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Jüdische Rundschau · 1913-01-14 · Heft 7 (14.1.1913) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 7 (14.1.1913)
Date
1913-01-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seile 64 JU EPISCHE RUNDSCHAU Nr. 7 «AUS ALLER WELT ״ Deutsch ton ä Man muß zu Ehren der ״liberale״״ Juden annehmen, daß sie bei ihrer Hetze «egen die ausländischen Juden selbst nullt wissen, was sie tim. Wie gefährlich das Spiel ist, das sie treiben, zeigt wieder einmal ein Artikel der ״Kreuzzeitung“, der sich also vernehmen läßt: .Die Judenfrage würde sieh von selbst losen, wenn die deutschen Regierungen an der deutschen Grenze den Zugang für nichtdeiitsche ausländische Juden sperren würden. Dem internationalen Judentum, das meist ohne Habe und Bildung unsere Grenze überschreitet und unsere Kultur und unsere giinstigen Wirtschaftsverhältnisse aussaugt, sind wir keinerlei Entgegenkommen schuldig. Da unser einheiinisches Judentum infolge des neonialtlmsiaiiistischeu Fluches und infolge anderer Dcgcnerntionseischeiiunigen seinem Untergange langsam aber sicher zueilen würde, käme die Judenfrage in Deutschland einer allmählichen Lösung entgegen. Männer wie Monimsen, Bismarck, Treitschke konnten zu ihrer Zeit mit den sehr wichtigen Tatsachen der Fruehtbarkeitsbcschränkung und den physischen mul psychischen Entartungscrschcinungcn bei den Juden noch nicht in der Ausdehnung wie wir heute rechnen. Heute wäre die Gelegenheit günstig und der Erfolg sicher, wenn cs nicht den maßgebenden Faktoren an Tat- und Entschlußkraft gebricht. Denn obwohl zahlreiche cinhciniisdu׳ Juden vom ausländischen SclmorrerUmi nichts wissen wollen und sich auch tief ihres Judentums schämen, wobei sie an die gesellschaftliche Emanzipation und Assimilation durch Taufe und Einheiraten in christliche Familien glauben, so ist das internationale Zusammengehörigkcitsbewußtseiu der Juden doch so stark und Jahrtausende hindurch so innig ausgeprägt, daß nur ein starker zielbewußter Wille dem zähen und mit allen Mitteln arbeitenden Gcgcnwillcn des Judentums gewachsen sein wird.“ ln einzelnen Kommunen werden noch von Bürgern aller Konfessionen bestimmte Summen für hestimmte christliche Kirchenzwecke als Steuer- Zuschlag erhoben. In einem Einzelfalle, in welchem ein jüdischer Steuerzahler hiergegen Beschwerde erhob, ist diesem auf Veranlassung des preußischen Ministers des Innern vom Magistrat die Bereitwilligkeit erklärt worden, ihm 15 ",״ der Zuschläge herauszuzahlcn und ihn künftighin von diesen kirchlichen Lasten frcizuilasscn. Belgien Demnächst wird in Antwerpen eine Dcmonstration gegen die' griechischen Pogroms in Saloniki stattfinden. Man erwartet, daß die Demonstration ein Boykott der griechischen Esrogitri zur Folge haben wird. Rumänien Der bekannte Antisemit Johann Bursuk veröftcntlichtc in der rumänischen Presse einen Artikel gegen die Gleichberechtigung der Juden in den Provinzen, welche Rumänien von Bulgarien zu erhalten hofft. Die Bukarester Studenten nahmen daraufhin eine Protestresolution gegen die Gleichbcreehtigung der Juden an. Bulgarien Hier hat sich vor einiger Zeit ein Zentralkomitee zur Hilfeleistung für die Juden Bulgariens, Tltraziens und Mazedoniens gebildet, dem Lokalkomitees in allen jüdischen Gemeinden des Königreichs angegliedert sind. Die dem Zentralkomitee bisher zur Verfügung gestellten Untcrstützungsgcldcr stammen