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Jüdische Rundschau · 1913-01-03 · Heft 1 (3.1.1913) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 1 (3.1.1913)
Date
1913-01-03
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 1 die Juöcn ganz unhaUbar; sic müssen jetzt alle für ihr Leien fürchten, denn diese Mordtat ist fast am hellen Tage geschehen. An der Beerdigung der Ermordeten haben 25 000 Juden tcilgenonnneii. Oie .Griechen versuchten vergebens, diese Kundgebungen zu verhindern.“ Am Oienstag, den IS. Dezember, haben - der deutsche Botschafter Baron v o n W a n g e 11 h e i 111 und sein erster Dragöman dem Großrabhiucr eine Visite abgestattet. Es ist das erstemal seit seiner Amtsführung, daß der Großrabbiner den Besuch des Vertreters der deutschen Regierung in Konstaiiliiiopei erhält. Der Botschafter drückte seine Befriedigung darüber aus, daß die Situation der Saloniker Juden sich gebessert habe. Südafrika ln Johannesburg starb vor kurzem der Genera!■ dircktor einer der grollten Diaiiianthäiisci• Hen/ion Aaron. Oer Verstorbene war ■ein intimer Freund des Präsidenten. Krüger, und seinem Einflüsse war cs auch zu danken, daß die Johannesbnrger jüdische Gemeinde einen freien Platz zur Errichtung einer Synagoge und einer jüdischen Schule erhielt. 1111 slulafrikanischen Kriege hat Benzion Aaron, der aus Ru 1(1,1 ml stammt und im Alter von I I Jahren nach Südafrika auswandert«, aktiv teilgenommen, und cs ist interessant, daß er damals auch eine jüdische Sanitätsbrigadc organisierte und von den Behörden in Prätoria die Erlaubnis erhielt, als Abzeichen für diese Kolonne an Stelle des Roten Kreuzes ein rotes Magen David zu wählen. Die jüdische Gemeinde von Johannesburg geht daran, eine neue Synagoge zu erbauen und hat für die beslen drei Pläne entsprechende Preise ausgeschrieben. Oie Pläne wurden angefertigt und alle drei Architekten haben in ihren Plänen die Bundeslade gen Osten Elacicrt. Und nun entstand ein ganz merkwürdiger treit. I)er Rabbiner der Gemeinde Or. J. L, L a n d a 11 hat gegen die Ausführung des preisgekrönten Bauplanes mit Rücksicht auf eine frühere Entscheidung seinerseits Einspruch erhoben. Nach dieser Entscheidüng müssen sämtliche Synagogen in Südafrika im Sinne der jüdischen Gesetze mit der Hauptfront fegen Norden erbaut werden, da Jerusalem, und as ist eigentlich der Misracli, nördlich von Südafrika gelegen ist. Ueber diese Auffassung ist nun ein so heftiger Streit entbrannt, daß sogar das Schisma unter den Juden in Südafrika droht, trotzdem sämtliche Juden in Südafrika, zumindest in der öffentlichen Betätigung, auf dem orthodoxen Standpunkte stehen. Amerika In der Ausstellung der amerikanischen Kunst- Galerien ist ein hervorragendes jüdisches Kunstwerk zu sehen, dessen Wert auf 23 WM) Dollars geschützt wird. Es handelt sich um ein hebräisches Gebetbuch, eingewirkt in Stoff; der Stoff hat ein Format von 6 Fuß 2 Zoll mal 5 Fuß 2 Zoll. Das Wunderwerk ist von vier Brüdern Josephtis vor 500 Jahren in Spanien in einem Zeitraum von 23 Jahren angefertigt worden. Jeder Quadratzoll enthält Tausende von Stichen. Mr. Henry (i ree 11, der Initiator jener erfolgreichen Kampagne gegen die Erneuerung des Handels- Vertrages zwischen Amerika und Rußland, hat den Plan gefallt, nunmehr auch die rumänische Judenfrage in der ganzen Welt ins Rollen zu bringen. Er hat sieb in dieser Angelegenheit an die hervorragendsten Vertreter der Wissenschaft in Amerika sowohl wie in Europa gewendet und von den meisten auch Zustimmungscrklärungen