Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 48 (29.11.1912)
- Date
- 1912-11-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nf. 48 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seile 463 bis zum 20, November d. J8. in den Räumen der Educational Alliance zu New York statt. Der Eröffwohnte u. a. der City Mayor von New York, Mr. W. üaynor, bei. ln einer am dritten Sitzungstagc veranltaltcten Massenversammlung hielt I)r. Aron Aaronsoii, Direktor der jüdischen lamlwirtschädlichen Versuchsstation in Haifa (Palästina), einen •mit *(finnischem Beifall aufgemimiiieiien Vortrag tiber die jüdischen Ackerbaukolonien in Palüstina. 0 Nach einer Rcuterincldting sollte die Erneuerung des russisch-amerikanischen Handelsvertrages von 1832 zustande gekommen sein. Die Nachricht wird jetzt dementiert. Die Wahlen zum 30. Kongreß der Union ergab die Wahl von fünf Juden. PALAeSTINA-RUMDSCHAU In Jerusalem wird demnächst ein Fachmann eine Fabrik für Dachziegel errichten. Dieses Projekt wird schon seit längerer Zeit in Palästina erwogen. Die Dachziegel werden aus Marseille bezogen und sind im letzten Jahre außerordentlich im Preise gestiegen, wm 13—15 Frs. pro 100 auf 25 Frs. und mehr. * In letzter Zeit sind in Jaffa wieder jemenitische Familien eingetroffen. Die Unterkunft bot keine Schwierigkeiten mehr, da der Jüdische Nationalfonds eine Holzbarackc als provisorische Herberge eiliger.chtct hat. Ein Teil dieser Einwanderer wurde nach der Kolonie Neß-Zionah gebracht, einige finden Arbeit in Jaffa selbst. Leider erwiesen sich einige Familien untauglich zur Arbeit. Da sic noch über das nötige Reisegeld verfügten, traten sic auch bald die Rückreise über Port-Said an. 2=.V0M‘B<־ZALeü=5 Es ist uns geglückt, mit unseren Erzeugnissen in die Prager Kunstausstellung zu kommen. Wir werden in der alljährlich Mitte November beginnenden;;roßen Kunstausstellung, veranstaltet im Künstlerhause Rudolfinum in Prag einen Raum für eine Kollektivausstellung des liezalel erhalten und rücken damit in die Reihe erstklassiger kunstgewerblicher Institute, Die ausgestellten Erzeugnisse werden in dein Kataloge durch Lichtdruckbildcr reproduziert werden. Dieser überraschende Erfolg wird die Errichtung einer ständigen Verkaufsniedcrlagc in Prag zur Folge haben. AUS MAMBURG-ALTONA Fortsetzung des Jahresberichts Die Fraucnvcrcinigunß der Zionistischen Ortsgruppe zählt gegenwärtig HO Mitglieder. An jedem dritten Donnerstag im Monat fanden Zusammenkünfte statt. Am 17. Mürz veranstaltete die Frauenvereinigung, wie al'jährlich, ein Purim •Kinderfest, welches von ca. 500 Kindern besucht war; abends fand an- Undurchdringliche, das Minderwertige, Inkomiucnsurable darstellt, wie es ist. Der Politiker als der Mann der Tat ist mit Fug auf Deutlichkeit bedacht, Nüanccn scheinen ihm überflüssig, ja schädlich, und sein Bcsscrungswillc zeigt sich darin, daß er sich vom überwundenen Stadium durchaus abwendet. Ein solcher Politiker hat sich etwa einen bestimmten Typ des richtigen Juden schon zurcchtgclcgt, schlägt er nun ein Buch auf und findet diesen Juden mit einigen Abweichungen, Fehltritten, Verirrungen (des Helden, nicht des Autors) vorgeführt, so ist י das kein richtiger Jude für ihn, kein Jude überhaupt, nicht einmal ein Assimilant. Ich ehre diesen Fanatismus, ja ich bin sogar davon überzeugt und habe cs in meinem Roman ״Schloß Nornegygge" ausgesprochen, daß ohne diesen Fanatismus, der