von der Union des Associations Israelites de Bruxelles, der Alliance Isradlite Universelle und dein Zentralkomitee der B'nai B’rith-Logcn in Chicago. Diese Gelder werden für die notleidende jüdische Bcvolkerung der ncuhcsctztcn Städte in Thrazien und Mazedonien, für die Repatriierung jüdischer Flüclitlingc und für das Hilfswerk in Adrianopel verwendet, wo zur Linderung der entsetzlichen־ Nottage der Bevölkerung die Aufwendung großer Sunimen erforderlich sein wird, sobald die belagerte Stadt dem freien Verkehr erst wieder erschlossen ist. Ein Teil der eingegangenen Beträge wird ferner zur Unterstützung der Angehörigen jüdischer Krieger in Bulgarien verwandt. Bisher sind dem Sofioter Zentralkomitee ungcfahr 175 030 Pres, zur Verfügung gestellt worden, wovon ein großer Teil für die Kosten der Adrianopelcr Hilfsaktion reserviert bleibt, während ein Teil zur Repatriierung von (»50 Flüchtlingen aus Istip dient, die siel! gegenwärtig in Saloniki befinden. Etwa 50000 Frcs. wurden an die bedürftigen Gemeinden Thraziens, Mazedoniens und Bulgariens abgesandt, um dort auf Grundlage des 20-Centimes- Satzes pro Person und Tag verteilt zu werden. Bisher sind an die Gemeinden der folgenden okkupierteil Städte Hilfsgcliler;!!!gegangen: Serres, Rodosto, M.-Pascha, Tschorlu, Drama, Strumtza und Kirk-Kilisse. 20 Familien aus Kirdjali, die infolge des Km■• ges geflüchtet waren, wurden in ihre Heimat zurück• Die bulgarische Regierung fördert das jüdische llilfswcrk in wohlwollender Weise. Durch die Wiederaufnahme der Feindseligkeiten hat die entsetzliche Notlage einen noch höheren Grad erreicht, mul die jüdische Bevölkerung der durch den Krieg heiingestiditcn Gebiete erwartet sehusüchtig Hilfe von den ausländischen Brüdern. An der Spitze des bulgarischen Zentralkomitees stehen die Herren Grollrabbiner Dr. M. Ehrenpreis, David S. Farhi und M. Angel in Sofia. flüssig tut' Der Minister erklärte, daß es am Platze ist, den Juden zu verbieten, sich Chrislen-Namcn bcizulcßcn. Er glaubt, daß sich die Juden mit jüdischen Namen begnügen koimeii. {Hat vielleicht der Minister des Innern Dr. Oiidematms Aufsatz über Judennamen gelesen? D. Red.) * Die Zeitung der nrawoslawischen Geistlichkeit ״Kolokol“ veröffentlicht eine Erklärung des katholischcn Vaters Franitis, der ein Mitglied der geleinten Kommission zur Erforschung des Blutritus in der jüdischen Literatur ist, in der dieser an den Blulaberglmiben festhält. Dieses Organ beschimpfte die anderen Kommissionsmitglicdcr, weil sie anderer Anschauung sind. Amerika Der gewesene Präsident R o o s e v e 11 kam in das jüdische Viertel New Yorks, Um die Lage der streikenden Schneider kennen zu lernen. Er besuchte eine Versammlung und erfuhr, daß die Schneider für eine 72s!iimiige Arbeitszeit 10 bis 20 Dollar verdienen. Rooscvclt versprach, die Lage der Konfektionsarbeiter zu erforschen und dann eine Gcsetzcsvorlage zum Schutze der Arbeiter auszuarbeiten und der Regicriing vorziiicgcn,; Eilt wunderbares Gebäude, das den Namen ׳fJUdische Universität“ trägt, wurde in Cincinnati errichtet. Die Einweihung fand dieser Tage unter überaus großer Feierlichkeit statt. Zur Errichtung derselben trugen sämtliche jüdischen Gemeinden Amerikas bei. Es ist nun ein Zentrum zur Verbreitung der Wissenschaft unter den amerikanischen Juden geschaffen. TURneh &.SP0RT Die 11. Männer ־ Abteilung des Jüdischen Turnvereins ״Bar Kochba“, Berlin, kann