Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVIII (1913)
- Issue
- Heft 4 (24.1.1913)
- Date
- 1913-01-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 35 hprami: dort,;!her auch an der Menge noch nicht «dancr Arbeit lernen wir aus eigener Anschauung, wie und was noch zu tun ist, um unser Ziel m erreichen. IMe Berührung mit unserer mütterlichen IZruc wird uns neue Kräfte für unseren schweren ungleichen Kampf für unser Volk und unser Land geben. Um auch den Minderbemittelten unter unseren Kampfgenossen die Reise nach Erez-Isrncl zu erleichtern, verlosen wir an» ChoI-ha-Moed Pessach die Mitgliedsbeitrage (10 M. p. a.) in Anteilen von je 500 M. unter unseren Mitgliedern. Der (icwiimemlc hat innerhalb zweier Jahre Palästina zu besuchen mul schriftlich oder mündlich über das (»eschene Bericht zu erstatten. Wenn auch nach den Zahlenverhäitnisscn nur einer von 50 der Glikkbdie sein kann, das Land unserer Sehnsucht zuerst zu schauen, so halien doch die übrigen die Gemiglmiiig im Bewnlllsein, mit dazu beigetragen zu haben, dall ein (iesimumgsgeiiosse im trcz-lsrael gewesen ist mul der Bewegung einen neuen Kämpen gegeben zu haben, der auf (irmid selbst Geschauten und Er'ebtcn int Kampfe besser ausgerüstet sein wird als zuvor, Ende Januar reist Herr I!r. jued. I lerniann S t a 111- Tarnowitz O.-S., der Gewinner unserer ersten Verlosung, nach Palästina. In der kommenden zweiten Verlosung wollen wir eine ganze Schar Kundschafter ins Land schicken, die unseren Brüllern dort unsere Grülk• überbringen und nach ihrer Rückkehr uns sagen werden, was dort nottiit. Wir laden Sie daher, sehr geehrter Herr Gesinnuiigsgenosse, ein, unserer Gesellschaft beizutreten, und bitten um Ihre umgehenden Mitteilungen, Unseren Milgliedern, die auf eigene Kosten reisen wollen, bieten wir unsere Dienste kostenlos an, sie zu Minjanim zu vereinigen, wodurch eine erhebliche Ermäßigung des Fahrpreises uns zugcsichcrt ist. Mit hochachtlingsvollem Zionsgrull Palästina-Reise -,0 e s e 11 s c h a f t e. V. i 11 H a in b u r g Der geschäftsfülircndc Ausschuß Rechtsanwalt Dr. Bruno Tannenwald Leopold Landau l)r. A. C h w o 11 c s Zuschriften sind erbeten an: Dr, A. C h w olles, Hamburg-Bahrenfeld, Mozartstr. 31, Die P a r t c i p r e s s e wird 11 in Nachdruck freundlich st g e b e t e n. * Mitteilungen des Palästina- Informationsbureau Wien II, Karnielitei platz I, Tclcph, 22 075. R e i s e P I a 11 11a c 11 J a f f a 11 »111 U 11 a i f a. S y r i e u I i » i c : Ahfalirt von Triest Sonntag, 1 Uhr nachm,; Ankunft in Jaffa Donnerstag, 7 Uhr früh, in Cliaifa Donnerstag, I1׳״ Uhr nachts. - Preise: nach Jaffa: III, Kl. 38 K., II. Kl. 210,00 Francs, inkl. Verpfl., I, Kl. 303,00 T res., inkl. Verpil., nach Chaifa: III, KL 30 K. Eillinie: Abfahrt von Triest Freitag, I Uhr nachm,: Ankunft in Jalta I )omierstag, 7 A Mir früh, in ('.haiia Donnerstag, U ■> Uhr nachm, Preise; IV. Kl. 15,50 K\, III, Kl, (mit Bett) ah Alcxamlr. III. Kl, Syr. (ohne Bett) 82 K״ Verpil. bis Alcxandr. 11,50 K,, III. Kl, ab Alcxandr. II. Kl. Syr. (ganze Fahrt mit Bett) 100,30 K,, Verpil, 25,70 K׳, II. Kl. 205,(10 Frcs., inkl. Vcrpl'l., I. Kl. 120,00 Frcs., inkl. Verpfl.; (;haiia: IV. Kl, •17 Kr., III, Kl. 81 K , III. Kl. ab Alexandr. II. Kl. Syr, 107 K., Verpfl. 