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Jüdische Rundschau · 1913-02-07 · Heft 6 (7.2.1913) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 6 (7.2.1913)
Date
1913-02-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seile 54 J UEDISCH E RUNDSCHAU Nr. 6 verhängnisvoller. Wer in seinem Volkstum innerlich verankert ist, den wird diese Lebensrichtung '׳erfeinem utul vertiefen. Ein Mann — etwa -- wie Wilainovvitz hat durch sie sachlich eine reichere, bewegtere wissenschaftliche Weltanschauung, kirnstlerisch einen eigenen Charme gewonnen, ohne an der Unbeirrbarkcit seiner Seele Schaden zu nehmen. Anders der Jude, — ihn machte sie schlaff und haltlos, weil es ihm au der letzten Sicherheit fehlte, die den Schwankungen einer unbegrenzten Aufnahmefähigkeit einen Widerstand entgegengesetzt halte. (1cwiß mag seine Bedeutung als Faktor innerhalb der modernen Kultur anerkannt werden, aber der Mensch ist nicht mir ein Mittel, und der Eigenwert des jiidischcn Charakters mnIHe Schaden nehme». Folgenschwer zeigte sich wiederum der Mangel an Stetigkeit in der inneren Entwicklung des Judentirnis. Audi für die deutsche Kultur hatte es einen Moment gegeben, in der das geistige Leben in einer Fülle von Talenten unterzugehen schien, die Epoche von ISO(), Aber in Wahrheit waren jene Tage für Deutschland nur die Vorbereitung zur nationalen Wiedergeburt, in deren Verlauf der alte I lang zur Kontemplation, der das Volk der Dichter und Denker geboren hatte, sich fast in sein Gegenteil verkehrte. Deutschland hat damit wieder den Anschluß an die Bewegung gefunden, die Italien, England, Frankreich so befruchtet hatte, die italienische Renaissance, Damals war der moderne Staat geschaffen worden, seit damals galt es wieder als ein höchstes Ziel, das den Menschen gesetzt ist, die Welt im staatlichen Dasein zu gestalten, ihr nicht nur passiv hingegeben zu sein. Die Epoche der Renaissance fehlt im Judentum, sie hat zum mindesten wenig sichtbare Spuren hinterlassen. Eine Epoche läßt sich aber nicht ein• fach überspringen, indem man aii ihre Resultate anknüpft; sie* will wieder erlebt sein. Eine bloße Betonung der nationalen Idee kann das nicht leisten. Denn, so sicher sie die Grundlage aller zionistischen Bestrebungen bleiben muß, sie?elhst kommt doch auch wieder dem Hange des modernen Juden entgegen, sich in zweckloser Traumerei zu ergehen. Sie füllt sein Inneres mit vagen, ungestalteten Gefühlen, großen Gefühlen sicherlich, die aber mehr einem künstlerischen Rausche gleichen. Sie erwecken wohl ein Gefühl von Größe und Schönheit, doch Gefühle von Größe und Schönheit brauchen nicht immer zu Taten zu führen. Auch der Zigeuner hat seine Poesie, — aber es ist für den tätigen Menschen lein ermutigendes Bewußtsein, einem Stamme geistigen Zigeuncrtums anzugehören. Der politische Zionismus schuf, nein, er war die lieberzeugutig, dali der Zustand des deutschen Judentums anormal sei, daß die innere Zerrissenheit der jüdischcn Seele erst schwänden könne, wenn für ein geschlossenes, hcimatsichercs, sich selbst lebendes Judentum der Weg geebnet sei. So stellt er eine Forderung, eine Aufgabe, und weckte die vis activa, den handelnden Menschen. Das ist sein tiefster Sinn für den deutschen Juden. Nicht um eine Leistung handelt es sich hier, die etwa der Eigenart der Juden besonders entspräche; eine allgemein menschliche Forderung wird gestellt, der nur die Eigentümlichkeit unseres Schicksals bisher die Erfüllung versagte. Darum nichts hier von Weltanschauung und geschichtlicher Vertiefung! Es ist etwas Simples und Einfaches, ganz philisterhaft: wir wollen cs auch einmal so