jetzt auf ihr zehnjähriges Bestehen zurückblieken. In diesen zehn Jahren haben Hunderte von jungen Ostjuden, die im Trubel der Großstadt dem Judentum entfremdet zu werden drohten, in dieser Abteilung eine Stätte gefunden, wo sie nach harter Tagesarbeit in national-jüdischer Gesellschaft sich Erhohing verschafften und den Wert des Turnens und Sports erkannt haben. Wir können mit Genugtuung darauf hinweisen, daß es russisch-jüdische Studenten, welche diesen Reihen nngehörten, waren, die in den schweren Zeiten der Pogrome in Rußland dorthin eilten, um ihren bedrängten Brüdern zu helfen und zugleich den Selbstschutz, in Rußland organisierten. Da die Ostjndcii durch die soziale Lage sich nicht dauernd in Berlin aufhalten können und gezwungen sind, nach ihrer Heimat zurückzukehren oder weiter zu wandern, sind sie die Pioniere für die jüdische Turnidee geworden, welche dieselbe in die Welt hinatisbracliicii. ,Anläßlich dieses Jubelfestes veranstaltet die Abteilung einen Ball mit jüdischen Vorträgen und turnerischen Vorführungen. Der Eintritt beträgt 1 M. liillets sind zu haben auf allen unseren Turn* sälen, außerdem in der Buchhandlung von S. L i f - s e 1! ü t z, Linienstr. 216, und bei Herrn K, Sch l i k a , Neamlerstr, 3a. * Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport, so lautet der neue Titel der früheren ״Jüdischen Turnzeinmg“, die mit ihrer neuesten Nummer den 11־. Jahrgang eröffnet hat. Das Heft wird mit einem Geleitwort des Redaktesirs Henry Unna eröffnet, in dem der neue, erweiterte Wirkungskreis, den sich die Zcitscluäft erwählt hat, dargelegt wird. Die Aenderungen nach Inhalt und äußerer Form sind in erster Linie eine Konsequenz der Beschlüsse des V. Jüdischen' Turntages, und wenn man will auch unseres letzten zionistischen Delegiertentüges und der Tagung des Zentralkomitees der gesamten Bewegung. Das kommt vor allein in dem neuen Untertitel der Zeitschrift zum Ausdruck, der lautet ״Organ der jüdischnationalcn Jugend beweg vi 11g“. Diese einheitliche Jugendi bewegung wurde ja mit durch die Beschlüsse der gen,Hinten Tagungen geschaffen und damit eine Tat- Sache sanktioniert, die bereits durch die stille Arbeit langer Jahre angebahiit worden war. Die ״Jüdische Turnersehalt“ hat in den neuen Bund ein wertvolles publizistisches Organ mit cingehracht und ist bereit, dasselbe in zweckentsprechender Weise atiszuhauen und der größeren Gemeinschaft zur Verfügung zu stelle״. Unter diesen Umständen darf sie gewiß auch auf eine kleine Gegenleistung von seiten der zionistischen Partei und vor allen! der zionistisch gesinnten J11g׳end aller Bcrufsstämle rechnen. Da erwächst uns zunächst die Aufgabe, dafür zu sorgen, elaß die ״Monatshefte“ wirklich die gewollte und verdiente Verbreitung vor allem innerhalb unserer nicht ausgesprochen turnerischen Jugaudorgaiiisntioncn finden. Der verhältnismäßig hillige Abonnementspreis von '},'J0 M. für den ganzen Jahrgang sollte einem jeden Zionisten eine erfolgreiche Propaganda für das Blatt möglich machen. Dann aber sollten auch alle berufenen Zionisten ihre Feder in den Dienst der Redaktion stellen, die mehr als bisher allgemein jüdische und zionistische Fragen zur Diskussion stellen will. Daß der turnerische und sportliche Teil dabei nicht zu kurz kommen wird, ela für bietet das vorliegende Heft den Beweis, Neben einer reichen Anzahl von Ucbungsbeispieleii turnerischer Art, die Vorturnern, Turnwarten’und solchen, die es werden wollen, stets wertvolle Anregungen bieten, bringt cs einen reich illustrierten Artikel über ״Kunstturnen“, Besonders interessant für einen jeden Zionisten muß das ausführlich spezifizierte Programm der geplanten ״Palastinatumfahrt“ sein, das Theodor Zlocisti, der geistige Vater dieser schönen Idee bekanntgibt. Der Artikel beginnt mit dem erfreulichen Satz: ״Unsere Reise ist gesichert.