Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1913-02-28 · Heft 9 (28.2.1913) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 9 (28.2.1913)
Date
1913-02-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2651273-2651815-2651825--08824-2666102
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 0 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 85 nummcr nimmt zur zionistischen Bewegung Stei- Jung. Nicht alles, was dort gesagt ist, ist von uns. %\i unterschreiben. Immerhin kann cs uns freuen daß die jüdischen Lehrer die Bedeutung des Zionisinus öffentlich anzuerkennen beginnen. Es ist nicht viel, diese etwas platonische Anerkennung, aber doch genug, um in uns den Wunsch rege werden zu lassen, daß auch die nichtdeutsche jüdische Lehrerschaft gegenüber dein Zionismus von ihrer weltfremden in• dolenz ablasscn möge. Wir zitieren; ״So sehen wir auch in den Landgemeinden Böhmens heute langsam, aber stetig den zionistischen Oedanken cinziehcu, wir hören und lesen von Makkabäerfeiern allerorts. Für uns Lehrer hat diese Erscheinung eine nicht zu unter• schätzende Wichtigkeit, denn wir dürfen an dieser Erscheinung nicht achtlos vorübergehen. Und wollen wir nicht ganz, ausgcschaltet werden, so ist es unsere Sache, uns mit dem Zionsgedanken der heutigen Zeit vertraut zu machen, denn es gilt, die Leitung der Jugend sich nicht entgleiten zu lassen. Wer die Jugend hat, der hat die Zukunft. Vielleicht ist durch die für das Judentum — vorläufig in ihrer Art — begeisterte Jugend noch manches zu erhalten, zu retten. Wenn wir auch nicht ausgesprochene Zionisten sein wollen, so ist es doch unsere Pflicht, den Bestrebungen derselben nicht hinderlich zu sein. Freuen wir uns, daß die Jugend wieder in Judas Lager zu finden ist, daß sie sich mit der Geschichte ihrer Väter befreundet und bekannt macht, daß sie sogar sich Mühe nimmt, die heilige Sprache griind* * lieh zu erlernen. Wer sich einmal mit der Sprache beschäftigt, wird auch Interesse au der heiligen Lehre finden. Wer Liebe für seine jüdischen Mitbriuler empfindet, muß auch Jude in jedem Sinne sein. Wir wollen nicht skeptisch prüfen, ob die De• geistcrung bei einzelnen Führern und Trägern der zionistischen Idee vielleicht selbstsüchtige, ehrgeizige Zwecke verfolgt, allein das Gros der Zionisten sind Idealisten, die im wahrsten Sinne sich für die Idee opfern. Und wir sollten uns gänzlich zurückhalten und verschließen den herrlichen Erfolgen, die der Zionismus gezeitigt? Das wäre nicht bloß unklug, sondern auch unrecht. Wir haben unsere Ansicht ausgesprochen und wollen andere Meinungen hören.“ Galizien Da zahlreiche Fabriken ihren Betrieb eingeschränkt oder gar eingestellt haben, herrscht unter tausenden jüdischen Arbeiterfamilien Oaliziens buch• stüblich Hungersnot. Die Situation ist furchtbar, und rasche Hilfe täte dringend not. Unf/arn Auf Anregung des Herrn Paul Diamant-Wien hat sich ein Komitee zur Gründung eines PrelSburgcr Jüdischen Museums gebildet. Ein solches Museum wäre sehr zu begrüßen, denn hier gibt es zahlreiche kunstvolle Metallarbeiter Stickereien, Handschriften usw., deren Vereinigung ein anschauliches Bild von dem Kunstsinn geben würde, der im Prcliburgcr Ohctto geherrscht bat. Russland Dr. J. H u r w i t z, der jüdische Abgeordnete von Kurland, hat in der Duma seine Jungfernrede gehalten. Er begann: Die Absicht des Bihiuiigsministcrs ist, das jüdische Volk zu knebeln. Der Minister sagt, daß er in den Schulen keine Politik will. Er soll da doch selber einmal aufhören, Politik