gut haben wie andere Menschen. Das muß besonders betont werden, weil die bisherigen;Versuche, die Aufgabe des Juden aus seiner Eigenart abzuleiten, nur zu geeignet sind uns unserer wirklichen Aufgabe abwendig zu machen. Vor zwamig und mehr Jahren war cs Sitte, Hellas und Juda einander zu kontrastieren, als die Mächte der Aesthetik und der Moral. Aber seitdem hat sich unsere Kenntnis des Altertums wesentlich erweitert, und wir können wirklich auf das törichte Gerede pfeifen, daß Israel oder Juda der Welt die Sittlichkeit erfunden habe. Was inan so nannte, und was infolge seiner Enge den Schein unverwechselbarer Besonderheit annahm, ist nichts als eine Provinz im Reiche der hellenischen Kultur. Denn die Helligkeit griechischen Geistes ist nun einmal bestimmend geworden für alle fruchtbare Entwicklung dieser abendländischen Welt, von der wir ein Teil sind. Aber auch die tiefere Begründung der weltgeschichtlichen Eigenart des Judentums, die Martin Bubcr in seiner dritten Rede versucht hat, darf uns nicht verlocken. Von ihr mögen wir ein letzte» Ziel, keine Gegenwart«- aufg&bc empfangen. Denn eben die Unbedingtheit, die er fordert, können wir auf den krausen und verschnörkelten Pfaden unseres jetzigen Daseins nimmermehr erreichen. Es ist schon ein wenig bedcnklich, wenn Bubcr 'etwa Spinoza und Marx als Höliepunkt« de» Judentums hinstcllt; cs ließe sich wohl zeigen, wie stark gerade diese Erscheinungen, bedeutend an sich, unser Volkstum beirrt haben. Denn et ist nun einmal so, daß die geistigen Werte ihre ganze Fruchtbarkeit erst entfalten, ja vielleicht zu ihrer ganzen Größe erst erwachsen können, wo , sie auf einem äußerlich gesicherten Dasein beruhen. Die Halbheit unseres Volkstums beruht zum Teile darauf, daß wir uns'nur gewissen Seiten der Wirtschuft und des Geistes ergeben haben; die Nation verlangt nach äußerer Zusammenfassung. Diese allein stellt uns vor geistige Aufgaben höchster Aktivität. Aber, hören wir, es ist gerade eine besondere Eigenart des Judentums, für jede politische Zusammenfasstmg ungeeignet zu sein. Man beruft sich auf Mommsens Wort, daß die Natur dem Semiten die Paudoragabe lies Staates versagt habe. Wir hoffen, das war einmal, und mögen an so unverrückbare Rasseneigcnsclinflcii nicht glauben. Noch sind die Gesetze der nationalen Anpassung nicht ergründet, aber in diesen hundert Jahren haben doch einzelne Juden zeigen können, daß sie organisatorischen Aufgaben hohen Stils gewachsen waren, Diese Zeit wird uns nicht verloren sein. Wir «iml uns bewußt, daß der deutsche Jude nicht nur rassenpsyehologisch, daß er auch geschichtlich bedingt ist. Wir glauben m unserer deutschen Entwicklung gelernt zu Italien, daß auch unser schönstes Träumen kein Genüg,’ findet, bis es der tatkräftigen Erfüllung sicher ist. Gründungsjubiläum von Merchawja Die jüdische Landarbeiterschaft in Untergaliläa ist im allgemeinen nicht sehr auf das Feiern erpicht. Dort herrscht der harte Werkeltag, und der Sinn für heitere Geselligkeit, für Festesfreuden und dergleichen ist dort nicht besonders heimisch. Um so größer war die Freude an dem (iri'mduugsjubiläum, welches die Einwohner von M e r c h a w j a am 4. Januar veranstalteten. Als Festsaal diente die große Arbcitcrkiiche, die mit den Bildern Theodor Herzls und Franz O p p c 1111 c i m c r s geschmückt war. Für prächtigen Anemonen- und anderen Blumenschmuck sorgten die Mädchen der Siedluiigsgeiiosscnschalt. Ucbcrliaupt boten die kräftigen Arbeiter, die Arbeiterinnen, die jemenitischen Maurermeister und Steinträger, die persischcn Erdarbeiter und die Kolonisten aus Merchawja und Mes'ha ein prachtvolles