sich bis zur Unlogik steigert, keine politische Richtung Erfolge erzielen kann. Gerade beim Zionismus aber, soweit er auf die innere Wiedergeburt des Juden hiuziclt, möchte ich eine Ausnahme machen. Eine Richtung, die materielle Vorteile in den Hintergrund stellt, kann gar nicht ehrlich genug sein, sie wird gerade in der Ehrlichkeit und vollständigen Durchdachthcit ilncn Sentenzen ihre Kraft finden. Deshalb sollen zionisfischc Politiker sich der Kunstkritik enthalten oder diese Kritik nach ihren ureigensten immanenten Gesetzen jenseits aller Politik treiben; denn eine Vermischung scheint mir unlogisch und unrnoralisch. Von einer unpolitischen Kritik beurteilt, seinen eigenen, ganz künstlerischen Trieben überlassen kann aber der Judenroman — gerade dann, wenn er reine schließend an das Kinderfest ein Ball für Erwachsene statt. Der Ueherschuü von ca. 700 M. floß dem oiuls der jüdischen Tagesferienkolonic zu. Die Tagesferienkolonie gewährte 55 Kindern Aufnahme. Der gesundheitliche Erfolg bei den Kindern war in diesem Jahre besonders befriedigend. Die Sarnmiiugcn für die Tagesferienkolonic waren so ergebnisreich, daß ein größerer Betrag für da* nächste!.ihr zurüekgclegt werden konnte. Im April veranstaltete die Fraucnvcrcinigung gemeinsam mit dem Verband üdischcr Frauen für Kulturarbeit in Palästina und dem /ereilt ehemaliger Schülerinnen der Israelitischen Höheren Töchterschule einen Vortragsabend; Frau Dr. TIioii •Jaffa sprach über ״Die Arbeit der jiidischen Frau in Palästina‘׳. Im Juni sprach Frau j iedwig M a y e r- L ü i> k c - Jerusalem über: ״Kulturarbeit in Palästina.“ Der Abend brachte einen Ertrag von 500 M. zugunsten der Wöchnerinnen-Fürsorgc in Jerusalem und einer Mädchenfarm in Palästina. Die Einrichtung für diese Mädchenfarm des Kulturvcrb,indes wurde fast vollständig von Hamburger Damen gestiftet. Der Vorstand setzte sielt aus folgenden Dainen zusammen : Frau I lanny IT u I d 8 eh i n e r, Vorsitzende, Frau L. A l> r a 11 a nt, Frau Dr, C It w o I I e s , Fräulein Ella Cohen, Frau Dr. H a I p c r n , Frau M, H n 8 k c I, Frl. Rcclta L ü b k e , Frau L. Mathiason, Frl. Julie Wolff. Propaganda. A. Innere Propaganda. Die internen Ver- Sammlungen (1,, 2., 3., 4., 6., 8., 9., 10.) galten der inneren Pronagauda; immerhin maclitc sielt der Mangel an Gelegenheit zur zionistischen Durchbildung der Mitglieder auf allen Gebieten fühlbar. Die im Berichtsjahr erfolgte .Begründung des H c r zl-C 111 bs, llnmhiirg, vermochte wenigstens hei einem Teil der Mitglieder diesem Mangel auzultelfen. Die allwöchcntliehen Zusammenkünfte des Hcrzl-Clubs wurden ausgefüllt mit Vorträgen jüdischer und zionistischer Geschichte, sowie mit Referaten und Diskussionen über literarische Neuerscheinungen und jüdische Zeitfragen. In dankenswerter Weise stellten sielt Mitglieder des Hcrz.l-Clubs der Ortsgruppe für organisatorischc Arbeiten aller Art zur Verfügung. B. Aeußere Propaganda: Eine Reihe der oben angeführten Veranstaltungen (5., 7., 11.) waren der äußeren Propaganda gewidmet. Nach dem Vortrag des Prof, Soinhart über ״Die Zukunft der Juden" wurde auf zionistische Anregung am 12. Februar 1012 ein Diskushionsabeiitl über diese» Thema int Curio- I laus veranstaltet, auf welchem unser Freund Dr. Richard Fluids eh in er das Referat vom zionistisehen Standpunkt aus, Herr Dr. Martin Wassertu n n n das Gegenreferat erstattete. Dieser Diskussionsabend, welcher