Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVIII (1913)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1913)
- Date
- 1913-01-31
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 Seite 43 JUEDISCHE RUNDSCHAU schieden. Deswegen dürfe״ wir uns nicht durch hehre (icliililswallungcn und intellektuelle Sympathien irreleiten lassen. Für uns kommt nur.die Frage in Betracht, wo unsere Lebensinteressen wenn nicht am meisten gefördert, so doch am wenigsten verkürzt werden. Ist dies bei den Linksparteien der Fall? (iewill, unser Herz, liegt links, auf der liberalen Seite. Aber stehen dort nicht gerade diejenigen (liaiibeiisgcnosscn, die in höherem Sinne parteiliberal . als noch jüdisch sind? Muli cs uns nicht stutzig machen, dati dort die Forderung nach Trennung von Kirche und Staat erhoben wird, die das (bißdien) jüdische Leben im Elsaß erdrosseln würde? Die Masse der elsässischcn Juden, die ihr Judentum erhalten möchte, wird sich nach einem zuverlässigeren Halt umselien müssen. Den Weg dorthin werden ihnen ihre Rabbiner weisen, die wir zwar noch um• ■/״stimmen, aber leicht zu überzeugen haben werden. Die jüdischen Geistlichen im Elsaß haben sich ״mlhenteils dem Zentrum gegenüber immer abweisend verhalten. Das mag seine guten Gründe haben; aber jedenfalls schöpfen viele, sogar sehr konservativ gesinnte clsassischc Rabbiner, die durch Willen und Ucbung die absurdesten Theologcnic mit und ohne Magenbeschwerden verdaut haben, ihre politische Belehrung aus ganz ungläubigen Demokraleiiblättcrn und wühlen zielbewußte und unentwegte Fortschrittler., (Eine Art Gegengift!) Aber die Klugen unter ihnen werden diesen schweren Fehler schon gelegentlich des vom Zentrum cmgebrnc'hten Antrags auf Erhöhung der Gcistlicliengehalter in der Tiefe ihres Gemütes bedauert haben. Jedoch auch ohne diese grobsinulichcn Mittel kamt man diesen meist zugänglichen und wohlmeinenden Leuten deutlich mailicn, wo ihr und unser gemeinsamer Vorteil liegt. Die günstige Gelegenheit, mit dem Geistesleben ihrer Gemeinden wieder in Beziehung zu treten, würden sie nicht versäumen wollen. Wer sich nicht vor gedanklichen Popanzen fürchtet, wer Utilltatsfragen nicht mit einem komi• sehen Aufwand an moralischer Entrüstung zu bcliandein gewohnt ist, der seliließt auch mit ״Sceleiiaus• scheitern“ eine durch den Zweck geheiligte politische Waffenbrüderschaft. Quod felix faustumipie sitl Straßburg, den 2(1. Januar 1013. L. D. Palestine Land Development Co. Ltd. An anderer Stelle dieser Nummer drucken wir den Bericht über die Generalversammlung unserer Landkauf- und ParzcIlicrungsgcscUschnft, der ״P. L. D.C.“, ab. Unsere Leser werden daraus ersehen, daß die Gesellschaft, wie es nun einmal in der Natur solch eines Unternehmens liegt, in den ersten Jahren nicht ohne größere Verluste gearbeitet hat, daß aber das Stadium, in dem wir gezwungen waren, ״Lehrgeld“ für diesen Teil unserer Kolonisation zu zahlen, aller Voraussicht nach überwunden ist. Der Farmbetrieb in eigener Regie, der ausschließlich die großen Kosten verursacht hat (Besitzergreifung, Pacificierung iisw.) ist ahgestoßen worden, lind die Gesellschaft beschrankt sich nunmehr auf das eigentliche Parzelliciungsgeschaft mul r ־־י ״ ,-,ח _ח _ י,.., rnnj י ki sj I— \ .4 ui ia w '״.. ייa CJ X i״im»I M Hl, . ׳ Q fV, ה^-יז fץ־־״׳ ד׳ rן wv .( l;״/ s. .׳U ־...