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Jüdische Rundschau · 1912-12-27 · Heft 52 (27.12.1912) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVII (1912)
Issue
Heft 52 (27.12.1912)
Date
1912-12-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 506 J U E D ISCHE RUNDSCHAU Nr. 52 Kämpfe werden. Denn daß es bei uns solche ja }!eben nullt, ist mir ein Zeichen, «lall wir leben, fühlen, denken, dal! wir Ideen erzeugen mul Anschaumigen verteidigen können — es ist bei einem so zersplitterten Gemeinwesen wie das uusiige nur zu natürlich und durchaus berechtigt. Um aber doch die für ein Volk erforderliche nationale Solidarität — im weiteren Sinne des Wortes hcrbei/iifnhrcn, um zu bewirken, dalt jene inneren Kämpfe nicht in Schlachten ausarten, mul* das dreifache großartige Ideal: Die Renaissance urscres Volkes und seiner Sprache im alten M e i m a 11 a n d e die;:emeinsame Plattform werden, auf der wir uns finden und einigen sollen. Deshalb müssen wir unsere Aufmerk* samkeit gegenwärtig nicht allein der wirtschaftlichen Hebung Palästinas und der Vergrößerung des jiidisehen Jischuh darin widmen, sondern es ist unsere heiligste Pflicht auch die Förderung der liebräischeu Kultur in den Vordergrund unserer Arbeit zu stellen, dieses uralte und doch so jugendlich frische Erzeugnis unserer geistigen Tätigkeit im Laufe von Jalutausen* den, nach Kräften in seiner weiteren Entwicklung zu unterstützen. Unsere Aufgabe ist die in Palästina natürlich sich entwickelnde hebräische Kultur auf die gesamte Diaspora einwirken zu lassen, damit sie zur lebendigen Brücke werde, die unsere glänzende Vergangenheit mit der trostlosen Gegenwart verbinden soll. Besonders erfolgreich kann die galul freie Ent- Wicklung der palästinensischen Kultur auf diejenigen cinwirkcn, die sich früher von uns alnveudeteu und der Ansicht waren, dal! jüdisches Itlut mir gut ist, tun die Räder der russischen Revolution damit ein* zuscluuieren ... All dies können wir mit Recht auf Rechnung des Studiums des Hebräischen und einer eingehenderen Beschäftigung mit unseren geistigen Erzeugnissen schreiben. Das Streben enthält in sich potentiell auch den Erfolg; wollen wir streben, uns frei zu machen vom schädigenden übermäßigen Ein* fhiß fremder Kulturen, welcher uns allmählich unserem Selbst entwendete, welcher unsere Schöpfungskraft lahmt, so wird die an dessen Stelle tretende he* bräischc Kultur unseren Geist stärken, uns ein 1111־ begrenztes Territorium schaffen, dessen Anfang in Palästina und dessen Enden in der gesamten Diaspora sein werden. Um dahin zu gelangen, müssen wir aber, wie gesagt, unseren Söhnen und Töchtern hebräische Bildung geben, damit sie nicht nur alle Sprachen der Welt, sondern auch unsere keimen, durch die allein man die Leiden, die Freuden, das Fühlen und Denken unseres Volkes begreifen kann. Es ist der Moment gekommen, wo wir alle wie ein Mann für unsere nationale Selbständigkeit ein* treten sollen. Dieser Gedanke allein ist imstande, wie ein Strom von Jugendkraft und Poesie in das Leben des ewigen Wanderers sich zu ergießen, die gebeugte Gestalt des alten Israel aiifzurichten. Wir können zuversichtlich hoffen, daß alle Lügcutchrcn, die uns in letzter Zeit irregeführt, mit einem Male schwinden werden, wenn man atifhörcn wird, das jüdische Rcnaissanceproblcm als etwas Unverstandiiches und Unmögliches zu betrachten. Richten wir unseren Blick nach dem Osten: Im Lande unserer Zukunft verdrängt ein blühendes Auflcben die Ghetto- und Chalukawolkcn, es geht eine Sonne auf, die uns Heil in ihren Strahlen bringt. Diese Sonne soll auch die finstere Diaspora