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Jüdische Rundschau · 1913-01-24 · Heft 4 (24.1.1913) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 4 (24.1.1913)
Date
1913-01-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 4 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 33 wachscne Verpflichtung, an einer glücklichen Zukunft derselben gemeinsam zu arbeite״, K liegt nicht der geringste Grund vor an/.nneh1״cn, daß diese liest re• billigen in irgendeinem Gegensatz zu denlscSmalioiialen Interessen stellen können, Grundfalsch ist es daher dafi nationales Judentum und deulschpatriotisclic Ciesmmmg unvereinbar seien. Jeder Jude, dein seine eigene Nationalität lieb und teuer ist, wird den Interessen seines Vaterlandes, dem er als Staatsbürger a״gehurt, mindestens dasselbe Verständnis und dieselbe Liebe entgegenbringe״ wie derjenige, der sieb seiner eigenen Abstammung schämt und sie zu verbergen stiebt. Merkwürdigerweise wird dies fast nur von gewissen jüdischen Kreisen geleugnet, während viele vorurteilsfreie Christel!, darunter in hervorragender Stellung befindliche (lelelirte und Staatsmaiiner, volles Verständnis mul lebhafte Anteilnahme an den Bestrebungen der national-indischen Bewegung gezeigt haben, Patrioten sind begrifflich .•die diejeiiigen, die ihr Vaterland liehen und sein bestes fördern. Dies gebt auch aus den Worten des Kaisers hervor, die er 1TO2 in Posen sprach: ,,Das Königreich Lretißen setzt sich aus vielen Stämmen zusäumten, die stolz sind auf ihre frühere (ieschichtc und Eigenart. Das hindert sie nicht, vor allem gute Preußen zu sein.“ 1111 Sinne dieses Kaiserwortes betrachten sich die Mitglieder des blindes Jüdischer Korporationen wie alle deutschen Juden nicht nur staatsrechtlich als Angehörige des Deutschen Reiches, sondern, auf deutschem Hoden aufgewaclisen, nehmen sie vollen Anteil au der deutschen Kultur und sind jederzeit bereit, an der Größe des deutschen Vater-!;indes mitzuarheiten und in Not und Gefahr nach Kräften für dasselbe ciuzustehen. Wenn der Bund Jüdischer Korporationen also für die jüdische Jugend das positive Ideal aufgestellt hat, die Tradition des jüdischen Volkstums zu wahren, so kann er doch mit Recht behaupten, dal! dieses nicht im geringste« Gegensatz zur deutschen Vaterlandsliebe steht. Dali weite Kreise der deutschen Juden nicht dieselben Vorurteile gegen den Bund Jüdischer Korporationen hegen wie der Vorstand der Synagogen- Gemeinde Ruin, beweist die Tatsache, dall der Vorband heute schon fast 700 Aktive lind Alte Herren umfalit. Die Ä. P. C. und die hebräische Sprache Eine in Palästina erscheinende hebräische Wochenschrift hat vor kurzem die Mitteilung gebracht, die Direktion der Anglo-Palcstiue Co. Ltd. in Jaffa hätte ihren Filialen in einem Zirkular vorgeschrieben, für den brieflichen Verkehr der Filialen untereinander nur die französische Sprache zu 1)1׳- nutzen. Diese Mitteilung ging auch in eine Reibe nichtpalästincnsischcr Zeitungen über und fiat in vielen gesinnungsgenössiseben Kreisen begreifliche Verwunderung hervorgerufen. Es ist selbstverständlich, dall diese Nachricht völlig ans der Luft gegriffen ist. Der Sachverhalt, der zu dicatn Gerüchten Anlaß gegeben hat, ist folgender: Vor kurzem ist in die Bank ein höherer Beamter eingeireteii, der bisher in Aegypten tätig gewesen war und die hebräische Sprache noch nicht in genügendem Maße beherrscht. Die Filialen sind mm in einem Rundschreiben ersucht worden, solange der betreffende Beamte sich die notigen Kenntnisse noch nicht ungeeignet hat, wozu er sich bei seinem Eintritt verpflichtete, gewisse