13 K. Freigepäck: I. Kl. 100 kg, II, Kl. 00 kg, III. 11. IV. KL 'Hl kg. Die Landung in Jaffa kostet 3 K. pro Person. Laiidimgskarten im Palüstina-liiforniatinushiireau erhältlich. Der geringste Beirag, der nun für die Reise von Wien bis Jaffa auller Verpflegung mit Syriendampfer (11 Tage auf Schiff) erforderlich ist, beträgt für einen armen Auswanderer (12,75 K., mit dem Eildampfei7) ״ tage) 70,25 K. (Inbegriffen Strafe 10 Frcs., die in Jaffa entrichtet wird, wenn der Landende keinen Reisepalt besitzt.) Die Ermäßigungen werden nur den persönlich erscheinenden Auswanderern im lufiuinationsbureau spätestens zwei 3 nge vor Abgang der Dampfer ausgefolgt. Auller dem Paiastina-Iulurinationsbureau in Wien erleilt auch Auskünfte und Fahrpreisermäßigungen das Zionistische Zenlralbureau, Berlin W. 15, Sächsische Str, 8, und das Auswanderer- Bureau, Triest, via del Monte 1. Amtssitmdeii: via Torre Bianca 15,11. Donnerstag und Samstag von 7 bis 7! •1 Uhr abends; in dringenden Fällen werden die Ermäßigungsbriefe auch Sonntag, früh von 8 bis 9 Uhr, aber statt via Torre Bianca, via del Monte 1 «!!»gefolgt. Zur Erinnerung an die verewigte Frau Sulamüh R u p p i n , die Gründerin und Leiterin der Musikschule in Jaffa, gab diese Anstalt Ende Dezember im Festsaale des hebräischen Gymnasiums ein Gedachtnis-Konzert, das ein gesellschaftliches Ereignis ersten ff fl m | //"’"*״"”■׳! י 1י' ׳ץ'■ r־ * ‘־י— ׳ rץ““'־/!־ &1 ״.״ J m ־■-. j Lj v, i tät V.|,Iki w §CQ Cuü äQF P©SS wenn die ״Jüdisdic Rundschau“ Ihnen . nielit pünktlich geliefert wird. — Erst wenn dieser Schritt erfolglos bleibt, bitten wir, uns zu benachrichtigen Verlag ״Jüdische Rundschau“ BERLIN W15 Sächsische Str. 8 Ranges in unserer Stadt bildete. Etwa 000 Personen füllten Kopf au Kopl gedrängt den Saal. Alle Schichten der Bevölkerung waren vertreten. Auch der englische Konsul, wohlhabende Araber, Gäste aus den Kolonien, selbst Jemeniten waren anwesend; die Mehrzahl der Besucher bildete jedoch die Bewohnerschaft des jiidisehen Villenviertels Tel-Awiw, und nicht die Schüler des hebräischen Gymnasiums allein waren cs, die durch tmnultuarischc ״Od paani״- (Da capo-) Rufe zu erkennen gaben, wie sehr in dem altneuen jüdischen Lande die Sehnsucht nach feiner, durchgeistigter Eigen- Kultur erwacht ist. Die Programme waren hebräisch und französisch gedruckt. Der Abend, der durch geschmackvolle Plakate in hebräischer und französischer Sprache in der ganzen Stadt angekündigt w ar, trug mit seinen durchaus auf der Höhe der Kunst stehenden Darbietungen von neuem dazu bei, das Ansehen der jüdischen Bevölkerung zu heben und eine Verschmelzung der verschiedenartigen Kulturen, die unter der älteren jüdischen Bewohnerschaft Jaffas noch heimisch sind, anzuhahnen. * l >ic jüdischen Landarbeiter Judäas hieben in den Chanukahtagcn ihre dritte Konferenz, in der Farm des Jüdischen Nationalfonds ab. Bei der Behandlung der Versicherungsfragen konnte festgestellt werden, daß sämtliche Arbeiter auf den Nationalfondsgüterii gegen Unfall versichert sind. Die Lebensversicherung der Motorarheitcr wird angebahnt. Der Arbeiter Katzcnelsolm hielt ein Referat über ״Arbeitersiedlungen*', in dem er für diese die Grundsätze: Eigene Arbeit, freie Zuwahl der Genossen, solidarische Haftung und Erbpacht nationalen Bodens, aufstellte. Die Konferenz stimmte den entsprechenden Resolutionen zu. * I lie E i n vv a 11 d c r 1111 g y e m c!1 i t i s c 11 e r J 11 - d e 11 nach Palästina, die sich seit zwei Jahren in stetig wachsendem Maße vollzog, wird