erhellen, und deshalb rufen wir noch einmal: Schafft ihr die Möglichkeit, auch zu uns zu dringen, verbreitet die hebräische Sprache, dieses geistige Attribut des jüdischen Volkes, damit sic wie eine einzige erhabene Harmonie, wie eine göttliche Symphonie in unser aller Ohren klingt, dainit wir mit dem alten Dichter sagen können, ״wir wollen für unsere Sprache kämpfen", denn ״wenn wir die haben, wer vermag etwas gegen uns?" Kattowitz Zwei Flugblätter. Nach der Zcntralvcrcinsversaimnlung in Kattowitz,' über deren Verlauf wir unsere Leser in einer unserer letzten Nummern uusführiieh unterrichteten, versandte die Ortsgruppe des ״ZentralVereins" iu KüuigsUüUe eine Erklärung folgenden Inhalts: ״In der großen Versammlung des Zentral-Vereins am 20. November iu Kattowitz. hat I lerr Rah- Inner D. Goldsclmudt-Königshütte offen und ohne Scheu von dem Rechte der freien Myiiiimgsäußening als Diskussionsredner Gebrauch genincut und das Verhältnis des Zionismus zur Religion beleuchtet. Hierbei bat er, zunächst rein referierend, eine Zeitungsnotiz wieUcrgegcbeii, wonach auch getaufte Juden Zionisten sein können. Bevor er noch die Möglichkeit hatte, seine persönliche Stellung dazu zu kennzeichnen, wurde er von zionisiisclur Seite in uniiualifi/icrbnrer Weise, unter Mißbrauch des <)astrechtes, johlend unterbrochen 11ml durch den Vorwurf der Unwahrheit und Lüge persöulieh beleidigt. — Wir übermitteln Herrn Rabbiner Dr. Üoldscluuidt den Ausdruck unseres Vertrauens sprechen unsere tiefste Empörung über das Verhalten derjenigen aus, die, anstatt einen eventuellen Irrtum in parlamentarischer Form zu berichtigen, das Gastrecht derartig mißbraucht haben." r* rן,“־/'־׳/,'•' :'״־ י'' Id 4 < fl r t \ ד;ז Ui LJ der ״Jüdischen Rundschau“ aus Ihrem Bekanntenkreise einen neuen Abonnenten für das I. Quartal 1913 zugeführt? Wenn nicht, dann tuen Sie cs sofort, damit der Betreffende die erste Nummer des neuen Jahrgangs pünktlich zugestellt erhält. Vor allem aber überweisen Sie Ihren Abonnementsbetrag sofort, dainitSic unnötige Nachnahmespcscn ersparen. Die Leser unseres letzten Kattowitzcr Briefes wissen, was sie von der Wahrhaftigkeit dieser Angaben zu lullen haben. Dennoch sei hier die Entgeguuiig wiedergegeben, welche die neun in unserem ()!H-rschlisischen Gruppenvcrband vereinten zioiiistisduu Ort ■'gruppen ״Zur Steuer der Wahrheit" verbreitet haben: ״Die ()i'tsgruppc Kölügshüttc im Zentralverein Dtiilseher Staatsbürger Jüdischen •Glaubens hat uzt er «len 22. November er. eine Erklärung veröffentlicht, welche sich mit dem Verlauf der Zeutralvereinsver- Sammlung beschäftigt, die am Bußtage in Kattowitz atigeli.alleii wurde. Es wird dabei insbesondere auf das Auftreten des Herrn Rabbiner l)r. (ioldsdiiuidl-Köiiigshiitte und seine in der Diskussion getane Aeullermig zurückgekommen, auch getaufte Juden können Zionisten sein. Der Erklärung der Königshüt ter Zentral Vereins-;!nippe schließen sicli die Körperschaften der dortigen Synngogciigcmciiide sowie die jüdischen Bildungslind Wolill:digkeitsvereiue durch Nameiisimtersehrilt ihrer Vorsteher au. Auch wurde diese Erklärung iu vielen I Itimlerkn von Abdrucken im obersehlcsischcu Bezirke verbreitet und iu großer Zahl auch au solche Personen versandt, die weder au der Kattowitzcr Versammlung tcilgcuommcit hatten, noch iu einem irgendwie gearteten Verhältnisse zu dem Zentralvcrcin sielten. Die Art der Verbreitung lädt die Erklärung weit über den Rahmen einer örtlichen Kundgebung hcraiistrcten und versetzt uns in die Notwendigkeit, nachstehende Erklärungen abzugeben. I. Es i s t u 11 wa 11 r , daß Herr Rabbiner