׳ ״ j Li Iplii wenn die ״Jüdische Rundschau“ Ihnen nicht pünktlich geliefert wird. — Erst wenn dieser Schritt erfolglos bleibt, bitten wir, uns zu benachrichtigen Verlag ״Jüdische Rundschau“ BERLIN W15 Sächsische Str. 8 auf Landtermittlungsgeschiifte, die trotz großer Schwierigkeiten bisher stets gewinnbringend abgcwickclt wurden. Erst in allerletzter Zeit gelang es, Dank einem Darlehen der ״Jewish Colonisntiou Association“, zwei größere Oeländckonjplcxc dem jüdischen Besitzstand hinzuziifügen. Es handelt sich um zwei Grundstücke von 5000 Dunam und 12 000 Diinam, für deren f»arzellen zun! großen Teil Reflektanten bereits vorhanden sind. Es ist wohl kaum nötig, an dieser Stelle noch einmal darzulegen, von welch überragender, ja entscheidender Bedeutung, die Vermehrung unseres Landbesitze» für die Stärkung der jüdischen Position in Palästina ist und daß nur das Fortschreiten dieser Arbeit uns die gehörige Grundlage für irgendwelche politische Tätigkeit gehen kann, Aber es muß mit Bedauern festgcstdlt werden, daß diese Ueber/eugung in der Tätigkeit unserer Gesinnungsgenossen für den Absatz der P. L, D, C. •Shares mir einen sehr schwachen Ausdruck findet, In Deutschland sind trotz der regen Bemühungen des Share-Clubs unter der Leitung unseres Freundes Wasch itz im abgelautenen Jahre im ganzen nur 113 Anteile abgesetzt worden. Das ist beschämend wenig, wenn man bedenkt, daß das Institut der P. L. D..C. trüber von den deutschen Zionisten stets mit besonderem Nachdruck gefordert wurde und daß ihm in seinen Anfängen aus Deutschland auch tatsächlich die größten Summen /״flössen. Welche Erfolge hier zu erzielen sind, sobald sich eine Ortsgruppe der Suche mit Eifer annimmt, zeigt das Beispiel von Elberfeld, wo'Dank der Bemülumgen des OrtsgruppenvorsitzenUen Dr. G r ü n c * berg allein •15 Shares abgesetzt wurden. IXr vorliegende Geschäftsbericht zeigt, daß die P, L. I). C. gut und erfolgreich arbeiten kann und daß es daher nur Schuld der Zionisten sein wird, wenn die Gesellschaft in Zukunft etwa das eine oder andere Geschäft wird ablehncn müssen, weil ihr die nötigen Mittel von unseren Gesinnungsgenossen nicht gewährt werden. Es ist jedesmal beschämend und tief bedauerlich, wenn unsere deutsche Landsmannschaft in irgendeiner statistischen Aufstellung über den Eingang zionistischer oder palästinensischer Gelder nicht den Rang einnimmt, der ihr mich ihrer Zahl und organisatorischen Bedeutung zukommt, und wir richten an alle ernsten Zionisten den dringenden Appell, das Ihre dafür zu tun, daß die dem XI. Kongreß zu unterbreitende Auf- Stellung der in den einzelnen Ländern abgesetzten Shares ein besseres Bild von der Opferwilligkeit und zionistischen Einsicht der Mitglieder unserer Landsmannschaft geben möge. Ein Interview mit den Balkandelegierten in London über die Judenfrage Im Aufträge des ״Jcwisli Chroniele“ hatte Dr. S. M. M e I a rn e d vorige Woche eine Unterredung mit den Fricdensdelegicrtcn der Balkanstaaten über die Rechtslage der Juden in den vom Balkanbund eroberten Gebieten. I>r. I) a n c t f, der Chef der bul* garischcn Delegation, äußerte sich u. a. wie folgt: ״Die 40(100 Juden Bulgariens befinden sich im Vollbesitze aller bürgerlichen Rechte und Freiheiten. Sie nehmen am staatlichen Leben mit demselben Eifer und Emst (eil wie die besten 'meiner eigenen Volksgenossen. Unser nationaler Handel liegt in ihren Händen, und wir wüßten in der Tat ohne sie nichts anzulangen. Sie sind keine Jobber, wie ihre Feinde behaupten, sondern Kaufleute im besten Sinne des Wortes. Namentlich jetzt sind die Juden