Bild. Eine Ansprache hielt bloß der erste Arbeiter von Merchawja kurz, kernig und gehaltvoll, wie cs dort Brauch ist. Der Arbeiter Paß gedachte der schier unüberwindlichen Schwierigkeiten, die sich der Siedlung bei ihrer Gründüng seitens der aufgehetzten Nachbarschaft und der feindlichen Behörden in Nazareth cntgcgengcstellt hatten. Haben ja die Lokalbchörilen eines Tages in unmotivierter Weise die Einwohner von Merchawja ganz einfach davongejagt. Es gab Tage, an denen es den Ansiedlern an Wasser und Brot fehlte. Die An- Schaffung des ersten Wagens für Merchawja kostete den Arbeiter Jcclicskcl Nissanowdas Leben. Eine Anzahl der besfen Arbeiter mußte beinahe ein Jahr lang im Gefängnis schmachten. Und doch genügte ein Zeitraum von zwei Jahren, um einen völligen Wandel herbeizuführen und freundnachbarliche Beziehungen zur arabischen Umgebung zu schaffen. Jetzt lebt Merchawja im besten Frieden mit den umgebenden Dörfern, die hinter die wahren Absichten der judenfeindlichen Hetzer gekommen sind. Und bei der vor- /!!glichen Bodenqualität dieser Kolonie und der hervorragenden Tüchtigkeit der jüdischen Landarbeiterscliaft ist zu hoffen, daß Merchawja zu einer der blühendsten Kolonie werden wird, dem jüdischen Kolonisationswerk zur Ehre und dem Lande zum Segen.; Wein aus Rischon Lc-Zion und Orangen aus Pcthach-Tikwah wurden herumgereicht. Bei Gesang und Tanz blieb man bis spät in der Nacht in bester Stimmung zusammen. Merchawja, das dicht an der Eisenbahn Haifa— Damaskus liegt und bloß anderthalb Stunden von Haifa entfernt ist, wurde seinerzeit vom Palästina- Amt für die Pa lest ine Land Development C o m p a n y erworben. Einige tausend Dunam wurden für die Oppenheimersehe Siedlungsgenosscnschaft bercitgestcllt, der Rest wurde für private Käufer parzcllicrt. Da der Boden von Merchawja in jeder Bezielumg zu dem besten in Palästina gehört, war der Absatz der Parzellen sehr leicht. Es sind daher dort nur noch wenige Baucrnstcllcn für neue An- Siedler vorhanden. Zahlungen an Bank-Konto: Dresdner Bank un Zionistische Ortsgruppe Hamburg-Altona oder Pc scheck-Konto Hamburg 3275 Zionistische Ortsgrur Hamburg-Altona. Seit September 1911 bis 31. Dezember 1912 v den durch Vermittlung des Share-Clubs folgen Aktien verkauft; 1. P. L. D. C. zusammen 54 Aktien; a) durch Ortsgruppe Elberfeld-Barmen (Vorsitz! 1er ,^™״eberg, Kassierer Nathan Mc 45 (!) Stuck Aktien, und zwar: £ 24 Herrn.; Kohlberg, Elberfeld £ 12 Dr. Qrünchcrg, £ 2 Ortsgruppe ״Ivria“, Etbcrfeld, je £ 1 Mehl, Elberfeld, Dr. Alfred I leimann, Elberfeld, Benno Barme, Elberfeld, Willi Mevcr, Schwelm, Ing. Leo Sliosberg, Liberfeld, Alfred Adler, Elberfeld, und N, Adlerstein, Elberfeld. b) Julius Kaufmann, Eseliwciler, Karl Hamburg, Essen, Ruth Sar.111 Kalmus, Hamburg, Dr. Sam. Fuchs, Hamburg, Julius Lcvi, Berlin, Joseph L, Oppenheimer, Frankfurt n. M., Joseph S. Oppenheimer, Frankfurt a. M., O. Wasclut/,. Hamburg und Dr, Walter Weigert, Hamburg, je £ 1.--.—. 2. A. P. C. zusammen 21 Aktien und zwar: £ 2: Henri Biekert, Paris, £ 2 Julius Lcvi, Berlin, £ 5 Dr. Waller Weigert, Hamburg, je .£ 1 Isak Katz, Hamburg, I>r. Sam. Fuchs, Hamburg, Dr. Rieb. Hultl■ schiner, Hamburg, Siegfried Bondy, Flottbeek, Mauriee Sonnenschein, Hamburg, J, Blauer, Hamburg, Hugo knick, Hamburg, Leopold Klein, Berlin, Eritz Aseli, Berlin, Julius Kaufmann, Eseliwciler, Naflali Haskel, Leipzig, I rnst Baer, Halberstadt, '3. J. C. I ,-Aktien: l'i Aktien; a) alle Siiarc-t ,liib-Bücher umgetauscht: £ 1 Isaak l'cueriug, Hallierstadt, £ 2 Henri Biekert, Paris, je £ 1 Emil Bickliardt, Straßburg, Richard Goldbirg, Kempen i. P., II. l.ondner, Hannover: b) je £ I Dr. Sani, l uchs, Hamburg, Julius Kaufmann, Eschweilcr, Max Sonnenschein, Hamburg, Esther Lea Pcrcscn, Altona, Owadje Baumwol, Hamburg, Sigmund Warschawski, Hamburg, £ 2 Julius Lcvi, Berlin. Zusammen wurden durch Vermittlung des Share- Clubs 51 P. L. I>. C.