, es ist besser, wenn die ׳Judenheit die auf einem solchen engherzigen, philiströsen Stand• Punkt steht, dem Untergänge anheim fällt. An den Vortrag schloß sich eine rege Diskussion, in der von verschiedenen Seiten die zionistische Frage, besonders aller das Problem der jüdischen Ausländer in Deutschland erörtert wurde. Es kamen 11. a. auch Orthodoxe, Liberale und auch ein Monist zum Wort, Am Ende der interessanten Debatte meldcte/i sich viele neue Mitglieder für die Ortsgruppe.־ I r**״\ . o Die Fraucnvereinigung der Zionistischen Ortsgruppe Hamburg-Altona veranstaltet am 23, März im großen Saale des Ctirioliatises ein Kinder- I’11 r i 111 f e s t, an das sich abends ein Ball für Erwachsene anscliließt. Das Fest soll in diesem Jahre besonders glänzend gestaltet werden, so daß den großen und kleinen Gästen sehr genußreiche Stun* den hevorstehen. Da der Reinertrag für die Tagesferienkolonie bestimmt ist, wäre der Veranstaltung ein recht günstiges Resultat zu wünschen. Am Sonntag, den 16. Februar, sprach Herr R.-A. tiro 11 e in a 11 n - Berlin im Curiohause vor einer 7<X)—SOßköpfigen Versammlung über: ״Gefahren t e n 11 e n z I o s e r j u d e n p o 1 i t i k.“ Er schilderte einleitend, wie die Stellungnahme der meisten Juden zu den Fragen ihres Volkstums in erster Linie durch das Beharrungsvermögen bestimmt werde und wies nach, wie wenig konsequent auch die Ansichten derer seien, die in Organisationen, Resolutionen und Richtlinien ihr jüdisches Programm festzulegen suchten. Ihnen allen fehle die Antwort auf die einfache, klare Frage, was aus unserem jüdischen Volke werden solle. So kann man auch die Ausländerfrage nur vom Standpunkt des jüdischen Volkes überhaupt erörtern. Man muß sich fragen, weshalb die ausländischen Juden herkomnien und was sie verlangen dürfen, welche Bedeutung sie für die Ent- Wicklung des Judentums haben und wie sic auf die Stellung der deutschen luden zu den anderen emwirkcii. Statt dessen wird ganz kurzsichtig mir die eine Konsequenz erwogen: Können uns deutschen Juden diese ausländischen schaden? ja, man hält es sogar für unmöglich, daß andere Juden diese Frage von einer höheren Warte aus betrachten und von Grundsätzen ausgehen. Es ist traurig, wenn nur che rurcht vor Unbequemlichkeiten das einigende Ü£R£INS״RUNDSCHAU Berliner Vereinskalender März: Sonnabend, den 8. März: ״Kadimah“: Oeffentliche Versammlung. Mittwoch, den 12. März: Jüdisch-nationale Frauen- Vereinigung; Vortrag, R.-A. üreifenhagen. Sonnabend, den 16. März: ״Cbevvra Kadischa": Gründungsversammlung. Donnerstag, den 20. März: Verein ״Gordin": Dramatisch-musikalisdier Abend. Mittwoch, den 26. März: Jüdisch-nationale Frauen- Vereinigung: KintJcrpurimbaU, Berlin. Am 20. März, um 0 Uhr abends, im ״Marinehaus", Brandenburger Ufer I, veranstaltet der Jüdische Literarische Arbeiter-Verein ״Gordin“ einen dramatisch-musikalischen Abend, wobei das Stück von H. II e i j c r 111 a 11 s ״Der ewige J u d e“ und das von Sclialom-Aleichem ״Nur a Doktor" in jüdisch aufgeführt werden. Sonstiges Programm des Abends: Jüdische Volks-Lieder (Solo- und Ghorgesaiig), Klavierspiel, Tanz usw. Berlin. Nach vielen Mühen ist cs gelungen, hier eine Chcwra Kadischa ins Leben zu rufen. Die konstituicrcnde Versammlung findet am Sonntag, den 16. er., vormittags statt. Näheres siehe im Inseratenteil. Berlin. Die ״Kadimah" (Gruppe der B. Z. V.) veranstaltet ain Sonnabend, den 8. März, 0 Uhr abds., im Restaurant Borowcr, Friedriclistr, 131 b, eine öffentliche Versammlung, in der Herr C 11 n s o n o iv i t z über ,,den nationalen Wert der amerikanischen Juden" referieren wird. Im Anschluß daran Diskussion. Gäste herzlich willkommen. Berlin. In der Jüdisch nationalen Fraucnver* cinigung spricht am Mittwoch, den 12. März, in Häverlamls Festsälen, Neue Friedriehstr. 35, Herr Rechtsanwalt G reifen 11 a g e 11 über Sport und nation a I e Erziehung. Berlin. Der Kinder-Purim-Ball der Jüdisch nationalen Frauenvereinigung findet am Mittwoch, den 26. März, nachmittags 4 Uhr im Tiergartenhof statt. Leipzig. Anläßlich des 1'11 r i m f e s t c s veraustallet die Zionistische Vereinigung zu Leipzig am Sonnabend, den 20. März 1013, in den oberen Sälen des Krysiallpalastcs ein großes Kostümfest, dessen Reinertrag anteilig der Hilfsaktion zugunsten der ycmenitischcn Juden zufliellen soll, Königshüttc. Sonntag, den 0. März, um 8 Uhr abends, veranstalten die vereinigten zionistischen Frauengruppcn: Königshiitte, Sdnvientochlowitz und Bismarckhüttc im (ioldstcinschcn Saal Bismarckhütte ein Winterfest, zu welchem wir alle obcrschlesischeri Gesinnungsgenossen herzlich einladcn. Wir bitten um recht zahlreiches Erscheinen, da der Ueberschuß für die Ycmenitcn verwendet wird. Programm: I. Madelienchor. Prolog! Festrede von Rechtsanwalt Dr. Dobrczinsky-Bcuthcn. II, Kabarett. III. Tanz. Kaffeepause. Gäste willkommen. Berlin. Am vergangenen Dienstag fand in der Berliner Misrachi-Gruppc ein weiterer Vortrag innerhalb der von dieser Vereinigung veranstalteten Zyklussc statt. Herr Dr. med. K a 11 n e r-Spandau referierte über ״A 11 j fi d i s e 11 e Hygiene". In außerordentlich anregender Weise stellte der Redner alle diejenigen Vorschriften des jüdischen Religionsgesetzes zusammen, deren Wirkungen sich ausschlicßlieh oder neben anderen auf das Gebiet der Hygiene erstrecken. Außerordentlich belebt wurde der Vortrag durch Anführung zahlreicher aphoristischer Aussprüche aus dem Talmud, die sieh auf das behandelte Gebiet beziehen. Eine, interessante Statistik über) die Sterblichkeitsiffern bei den Juden und ihren Wirtsvölkern, durch die die Wirkung der Hygiene erläutert wurde, schloß den Vortrag. Die Berliner Misrachi-Gruppc hat sich durch die Veranstaltung dieses anregenden Abends, dessen Besucherzahl leider zu wünschen übrig ließ, ein wirkliches Verdienst um׳die Verbreitung der Kenntnis altjüdischer Kultur erworben. Stettin. Unsere Zionistische Ortsruppe hat einen schmerzlichen Verlust erlitten durch den Heimmilie und seinen zahlreichen Freunden durch den

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