zu treiben, soll nicht zwischen die Kinder den nationalen Haß pflanzen. Danach ging er auf die Judenfrage im allgemeinen Über. Solange diese Frage nicht gelöst werde, könne Rußland nicht zu Fortschritt und Wohl• stand kommen. — Der Vorsitzende unterbrach hier den Redner und machte ihn darauf aufmerksam, daß der Etat Bildungsministcrium auf der Tagesordnung stehe. Infolgedessen verließ Dr. Hurwitz die Tribüne. Bekanntlich gibt cs im Chcrsoner Gouvernement ausgedehnte jüdische Bauernkolonion, die einzigen in Rußland. In diesen Kolonien, in denen sämtliche Juden sich ausschließlich mit Ackerbau beschäftigen, wurden jetzt mit Hilfe der lea Versuche ausgedehnter Traubenkulturen gemacht. Diese Experimente sind in solchem Maße gelungen, daß einzelne Kolonien jetzt hauptsächlich der Traubenkultur zugeführt und allmählich in größere Traubenkurplatze verwandelt werden sollen. Schon mit Rücksicht darauf, daß den Juden die Benützung ähnlicher Kurplätze in Rußland immer mehr erschwert wird, würden diese Traubenkurplätzc sehr zu begrüßen sein. * Die berüchtigte Vera Tschebcriakowa, die Brasul-Bruschkowsky als die Hauptschuldige an der Ermordung des Knaben Justschinsky bezeichnet hat, wurde am 21. d, M, von der Kiewcr Gerichts• kammer wegen Prlvaturkundcnfühcliung zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. Einige Tage vorher wurde der Bruder der Tschebcriakowa, Slngajcwski, und dessen Freund Latischew, die Bruschkowsky für die eigentlichen Mörder Justschlnskys halt, unter der Anklage des Bandendiebstahls verhaftet. Türkei Zur Zeit der Anwesenheit der Delegierten der ״Union des Association» Israelites“ in Konst,׳intinopcl befanden sich 3087 Flüchtlinge in Konr״׳.itllnopel, darunter etwa 426 Personen aus Adriauopcl, 387 aus Botirgas, 200!ms Rodosto, 614 aus Siiivrin, 4!ö aus Kirk-Kilisse, 317 nus Tschorlu. Eine große Anzahl anderer Flüchtlinge, die sich außer diesen in Kon•,, stantinopel aulhalten, können sich noch selbst unter• halten, während den angegebenen Flüchtlingen alles — Wohnung, Kleidung, Nahrung, Heizung usw. — geliefert werden muß. Es sind bisher an Hilfsgeldcrn in Konstantinopel etwa 120000 Frcs. cingcgangen, davon 100 000 Frcs. aus dem Auslande und 20000 Frcs. aus Konstantinopel und der Türkei. Die gesamte Summe ist auch bereits verausgabt worden. Trotzdem uns gesagt wurde, — so heißt es in dem Bericht — daß in den letzten Monaten in Konstantinopel erhebliche Sammlungen stattgefunden haben, so z. li. 16 000 Frcs. für die durch Erdbeben Geschädigten, 16 000 Frcs. für den Roten Halbtnond und 15000 Frcs. für die Opfer des Krieges, bestanden wir doch darauf, daß in Konstantlnopcl selbst, besonders in den wohlhabenderen Teilen Pera und Galata neue Sammlungen vorgenommen werden. Das ist auch geschehen. Infolge der ausgezeichneten Fürsorge sind die jüdischen Flüchtlinge auch erfreulicherweise von den schweren Epidemien verschont geblieben, die unter den mohammedanischen Flüchtlingen so furchtbare Opfer gefordert haben. Amerika Bekanntlich hatte Präsident Taft gegen die von beiden Häusern des Kongresses angenommene Bur• nctt-BIII sein Veto eingelegt. Nun wurde im Senat der Einspruch des Präsidenten überstimmt und die Vorlage gelangte zur endgültigen Entscheidung an das Repräsentantenhaus zurück. Am 10. Februar fand nun im Unterhaus die Abstimmung in dieser Angelegenheit statt. Dabei erklärte sich das Haus mit 213 gegen 114 Stimmen für die Aufrechtcrholtung der Bill. Da jedoeli zu einer Ucbcrstimmung des Vetos Zweidrittelmehrheit