von mehr als 1000 Personen besucht war, trug erheblich zur Aufklärung über das Wesen des Zionismus in den uns bisher fernstehenden Kreisen bei, Im Anschluß an diesen Abend wurden mehrere hundert Exemplare der Lichtheimscltcn Broschüre ״Das Programm des Zionismus" an Besucher der Veranstaltung zum Versand gebracht. Die Ham- Bürger A 11 h e r r e n v e r c i n i g 11 u g des K. Z. V., deren Konstituierung in das Berichtsjahr fällt, verbreitete die neue Broschüre des K. Z. V. ״Der zionistische Student", speziell unter Akademikern Hamburg-Altonas. — Gute Unterstützung fanden wir durch die Tätigkeit der von uns gegründeten ״Oeseil• scltaft zur Verbreitung jüdischer Lite• raturwerke", welche einen ganz besonders bcmerkenswerten Aufschwung nahm. Der Verein, der 308 Mitglieder zählt, hat die Ortsgruppe im Vertrieb von Büchern und Broschüren merklich entlastet; er brachte int verflossenen Jahr für 1100 M. Bücher zur Verlosung. Anläßlich des Zollschan-Vortrnges ent• faltete er eine lebhafte Propaganda für das Zollschansehe Buch ״Das Rassenproblem". C. Auswärtige Propaganda. Viermal vermittelte die Ortsgruppe Nachbargruppen Redner; Kunst und kein Oran Politik ist —, ein politischer Faktor von nicht zu überblickender Bedeutung werden. cs sprachen in Lübeck die Herren Dr. Huldschi* n c r, Leopold Land a u und Dr. Hausmann- Lemberg und in Bremerhaven Herr Dr. Waschitz. Die hierdurch persönlich enger }jeknüpften Bc- Ziehungen führten zur Gründung des Nordwestdeutschen Gruppenverbandes. Auf der konstituierenden Tagung, welche am 13. Oktober 1012 in Hamburg stattfand, waren die (impnen I fambtirg, Lübeck, Bremen, Bremerhaven und Kiel, sowie die Plätze Stade, Harburg, Lüneburg und Varel vertreten; Hamburg wurde zum Vorort bestimmt. Während der Tagung hielten die Herren Dr. II an t ke-Berlin, Dr. William U n n a - Hambürg, Zahnarzt Rot h s eh i Id-Lübeck und Dr. G. Ul0 1• de-Hamburg die Prop.tgandaarbeit im Verbande betreffende Referate. Von praktischen Arbeiten für Palästina seien folgende erwähnt: Um das Zustandekommen der Lehrer* Ferienkurse des Agronomen A. Aaronsohn auf der j ii <1 i s c 11 c n landwirtschaftlichen Vers ueit 8 s t a t ion in Sichron-Iakob haben sich Hamburger Freunde durch Sammlung von Lebensmitteln und Spenden im Betrage von etwa 1000 F'res. verdient gemacht. Die Mitgliederzahl des Kunstgcwcrbcvcrcins B e z a I c I in. Hamburg ist auf 200 gestiegen; Der Absatz der Bezalcl-Erzeugnisse ist gegenüber dem Vorjahre erheblich gewachsen. Die *Propaganda unserer Palästina-Kommission für eine geschäftliche Privatinitiative in Palästina war in mehreren Fallen von Erfolg gekrönt. Die Mitgliederzahl der von uns ins Leben gerufenen Palästina- Rcisc-Gcsellschaft ist ebenfalls gestiegen. Die erste Reisebeihilfe wurde im Berichtsjahr bc• rcits ausgclost. Für nachstehende Institutionen wurden laut Ausweis in der ״jüd. Rundschau" vom I. Oktober 1911 bis 31. September 1912 in Hamburg-Altona-Wand*• bek folgende Beträge gesammelt: Jitilisoher Niitioiialfond»; Kleine Spimden . . . M. 174,31 (iohh'iic Bueh-Kintrng. . . r 483.95 Oclbnunisnrmlo .1 104,50 BilrliHen.1 320,48 Snniinelblirhor. 18,76 ,S14l»»tb1'stcuerung , . . . 1,— I,1umIm|i<’1hI••. —,— Havid 11. I'iuniy WiilfTsi'linf. ,, 185,20 Yillienlti-iilitu-ir.1 0*8.— M. Von «diii'iii rdrhljl)<li»<T1»n l’liiloxloiilnti'ii . Z<ntralf«nd*: Itmlr.igr . . . . M. 895,— Spenden . . _. . 80,— Orgauinationnfimd»; Beit rüge . M. >163,— Spenden . 