in den nächsten Monaten aufs neue verstärkt werden. Die letzten Nachrichten melden von neuen Greueln aus dem Ycmen. Abermals haben sieb die Araber, durch den Balkankrieg ermutigt, erhoben, und abermals müssen es die Juden entgelten, daß sie loyale Staatsbürger sind. Viele Familien rüsten bereits zum Aufbruch nach dem heiligen Lande. Angesichts dieser Tatsache ist den Bemühungen des Naiionalfotnls, die Wohnungsfrage für die Verneniteii in Palästina zu lösen, der beste Erfolg zu wünschen. Die Sammlungen für den Bau der Häuser sind bereits recht populär und haben schon nusehtiliehe Betrage ergehen, Die Ereignisse im Yemen fordern aber eine erhöhte Aufmerksamkeit und Vorsorge seitens unseres Kolonisationsinstitutes, und die verstärkte Unterstützung des J. N.-F. durch die jiidiselie Gesamtheit, Fs hat sieli ein ״Hilfskomitee für 11 i c y e m e n i t i s c 11 0 11 J 1111 e 11“ gebildet, in dessen Auftrag im Orient-Verlag eine Broschüre ״Von den Juden des Ycmen" erschienen ist. Wir begrüßen auf 11,1s lebhafteste die dadurch bekundete' Anteilnähme weitester Kreise an dem Schicksal unserer yeineiiitischcn Brüder. Das Komitee verbreitet mit der Broschüre einen Aufruf zur Sammlung für die Yemeniienhätiscr, die bei unseren Gesinnungsgenossen ja bereits seit einiger Zeit lebhaft betrieben wird. Fs ist zu hoffen, daß sieh mm auch die weitere jüdische Gemeinschaft an diesem Hilfswerk beteiligt. Eine eingehende Besprechung der Broschüre, die durch den Orient-Verlag, Wilmersdorf, Kaiscrallee 15^ zu beziehen ist, behalten wir uns vor. \ In einem Briefe aus Sana» (Yemen), der in Jaffa eingetroffen ist, wird miigeteilt, daß der zwanzigjährige Schwager des dortigen^UacUa'mbaschi überfallen und in grausamer Weise ermordet wurde. Er erhielt zwölf Messerstiche. Der Ermordete war der Sohn des angesehenen Gemeindevorstehers Sulciman C h a b s c h u s c h in Sanaa, Eine ägyptische Zeitung meldet, daß sich eine englische Gesellschaft mit einem Kapital von 50 Mill, Francs gebildet habe, um in Palästina große Be* vvässcnmgsYverke anzulegen und Baunivvollkultur zu betreiben. ♦ In Sichron-Jakob beginnen die Yemcniten festen Fuß zu fassen. Mehrere von ihnen schlossen sieh dem dortigen Turnverein an. Diejenigen Yenieniten, die längere Zeit in der hiesigen Plantage der J.C. A. arbeiten, erhielten dieser Tage eine üratifikation im Betrage von 310 Frcs., die anscheinend Baron Rothschild bewilligt hat. Das Gymnasium in Jaffa hat als Schularzt I lerrn I!r, B o r o e 11 ״ w engagiert. Dr, T scher- II i e h o w :■׳. k y , an den mau sieli früher wandte, konnte die Stelle nicht übernehmen. * Anfang Dezember v. Js. fand in R i s c h o n Le- Zion die 6. Generalversammlung des palästincnsisclien Winzersyndikats statt. Außer den Weinbauern von Rischoii fanden sieli noch mehrere IXIegierte aus den anderen Weinbau treibenden jüdiselten Kolonien ein. Aus dem Rechenschaftsbericht ging hervor, daß die gesamte Produktion des letzten Jahres zu günstigen!'reisen verkauft werden konnte. In diesem Jahre hörte die Subventionierung durch die JeYvisli Colonisntion Association auf und die Ge- Seilschaft war sogar in der Lage, da׳ J. C. A. zur Abtragung ihrer Schuld 350 000 Frs. zu überweisen. Die Generalversammlung genehmigte die ihr vorgelegte Bilanz und wählte einen zelingliedrigen Vorstand (vier .aus Rischon Le-Zion, drei aus Rechoboth, zwei aus Siehron-Jakob und einen aus