zu seinem Plane erhalten. Selbst angesehene Kirchenfürsten haben ihm ihre Unterstützung seiner Aktion zugesagt. Mr. Green wird demnächst mit dem bekannten Philanthropen Nathan Straus eine Reise nach Palästina unternehmen und auf seinem Rückwege die Hauptstädte der europäischen Länder besuchen, und für die Befreiung der rumänischen Juden von dem Drucke der Ungesetzlichkeit in Versammlungen Propaganda machen. Auf Grund der zahlreichen Zustimmungserkliirangen liegt Mr. Green die Hoffnung, daß cs ihm gelingen werde, das vielgelästerte europäische Gewissen endlich aiifzurütteln und der rumänischen Schmach ein Ende zu bereiten. Mr. Green hat die Absicht, seine Agitationsreise über Rom, Budapest, Wien, Berlin, Paris und London zu nehmen. Einer neuen Verschärfung der ainerikaniscbcn Einwandcrungsbestiinmungen wurde im Unterhaus mit 178:52 Stimmen zugestimmt. Es handelt sich um ein« Prüfung, bei der nur diejenigen bestehen sollen, die fähig sind, irgendeine Sprache zu lesen. Die ״Bill“ des Abgeordneten Burnett will hierbei — im Gegensatz zu einer ähnlichen Beschränkung in Südafrika — das Jüdische als Schriftsprache zulassen und auch solche Einwanderer ausnehmen, die als Opfer religiöser Verfolgungen das Asylrecht der Union in Anspruch nehmen. Obwohl demnach die jüdische Einwanderung nur in geri«nein Maße durch das neue Gesetz getrofien wird, stellten sich die Juden als prinzipielle Gegner j«lweckr Einwanderung in slrikte Opposition gegen die ״Bill“. Ein jüdischer Abgeordin'tvr, Gur ly, hielt eine fulminante Rede, in der er die (lesebichte der nnierik.iiiisclicn Juden darlegte tmd ihre Verdienste um die Entwicklung der Union betonte, um zu zeigen, wie werlrolle Elemente unter Umslümlen dein Staat« durch engherzige Bescliränklingen ferngehalten werde» können, Jacob II. Schilf liat der Bibliothek des ,׳nneriklinischen Kongresses die sehr wertvolle Sammlung hebriiischer Literaturdenkmäler, die von Ephraim De in erd aus Arlington (Neu-Ierscy) zusammengebracht wnr. geschenkt. IU‘r Katalog weist *)<))(> Nummern aut. Die Sammlung ist namentlich reich an Uihc'- und Tiilmtitf-Ansgaheri; unter letzteren befindet stell der Erstdruck von B.mhtrg in Venedig (IV2U bis 21) und die vollständige Frankfurter Ausgäbe (172t) bis 22), * Eie jüngste Ausgabe des ״American Jewisli Vcar Book“ entImit einige interessante Daten. Im Jahre 1818 p.ib es in den Vereiniplen Staaten 't(MM) Juden. 1111 Ja Im* 1881) 21(1237 mul '1*112 2 011 702, 82 neue S)11.1׳jN1j;111׳ und I leime wurden im Jahre 1012 in Amerika erölfnet. Es gibt dort jetzt 112 jüdische Zeitungen. PALfle5TIMA*RUNDSCHflV Wie in früheren fahren, fand auch in diesem Jahre an einem Ghana* »hübend die Genera leer- 's ,1 in in 111 n g der Mitglieder von T e I A vv i w statt. Aus diesem Anlaß hat der Vorstand des Stadtviertels sämtliche« Mitgliedern einen Rechenschaftsbericht zugehen lasse«, dein wir folgendes entnehmen: Zu ilen wichtigste« Arbeiten des letzten Jahres gehören die Erwerbung, Purzellierung und Veränßcrung eines a«grenzende 1t Bautcrraiiis von ca. <1(1 (MIO Quadratclkn, ferner die Ourdiiülining der neuen Wasserversorgung und die Eingemeindung des neuerbauten Viertels N ,1 c I»«-1 ri t h B e n j a min. Die Einnahmen setzten sich im abge lau firnen Rcclimmgsjalire folgenüernialk׳« zusammen: Reingewinn von dem «eilen Terrain 22 711,00 Eres., (iciiieiudesteueri» der Mitglieder lOtWZ,׳Ob Fra., Zahlung von Nachalath- Benjamin hei der Aufnah«1c in de« Ciemeimlcverband von lel-Awiw 9780 Fres., Reüigewiuu