20 ״,— 4 970,1» 1000,—!»75.— 179.— Misrnclil-nrgiuiisntiansfoml*. 832.25 ״ MiHraclii-Kokmialfiiinl». llnnilatrger KangreKssptindo. ,. 100.— Kclirliisrhr* (Jytnnnsium. HclirilRfho MittfWhulo Tachkcmoni (ausser 23,50 ״ .Tftlirr^bt'itn'itron). lW.ub'l (1u1»»<<r .I1d1rr»l»<’itrilg1>n) .... 27.50־3 ״ Kuluirvcrliami (nus*c>r .fahresbHtrilgcn) . . 2*1.— Mikr<1*bioto1;i«chcs Institut. M. 10 409.5« (Schluß folgt.) Jüdische Sprichwörter. Herausgegeben von Dr. ArthurLandsberger. Ernst Rowohlt Verlag. Leipzig. 1912, Wenn der Verfasser des Romans ״Hilde Simon" lind Veranstalter der Umfrage ״Judentaufen״ wieder ein Weck Uecausgibt, das mit jüdischen Dingen sich beschäftigt, drängt sich vor allem die Frage auf: wie weit wird er dem innersten Wesen dieser Dinge gerecht? Unter diesem Gesichtspunkt ist die Saturnlung zwiefach zu begrüßen, als Dokument jüdischen Oeistes und als Zeugnis für das entwickeltere Versfänduis Landsbeigcrs für jüdische Art. Dieses wird nicht allein durch die Tatsache als solche bewiesen, mehr noch durch die einleitenden Worte, mit denen er die fleißige Zusammenstellung begleitet. Die Auswähl — denn um eine solche handelt es sich mir vermag ein abgerundetes Bild von der Eigenart des Oolusgeistes zu geben, der im Laufe der Jaltrltundertc uns umspann: deshalb ist soviel die Rede von Armut und Unglück, von Schwäche und Leid, daher die Resignation und jene Selbstvcrspoftung, die das traurigste Kennzeichen dieser ungesunden Verhältnisse ist. Die verständig ausgesuchte Kompilation fußt auf den wertvollen Arbeiten Hermann Blumcnthals, Moritz Blaß', Tcndlaus' und der reichhaltigen Veröffentlichung Bernsteins und benutzt neben Talmud und Wir machen darauf aufmerksam, daß atn Montag, den 2. Dezember, in den Räumen der Vereinigten Werkstätten für Kunst und Handwerk, Bahrkhof (an der Haltestelle der Untergrundbahn) eine große Bczalcl-Ausstellung eröffnet wird. — Wir bitten unsere Freunde, ihren Bedarf an Cltanukah-Gc* schenken in dieser Ausstellung zu decken und für ihren Besuch in ihrem Frcundcnkrcisc eine lebhafte den Midraschim auch Tolstois״ ׳Gedanken weiser Männer". Zu bemängeln ist lediglich die Unterlassung literarischer Nachweise zu den einzelnen Sprüchen, was besonders dann auffällt, wenn die Form auch int allgemeinen deutschen Sprichwörtcrschatze vorkommt und ihre Beziehung zu jüdischem Schrifttum nicht ohne weiteres ersichtlich ist. Auch die Transkription des Hebräischen ist vielfach so eigentümlicli, daß die Annahme eines Druckfehlers nicht immer zur Entschuldigung zu dienen vermag. Ein weitaus bedenklicherer Nachteil ist das Bestreben des Herausgebers, seine Abstammung nicht offen zu bekennen. Besonders unangenehm wirkt die Stelle der Einleitung, in der Landsberger von seinen Bemühungen spricht, die Beziehungen zwischen dcutschein und jüdischem Kulturgut aufzmJcckcn: ״Ich bat ihn (H. Blnntenthal) .... zu erforschen, ob ... . die Juden vor drei Jahrhunderten diese Sprüche bei uns gehört . . . .״ Dieses fremde ״die Juden" und ״bei uns" verrät wenig von des Verfassers Willen seinem Volkstum bewußt zu dienen. Immerhin ist die Sammlung, deren Ausstattung der Rowoliltschc Verlag sich angelegen sein ließ, dankenswert, weil sic die erste größere Ausgabe in deutscher Sprache ist, da die Ausgaben Thekla Skorras in ״Ost und West" trotz des Vorzugs der beigefügten Erklärungen nur Bruchstücke blieben. ,Theo Harburger.