erforderlich ist und an dieser fünf Stimmen fehlten, ist die Vorlage kraft des Vetos des Präsidenten gefallen. PAL߀5TINA:RUMD5CHAU Palästluß-Relsc-Ocoellschaft (e. V.) In Hamburg Mit dem Eildampfcr ״Wien" findet am 28. Mürz a. c. eine Gesellschaftsreise nach Palästina statt zu erheblich ermäßigten Preisen, Nur um• gehende Anmeldungen können noch berücksichtigt werden, da die Einzahlung des Fahrpreises bis zum 1. März erfolgen muß. — Fahrkarte Triest—Jaffa und zurück ca. 450 Frs. II. Kl. und ca. 650 Frs. I. Kl. Reisekosten im Lande je nach den Ansprüchen zwischen 10 und 30 Frs. pro Tag und Person. — Die Mitglieder der f׳aläs(ii1n־Rcise־GesclNclinft werden liüflielist gebeten, die Jahresbeiträge umgehend ein• zusenden an Rechtsanwalt Dr. Bruno Tannenwald, Hamburg, Kaiser Wilhclmstr. HO. Die bis zum I. März nicht eingegangenen Beiträge werden unter Zuschlag der Kosten per Nachnahme eingezogen. Gesinnungsgenossen werden wiederholt auf die außerordentliche Wichtigkeit von Palüstlna־Rclscn hin• gewiesen und dringend aufgefordert, unserem Vereine beizutreten. Die Verlosung findet am Chol-ha-Moed Pessach statt. Palästina-Rcisc-Gcscllschaft e. V. in Hamburg Der geschäftsführende Ausschuß i. A.: Dr. Chwolles, Hamburg-Bahrcnfeld, Mozartstr. 34. Die Parteipressc wird höfliehst um Nachdruck gebeten. gleichzeitig Schüler bei der Anfertigung ihrer Hausarbeiten zu beaufsichtigen hat. Offerten unter Angäbe der Gehaltsansprüche (bei freier Station) sind ׳ an unser Bureau zur Weiterbeförderung zu richten Ein in Rußland approbierter Zahnarzt möchte sich in einem kleinen Platze Deutschlands nicdcrlasscn, wo er die Möglichkeit hat, sich intensiv zionistisch zu betätigen. Wir bitten Gesinnungsgenossen, die eine entsprechende jNiederlassungsmöglichkcit nachweisen können, sich mit uns in Verbindung zu seizen. UlS'DgN fleMEIMDCM Berlin. Mit Rücksicht auf die schwierige ökonomische Lage in Jerusalem hat die Alliance den Betrag von 10000 Frcs. dorthin geschickt, die zur Zahlung der Miete für die arme Bevölkerung verwendet werden sollen. Berlin. 111 der letzten Repräsentantcn-Sitzung wurde von Herrn Lcwinski ein bereits früher ein• mal gestellter Antrag wieder eingebracht, wonach die Steuerveranlagung für die Mitglieder der jüdischen Gemeinde dahin geändert werden soll, daß die Ver* aniagung nicht mehr gleichmäßig nach Prozentsitzen vom Einkommen, sondern durch prozentuale Zu• schlägc zur Staatsstcuer erfolgen solle. Die Tenden/, dieses Antrages geht dahin, die niederen Ein• kommen zu Lasten der höheren Einkommen etwa* herabzusetzen. In der Begründung führte Herr Le• winski aus, daß er gegen die Auffassung protestieren möchte, daß durch eine ein wenig stärkere Heran- Ziehung der höheren Einkommen Austritte aus der Gemeinde zu befürchten seien. Ganz in der Nähe von Berlin, zum Beispiel in Spandau, würden 90 ״/o, in Potsdam 45 ״/״ Zuschlag erhoben, in einzelnen Oemcinden steigt der Prozentsatz bis auf 400 ®/o, ohne daß deshalb Austritte erfolgten. Er stelle fest, daß Berlin, abgesehen von Frankfurt a. M., wo besondere Verhältnisse voriiegen, die niedrigste jüdische Oemcindcstcucr in Deutschland aufweise. Herr Emil Pincus stellte den bestimmten Antrag, die Einkommen unter 6000 M. zu entlasten. Namens des Vorstandes erklärte Herr Kommerzienrat E i s n e r, daß die Annähme des Antrages eine Statutenänderung bedinge, die nicht so einfach sei. Aber er könne im Namen des Gemeindevorstandes erklären, daß die Aenderung der Steuerveranlagung schon demnächst in Angriff . genommen und