vom alten Terrain ')(151,50 Eres,, Aufnahme neuer Mitglieder 2(100 Eres., Miete für üffcntlidie (iebiiiule 1070 Eres., diverse Einnahmen •-I l‘)'),72 Fr es. Da mm im vorigen Jalire ein Reingewinn von 21 562,7-1 Eres, verblieb, so sla«den der Verwaltung insgesamt 7<> 595,01 Ft cs. zur Verfügung, Nun wurden im abgelaufenen Jahre 507.85,7() Eres, verausgabt, so dal) das Jahr mit einem Ueberschuß von 25 809,31 Eres, abschließt. In diesem Jalire wurden die liosUjiieligen Arbeiten der erweiter» teil Wasserversorgung, die mit den dort auch für sonstige Zwecke des Vorstandes befindlichen Räumen allein ca. 251X10 Frcs. gekostet haben, durcligeführt, ohne itati di« Mitglieder mit besonderen Steuern belastet werden inufitcn. Der Voranschlag für das!k«111 inende Jahr, den der Vorstand der (k'iieralversainiiibiug unterbreitete, be* •trägt IS (WO Fräs., und zwar; Wasserversorgung 7100 Francs, ikw;1clmng 3300 Fra,, Reinigung der Straßen und der öffentlichen Plätze 2100 Eres., Verwaltung 2000 Frcs., diverse lileinere Ausgaben, darunter zum erstenmal Subvention für «inen Lesesaal in Höhe von MIO Frcs,, 3230 Frcs. 4 Herr l) s s i s cli k i 11 hält sich in Palästina auf, um 1111 Aufträge des Odessa« Komitees verschiedene Projekte zu studieren. TVRMeh &SP0RT ln Ei «11 Baß freund, der «in 23, Dezember nach längerem Leiden verstorben ist, hat die jüdische Tumsnehe und das nationale Judentum einen treuen וווו d ergebe neu Mitstreiter verloren. Längere Zeit hindurch leitete er 1111 Ehren,•mit den Verlag der ״Jüdisehen Turnzeitung“ und beteiligte sich mit Eifer und Hingebung an der Verwaltung der Bar Kocliba und der ״Jüdischen T11r11erscl1;1lt“. Sein Name wird in den Reihen unserer Turner unvergessen bleiben! ו* nie S וסין t abtcilti t\ g des Beil in er ״Ba Kocliba“ ist dem ״Verbände Berliner Athletikve eine“ beigetreten. Damit bieten sich unseren Turner eine Reihe neuer Möglichkeiten sportlichen Kampf! und der spurt liehen Prnpngaiuln. Die I. llockcymani schrift!!es Vereins hat ihre Mehlung zur Frühjahr: seri« der Meisterschaftsspiele des Verbandes abgi geben, Auf leichtathletischem Gebiet bietet das groß Hallensport fest in den ״Ausstellungshallen am Zoo die erste Ciekgcuheit, als VcrbamJsniitglied an d Oeflentlidikcit m treten. — Di« l'ittlbalimaiuisclia weilte während der Weiliiiachtsfcicrtagc in Hambm tmd errang über den dortigen Bar Kocliba einen Sic ־von 5:0 (Halbzeit 3:»). - Hocke} res ul täte: 15. D z,en1ber; B K. I — Clurlotteiiburger Tumgcmeinile I ‘3* י * •י• Ocwiinbci: B« K. I *־־— Verein für Volk sport I 7:2; 26. Dezember: B. K. II — Borussia* Spandau II 2:5. Aus dem Inhalte des Nim m her-Dv/embcrhcft« der ״jüdischen T u 11 ז z c 1111 ח g־' sei i!1 erster Linie ein frisch geschriebener Artikel Henry Unnas erwähnt, der sich unter der Ucbersrlirift ״Enkel des Ghetto'‘ mit einem Aiils.ilzc des llerru Dr. Schuster in den ״Mitteilungen tler jüdische« Jugendbewegung" belaßt. Die famosen Gründe, die dieser Herr für die Griimlung von Iuriinegrii im Rahmen der Jugendvereine anfubri, werden kritisch beleuchtet und ihnen das einheitliche 1111(1 positive Programm der ״Jüdisehen I urnerseli.itt" gegeiiiihergcstellt. Dem Be* riebt des ״Ausschusses der Jüdischen Turncrseb.ift“ sei folgendes über die geplante Palästinatariifahrt entiHinimcii; ״Das Zustaiulekoiuiuen unserer l'a* lastiuafahrt ist gesichert. Wir haben mit lidte des Palästina-Amtes ein ausfiilirliches Prugraumt ent* wollen, das fiir den Anten 111«It in Palästina von 21 Tagen die Kosten (inklusive ca. 50 