interne, ausschließlich für die Buchhaltung bestimmte Formulare, die zur Abteilung dieses Be- Aber Bcriibardi pariert den Schlag nicht, <1011 er empfangen hat. Er sitzt seine Gefängnisstrafe ab, und als er nun zu einer Abrechnung ins Ministerium kommt, da sind alle Flaue verflogen. Seine ironische Note dringt durch und, nachdem ihm ein grober, begeisterter Empfang an der Kerkertür be-!eitet worden ist, die liberalen Zeitungen Leitartikel über ihn geschrieben haben und die Belastungszeugin widerrufen hat, ergreift er die Flucht vor dem, was weiter auf diesem Wege liegt. Kommt es mir nur so vor, als ob aus der Begründung dieser Flucht aus der Oeffeutlielikeit so etwas wie ein Selbstbckcnntnins des Dichters liegt? Als ob wohl er auch empfunden habe, wie nötig cs ist, auf die Gemeinheit und Dummheit, die sich Schritt vor Schritt dem in der Oeffentliclikeit wirkenden Juden entgegcnstcniineii, mit einer Gegenwehr zu reagieren., (Dr. Loewciistcin und andere sind deren Fürsprecher in dem Stücke.) Und wenn er sich nicht als Mann fühlt, die Kon scquenzen des Kampfes zu tragen, so braucht* das keine Feigheit zu sein, nur die Scheu, ein ״Bundesgenösse“ zu sein, die Scheu davor, in die widerlieben politischen Kämpfe hineingezogen zu werden. Die Freude daran, planlos das Richtige zu tun, wo man zu handeln gezwungen ist. So kehrt Bernhardi in sein Konsultationszimmer zurück, und wenn morgen seine Gegner einem frischen Opfer aut der Spur sind, mag der Gejagte sehen, wie er mit ihnen fertig wird. L. B. :unten gehören, vorläufig in einer ihm verstandliehen europäischen Sprache auszufüllen. In •diesem Rundschreiben hat die Direktion ausdrücklich hervorgehoben, daß, abgesehen von diesen Formularen, die gesamte Korrespondenz zwischen Leitung und Filialen selbstverständlich wie bisher a u s s c 111 i e H I i c 11 in hcbtäisclicr Sprache zu erledigen ist. Es soll bei dieser Gelegenheit hervorgehoben werden, daß es fast keine zionistische Institution gibt, in der die hebräische Sprache auch nur aniiiilieriid so eifrig und konsequent gepflegt wird, wie gerade in der Anglo Palcstinc Co. Es ist auf das lebhafteste zu bedauern, daß die hebräische Presse in Palästina, die doch am ehesten die Möglichkeit hatte, sieb über den wahren Sachverhalt an Ort und Stelle zu erkundigen, derartige grundlose Nachrichten in die Cklfentlichkcit lanciert, Vom ״Jüdischen Verlag“ Unsere rührige Parteibuclihandlung setzt auch im neuen Jahre ihre rege Vcrlagstätigkeit, die uns in den letzten Monaten so wertvolle Gaben bescherte, fort. Die Sammlung ,,Vom alten Stamm“, in der die besten jüdischen Erzähler zu Worte körn inen sollen, bat mit ihren beiden ersten Bänden von Schalem Asch (״Im Lande der Väter“) und Gorelik (,,Die liebe Provinz“) einen ganz außerordentlichen Erlolg zu verzeichnen gehabt. Nun liegt ein weiterer Band vor, der ״Volkstümliche Erzählungen“ von Perez enthält. Nachdem der erste Band von ״Erzählungen“, den der ״Jüdische Verlag“ vor Jahren hcrausbrachte, das deutsch-jüdische Publikum mit diesem leinen Er/ählcrtalcnt bekannt gemacht hat, ist kaum daran zu zweifeln, daß der neue Band ein Verständnisvolles Publikum findet, das ilnn eine freundliche Aufnähme bereitet. Aber auch die Broscliürensammhing ״Die Jüdische Gemeinschaft“, welche Dr, Aliroti Eliasberg licrausgibt, schreitet rüstig vorwärts, und es wird immer deutlicher, wie sehr diese Monographien dazu berufen sind, die Judcnfrage und die gegenwärtige Verfassung unseres Volkes von allen Seiten her zu beleuchten. Moritz O old st« in hatte die Reihe mit seiner Schrift über ״Begriff uml Programm einer jüdischen