Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVIII (1913)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1913)
- Date
- 1913-01-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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lebten Juden und Griechen in Saloniki friedlich neben- ■einander. (!) Wenn die griechischen Staatsmänner glauben, durch derartige ״Darstellungen“ die ürcucltatcn von Saloniki sühnen und das Vertrauen der Juden gewinnen zu können, so werden sie sich gründlich tauschen. Von einer Bestrafung der griechischen Pogromhcldcn in Saloniki hört mau noch immer nichts und auch die Londoner Fricdeiisdelegiericn Griechenlands haben sich über diesen Punkt gründlich ausgeschwiegen. Unter diesen Umständen erscheinen die feierlichen Beteuerungen von der Frciheits-, Friedens- und Gcrechtigkeitsliebc der Hellenen sowie von den freundschaftlichen Beziehungen des griechischen Herrscherhauses zu einzelnen Juden als leere Redensarten, die niemanden über die judenfeindliclie Gesinnung weiter griechischer Volks- und Rcgicrungskreise hinwegtäuschen können. « AUS ALLER WC LT ״ Oesterreich ln der letzten Sitzung des Wiener Kultusvor- Standes überreichten unsere Gesinnungsgenossen Dr, Jacob Ehrlich und Obering. Robert Stricker einen Antrag auf Einsetzung einer Palästinakonimission. In Anbetracht der aktuellen Frage 11er Hilisbediirftigkeit der im nahen Orient seßhaften Juden, ferner der Wichtigkeit dieses Ländergebietes für die Niederlassung eines Teiles der aus Osteuropa emigrierenden Stammesgenosser., ferner in Anbetracht der immer steigenden Bedeutung der jüdischcn Siedlung in Palästina für das Ansehen des Ocsaintj'udentums, für die Entwicklung der hebräischen Sprache und die Regenerierung des jüdischen Volkes, beantragen wird: ״Der Kultusvorstand beschließt die Einsetzung einer zumindest aus 8 Mitgliedern bestehenden Palüstinakommission, welche jederzeit zur Beiziehung von Experten berechtigt ist, können auch Personen berufen werden, welche dem Kuitusvorstand nicht angeboren. Diese Kommission hat die Aufgabe, sich über die jüdische Siedlung in Palästina fortlaufend zu informieren, allen Entwicklungsmöglicbkeiten dieser Siedlung ihre ständige Aufmerksamkeit zuzuwenden, über die Ergebnisse ihrer Er- Hebungen dem Kultusvorstande zeitweise zu bc- Siedlungen zu erstatten.“ richten und Vorschläge zur Förderung der erwähnten Dieser Antrag wurde nach Verlesung dem Vcrtreterkollegium zur geschäftsordnungsmäßigeil Bchandhing überwiesen. MLA€5TINA־'RUNDSCHAU Man schreibt der ״N. J. K.“ aus J e r u s a 1 e m: Der Aufenthalt des Herrn Ussischkin, Vor- :sitzenden des Odcssaer Palästinakoinitces, in unserer Stadt hat wieder die Frage der Organisierung unserer Gemeinde in Fluß gebracht. Auch in Jaffa hatte man ja bis vor kurzem gczweifelt, ob die verschiedenen Elemente der jüdischen Bevölkerung: Sephardim, Jemeniten und Aschkenasim die letzteren noch untereinander in verschiedene Gruppen getrennt sich zu einer einheitlichen Gemeinde werden Zusammenschlüßen können. Auch in Jaffa fehlte cs nicht an einigen einflußreichen Personen, die Jahrzehnte hindurch selbstherrlich allein das Heft in Händen hielten und sich nicht verpflichtet fühlten, der Gesamtheit Rechenschaft abzulegen. Und dennoch genügte die ausdauernde Arbeit