Dr. Goldschmidt den Punkt betreffend Zugehörigkeit von linget.mftcii Juden zttin Zionismus nur rein refericrcnd wiedergegebe:! hat. Wahr ist vielmehr, daß er sich diese BeliatinUingcu selbst zu eigen gemacht hat. Als Widerspruch ans der Versammlung laut wurde, hat er die kleine Einschränkung gemacht, daß die Zionisten liier im Saale anders darüber denken mögen. Er hat mithin die Beschuldigung als itn allgemeinen gültig bestehen lassen und noch unterstrichen. II, Es ist unwahr, daß die Zionisten noch Cielegeuheit gehabt hatten, die Aetillerung des Herrn Rabbiner Dr. Goldschmidt iu der Versammlung zu berichtigen. W a 111׳ ist viel in ehr, daß dieser der letzte Diskussiousreduer sein sollte. Nach ihm sollte I lerr <)cliciinrat Fuchs sofort das Schlußwort erhallen, weil er noch in der Nacht nach Berlin zurückreisen wollte. Der Versammlungsleiter, I lerr Saniiätsral l>r. Glogaticr, hat den Zionisten ausdrücklich das Wort zu einer tatsächlichen Richtigstellung verweigert mul Herrn Geheimrat Fuchs das Schlußwort erteil!. Erst als sich herniisstellfc, daß dieser ohne vorhergehende Anhöntttg der Zionisten kein Gehör bei der Ver- Sammlung finden würde, wurde dem *zionistischen Vertrauensmann das Wort zur Richtigstellung gegeben. IU. Fs ist unwahr daß die Zionisten gegenüber I Icrrn Rabbiner Dr. (ioldschmidt das Gastrecht mißbraucht hätten. Wahr ist vielmehr, «laß nicht die Zentral* vereinsgruppe Königshülte, sondern der Ortsvcrein Kattowitz. der gastgehemk* Verein war, «laß letzterem Zionisten tu erheblicher Anzahl als Milgliedcr niigchürcu und «laß endlich auch säiutliehe in «ler Versammlung aui'gclrelciteu zioiiisti* scheu Spiccher die Mitglicdschutt im Zentralvcrcin besitzen. Um die Situation richtig zu beurteilen, muß man sieh vor Augen iulten, was eigentlich Herr Rabbiner Dr. Goblsclmsidt ausgefülirt hat. Er hat gesagt: ״Fs «ei ganz zwecklos, mit Zionisten zu di .kulleren, sie sind nicht zu überzeugen. Sie tragen nur den Unfrieden in die Gemeinden. Den Vei ädiezmigeu «!er Zionisten hinsichtlich ihrer vaterländischen Gesinnung schenke er keinen Glau• heu. Um ihrer Palastinazielc willen müsse er sie als Patrioten auf K ü 11 d i g 11 n g bezeichnen. Mit der jüdischen Religion habe «ler Zionismus schon gar nichts zu tun, seine Reihen werden haiiptsäelt* lieh aus solchen Juden gebildet, die init der Re* ligiou ganz gebrochen hätten. Ja sogar getaufte Juden werden als Zionisten an* erk a mit. , . Ilierzii ist von uns folgendes feslziislelleii: I. Das Präddiimi des Zciilr.ilvcrcius hatte «turcli den Mund tics lleriu (1ehei111r.it I iiihs den ernsten Willen kuiidgegeheii, iint den Zionisten einträchtig ztisaiimieii/u.iriH den mul eine weite Stieekc Weges mit ihnen ziisammeiiziigeheii. Herr Rabbiner Dr. (ioldschmidt hat tliirch seine Ausführungen «len Willen der VcrlumMeitimg durchkreuzt. Dennoch hat die Ortsgruppe Konigsliütte ihm hei solcher Gelegenheit vorbelulilos ihr Vertrauen ausgesprochen und sich damit in offenkundigen Widerspruch zu ihrem Zentral Vorstände gesetzt. II. 1 l«־rr Rabbiner Dr. (ioldschmidt schenkt «len Ver* sichernugen der Zionisten hinsichtlich ihrer Vaterl.oidslreuc keinen Glauben und beschuldigt sie damit einer unredlichen Gesinnung. Fr macht ihnen also einen weit scharfeicii Vorwurf wie er in «len Zwischenrufen gegen ihn selbst laut geworden ist. III. Der Zionismus betont den ewigen Zusammen* hang iles jüdischen Volkes mit dem Fände Paläslina. Diese Ucbrrzcugiiiig• ist auch eine Grund• läge des überlieferten Indcntiims. Jeder glaubenstreue Israelit ist verbunden, ein solches Bekenntuis dreimal täglich im Gottesdienste mul in «ler häuslichen Andacht ah/iilcgen. Wenn diese Anseli iiiiing des Judentums uns hindern sollte, 1111s iu Deutschland cin/iihiirgem mul dem Vaterlande die IVeitpiii« 11t zu erweisen, il.mii fallt die Beschuldigung mit verdoppelter Schwere auf d is gi s.uuie gläubige Judentum zmuek. Herr Rabbiner Dr. (ioldschmidt hat mit seiner Beschuldigung eine wesentliche Glaubens* gnindlnge des positiven Jodcnlimis .mlgcgehen. IV. Der ״Israelit" 111 Frankfurt a. M. hat gar nicht behauptet, daß ein Zionist in der bewußten Kölner Versammlung eine Aeußertmg getan hat, wie sie von Herrn Rabbiner Dr. Go'ldschmidt zitiert wird. Der ״Israelit" hat nur behauptet, daß in der Diskussion ein Gegiier aus den Worten eines Zionisten eine solche Sclilnlifolgertuig gezogen hat. Der betr. Zionist hin* gegen hat diese Argumentation als unter seiner wurde stehend bezeichnet. Aber selbst, wenn cs erweislich wahr wäre, daß irgendein Zionist irgendwann eine derartige Aetillerung getan hat, so ist es mul bleibt es eine innere Unwahrheit, wenn la.tn sie gegen den Zionismus iu seiner Gesamtheit verwertet. Alle erheblichen Beurteiler der jüdischen Dinge, in welchen Parteitagen! sie auch stellen, erkennen au, d a II der Z. i o 11 i s m 11 s d a s stärkste Bollwerk g c g e 11 die J 11 d e 111 a 111 e 11 gew o r d e 11 i s t. 011 d d a r a u f allein k o m m t e s a n! Herr Rabbiner Dr. Golilschmiilt ist ein Mann, «ler schon länger wie zwei Jahrzehnte das Amt eines Predigers ausubt, «ler die (iahe der Rede in hohem Grade besitzt und die ■Wirkung seiner Worte wohl nbzuwägcii vermag. Er mußt«• wissen, daß seine Ausführungen einen Sturm der Entrüstung hervorrufen werden, der sich unter Umstanden bis zur Auflösung jeder parlamentarischen Ordnung steigern würde. Wir finden tumnltuarischc Szenen, wenn sic sich in jüdischen Versammlungen ereignen, in hohem Grade beilauerlicli. W i r m (1 s s e 11 jedoch di c v 0 11 e V c r a n t w o r t u 11 g h i e r f ü r «I e in M a n n c /, 11 w e i s e n , der d u r c 11 sei 11 e a 11 f r e i z. e 11 d c R e d e w e i s e eine solche Wirk 1111 g 11 e r * v o r g e r u f e 11 11 a t." Eine niilitärisclie Chanukalifcier in England Von Alfred Burin, London. Ueberall in der Welt, wo es Juden gibt, wurde in den letzten Wochen «las Chanukahfest gefeiert, zur Erinnerung an die Taten der Makkabaer. Man beging es auf verschiedene Art: Als nationalen Gedenht.ig, als Fest religiöser Ucbcrlicierung, al> eine Gelegenheit, ״Wohltätigkeit" zu üben, oft auch, als willkommenen Anlaß, sich zu vergnügen. Iu lughniil habe ich dieses Jahr noch eine an* ilere l eier «les Cliatmkali erlebt, die wohl sonst uirgends üblich ist: Eine militärische. Sie wurde — bereits zum zwanzigsten Male — als ״Naval and Military Chnnucah Service" in London begangen. Diese Art, «las Fest zu feiern, ist packend, Ch.mukah als Pest des Soldaten, des Kriegers, der gleich den Makkabäern in die Schlacht zieht, zum Sieg oder Tod. hs ist ein tiefer Gedanke, «len jüdischen Soldaten an die Heldentaten seiner Vorfahren zu ge* malmen. ' Fine militärische Chauukahfeicr mag zwar «las Zeichen einer vorgeschrittenen Assimilatitm sein, auf «Ur anderen Seite jedoch ist sie ein Beweis «ler Loyalität mul «ler wirklichen politischen Glciehherechtiguug «ler Juden Eugl.iiiils und wohl auch ein Zeichen dafür «laß der historische Gedanke in «ler jüdischen Bevölkerung Britanniens noch wach ist. In der Großen bynagogc Londons in Alilgate fand am 8. Dezember (he Feier statt, eine glänzende Demonstration. Ab* tcilimgcii jüdischer Matrosen, martialische Gestalten,

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