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Jüdische Rundschau · 1912-11-29 · Heft 48 (29.11.1912) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVII (1912)
Issue
Heft 48 (29.11.1912)
Date
1912-11-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seile 462 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 48 Meine Frage: mit welchem Nee hl hi 11 der V erein / ur A b w e 11 r »I »*s Anti• se in i I i s in 11 s die M!* i n 11 n!» e 11 ihr es Volkstums hewnIHei Juden liir gleichgültig? Unterscheiden Sie /wischen /n schiil/emlen und nicht /u sehiil/emleii Saniten, ״der steht in Ihren Sut/imgen, »lall «lie Seinitcu keine sind, tlie sich ihres Semit ent ums bcwullt sind? SchlielSlicIi mein Ersuchen: nennen Sie mit Namen, unverkennbar bezeichnet, diejenigen Juden, die entgegen den ,Nationalisten' und entgegen uns Nichtjiidcn behaupten: was Sie, meine Herren, getan 'uiul /.!!gelassen haben, d a s sei vornehin und das sei klug gewesen. Hs wäre für uns alle überaus ersprielllich, solche Juden keimen zu lernen. Denn daun in der lat wülltcu wir, wo man auf jüdischer Seile zur Vcrtretung besonderer Interessen jetles Mittel für zulässig hält, mit andern Worten: wo dort der Korr 11 ptions herd steckt." Nach dieser neuesten AeuHerung A v e 11 a r i 11 s' und nach' Kenntnisnahme seiner sachlichen Darlegungen können wir nur das wiederholen, was wir bereits vor Wochen zu dieser Frage gesagt haben: Im Kampfe gegen den Autiseiiiitisiiiiis fühlen wir uns einig mit allen deutschen Juden, und wir werden uiitarbciten, solang!־ mau auf unser jüdisches I£mpfi1ule;1 die Rücksicht 11imr.it, die wir füglich verlangen dürfen. Die Lösung des deutsch-jüdischen Kiilturkoufliktes werden wir jedoch gemeinsam mit den Nicht־ jmlen erstreben müssen, die wie Avenarius unserer Leistung Achtung zollen, und sie doch in ihrer Wesensart richtig erkennen und bewerten. Wer hier verdunkeln mul verschleiern will, ist unser gemeinsamer Feind, und der giftige Vorwurf ״Antisemit", der den nichtjiidischeii Vet-!'echtem unserer Gesinnung entgegcngeschlcudert wird, wird von uns in seiner Hohlheit und Verlogenheit erkannt und gebührend gebrandmarkr werden. Das Proportionalwalilrecht vor dem Forum der gemischten Kommission des Deutsch• Israelitischen Gemeindebundes Nach den Friedensbcsclilüsscn des letzten (ieineiiidetagcs sollte die gemischte Kommission dem wichs» ■n (lemeimletage Bericht und eventuell Anträge hinsichtlich der Fiitlnhnmg der Verhältniswahl für di>* Bildung des Ausschusses vorlcgcn. Der lieriehtei «tat:er der Fricdcnskniiimission, I .amltagsahgeordne! .,r Wölff (I.issa) erklärte damals in Frlaiitcnmg der Ft ,,dcosrcsoliition wörtlich: ״Die Kommission soll j!lie Frage prüfen: lallt sich eine Pr»!port10nalwahl einfuhren ist sie praktisch, ist sie möglich? und evciituell I et Bejahung: in welcher Weise kann sie zur Ausführung kommen? Mit iiulern Wollen: »lie gemischt־׳ Kommission soll die Frage studieren, die wir In• 1 in diesem grollen Uieuuum nicht studieren könnet׳." Ai Mittwoch, den 20־. November er. trat die get\\ meinen Judenronianen lütte Bemerkung von Max Br״d. Mt ine beiden Jiiileiiroinane ״Jüdinnen" mul ״Arnol I Heer" erfuhren am H. Oktober an dieser Stelle!