uns durchaus unentbehrlich, denn sic sind berufen, die neuerobertert Gebiete wirtschaftlich zu erschließen und so das Werk der Bulgaren erst nutzbar zu machen. Bezüg* lieh der jüdischen Bevölkerung der neuen bulgarischen Provinzen kann ich feierlich versichern, daß sic mit ihren Brüdern in Altbulgnricn vollständig gleichgestellt sein werden. Keine Macht der Welt kann uns verleiten, unseren guten Traditionen nach dieser Riehhing hin untreu zu werden. Auch Rußland, dem wir sehr zu Dank verpflichtet sind, könnte uns niemals bewegen, eine antisemitische Politik gegen die Juden unseres Landes einzuschlagcn. Es gibt in Bulgarien jüdische Richter,, aktive jüdische Offiziere, höhere jüdische Staatsbeamte und jüdische Abgeordnete, die den verschiedensten politischen Parteien angchören.“ 1 Dr. Dancff gab schließlich seiner Verwunderung Ausdruck, daß einzelne von Juden geleitete euro* piiische Tageszeitungen die Partei des judenfeindlichen Rumäniens gegen Bulgarien ergreifen, Herr V e n i z c 1 o s, der Chef der griechischen Friedensdelegation, versichert ebenfalls in einem Schreiben an den ״Jewish Chroniele“, daß die Juden in Griechenland in jeder Beziehung mit dom hellenisehen Bevölkerungsteil gleichberechtigt sind und die griechische Regierung es mit den jüd. Bewohnern der neubeselzten Gebiete ebenso halten werde. Bezüglich der Ausschreitungen in Saloniki sagte der Kabinettschef des Herrn Venizelos in seiner Unterredung mit dem Vertreter des ״J. Chr.“, daß die griechische Regierung über die Vorgänge in Saloniki anfänglich falsch unterrichtet worden sei (!), sonst hätte sie gleich energische Maßregeln zum Schutze der jüdischen Bevölkerung ergriffen. Ein anderes Mitglied der griechischen Fricdcnsdclegation, der Wiener Oesandte Dr. v. Streit, sagte dem Interviewer, der größte Teil der Berichte von den judenfeindlichen Ausschreitungen der Griechen in Saloniki stamme aus tendenziöser türkischer Quelle, (!) In Wirklichkeit sich entschließen wird, als Hauptfrage zu behandein, was sich so nebenbei nicht anbringen läßt? Indes läuft das Publikum weiter zu ״Ketten“ von Rcidicnbacli; zu ״Hinter Mauern“ von Nathansohn und zu ähnlich edel pathetischen Werken; läßt sieh weiter Toleranz predigen, sofern cs nichtjüdisch ist; läßt sieh verteidigen, sofern es jüdisch ist . . . und ahnt in der Ferne eine bessere Welt. Gustav K r 0 j a n k c r. Alex. Schüler, Der Rassenadcl der Juden. Aus der Sammlung ״Die jüdische Gemeinschaft“. Jüdisclicr Verlag, Berlin. Auf 55 Seiten die Gedankengänge von Zoll- . schans ״Rasscnprobletne*' wiederholen z.u können, ist in der Tat ein kleines Kunststück, Die Arbeit Schülers ist als eine zionistische Propagnmlaschrift gedacht - was eine ausführlichere Besprechung begründet —, und so wäre es zu begrüßen, daß der Verfasser seinem lebhaften Temperament die Zügel schießen läßt, wenn nicht andererseits dieses Maß von Temperjment, an ein biologisch-anthropologisches Thema gegeben, hier und da etwas unangebracht crsclticnc, Immerhin verdient die Geschicklichkeit jedes Lob, mit der der Verfasser in gedrängter Kürze die Fülle des von Zollscltan behandelten Stoffes zu bewältigen verstanden Hat, Das Ganze stellt einen zusammen-!längenden Qedankengang dar, wissenschaftliche Fragen werden nicht umgangen, ganze Lchrrrcinungcn weiden vorgetragen, geschichtliche Entwicklungen geschildert, und doch ergibt das alles ein geschlossenes Ganze•, ein zusammenhängendes Md, aus dem sich eine anthropologische