Nationaliiteratnr“ eröffnet, Dann hatte Alexander Schüler uns das Rassenprobleni in einem leicht faßlichen und doch streng wissenschaftlichen Abriß vermittelt und nun macht uns S, K i s s c*l 11 o f f' in einem neuen Heft mit *lern ,,jüdischen Volkslied" vertraut. Bei dem ständig wachsenden Interesse, das dieser Erscheinung des jiidisehen Lebens neuerdings entgegengebracht wird, muH man die instruktive Schrift mit besonderer Freude begrüßen, Von den weiteren 'Heften dieser Serie, die sich in Vorbereitung befinden, seien genannt: Kaplanski: ״Die Arbeiterbewegung unter den Juden“ und K a s t e I i a 11 s k i: ״Die Wanderungen der Juden“. — ״Memoiren Jüdischer Männer und Frauen" lautet der Titel einer dritten Sammlung des Verlages, deren erster Band in Kürze zur Ausgabe gelangt. Er bringt uns die berühmten ״Denkwürdigkeiten der Glückei von Hameln“ in einer Verdeutseiimig von Alfred Fe i I ch c n f c I d. Dann wird eine Wiedergabe der hebräischen Berichte ״Jüdischer Augenzeugen der Kreuzzüge“ in einer deutschen Bearbeitung Nathan Birnbaums folgen. Nimmt man noch hinzu, daß die Essays Ach ad Hiatus in Erinnerung Der Weg von Jerusalem zurück nach Deutsch- Lind ist sehr weit, darum kommen Chanukah-Eiinnerungen so spät. Lohnt cs sich denn, cs zu erzählen? Ist cs wirklieh etwas Besonderes, eine mir als gelungen erscliienene Chanukahfcicr in Jerusalem? Ich glaubte es, als man Sonnabendabend die Lichter in der vom Verbund jüdischer Frauen gegründeten Spitzenschule entzündete. Warum versanken mir alle früheren in Deut seid and gleichartig arrangierten Veranstaltungen in ein Nichts? War es nicht das gleiche Programm wie stets?: Entzünden der Lichter, Gesang des Cliaiiukahlicdcs, Ansprache, Chanukahgcschichtc, Schokolade und Kuchen, Geschenke. Das Programm war das gleiche, aber die Festteilnelmier waren andere und die Freude am Fest aus tieferen Gründen heraus war eine weit größere, fast möchte ich sagen ernstere. Wir hatten für die 140 Schülerinnen ganz beim- Sich am Vorabend die Tische mit Blumen und Blättern festlich geschmückt, wir hatten versucht, den ästhetischeu Eindruck einer wahren Festtafel hervorzurufc«. Das war das erste große Neue, was den Mädchen auffiel: Orangen Und Mandeln kann man auch als Tafeklekoration benutzen —• wer hätte je daran gedachtt Tag für Tag sehen wir diese Mädchen arbeiten, wirklich ums Brot arbeiten. Der praktische Erfolg ist nicht ausgebiieben, sie verdienen gut und haben % kurzem in einer wesentlich verstärkten Auflage erj" scheinen werden, so muß man /״geben, daß der | Jüdische Verlag mit Erfolg bemüht ist, seine Ver- | lagstätigkcit in systematischer Arbeit auf das gef samte jüdische Geistesleben zu erstrecken und es | bleibt nur zu wünschen, daß das jüdische Publikum f sich für die Fülle des Gebotenen dankbar erweise j und daß die geschmackvoll ausgestatteten Bücher j stets einen aufnahme-freudigen Markt finden mögen. ן . lieber die Preise und alles, was den Käufer intcrj cssiercn muß, geben die Inserate, die in jeder Nummer , der ״Jüdischen Rundschau“ erscheinen, ausführlich Aufschluß. o-AUS Aließ WfLT * Deutsch land Nach langen Verhandlungen ist zwischen der Pariser Alliance-Leitung und der Mehrzahl der deutsehen Lokalkomitccs ein Abkommen erzielt worden, das den heftigen Kämpfen zwischen der Leitung der Alliance und der deutschen Konferenzgemeinschaft der Alliance ein Ende macht. Die Einzelheiten des Abkommens haben für uns kein Interesse, denn die Forderungen, welche wir seinerzeit im Interesse einer gesunden Weiterentwicklung der Alliance aufgestcllt haben, sind nicht erfüllt worden. Der geradezu