-, 21 A. P. C.- und 13 J. C. T.- Aktien abgesetzt. Besonders hervorgehoben zu werden verdient die Ortsgruppe Elberfeld-Barmen, die allein 15 P. L. D. C.- Aktien verkauft hat. Mindestens dasselbe Resultat könnten alle anderen Ortsgruppen erzielen, wenn sie das Zirkular des Share - Clubs so beherzigen wollten, wie die Elborfclder Gesinnungsgenossen und speziell Herr Dr. mcd. Grüne he rg, dortsclbst. Nach Elberfeld stillen Halberstadt (Isak Fe u c ring und Eritz Oppen h e i 111 e r) und besonders Frankfurt am Main hervorgehoben werden. In Frankfurt a. M. hat der Share-Club besonders in Herrn Karl Rosen- 11 e i m c r einen energischen Mitarbeiter gefunden. In Offenbaeh arbeitet Herr Wodowski. l>er Share- Club, Breslau, hat ein Guthaben von 160 M. Wenn jede Ortsgruppe daran denken wollte, daft der Vertrieb der zionistischen Aktien mit 'zu den ersten Pflichten gehört, würde man das Zehnfache erzielen können. Ich wende mich daher aut diesem Wege nochmals an die Berliner Zionistische Vercinigung sowie an alle arideren Ortsgruppen mit dem dringende» Appell, einen besonderen Share-Club- Kommissar zu wählen und an die Arbeit zu gehen. Mit Zionsgruß! Der Sliarc-Club für Deutschland. B-flUS.AU.eR Wf.LT •־ Deutschland Der Kunst wart, der einer gewissen jüdischen Clique noch immer nicht den Gefallen tun will, ein antisemitisches Blatt zu sein, bringt in seinem ersten Februarluft einen sehr vernünftigen Beitrag zur Frage der ״Ausländer an deutschen Hochschulen“, der recht deutlich zeigt, wie man in solchen Dingen einen sehr gut nationalen Standpunkt vertreten kann, ohne sich den radikalen und kulturwidrigen Forderungen der Kiinikeraussehüsse zu nähern, Herr Ludwig F u l d a, der sich dem Leserkreis des ״Tag“ als ״deutscher Dichter unterm Weihnachtsbaum“ im Bilde vorstellte, fühlt sich gedrungen, im ״Börsen-Couricr“ einen — zunächst natürlich an eine private Adresse gerichteten -- Brief zu veröffentliche״, dem die Redaktion die Uebcrschrift gibt: ״Das Recht der Juden auf deutsche Kultur“. Da er die Rassenfragc vom Standpunkt des jüdischen Schriftstellers mit viel Temperament aufgreift י»* ־ sagt die Redaktion des ״B. B. C.“ —, so scheint er uns nicht bloß an eine einzelne Adresse geschrirheil. Wir ehren den Standpunkt des ״jüdischen Schriftstellers“ gewiß ebenso wie seine Weihnachtliehen Gefühle und wissen diese Vielseitigkeit besonilers zu schätzen, aber wir hätten doch gewünscht, daß Herr Dr. Fulda auch unserem etwas ״cinseitigen“ Standpunkt ein wenig Verständnis entgegengebracht hätte. Immerhin ist es nicht unter allen Umständen ein Tadel, wenn uns von Fulda: ״blinde Wut vorgefaßter Meinungen“ vorgeworfen wird, wenn wir Fanatiker genannt und unsere Forderungen als ״albern und anmalilich“ bezeichnet werden. Wir attestieren dem ״deutschen Dichter unterm Wcinachtsbauin“ gerne, dal) wir ihm diese Vorwürfe nicht zurückgeben können. * Herr Gehcimrat Geiger kommt — wie immer etwas spät — in der letzten Nummer der von ihm herausgegebenen Zeitschrift auf den Kunstwartartikcl zu sprechen, in dem sich Avenarius mit dem ״Verein zur Abwehr des Antisemitism u 8“ auseinandersetzt. Es ist immerhin bemerken!• wert, daß sich auch Geiger mit der Haltung des Vereins in dieser Angelegenheit nicht einverstanden erklären kann. Daß der Zionismus in Geiger* t

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