einiger ernster Männer in Jaffa, um dort in wenigen Jahren eine freigewählte, nach den besten Mustern organisierte Gcmcindcvcrwaltung zu schaffen, welche durch ihre zielbcwußte Arbeit immer mehr an Autorität gewinnt. Sollte schließlieh nicht ein Gleiches in Jerusalem gelingen? Allgemein bricht sich jetzt die Erkenntnis Bahn, daß es in erster Reihe darauf ankommt, eine mögliehst große Zahl von Personen zu finden, die zur Zahlung van Gemeindesteuern bereit sind. Hier werden nämlich alle Gemeindeausgaben von den landsmannschaftlichen ״Kolelim“ der Chalukah bestritten, 80 daß auch recht wohlhabende Einwohner schon durch die Befreiung von allen üemcindcabgabcn Nutzen von der Chalukah ziehen, worauf sic gar keinen Anspruch hätten. Man mag auch in Europa mit dem Namen Jerusalem nur Vorstellungen von Armut und Elend verbinden — die freilich hier vorherrschen — wir hier wissen, daß auch reiche Juden in Jerusalem keine Seltenheit sind. Man denke nur an das bucharische Judcnviertel! ja, selbst jüdische Millionäre gibt es hier, so unglaublich dies draußen klingen mag. Um nur einige Namen zu nennen, sei auf den sephardischen Bankier Valero und den jemenitischen Bankier Benin (aus Aden) hingewiesen. Nun ist cs gewiß ein Nonsens, daß alle diese Leute, die in einer anderen Gemeinde zu den Höchstbesteuerten gehören würden, in Jerusalem aller Pflichten ledig sind und die Chalukah-Verwaldingen allein alle Ausgaben zu decken haben, Aller nicht bloß die ganz Reichen, auch der Mittelstand, auch der Krämer, der Lehrer, Beamte usw. müßten - ebenso wie in Jaffa — zu. regelmäßiger Steucrleistung herangczogeii werden, wenn man aus dem jetzigen Tohuwabohu hcrauskonimcn und endlich geordnete• Verhältnisse schaffen will. Freilich sind diese Bestrebungen noch zu neu, um hier gleich realisiert werden zu können. (Bereichncml ist übrigens, daß die gesamte jüdische Presse unserer Stadt für sie cintritt.) Wer jedoch ein Auge für das Werdende hat, wird sich die Hoffnung nicht nehmen lassen, daß wir früher als manche Pessimisten glauben, in Jerusalem eine organisierte Gemeinde haben werden. Dann wird auch jene autoritative Körpersehaft vorhanden sein, die allein berechtigt wäre, im Namen der jüdischen Bevölkerung Jerusalems zu sprechen, — was auch den Freunden der heiligen Stadt in Europa nur höchst willkommen sein könnte. TVRneii 5.sport IKt jüdische Ruderklub ״I v ria“ hielt am Donnerstag, den 23. d. M., seine ordentliche ■Jahresversammlung ab. Unter den Beschlüssen der Versammlung ist als wichtigster der zu erwähnen, daß die korporativ« Aufnahme des Klubs in die ״Jüdische Turnerschaft“ beantragt werden soll, ln die in Neubearbeitung befindlichen Statuten soll ein dem Tendenzparagraphen der Jüdischen Turnerschaft entsprechender Passus aufgenornmen werden. Der Vorstand wurde beauftragt, die Lösung des Verhältnisses zum Jüdischen Jugendbund Berlin in die Wege zu leiten. Die Vorstandswahl ergab folgendes Resultat: Vorsitzender: Ref. M. Exilier, Schriftführer: Karl Hcnschcl, Charlottenhiirg, Sybelstr. 