Ocdcrah), dem auch Vollmacht zur Erledigung der schwebenden An-’ gelcgcnheiten erteilt wurde. Die Beratungen des Vorstandes dauerten nun vom 1(>, bis zum 20. Dezember und brachten eine volle Ucberciiistimmimg in den strittigen Fragen. Von allgemeinem Interesse dürften folgende Be- Schlüsse sein: 1. Das Win/crsyndikat stellt der Kolonie Rechoboth den Betrag von 108 000 Frs. zur Verfügung zum Zwecke der Erbauung einer Chaussee von Rechoboth nach Rischon Le-Zion. Sollte dieser Betrag für die Fertigstellung der Chaussee nicht ausreichen, so ist die Kolonie Rechoboth verpflichtet, die Chaussee auf eigene Rechnung zu vollenden. Ebenso ist die Kolonie Rechoboth verpflichtet, für die Instandhailung der Chaussee Sorge zu tragen. 2. Unter gleichen Bedingungen stellt das Syndikat der Kolonie Rischon Le-Zion den Betrag van 40 000 Frs. zur Verfügung zur Erbauung einer Chaussee von Rischon Lc-Zion bis an die Chaussee Jaffa-Jerusalem. Beide Strecken umfassen zusammen ca. 15 km. 3. Die Mitglieder des Syndikats werden crntüchtigt, weitere 81(1 Dunain mit Weinreben zu bepflanzen, allerdings mit der Bedingung, daß erforderlichenfalls nacli fünf Jahren auf einer ebenso großen Fläche mit schadhaftem Rcbenbcstand andere Kulliircn gepflanzt werden sollen. I. Der Leiter des Syndikats wird ermächtigt, mit den Winzern, die nicht zum Syndikat gehören, Kontrakte bezüglich des Ankaufes ihrer Trauben für 17 Jahre abzuschließen. So wird also das jüdische Win/crsymlikat in Palästina, wo es allenthalben an brauchbaren Chausseen mangelt, auf eigene Rechnung eine Chaussee von 15 km anlegeii und für dieses Kulturwerk, das nicht mir den Juden, sondern zugleich allen Finwolmcrii zugute kommen wird, werden die jüdischen Kolonisten mindestens- 200 000 Frs, auf- •wenden. Fs ist übrigens nicht die erste Chaussee in Palästina, die die Juden erhalten, Man muß sieh auch vergegenwärtigen, dall unsere Kolonisten, abgesehen von den Oschcrstcuern, die sie für ihre Weinpflauzuugen zu entrichten haben, noch eine besondere Weinst euer im Betrage von 120 000 Frs. ' bezahlen müssen, die überdies im laufenden Jahre auf 135 000 Frs, erhöht wurde, auller der Kriegs- Zulage von 7000 Frs., die das Syndikat ebenfalls in diesem Jahre zu zahlen hatte. Das heißt mit anderen Worten: Fh.• r Kolonist, der eine Rehcnpflanzuiig hat, muß doppelt Steuern entrichten, zuerst für die Trauheil in natura und dann für die Verarbeitung der Trauben zu Wein. Diese doppelte Besteuerung trifft natürlich sowohl die jüdischen als auch die deutsehen Bauern sehr hart, und 1s ist klar, daß bei einem so drückenden Steuersystem die Weinpflanztmg eingeschränkt bleiben muß. 11411/ anders wäre es natürlich, wenn sich die Regierung zu einer vernünfligcn Steuerreform entschließen wollte. Sie Yviirde dabei auch mehr Einnahmen erzielen, da dann immer grilliere, jetzt brachliegende oder äußerst extcusiv bewirtschaftete Flächen einer rationellen intensiven Kultur erschlossen würden. Daß das Syndikat trotz, alt diesen mißlichen Zuständen sieh so günstig entwickelt hat, ist nicht zum geringen Teil das Verdienst seines Leiters, de» Herrn Z. Gluskin, Die J. C. A, lut dies auch durch Uebcrrcichung einer Gratifikation im Betrage von 5000 Frs. anerkannt. Herr Gluskin hat diesen Betrag der Anglo-Palcstine-Company mit der Maßgäbe überwiesen, daß er samt den Zinsen für eine jüdisch-kulturelle Institution verwendet werden soll.