•ine Ablehnung, mit det ich mich prinzipiell atisein:. ulerset/en möchte. De־ Kiitiker wirft mir vor, ich hätte an keiner Stelle dieser Bücher ein jüdisches Problem verarbeitet. Meine typen landen sielt ebenso häufig in der nichtjüdischen Bourgeoisie. Auch den Typ des Assiudlanten hätte ich mit meinem ״prämaturen Menschen" nicht g :troffen. — Hin zentraler Satz, dieser Kritik lautet wörtlich: ״Das Wesen!1er jüdischen Assiinilation I ciltt nicht: Präkozitüt; Tragik heilit es." Nun finde ich, »lall ״Tragik" an sich ein fortnalcr Begriff ist. Tragik muh doeli einen Inhalt , hahen. Und eben dieser Inhalt der jüdischen Assiinilantcntrugik ist meiner und allgemeiner Ansicht nach: Präkozität, dxs ist das Gegenteil von Bodeiifcstigkeit, lüiifachhcit, Volksbewulitheit, ist jener niegestillte, weil unstillbare Zcrsplittcrimgs- und Belau• bungsdr mg des Juden, der nicht fest in seiner Nation und Tradition ruht. Theoretisch ist damit nichts Neues gesagt. Das Neue ist, dali ich iliesen Typ in scharf individueller Figur gestaltet habe. Die Ansicht des Referenten, »lall das Auf( ret e n, B e w u II t w e r!1 e u u n!1 U e h c r w u n!1 e 11• werden dieses /.ersetzend e 11 T r i e b e s in einem rein auf seht Individuum gestellten Menschen kein spezifisch-jüdisches Problem ist, schein! mir ein• mischte Kommission unter dem Vorsitz des neuen );cselinüsiiilire.idcii Vorsitzenden, Professor Kalischer, zur liei.ilmig der I 1agc zusammen. Anwesend waren 21־ Mitglieder. Der Referent, I;mdpericlds« rat I owe schilderte!lie Vorzüge und Nachteile des PitigoiüoiialwaiilievhP. I'r veiwail die ungebundenen listen, weil sie zu einer Dckapiiienmg (neues Wort! die Weil.) der Führer der (iegcupaitci fuhren köiiulen. Für die gelinudenen Listen sei aber kein Raum vorhanden, da eine Parleihildung nach seiner Ansieht zu einer (iefülutiuiig des (iemeüidemuides führen könnte. Der Ueiiicimlehuiid sei eine nnpo|jtische Körperschaft und ilürfe nicht zum Spicihall der Parteileideusehaiteii werden. Unser Gesinnungsgenosse Dr. K o 11 e 11 s c h e r (Posen) trat diesen Ausführungen sehr wirksam entgegen. Der Gcmcüulchtmd habe sieb durch die Ihnhriuguitg des Organisatinnsgcsct/cs auf!las politische lu’lmi begeben 11ml könne mm nielil nachträglich wieder in eine unpolitische Organisation /urmkver• wandelt werden. 111 der I rietlenskoinmissioii sei mau libercingekoiimteu, ilie Vcilreter aller Richtungen in den Aussehull zu kooptieren. Die Art, wie mau diesen Vertrag gehalten habe, beweise die Notwemlikeit!les Propnrtioualwahrlreclits. Gerade tlas jetzige Wahlrecht zum Ausschüsse habe zu einer ״Dekapiliermig" tler 1*11111 er der Opposition geführt. Nur ilie Verhältniswahl könne dein Gciiieintlciiuiitlc den 11 ieden brnigen. Von liberaler Seite sprachen Rechtsanwalt 1)1. Cohn (Dessau) 11ml der Sauitälsra! Dr. N e 11 tu a 11 n aus Königsberg in tler Nemuark. Beule iialmieu die Gelegenheit wahr, um im Volksversaiimihingsloiie auf ilie Zionisten zu seilimpfen. Dr. Neinuami gab auch mit einem iiiigelieiiren stimmlichen Aufwaude »len bekannten Wilz. von den christlichen Zionisten zum Boten,!ler ofleuhar jetzt erst Bis nach Königsberg m!ler Nemuark gedrungen ist. In!ler sachlichen Debatte sprachen von ortliodover Seite die Herren M. A. Loch (Berlin) und l.oi'wy (Rawitsch), von liberaler Seite Feile heuf e I!1 (Berlin), der in Frwulcnmg auf die Ausfülmmgen!les Herrn Loch erklärte, dali die Gemeinde Berlin die Verhältniswahl für die Wahlen zur Repräsentatitcnvers.inmilmig nicht abgcleluit habe, son*!lern weiter beraten werde. Inzwischen war folgender Antrag Cohn-Dessau cingelaiifcii: ״Die gemischte Kommission lehnt ilie Hin־ üilituiig der Verhältniswahl für ilie Bildung des Ausschusses ah." Gesinnungsgenosse Dr. Victor protestierte gegen iliesen Antrag. Die Friedcusbcschlüsse seien allseitig so aiifgefalit worden, dali der Gemeimletag sieh im Prinzip für die Verhältniswahl entscheide, und die K< iiimissioii habe lediglich die Aufgabe, die Frage der technischen I liirelifiihrliarkeit der Verhältniswahl (ur den Aussclmli zu studieren. Wenn man liier aus Giümlcii politischer Zweckmäßigkeit zur Ablehnung der Veilt thniswahl komme, so heilem!