“ Davis Trietsch behandelt in einem Artikel ״Palästina und die Juden", vor allem die Einwirkung des palästinensischen Milieus auf die Bewohnerschaft in körperlicher Hinsicht. Alfred Burin (London) gibt eine interessante Schilderung einer militärischen Chaimkah-Feier in England. Außerdem enthält das Heft eine schöne Probe aus Asclts neuem Palästinabuch, zahlreiche Berichte aus den Kreisen und Vereinen der ״Turnerschaft“, eine Bücherschau u. a. Wir wünschen dem Blatt auch in seiner neuen Gestalt viele willige Förderer und die weite Verbreitung innerhalb der nationaljüdischen Jugend, die es verdient. aofiiSTisciie Ba;cGuna Mitteilungen der Zionistischen . Vereinigung für Deutschland Die Broschüre: ״Das Programm des Zionlsmus“ ist nunmehr in einer neuen, ergänzten und verbesserten Auflage erschienen. Die neue Itcarbcitung berücksichtigt die Um Wälzungen im nahen Orient, welche uns das letzte Jahr gebracht hat und darf deshalb auch auf das aktuelle Interesse derer rechnen, denen die L i c h t h e i m sehe Broschüre in ihrer alten Ausgabe bekannt ist. Die Brauchbarkeit dieses Werbemittels wurde noch durch einen Anhang erhöht, der einen kurzen Abriß der zionistischen Organisation und ihrer Institutionen bietet. Wie bisher, bleibt der Preis von 30 Pf. für das Exemplar festgesetzt. 100 Exemplare kosten 20 M. Wir bitten die Ortsgruppen, uns ihre Bestellungen unverzüglich aufzugeben. Agltalionsrciscn des Parteisekretärs Koblenz. Mittwoch, den 8. d. M sprach hier in einer vom Gruppenverband ״Rheinland-Westfalen" einberufinen Propaganda Versammlung unser verehrter Parteisekretär, Herr Kurt Rosen bäum, über das Thema ״Deutschtum und Judentum". Die Versammlung, die von mehr als 50 Personen besucht war, folgte mit Spannung den Ausführungen des Redners, der es meisterhaft verstanden hat, das Interesse für den Zionismus, das hier nicht im allergeringsten vorhanden war, wachzurufen. In der Diskussion, an der sich Herr C. Stern und der Vertrauensmann des ״Ccntralvcrcins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ beteiligten, hatte der Referent Gelegenheit, die Emwämle gegen den Z10nismus gründlich zu wicdcrlegcn, wenn auch die Arbeit in der hiesigen Gemeinde noch so schwierig sein mag, so können wir doch mit Bestimmtheit an- .nehmen, daß die nächste Veranstaltung, die in zirka drei Wochen geplant ist, einen recht erfreulichen Besuch zu verzeichnen haben wird und auch hier in nächster Zeit eine Schekelzahlergruppe zustande kommen wird. Wir sprechen an dieser Stelle Herrn Rosenbaum nochmals unseren herzlichsten Dank aus Velbert (Rheinld.), Mittwoch, den 22, Januar, sprach in unserer Zionistischen Ortsgruppe vor sämtlichen Mitgliedern Herr Parteisekretär Kurt Rosenbaum über den Balkankrieg und die Lage der Juden in der Türkei. An die klaren und interessanten Darlegungen des Redners, die mit großem Beifall aufgenommen wurden, schloß sich eine außerordentliche rege Diskussion. In der

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