nicht auf die lange Bank geschoben werden solle. Schließlich wurden die Anträge dem Ausschüsse zur Beratung überwiesen. — Die Forderung, die Trennung der Geschlechter' in den Synngogen überhaupt oder auch nur in der Synagoge Lcvct/owstrnllc aufzuheben, wurde mit zehn gegen sieben Stimmen nbgelelint. Berlin. Die Kommission, welche vor zwei fahren eingesetzt worden war, um über eine Aenderung des Wahlverfahrcns zur Repräsentanten Versammlung zu beraten, hat nunmehr der letzten Sitzung dieser׳ Körperschaft Bericht erstattet. Auf ihren Vorschlag wurde beschlossen, zunächst alles beim alten zu b^• lassen und eine Reform bis zur Gencralrcvinion der, Statuten zu vertagen, die in allerkürzester Zeit, und gleich nach Abschluß der Etatsberatungen cintrcten soll. Bei dieser Gelegenheit soll 11. a. die Frage der Proportionalwahlen und eine Abänderung (lea Steuermodus aufs eingehendste geprüft werden. Das Wahlverfahren soll nur in zwei Punkten abgeändert werden, Einmal soll die Wahlzeit auf die Stunden von 10 Uhr früh bis 8 Uhr abends ausgedehnt werden und sodann soll denjenigen Wählern, die am Wahltage selbst nicht im Besitz amtlicher Wahlzctlcl sind, dennoch das Wahlrecht ermöglicht werden, Indem solche Wähler auf ihr Ansuchen einen Dunlikafwahlzettcl erhalten. Jedoch sind solche Wähler, die den Duplikatwahl/ettcl erst am Wahltage selbst einfordern, gehalten, ihr Wahlrecht nur von 12 bis 4 Uhr und nur im Wahllokal des Gemeindebureaus in der Oranienburger Straße auszuüben. Diese Vorschlage haben in der Repräscntantcnsit/ung am letzten Sonntag, nachdem sic die Zustimmung des Vor- Standes bereits vorher gefunden hatten, auch in der Rcnrascntantcnvcrsammlung Annahme Befunden, so daß diese beiden Armierungen des Wahlrechts schon bei den nächsten im Herbst vor/unchmenden Repri* *entantcnwahlcn in Kraft treten dürften. f**. *MH -vJ *4*1 yuü w!; Mitteilungen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland ln einem angesehenen Stettiner Engroshausc ist eine Vakanz für eine Buchhalterin und Korrcspondcntin. Das Geschäft Ist am Sonnabend und an den Feiertagen geschlossen. Der Inhaber der Firma bevorzugt Bewerberinnen, die hierauf Wert legen. Gesinnung*• genossinnen, die für die Vakanz Interesse haben, wollen Hielt mit dem Vorsitzenden der Zionistischen Ortsgruppe, Herrn Hermann Jacob, Stettin, Turner- Straße 10, in Verbindung setzen. Der Inhaber eines Knabenpensionates in kleinerer Stadt Norddeutschland« sucht einen Sekretär, der ■1 Groß-Strchlitz (Oberschlcsicn). Am 15. d. M. .ist in der Blüte seiner Jahre der Vorsteher unserer Gemeinde, Herr Dr. med. Heinrich Wachsncr, im Jüdischen Krankenhause zu Breslau, wo er Heilung suchte, verstorben. Am 17. d. M. wurde er hiersclbst unter großen Ehren zu Grabe gebracht. Der Verstorbene war ein gesuchter Arzt, der das Vertrauen der städtischen und ländlichen Bevölkerung in ungewöhnlichem Grade besaß. Gleichwohl ging er nicht völlig in den Anforderungen seines Berufes auf, und namentlich den Angelegenheiten der jüdischen Ge• mcindc war allezeit sein werktätiges Interesse zugewandt. Dr. Wachsncr entstammte einer Familie, in der Thorakenntiii* seit Generationen heimisch war. auch er ist In diesen Traditionen aufgewachsen und hat in seinen Jünglingsjahren auf ungarischen Je• schuroth dem Talmudstudium obgclegcn und erst später das Gymnasium besucht, um sieh auf eine akademische Laufbahn vorzubereiten. Den Idealen seiner Jugend hat er jedoch immer die Treue heim

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.