* das einen glatten Bruch des Fricdcnshesililiisses. Dali die Vcr- 11 alliiiswaiil liir den Aussclmli technisch möglich sei, könne nach den bisherigen Erfahrungen gar meid bestritten werden. Redner wies besonders aut »lie Dur» hluluuug der Miiioriiätenvertretimg hei den Wilden zur Hamburger Repräsentantein crsimnilung hin und begründete eingehend einen von ilmi eingereichten Futwuri für die lüufiilirmig »ler Verhältnis• wähl. fach unerklärlich. Je»ler andere Mensch hat »loch »len Resiiii.m/boden seines Volkes, an dem sein UnltewuIStcs sieh kräftigen und zeitweilig unlieben kamt. Nur der um seine Naivität gebrachte Jiulc steht ganz allein. Fr hat seinen Konflikt in sich seihst aufzii• lösen, dem noch so komplizierten Groltstadtmeiiseheu amlerer Rasse strecken sich tauselul hilfreiche I l inde entgegen. Wenn vier Referent mm gar mich argumentiert, mit ein paar ätdierliehcu Veränderungen (statt Prag: München tt. s. f.) hätte ich aus diesem ״Schicksal eines Juden" das ״Schicksal eines Deutschen" machen können, so finde ich eine derartige Verkeimung eines Seelenromaiis direkt kindlich um! vollständig kinistfremd, leli setze eine beliebige Stelle meines linclies hierher (ich konnte auf jeder Seite zwei solche Stellen finden): ״Fin l'est/.ug hielt ilm aut. Was, da gab es ja aueii dekorierte Häuser, Musik. Das Sclmt/videst, ach s»>! Was für ein naiver Unsinn! Deutlich fühlte er, «lall dieses helle, bloinle, ein- (aelie Treiben nicht seine und seiner GrolinmUcr Welt war usw," Mau nenne mir »lie Aeidierliclikeit, ilureli »leien An »leimig ich aus dem Charakter »les liier gesehiltlerleu Mannes einen ״typischen Deutsehen" machen könnte. Ich miilite genau »las (legenteil von »lern schreiben, was »la stellt. Dali aber ein rivhliger Jmlenroman, auch wenn inan alle seine Sätze ins Gegenteil umkehrt, immer noch ein Jmlenroman Ucihcii soll, tlüille wohl auch mein Kritiker nicht imhedingt als Kriterium eines Jinleuroiiians aufstelleii. Int Frust gesprochen: ich glaub!• nicht, »lall ich 1111 wcit»־r»11׳ Fan(»• der Verhandlungen spielte sich lolgeiide Szene ab: Walueml ciiiei׳ zweiten Pole »les I leim N. A. I oel» tief Den I miis Sachs, Vordt/vmlcr tler Berliner Repr.iseiilaiiteiivefsammhiiig, Herrn l och zu: ״W.o Sie •agen, ist immer unwahr." loch: ״Ich ersnelie *len I lerrn Vorsitzenden um luten enlioii." Vorsit/ciuler Pndessof Kali.seher: ״Ich habe nullt» geholt." I tmis Sachs: ״leb habe gesagt, was der Herr sagt, ist minier unwahr." Vorsit/emler Professor K a I i s c 11 e r, nach einer Panse, langsam: ״Das gebt »loch Wohl etwas zu weit." Die! )rtlMaloveii mul zionistischen Konimissi.msmitglieder ergreifen ihre• Akten, um unter Protest den Saat zu verlassen. Da mit Herr I ouis Sachs: ,,Wenn sie sieh :11.f־ regen, nehme Ich alles zurück." Loch: ״Das ist .mell das besle, was Sie tt 11 komieii.