3l), an welche Adresse etwaige Zuschriften zu richten sind; Kassenwart: H. B ehrend; Ruderwart: Ref. E. Hirschfeld; Materialverwalter: M. Bade r. , * Ruderabteilung des J. T. V. ״Bar Kochba“, Hamburg. Die Ruderabteilung des J. T. V, ״Bar Kochba“ hielt am 10. Januar im Bootshaus am Stormsvveg, Uhlenhorst, ihre erste General- Versammlung ab. Es wurde berichtet, daß trotz mannigfacher Schwierigkeiten die Ausbildung der Mannschaft rüstig vorwärtsgesdiritten ist, was bcsonders der strengen Durchführung des Trainings zu verdanken ist. Während der schmucke Vierer ״Bar Kociiba“ die blau-weiße Flagge mit dem Davidstern schon seit Beginn des vorigen Jahres auf der Alster und — bei Tagestouren — auf der Elbe wehen lassen konnte, wurde der im Sommer eingeweihte schlankgcbaute Zweier ״Maccabi“ ausschließlich für Traiuiiigszwcckc benutzt. Das Training im Ruderkästen wird auch im Winter eifrig gepflegt — neben dem allwöchentlich regelmäßig stattfindenden Sehwirnmen im Bassin, damit im Frühling eine gut vorbereitete Mannschaft — die erste jüdische Rudermannschaft Hamburgs ־— ihre Alsterfahrten und Elbtouren wieder aufnehtnen kann. Voraussichtlich wird sich die Ruderabteilung auch an der im Juni in Berlin 'stattfimleiulen Regalta der drei jüdischen Rudervereine Deutschlands (Ruderklub ״Ivria" Berlin, Ruderabtcilung der Vereine jüdischer Studenten, Berlin, und Rmkrabtcilung des J. T. V. ״Bar Kochba“, Hambürg) beteiligen, womit hoffentlich der jüdischen Rtidersacli« ein neuer Ansporn gegeben wird. S. Den Berliner Zionisten bietet sich an diesem Sonntag eine günstige Gelegenheit, sich mit dem turnerisdien Treiben des Bar Kochba vertraut zu machen. Ein öffentliches Wetturnen des Vereins findet am Sonntag, den 2. Februar, nachmittags 3 Uhr, pünktlich in der Turnhalle Gcorgcnstr,, am Bahnli. Fricdrichslr., statt. Solch ein Wett Urnen bietet schon allein durch das spannende Moment des Kampfes auch dem nichtturnverständigcn Zuschauer viel Intercssautes und es dürfte sich daher ein Besuch der Vcranstaltung für einen jeden lohnen, zumal die besten Turner des Vereins bei dieser Gelegenheit ihr bestes Können zeigen werden. Der Eintritt ist unentgeltlich. Nach dem Turnen, abends 8% Uhr, findet die Siegerverkündigung und Preis vertei- I u n g im kleinen Saal des Tiergartenhofes statt. Die Ansprache hält Herr R. A. Greifenhagen. Anschließend geselliges Beisammensein und Tanz. Eintritt 20 Pf, Garderobe 25 Pf. ’ יי/ ף * kt v• 0 Mitteilungen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Wir sind in der Lage, einem jungen jüdischen Arzt ein« gute Niederlassungs-Gelegenheit in einem kleinen Städtchen in Hessen nachzuweisen. Unsere vorzügliche Agitationsbrosehurc 1 )״ Programm des Zionismus“ von Richard Licht hei wird in ilieseruTagen in einer neuen, wesentlich u j gearbeiteten Auflage erscheinen. Die erste Aufla; von 20000 Exemplaren ist vollständig vergriffen. I; j ist ein Erfolg, wie er keiner unserer früheren Werl j Schriften in• schieden war und man darf wohl sage J dal! schon diese Tatsadu• allein für die Braucht): \ keit dieses Propagandamittcls spricht. Die neue Ai 1 ׳ gäbe erscheint in der gleichen vornehmen Ausstattus f wie die erste Auflage, Trot/dein sich der Umfang d■ : Heftes vergrößert hat, ist der Preis von 30 Pf, f; das Exemplar beibehalten worden. Da sieh vorau ( licii die Bestellungen auf die Schrift in der nächst• : Wot:lie häufen werden, bitten wir die Ortsgrupp« 1 uns ihr«« Bedarf möglichst sofort aufzugeben. aus־Den eeMeiMDen Königsberg i. Pr. In verschiedenen Blättern, 5! auch In der ״J. R.