ErkennJnispJttrauskristallisicrt, Dieses recht einheitlich erscheinende Gesamtbild ist hier — anders wie bei Zollsclian •— propagandistisch stilisiert. Recht gut verstanden hat es Schüler, sich die Rosinen aus dem Kuchen herau'zuholen. Aus der Masse von Einzclclaten hat er hier und da ein Beispiel, einen Namen, ein geschichtliches Faktum herausgelmbeii, (las den allgemeinen Satz gut illustriert. Daß man überall die Unvollständigkeit der Beweisführung hcrausfühlt, ist ein Mißstand, der sich bei der Zusammenfassung so zahlreicher und komplizierter Gedankengängc nicht vermeiden ließ. Die letzten Kapitel, die sozial wirtschaftliche und politische Fragen behandeln, fallen in bezug aut Prägnanz der Darstellung und stilistisch gegen den anthropologischen, den Hnuptteil des Büchleins, erlieblich ab. In anderen zionistischen Schritten ist all das schon besser und überzeugender gesagt worden, Fast hätte ich gewünscht,, daß sieh Schüler mit dem anthropologischen Teil, dem Wertvollsten der Schrift, begnügt und den Inhalt der Schlußkapitcl zu 2—3 Seiten zusammengefaßt hätte״ Wa» weiterhin störend wirkt, ist der Eindruck, der immer wieder hervorgerufen wird, daß man nicht eine Schrift über den Rassenadcl der Juden, »andern ein Referat über das Buch von Zollschan vor sich habe, Statt frei und ungebunden eine Kampfschrift über sein Thema zu schreiben (unter Benutzung der au» Zollschan* Rüstkammer geholten' Waffen) und, nur in der Einleitung oder höchste(!» bei der Heran- Ziehung schwieriger Probleme, bezüglich weiterer Details auf den Autor zu verweisen, klammert sich Schüler stets an,die Originaldarstellung, hebt hervor, daß Zollschan* Darstellung übet die .wirtschaftliche Lage der Juden ״einen tiefen Eindruck miclit“ und zitiert im Schlußkapitcl Fragestellungen, die •Ich au* dem Vorausgehenden von selbst ergeben. Warum operiert er nicht mit scheinbar originalen Worten und Ideen? Das wäre bei einer Propagandaschrift unbedingt erforderlich gewesen. Einem Referat muß die frische Unmittelbarkeit der Wirkung abgehen. Trotz der angeführten Mängel, die *den propagandistischen Wert der Schrift herabsetzen, werden die anthropologischen Teile des Büchleins (die ersten zwei oder drei von den fünf Kapiteln) wertvolle Dienste leisten können. Man wird sic jedem Neuling - etwa neben der Broschüre von Lichtheim — zur Orientierung über zionistische Grundgedanken, aber auch jedem anderen, der da glaubt, über den Rassenbegriff, weil dieser wissenschaftlich nicht scharf faßbar ist, dummes Zeug reden zu dürfen, in die Hand geben können - teils zur besseren Orientierung, teils zur Anregung zu wcilercm Studium, Aber auch innerhalb der alt- und gutzionistischen Kreise *oll die Schrift gelesen werden, weil — Zollschan zu wenig gelesen worden ist. Der dritte Teil des Zollgehänselten Buches, der vom Kulturwcrt der jüdi- «chen Rasse handelt, ist zwar ziemlich bekannt geworden, der erste und zweite indes, in dem die anthropologischen, historischen und physiologischen Grundlagen des RassenproWcms behandelt werden, scheint bedauerlicherweise keine große Anziehung•- kraft geäußert zu haben. Wohl mancher wird sich ,nachträglich zum Studium dieser Kapitel entschließen, wenn er Schülers kurze und klare Schrift gelesen hat und daraufhin wieder den Original-Zollschan durchblättert, einen Versuch zur Popularisierung von Zotk •chans Ergebnissen gemacht zu haben, lat jedenfalie. eine gute ,Tat de« Jüdischen Verlag!, . , •׳־׳■־ L