unglaubliche Wahlmodus, nach dem der Pariser Vorstand überhaupt nicht mehr von den Mitgliedern der Alliance gewählt wird, sondern sich ständig beim Ausscheiden eines Mitgliedes durch Kooptation ergänzt, ist bestehen geblieben. Noch immer heharrt auch die Alliance auf der heute völlig unhaltbarcA Forderung, als alleinige Repräsentanz des ücsamtjudcntums bctrachtet zu werden, ohne der inneren Umgestaltung der Judcnhcit, wie sie durch den Zionismus bewirkt wurde, irgendwelche Konzessionen zu machen. Diese Tatsachen sowie der Wesensunterschied, der zwischen der Alliance als einer rein philanthropisehen Gesellschaft und dem Zionismus als dem poiifischen Organ des jüdischen Volkes besteht, trennen die zionistische Organisation und die Alliance nach wie vor. Wenn jedoch neuerdings in verschiedenen deutscheu Zeitungen (Welt am!Montag, Kölnische Zeitung, Münchener Neueste Nachrichten) überaus heftige Artikel von jüdischer Seite gegen die Alliance gerichtet werden, so müssen wir das auf das entschiedenste verurteilen. Es ist unter allen Umständen verwerflich, nichtjüdischc Zeitungen, deren Leserkreis sich doch kein objektives Urteil bilden kann, in polemischer Weise gegen eine jüdische Institution aufzureizen. Besonders unjüdiscli und höchst unzionistisch ist es, wenn dabei auf den deutsch-patriotischen Chauvinismus tlcr Leser spekuliert wird. Wir verwerfen diese Taktik gegenüber der Alliance ebenso, wie wir die infamen Dcmm/icriiiigsvcrsiichc der Autizionisten, die sich uns gegenüber mit ihrem Patriotismus zu brüsten pflegen, stets gebrandinarkt haben. Diese Art des Kampfes gegen die Alliance kann nur verbitternd, nicht aber bessernd wirken. Wenn behauptet wird, die Alliance benutze das Geld deutscher Juden, um französische Politik zu machen, so ist das eine Uchertrcihung, die in einer deutschen Zeitung noch ein ganz anderes Gesicht erhält. In Wahrheit hat leider die Alliance der französischen Sprache einen allzu großen Raum im Unterricht gewiihrt und durch ihre entjudaisierende Erziehung*- sich nach hartem Kampf und späterem Erkennen der notwendigen Ordnung und Disziplin gefügt. Da sie soweit waren, konnten wir ihnen die erste Freude machen. Und die wurde zu einer gegenseitigen, als wir au diesem Abend auf die festtäglich leuchtenden Gestalten sahen, nicht auf lauter festlich gekleidete Mädchen, cs gal» gar viele, denen der frohe Glanz der Augen das einzige Festkleid war, und manche, die durch ihre heißen Wangen das echte Fesfgepräge verkörperten. Frisch uml ungekünstelt erklang das Chanukahlied aus den Kehlen der Mädchen. Kurze Sätze waren es, mit denen ich ihnen für ihren Fleiß Anerkennung aussprach, wenige Worte nur, mit denen ich ihnen weitere Freude an der Arbeit wünschte, doch waren sic 11 e b r ii i s c 11 gesprochen und erfreuten darum die Mädchen besonders. Fest und kernig erzählte ihre hebräische Lehrerin die Chanukaligcschichtc, sich völlig des Vorteils bewußt, sie hier erzählen zu dürfen. Nach einigen Deklamationen der Schülerinnen erfolgte die Bewirtung. Nicht ohne Absicht hatten wir die Schokolade mit Milch (für Palästina fast luxuriös) gekocht; wir wußten cs, daß cs manches große Mädchen gab, dem dieser Trank der erste war vielleicht und für längere Zeit bleiben muß. Beim frohen Spiel gah’s kleine praktische Geschenke, die auf diese harmlose Art nicht verletzend waren. Das Geld zu der Feier hatten wir in der Schule selbst im Laufe des Jahres zusammengespart, zum Teil aus dem Erlös nach mäßiger, nicht verwendbarer Schülerarbeft. Wir verließen mit den wenigen er-

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