‘‘ Natli weiteren persönlichen Bemerkungen mal tatsächlichen Berichtigungen kommt es zur Abstimnumg über »len weitgehendsten Antrag Dr. Cohn- Bessati, »lie auf Antrag von Dr. Victor eine namentliehe ist. Für »len Antrag, also für glatte Ablelmmig der Proportionalwalil stimmen: Protessor Pluh|1psou, Prof. Kaliseher, Direktor Minden, I »11»׳hcufvld, Prüf. I niek, jiisti/rat I ilienthal, Plot. Bluschkc, l antlgerielitsrat Löwe, Imiis Sachs, Prot. Schäfer, Find Cohii-Berlin, Dr. (a1l111-Dess;m, Nemiiaim-Königsberg i. N\, Dir. Adler-Frankfurt a. At, (»»־gen »len Antrag: I .och-Bcrlm, Rechtsanwalt Dr. Klee-Berlin, I tiewv-Ra'.ulsch, Rechtsanwalt Dr. Kt.ltcnsclicr-Poscii, Rechtsanwalt Dr. Victor-W.unhhvk, Rabbiner Dr. Nobel-Frankfurt :1. M., Kusenbaum- Frankfurt .1. M., Uppmntm Blocli-Bresla’.t. Der Antrag Colin-Dessau ist also mit 1נ gegen S Stimmeii angeiioinnu'ii. « AUS ALLCR Wf LT ״ Hilf//and Dieser Tage hat eine Versaminlmig hei Ford I»,0!l1scluld slallgi'l'imden, wo beschlossen wurde, Dr. I iTiiard Pr.iclummii /um Cltiet Rabbi vtirziisehlageii. Bei »lein tilieriiiachligen Finflull Fonl Rothschilds und seiner Kollegen in tler United Synagogue kann mm tlie Wahl Dr. Uraclimanns als gesichert gelten. Tut'/xi'i Dienstag, tlen IS. November, tlratig die erste Kunde von »len Atissehreilimgeii in Saloniki nach K011st.111t111o|u׳l. Sofort begaben sieb tlie dortigen Vertreter des I liKsvcreins »11 r Dentsebeu Juden. Dr. Markus und Dr. Auerbach, in »In־ Deutsche Botschaft, wo sie Vom llolsebalter v. Wangen- II e 1111 empfangen wurden. Her« von Waitgenhciiii nahm *oglckli .111 »ler Notlage »ler Saloiuker Jmlen reges umi tatkräftiges Interesse und die Ftilge »les Besuch»•־ war, dali tlie »leut<cbe Regierung den offizielleu Schulz »ler Bedrängten übernahm. A wert'/ff Die vierte Jahresversammlung des Bundes jüdischer Landwirte in Amerika (I■'»»ler.diou »»f Jewisl! Farmeis) laut! unter zahlreielter Beteiligung vom 17. meinen ״Arnold Heer" nicht scharf genug von ariselten < üiaiaktereii tliffercu/ieit batte. Der Kritiker wirft mir vor, dali ich tlas typisch Jüdisch!״ ׳in vpltvinemt Anomalien" erblicke. Nun möge mir dieser Kritiker tlie Frage beantworten, ob nicht auch .er »lie jüdische Assimilation liir eine ״ephemere Anoinalie" hält, oh ich mithin nicht bei SehiUlenuig der Assimilation auf ephemer»• Anomalien *tollen nuilUe. ־ Ich glaube, ilali liier wirklich kein Zweifel möglich «st. — Ich habe mm eben versucht, die Bekeltnmg dieses anomalen Juden, seine Rückführung in »len geheimnisvollen Scholl »les Volkes zu scliil- «lern, Allerdings 11:11)»* ich keinen Idcnlfall, kein Schul- Beispiel daigcstcllt, ich habe es vorge/ogeu, »liesc Bekehrung 1110־ halb glucken mul »Ich Bekehrten auf einer noch ziemlich tieten Stuf»• »les Volksbewulltseius stellen zu lass,!!, \,*11 »ler aus »ler t.eser aller- »lings ein höheres Anfsteigen ahnen kann. Uml hier komme ich zu »lein Punkte, der mich überhaupt vcraiilaitt hat. tlas Wort zu nehmen. Mir scheint liier ein über »len Somlerfall in seiner Bedentuug luuatisreiebemles Millvcrstämluis vorztiliegen, tlessen Atilkläning m maueber Hiusielit ersprielllich sein könnte. Fs ist mir nämlich bei einigen Kritiken über mein»־ Judeurouianc so recht klar geworden, wie verschieden die Mallsiälie sind, die tler Politiker und der Künstler au ein W»rk legt. Der Künstler ist in »lie llalhtöue verlieht, mit r.itselhatter Kraft zieht es ihn zu seinen fehlet halten und irgendwie 1111• vollkommenen Mciisehcnbiütlein, sein Wille, zu bessern, zeigt sieli vornehmlich »larin, dali er das

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