M. für ״Un* vorhergesehenes“) mit 18(1 M. franko berechnet. Die Kosten der Hin- und Rutl (.1 lirt bis Jaffa (als Aus* (:angsgimkt München gerciLnrl) stellen sich etwa auf 18t) M, Die Verhandlungen •ml den St 111(1:1111(». gesdlscliafleii finden 111 den nächsten Woeiien ihren Abschluß. Wir werden als 11:11 in den Vereinen direkt ein genaues Programm zugvlicn lassen und dasselbe an dieser Stelle verölfcntlklien. Es haben sich bisher vom Bunde Jüdischer Korporationen und der Jiid, Turnerschaft zusammen ca. 20 Herren zur Teilnahme gemeldet. Auch vom Kartell Zionistischer Vertundangen (Dcut'scliland) 111111 11er Verbindung Emunah (Lemberg) werden voraussichtlich Herren teihielimen - Das lieft enthält 11. a. zwei aligeineine jüdische Artikel: ״Ilellenisches Judentum“ von Ghcskcl Zwi Klötzel mul ״Die Religion im Cialulh“ von Nachuni Gold in a n n. Ein Aufruf für den Organisation«• fonds, Vcreinshericlite lind Spendtnausweis ergänzen den Inhalt des Heftes, «> Herr Ernst He r r in a 1111 ־ Jaffa hat seine Tätigkeit als Turnlehrer in Palästina bereits be* gönnen. Er berichtet von einer flotten turnerischen Tätigkeit der Vereine in Jerusalem, I’cthacli-Tikwah, Jaffa, Rischem, Ness Zionali, Redloboth und Rkron, # In Lemberg tagte am 2*). Dezember der erste G a 1 i 1 i s c 11 - H u k o w i n i s c 11 e Kreisturntag zwecks Gründung eines c»tsprechenden Kreises der Turnerschaft. י* In Prag ist ein neuer Turnverein gegründet, der der ״jüdischen Turnerschaft" bei/utreten beabsichtigt. Er bildet den Anfang zur Ausbreitung der Be» vvegung in Böhmen. * Die Mitglieder des Ausschusses der Turnerschaft unternahmen mehrfach Propaga 11 dareisen. Es sprachen in den letzten Wochen (ireifeuliagen in Berlin, Breslau und Dresden; Unna in Berlin und Stettin; Doern* berg in Berlin. ESiilSTISaie SC":ur13 Das Palästina-Amt des Zionistischen Aktions* komitccs teilt uns mit, daß gegenwärtig in Judäa ein erfahrener Tierarzt eine durch aus einträgliche und ein oder mehrere junge Tierärzte verhältnismäßig ebenfalls gute Stellungen bekommen könnten. Die Kolonie Petliaeli-Tikwah hraucht einen erfahrenen Tierarzt (der sich in der Kolonie niederlasseii muß), und würde ihm ein Jahreseinkommen von 5000 Ers. garantieren. Der Tierarzt 11:1t die Möglichkeit, durch Privatpraxis mehr zu verdienen, er darf sogar zwei bis drei tage von der Kolonie abwesend sein, um die benachbarten zwei bis drei Kolonien zu besuchen, die hierfür ebenfalls ein Fixum von je 1000 bis 12«) Ers. aussetzen wolle«. Auf 8.-10 (100 Frs. jältr* lieh könnte ein Tierarzt in J 11(1:1,1 rechnen, ein Einkommen, welches hier als hoch zu betrachten ist. — Dadurch, daß die Kolonisten jetzt bestrebt sind, Milch* wirtschaften «in Atnehteii, wird es dein Tierarzt obliegen, die Viehversidicrimg diirclizufübrcn, uin auch in dieser Hinsicht segensreiche Arbeit lür die Kolonien zu leisten. Weitere Auskünfte vermittelt das Bureau der ״Zionistischen Vereinigung‘'. AUS D£N ö€MeJMDCH. Berlin. Die Gesellschaft zur Verbreitung der Handwerke und de* Ackerbaues unter den Juden im preußischen Staate leierte am 15.!1. M, ihr hundertjähriges Besteilen. In den Jahren 1812 bis 1821 ließ dieser Verein 200, m den nächsten 10 Jahren 1.79 Zöglinge ausbilden. Seit IS*» schwankt die Zahl der Lehrlinge jährlich zwischen 5 t und 85. Insgesamt , ״a״«-‘» den־ Verein, der seit Jahren ein besonderes Lcnflmgsheim in Pankow unterliällt, während seiner nunmehr hundertjährigen ^euienimitiigen Wirksamkeit

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