Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 48 (29.11.1912)
- Date
- 1912-11-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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r ו Abonnements •f «I acMntnda ״JUdlacha Rundiauiu" ku.ten Iwi der Krjieililion und liei allm 1’oaUmUrn vierteljährlich ],AM-, (uOerlinlh DeuIxhUndi und Order• raitli.Ungaina 2,— M.1 für Mitglieder jüduchrr Verein• im Sammclbeiug durch den Verein 1,— M. Verlag JNilUelt• Rundschau 1:. U. m. Ir. II. BERLIN W. IS, Sichalacha Slr.O. 8. Tele!1|10nt Amt Uhltnd tt(5. Oetehllltdundent 9-1 und 4—7 Uhr, •wBer Sonnabend und Sonntag. Ci׳ n V ■־־J 1 4•*• J L Nummer 48 J v ׳{_j Lj lJ 30 Berlin, den 29.November!912 — 19. Kislew 5673 Anzeigen J ko.taa für di. aechrgeipallen. Petit• ן i.ila oder deren Kaum 40 PI.ן Stellen• | Angelwte und •Oaaucha •«»>• Veeeto*• I Mitteilungen und .Kleina Aaieigta* Q ם nur 0ג l׳r*nnif. O O Manuikniite werden, wen י Porto beiliegt, atala luiuikgennndt. Heduhtionaachluil I Mitlworh vormitlaga. I I 1 MittworJi vormniage. ן I RndaitUon JUdladi• Rundadia■ |! lUUU.IN W. », SSehelacb» Strnfla 8. | i Tilrj.lioni Amt Uldand 845. | ■ Speediilunden DieoiUg und Donneeatag I ■ J—6 Uhr naihmitlaga. , r\n j . 1 ד־ ן> Ü c״ j u 1׳nc, c7־ 1L ( 3 b J 03 XVII. Jahrgang Ausweis Schekel: Dresden 17,—. Broiiiberg <>, . D.inn• st.iill 5,־ , IIcidelbeig •1, , Met/ 3, , (iuUstailt I, , Leipzig 1,—, Thorn 3, ־ , Liegnit/ 5,—, Ober-Ingelheim 1,—, Gurbach 1, . Berlin 8, , ״K;11Ii1n;tl1‘', Berlin 3, . Landesorganisatloitsbcilrägc: I. Ortsgruppen: Berliner Zionist. Verein!• E(18, , Berlin 3,— , Liegnit/ 2,50, Oberdngel- •1,— Leipzig •l, — (Einzclbeitragj, 2, E i 11 / e I p e r s » n e n: Bruno Stern, Adelten 50, (2. Kaie), Mas Reich, Liegnit/, 5, , J. Mark• lioB, (.nrhaeli (V. J.St.) II, , S. I'nbi.is, Selmnl.inke, 10, , Adolph lusenh, Filcline (2. Rate), 1(1, , |)r. Königsbcrger, Mühlheim (Ruhr), <1, , N. N., Niirn• berg <2, Rate), 5,־ , l)r. Lötvensleiii, Aachen, 5, (2. Rate). 3. verschiedene Spenden: Katlowitz 1,55 (siehe Spezifikation). Eingang vom 21. 27. Novemhcr: S c 11 e k e I: 58,• AL, L a 11 d e s o r א a 11 i s a t i o 11 s h e i t r .1 g e: 101,05 AL Gesamteingang: Schekel: 7187,25 AI.. La 11• U e s o r g a n i s a 1 i o n s h c i t r ii g 1255,311 18 :׳ AL Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vorelnigung für Deutschland, Berlin V/. 15, Sächsische St falle 8. Postscheckkonto: Berlin 8091, Bank• kontoi A. H. Heymann & Co., Berlin, Unter den Undcn 59. Der gemeinsame Feind Solange den deutschen Juden die durch die Verfassung . gewährte Gleichberechtigung als Staatsbürger durch eine antisemitische Verwaltung vorenthalteii wird und solange Lüge und Ver- Icuiudung bemüht bleiben, die Ehre des jüdischen Namens zu schänden, wird es für uns eine Pflicht der nationalen Würde und der Selbst«■ crhaltung sein, diesen Angriffen mit entschlossener Abwehr zu begegnen. Und cs ist unser dringender Wunsch, dal) das gesamte deutsche Judentum in diesem Kampfe dem Gegner eine einheitliche und geschlossene Front zeigen möge. Trotz aller tiefgreifenden Diffc- renzen in den Anschauungen über I•'ragen der jüdischen Zukunft soll mul mul) die Gemeinsamkeit dieser Interessen immer wieder betont t;nd hervorgekehrt werden. Bedingung ist allercings, dal) für die Taktik dieses Kampfes nach auBen nicht die iimcrjüdischc Anschauung irgendeines Teiles der deutschen Judcnhcit als allein richtunggebend postuliert werde. Denn mm und nimmer werden die deutschen Zionisten sich dazu hergehen, nach aulJen eine jüdische Anschauung zu vertreten, die ihnen nicht innere Herzenssache ist, und der iiiclitziouislische Teil der Judenheit wird es mit gleicher Entschiedenheit ablehnen, sich in diesem Abwehrkampfe ein ausgesprochen zionistisches Programm zu eigen zu machen. Dennoch ist es unsere feste Ucbcrzcugung, dal) in einer späteren Zeit die Ausbreitung der zionistischen Gedankenwelt auch den Abwehrkampf zu einem glücklichen Ende führen wird. Für heute müssen wir uns Vorbehalten, ein jedes Mal mit unserer. Kritik ciuzuselzcn und warnend unsere Stimme zu erheheu, wenn wir glauben, dal) bei der Vertretung jüdischer Interessen schwere Fehler, begangen werden, die uns in dem guten und gerechten Kampfe für unsere Hechte zu schädigen und das Ansehen der Gesamtjudcnschaft zu schmälern geeignet sind; und wir werden uns von der Erfüllung dieser Pflicht durch keinerlei Angriffe und Unterstellungen ״Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffonttlck-rochtllch gesicherten Hclmstütte ln PaLfitlaa•" Baseler Programm. unserer jüdischen und nicht jüdischen Gegner ab• halten lassen. Der kleine, aber durch seine Beziehungen zur liberalen Presse mächtige ״Verein zur Abwehr des Antisemitismus", dessen Tätigkeit sich unter der Leitung des verstorbenen Theodor Hart h in jüdischen Kreisen allgemeiner Sympathie erfreute, ,hat siel» in neuerer Zeit von seinen antünglicheu Zielen und der würdigen Taktik seines Begründers immer mehr entfernt und ein Verlaluen eiugesehlagen, das wir nicht zu billigen vermögen. Als in den neunziger Jahren der Antiscmitis• mus die Gasse beherrschte und die wüsten Ausschreitiingcn eines A h I w a r d t und P ii ekler zu einer Kulturschaude im deutschen Volke ge• worden waren, da war es verständlich und notwendig, dal) sich Männer deutschen Stammes mit Juden zusaimnenfanden, um gegen diese Erscheinung Protest zu erheben und ihre Urheber zu bekämpfen. Seitdem haben sich die Dinge allerdings vorwiegend nur in ihren iiulteren Erschcimmgsformen — geändert. Die rohen und beschämenden Plakate, die zu den antisemitischen Ver* Sammlungen ciuludcn, sind von den Anschlagsäulen verschwunden und die Kampfparole: ״Schlagt die Juden tot" hat an Zugkraft verlorcu. Und schon glauben die Herren vom Abwehrverein in dem die Zahl der nichtjüdischen Mitglieder im Rückgänge begriffen ist * sich im saturierten Uewulitsein des bisher Erreichten anderen, iunerjüdischen Fragen zuwemleu zu diirlcu, Damit begibt sich der Verein auf ein Gebiet, das ihm nicht liegt und ilm in Widerspruch setzen mul) zu seiner programmati* sehen Zweckbestimmung. Und es bat sicli sehr schnell gezeigt, dal) ilm dieser Widerspruch zu Taktlosigkeiten verleiten mul), die zu einem öl fentliehen Skandal auszuarten drohen. Man verweile mir einen Augenblick bei dem beschämenden Bilde, das uns die letzte General- Versammlung des Vereins geboten hat: Juden unter niclUjüdisclier Flagge subsidiert von einigen ״sonderbaren Schwärmern" aus den Reihen der Nichtjuden im Kampfe gegen die Vertretcr einer bestimmten Anschauung im Judentum, Gegen eine Partei, die in knapp fünfzehn Jahren 10000 deutsche Juden in einer Weise organisiert hat, wie es noch niemandem zuvor gelungen und deren Bestrebungen von vielen weiteren Tausenden mit herzlicher Anteilnalmie verfolgt und gefördert werden. Aber die Sache muhte weitere Kreise ziehen: Die grundsätzliche Anschauung von jüdischen Dingen, die wir vertreten, begegnet sich mit dem Wunsche verständiger und wohlmeinender Niclitjtiden, die lange Aehnliches gewollt haben wie wir, ohne eine gemeinsame Aussprache in gröllerem Umfange herbeizuführen. Der Herausgeber des ״Kunstwart“ bat sich das Verdienst erworben, in seinem Blatte eine solche Aussprache einzuleiten, an der jeder, der ein Interesse daran hat, die Dinge so zu zeigen wie sic sind, seine Freude haben muDtc. Gegen diesen Mann und seine Zeitschrift hat der ״Abwchrverein“ mit Hilfe der ״Liberalen Korrcsponden/." eine l lelze eingeleitet, die an Gehässigkeit und Unaulrichtigkeit im politischen Kampf aller Parteien ihresgleichen sucht. Im Dezemberlieft des ״Kuuslwart" schildert A venari us den ganzen Hergang der Sache, und es mul) gesagt werden, dal) das Verfahren des Herrn Gothcin und seiner Freunde ein derartiges war, dal) wir es aufs schärfste milibilligcn müBtcn, auch dann, wenn A ve n ari us wirklich der Antisemit wäre, den die Herren mit allen möglichen Mitteln aus ihm zu machen bemüht sind. Der ״Fall" hat deshalb ein öffentliches Interesse, ,,weil er auf klärend hell Methoden und Gesinnungen beleiiehtcl, wie sie bei der Auseinandersetzung zwischen Judentum und Nichtjudeiitum heute noch möglich sind“, und wir raten deshalb einen jeden, der sich mit dieser widrigen Zcitcrschcimmg befassen will, den Artikel ״Juden, Antisemiten und wir" dort nachzulesen, wo er erschienen ist. Den pathetischen Vorwurf, den die Herren Gothein und Haas jüngst gegen den Zionisums zu erheben für gut befanden, er erniedrige sich zum Helfershelfer des Antisemitismus, können wir mit Avenarius den Herren zurückgehen: ״Der Antisemit, meine Herren, hat es bei der Ausbeutung des bei diesem Falle gelieferten Materials sehr leicht.“ ״Da haben Sie's _ ja bewiesen," so wird er mir sagen, ״was wir immer behauptet haben: und wenn Sic sich mit dem ehrlichsten Willen und der grölSten Sachlichkeit um gegenseitige Aussprache, um Verstiimlig'img, um Frieden bemühen, da das undenkbar ist ohne Offenheit, so müssen Sie beiden Teilen Unangenehmes sagen lassen, «No auch den Juden. Sobald das geschieht, schreit man ״Antisemit!“, lügt, was man braucht, tim Sie verdächtig zu machen, hofft auf das ״aliquid liaeret“ und findet jedes Mittel gegen Sie recht. Denn nichts wäre ja den Herren verhalber und entsetzlicher, als das Aufheben der so sorgsam gewobenen und so angstvoll gehüteten Schleier." W i r wüüten dem Antisemiten, der also spräche, nur das eine zu erwidern: dal) es wahrlieh nicht die berufenen Vertreter des Judentums sind, die diese Kampagne durchgeführt haben. ״Ihre Arbeitsweise, meine Herren vom Abwehrverein, ist veraltet, und da Sie sich in die neue doch nicht eindenken, geschweige denn einleben können, so wäre das gescheiteste, was Sie fürs Judentum tun könnten: Sie ״lösten sich auf.“ Da Sie das nicht tun werden, so werden Sie wie schön seit lange und wie diesmal den Antisemitismus propagieren“, sagt Avenarius und scheint uns damit die wahre Bedeutung des Vereins richtig ein/uschät/en. Nur noch ein paar Sätze aus dieser ehrlichen Abrechnung seien hier wiedergegeben: ״Mein B e k c n n t n i s: nach dieser ganzen Aussprache ist für mich Nichtjuden das Aller• erfreulichste, daII wir uns in den dringen• den Wunsch zur rücksichtslosen Entschleierung der Verhältnisse und damit für die praktische Arbeit an der Besserung dieser Verhältnisse auf lange hinaus mit den ihres Volkstums bewubten J uden vollkommen einig finden. Genau so bitter wie wir, beklagen sie sich darüber, dal) ihr Fühlen, Denken, Arbeiten von ״Tageblatt-Judcn", wie sic sie nennen, unterdrückt werde.