“, wird imtgcteüt, die ״Gemeinde Königsix rg habe sich der Erklärung zugunsten de liberalen Rabbiner angeschlossen. Diese Darstellun< ist durch aus unzutreffend. Weder die ״Gemeinde! noch di« Gemeindevertretung, d. h. Vorstand im Repräsentanz, haben solch eine Erklärung abgtgebci sundern nur der Vorstand und dieser selbstversländlie1 nur für sieh allein. Der Repräsentanz ist eir.e enl sprechende Vorlage weder zugegangen, noch hält sie bei ihrer jetzigen Zusammensetzung, wenn die der fall gewesen wäre, ihr zugestimmt. Chemnitz. Nachspiel zur Gemeindewahl: ln Hilis- und Unterstützungsvcrein ״Einigkeit“ dem fas nur ״ausländische“ Juden angehören, wurde Her Josef Weber, der 15 Jahre Vorstandmitglicd um die letzten 7 Jahre 1. Vorsitzender war, wegen seine! Haltung hei der jüngsten Gemeindewahl nicht wieder in deti Vorstand gewählt. Herr Weber hatte den Aufruf der ״liberalen“ Juden gegen den Neuen, Jüdischen üememdeverein, der sielt für die Gleich- Stellung aller Juden in der Gemeinde eingesetzt hatte,[ unterzeichnet und auch sonst sich nicht geschämt,! den ״liberalen" Juden Sclnihputzerdicnste zu leisten,( Es ist mit Freude zu begrüßen, daß der Verein ״Einigkeit“ diesen Mann abgesagt hat, der sich so gerne als Oberhaupt der ״ausländischen" Juden aufspielt«. VeRCINS-RUNDSCHAU Berliner Vereinskalender Februar: Sonnabend, 1.: Kadimah (Gruppe der B. Z. V.): Vortrag Prof. Dr. Balaban. Sonntag, 2,: Bar Kochba: Wetturnen. Vortragsabend im Tiergartenhof. Montag, 3, Verein zur Pflege hebräischer Musik: Konzert Montag, 3.: Verein zionistischer Studenten aus Rußland: Jüdischer Studentenabend. Dienstag, 4.; ücsindeball der ״J. N. F. V.“ Jüdischer Verein Nordost: Lichtbiidervo׳trag Kantor Blitz, Montag, IC,: Zionistischer Verein ״West-Bcrlm“: Vortrag Dr, Becker. IDonnerstag, 13.: B. Z. V.: Ocffcntliche Propagandavers;1111 inlung. Sonnabend, 22.: Jüdischer Frauenbund für Turnen und Sport; Maskenball. * Berlin. Am Donnerstag, den 13, Februar, abends 9 Uhr präzise, veranstaltet die Berliner Zionistische Vereinigung im Tiergartenhof, am Bahnli. Tiergarten, ein« große ö i f entliehe Propagandavers a m rn 111 n g , in der Herr Richard L i c h 111 c ו nt über Jas Thema ״Der Zionismus und die orientalische Frage“ sprechen wird. Nach dem Vortrag werden Lichtbilder ans den jüdischen Kolonien vorgeführt. Zur!Deckung der Unkosten wird ein Eintrittsgeld von 30 Pf, erhoben. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird gebeten. Berlin. Wir verweisen unsere Berliner Leser auf das Inserat, welches die Jüdisch-nationale Frauenvereinigung an anderer Stelle dieser Nummer veröiiciitlicht und empfehlen den Besuch dieses ersten zionistisch«« Gesindcballs, der am 4. Februar in den ״Prachtnkn tks Westens“ veranstaltet wird, aufs angelegentlichste. Berlin. Im jüdischen Verein Nordost findet am Dienstag, den 4. Februar, ein Lichtbildervortrag statt. Herr B, Blitz wird in den Unionsfestsäten, Greifswaleier Str. 222, über die jüdischen Siedelungen in Palästina sprechen. Berlin. Der Verein zionistischer Studenten aus Rußland *«ranstaltet am Montag, den 3. Februar, in den Fürstenbergsälen (Roscnthaler Str. 38, Bhf. Börse) einen jüdischen Studenten-Abend mit einem reichhaltigen literarischen und musikalischen Programm. Aus letzterem ist folgendes zu erwähnen: