Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 46 (15.11.1912)
- Date
- 1912-11-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 442 JUEDISCHE RUN DSC HAU Nr. 46 Die Ortsgruppe zülitt gegenwärtig 312 Mitglicder; die?9111 der Scliekclzahlcr beläuft sich auf 50S. Die ( rtsgruppc veranstaltete im Berichtsjahre folgende Versammlungen: 1. 9. November 1911: f)r. Ha Ipern: Die No• vcnibcm gung des A. C. 2. 7, De/enlier 1911: Dr. Weiß: Jüdisches aus neuester Zeit. 3. 9. Januar 1912: Ing. Tre id e I * Haifa und Dr. S. Soskin: Die jüdischen Kolonien in Pa• lästina, 4. J. Februar 1912: Aullertmlentlichc (leneralver• Sammlung (Wahl des Vorsitzenden) und Dr. II;11־ ין er 11: Tolstoi und die Juden. 5. 20. Februar *.912: l>r. Scnniarjn Ie v i n• Berlin: Die Tragödie der Heimatlosigkeit. 6. 21, März 1912: L)r. Alexander Hausmann• Lemberg: Die türkisch-arabische Frage in Pa• lästina. 7. 20. April 1912: Kurt Blumen f cid• Berlin: Judentum und freies Menschentum. 8. 9. Mai 1912: Leopold Landau: Die Aufgaben des 13. Delcgicrtcnlages (Delegierlenwahleii). 9. 11. Juni 1912: Dr. Victor: Bericht über den 13. DelegiertcHtag. 10. 19. September 1912: Dr. II a Ipern mul Dr. Kalmus: Die Jahrcskonferciiz. 1912. 11. 13. Oktober 1912: Dr. Sehmarj.i Le v i 11• Berlin: Assimilation und nationaler tiedaiike. Gemeinsam mit dem Verein für jüdische Oeschichte und Literatur, der Henry Jones• und der StcinlhabLoge und anderen Vereinen wurden fol• gende Vorträge veranstaltet: Dr. Ignatz Zoll schalt •Wien: Der Hassenwert der Juden. Rabbiner Dr. J a m pel-Schwedt: Die Ausgrabung in Elenhautiuc. Rabbiner Dr. Loc weilt hal- Hamburg: Die Fr• Ziehung der deutschen Juden im Mittelalter (Zyklus von 3 Vorträgen). Dr. hl b o g e n - Berlin: Die geschichtliche Bedeutung des jüdischen Gottesdienstes. Am 12. Dezember 1911 veranstaltete die Orts• gruppe im Velodrom-Theater einen Liehlbildervoitrag des Herrn Dr. Ilcinr. L owe •Berlin: ״Das neue Palästina“, bei welcher Gelegenheit erstmalig kincmatographische Aufnahmen aus Palästina gezeigt wurden. Sämtliche verfügbaren Plätze zu diesem Vortrag waren verkauft. Am 23. Januar fand im groben Saale des Curio-I lauscs ein von der Ortsgruppe veranstalteter Jung-Jüdischer Kunstabend statt, an web ehern der Kaiizertsäiiger Leo (i o 11 a 11 i n Berlin jüdische Volkslieder sang und Joseph Ambril 1111• München jmigjfidisclie Gedichte reziiierte. Beide Ver• anstaltmigcn ergaben einen Uchcrr.cliuß. Die ׳ Mlsrnchl-Ciruppe zählt gegenwärtig 171 Schckcl/aiilci*, davon 89 ordent• liehe Ortsgruppcii-Milglicdcr. Au öffenlliehen Vor• trägen fanden statt: 1. 4. Dezember 1911: Dr. L. F ran k• Altona: Ge• geinvartsaufgaben des Misraelii. 2. 0. Februar 1912: Referendar Möller: Der Sammelnd im mocerncit Judeiitmu und der Mis• rachi. 3. 10. Oktober 1912: Schckclvcrsammlung; General- Sekretär Berlin: Das Wesen des Zionismus und des Misrnchi. Außerdem wurden zwei interne Disknssions• aheude mit geladenen Gästen veranstaltet, in denen Zahnarzt Und. Möller über ״Moderne Palästina• arheit" und Assistenzarzt Hugo Meyer über ״Nationalität und Religion“ referierten. Der im vorigen Jahre errichtete hebräische Kursus unter Leitung des Sprachlehrers S. M. Fleischmus verfallen sei. Denn will man die Welt nicht bloß zum Inhalt eines Einzel-, sondern eines Allgemein• bewußtseins machen, so ist dieses Allgcmciubewußt• sein nur aus der Abstraktion aus den verschiedenen Einzclbcwufltscincn zu gewinnen. Von fremden bc• wußten Wesen' aber weil! ich nur durch die Vermittching fremder Körper. Diese müssen also damit schon anerkannt sei״. Ich muß also erst ״Realist sein, bevor ich Idealist im Sinne des Attgcmciubcwußt• scins sein kann“. Aber selbst, so fährt Joel fort, selbst wenn cs möglich wäre, die Klippe des Solipsismus zu umschiffen, was hätten wir gewonnen, wenn wir die Einzelhaft gegen das Massengefängnis des Allgemein• bewußtseins cingetauscht, von dem aus uns gleichfalls die Welt zum grauen Schatten verblaßt? Es muß einen Ausweg aus diesem Labyrinth geben, und dieser Ausweg liegt in dem Ausgangspunkt, den wir unserem Problem gegenüber einnehmen. Gehe ich vom Subjekt aus, so bleibe ich in ihm gefangen. Gehe id» aber vom Objekt aus, so gib! cs ebensowenig einen Weg von diesem zum Ich, Der Ausgangs• punkt darf also weder mir in, dem einen, noch nur ln dem anderen liegen. Schon die Erkenntnistheorie, selbst wenn sic den Ausgang von der Tatsache des Erkennen« fordert, kann damit nicht bloß das Subjekt der Erkenntnis fordern. ״Die Grundtatsachc lautet nidit: ich erkenne, sondern: ich erkenne etwas.“ Folglidi ist der Erkenntnis das Objekt genau so nötig wie das Subjekt. Und selbst angenommen, die Erkenntnis finde in a n n wurde in zwei Abteilungen fartgeführt. Der Vorstand der Misrachigruppc setzte sich zusammen aus den Herren Dr. mcd. s. Möller, Vorsitzender, Hermann Warisch, Schriftführer, Emil H. Lipstndt. Kassierer, Berl. Weiß borg und Frl. Julie W o I f f. (Fortsetzung folgt.) HfGREINS'RUM DSCE3AU Berliner Vcrclnskalender Sonnabend, 1(1.: Verein jüdischer Studierender aus Rußland. Winterfest. Sonntag, 17.: ״Bar Kochha“, lf. Mäuncrahteilung. Ocf feilt liehe Versammlung. ״Kadiiuali“. Ücschichtsvorirag. Montag, IS.: B. Z. V., Gmppc Kadiinah. Ocffcnt• liehe Versammlung. Dienstag, 19.: ״Histadmth“. ()öffentliche hebräische Versammlung. I'.ilü-tinaktirs Trietsch-Sniuller. 1. Abend. Jüdischer Jngentlhimd. Vortrag I leym.nin. Mittwoch, 2U.: Verein Wcsl Berlin. Gcneralversamm• hing. Sonntag, 21.: Jmliseher i'r.iucnlnnul für Turnen und Sport. ״Hie dansant“. Berlin. Die Generalversammlung des Zionlstlsehen Vereins West-Berlin findet nicht, wie in der vorigen Nummer angegeben, am kommenden Sonnabend in! Nolleudorf-Kasino, sondern am Mittwo cli, den 20. d, Mls., abends 0 Uhr, im Sitzung«• saal des Zionistischen Z e 111 r a l bu rc a us, Sächsische Sir. 8, statt. Berlin. ״Kadhmili“ (Gruppe der B. Z. V.). Die nächste Vorlesung des Herrn Rabbiners Dr. Rosen• thal über ״Jüdische Geschichte und Literatur“ findet, am Sonntag, den 17. November, •1 Uhr nachmittags, im Restaurant Nisselbamn, Oranienburger Str. 2<>, statt. Der Zutritt ist für jedermann frei. Besondere Einladungen ergehen nicht. Berlin. Der Jüdische Frauenbund für Turnen und Sport veranstaltet am Soun lag, den 21, November, nnclimittags D Uhr, im Logcnhaiis, Kleiststralle '10 einen The gymnasti(|11e. Aus dein Programm lieben wir hervor die turnerischen Vor• lühniiigen und die Aufführung ״l'ilmzauber“. Meson• ders erwähnenswert sind hieraus folgende Filius: Poli• tische Fiitlüilliiiigcu vom Kriegsschauplatz, (aktuell); eine Oelli.iumpflanzmig in Palästina (große Nalurnuf• nähme); Berliner Ilienlrnevue (Naneulaiiz, Kuhreigen usw.). Siehe auch Inserat. Berlin. Der ״Verein jüdischer Studierender aus Rußland" veranstaltet sein diesjähriges Winter• fest (Konzert und Mall) zugunsten der minder• hemittelleii Studenten am Sonnabend, den 10. dieses Monats, in den Fcstsülcu des Brüdervereins (Kurfürslcnstr. HO). Am Konzert nehmen folgende Künstler teil: Frau Dcucra, Ilofopernsängerin, Frl. Lamlesmau, Pianistin, I lerr Fgcnicff, Opernsänger, und Miseha Violin, Geigenvirtuose. Beginn des Kon• zerles: 8׳.• Uhr altem!*. Beginn des Balles: II Uhr. — Billetts ä 20, U), 5, 3 U. 2 M. bei A. Wertheim (Leipziger Str.), Kaufhaus d. Westens (Taiieutzieiislr.), im Vereinsbureau (Fricdrichstr. Ul) und an der Abendkasse, Berlin. Die Berliner Zionistische Vereinigung, Gruppe Kadiinnh, veranstaltet am Montag, den 18. N ס v e m b e r, abends 9 Uhr, in 11 a v e r I n n d s nur ״in mir“ statt, so kann ich sie doch mir ״in mir" lokalisieren, ״wenn ich mich selber lokalisiere, wenn ich mich unterschieden Hilde von einer Welt, die ich damit schon anerkenne“. Vielleicht hiittu der Verfasser noch hinzufügen können, daß, indem icli mich als einen Teil der Welt fühle, ich damit auch voraiiNset/en muß, daß in mir dieselben Gesetze wirksam sein müssen, wie in der übrigen Welt, und daß es daher nicht gut denkbar ist, daß die Formen meiner Erkenntnis mit dem Gegenstand meiner ErkenuUus gar nichts zu tun halten sollten. Wer also die Welt und das Ich als zwei verschiedene Substanzen nimmt und von einer als der wahren Realität ausgeht, der findet nimmermehr die Brücke, die sie verbindet. Aber was sind sic sonst, wenn nidit zwei Substanzen? Die Antwort darauf bildet den Hauptinhalt des Werkes, das in zwei großen Problemen gipfelt: 1. in dein Verhältnis zwisdien Geist und Körper, 2. in dem Verhältnis zwischen dem Eiuzclich und dem All. ־— Das zweite Problem, das au Wichtigkeit dem ersten nicht nach• steht, repräsentiert aber nur die Spit/c der Pyramide, die der Verfasser vor unseren Augen aufbaut, während der weitaus größte Teil des Werkes von jener ersten Frage in Auspnidi genommen wird. Die nächste Aufgabe des Verfassers ist cs nun, den Schutt weg/.uräumen, der von alten, eingefallenen Gebäuden immer noch auf dem Bauplatz lagert, ehe er selbst uns sein neues Gebäude aufzurichten wagt. Es ist eine sdiarfc Klinge, die Joel mit seinen Ocgncm auf dem Gebiet des Scclenproblcms ausficht. Die F c s t s ä 1 e n (früher Drüse!), Neue Fricdrichstr. 35, eine große öffentliche V e r s a m in I u n g. Herr Dr. 1 .eo M o t z k i n wird in jüdischer Sprache über das Thema: ״Unsere Arbeit f ü r 11 n d i 11 P a I ä s t i 11 a“ referieren. Gäste, Damen und Herren, erwünscht. Eintritt 20 Pf. Berlin. Der Berliner Verein der Organisation für hebräische Sprache und K'iltur veranstaltet Dienstag, den F>. November, 9 Uhr abends, im Hotel ״Riilil.uid“, Mitlelslr. (»0, eine öffentliche he• b rii iא e 11 c Ver s a in m I ung. Ilerr I>r. S. Be 1■ 11• stein, Vorsitzender ries hebräischen Sprachvereins Cliowewe Scfat F.bcr-Lodz, wird über «Jas 'Iheuia: ״Die poU t i s c b •1t a t i <> n a I e 11 Strömungen d e s j ü d i s c I! e n Volk e s i m M i 11 e I a 11 e r4• sprechen. Im Anschluß daran findet eine Diskussion statt. Gäste, Damen und Herren, herzlich willkomme!!. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird dringend gebeten. Berlin. Die II. Mämtcrabteilung des Jüdischen Turnvereins Bar Kochha veranstaltet am Sonntag, den 17. November 1912, nachmittag■» 1׳'? Uhr, ini ״Bürgerheim", Alte Schönhauser Str. 21-21, einen öffentlichen Voitiag. Herr Dr. Z. loci* 11 spricht über O s t j 1 a e 11111 ui und kor perl‘che kr• Ziehung. Anschließend Diskussion. Wir bitten alle Ostjiulcn, die sich für die körperliche l iilwicklung der Juden interessieren, zahlreich zu erscheinen. — Die II. Mäiiuerableilting turnt jeden Montag von 8—10 Uhr in der Keiheistr. 32. Berlin. Am Dienstag, den 19. November, abends 9 Uhr, spricht im Jüdischen Jiigendhund Berlin E. V., Williclmstr. 118 II, Herr Dr. Hans Gideon Hey in a 11 u üher״S i c d e 1 u n g s in ö g I i c 11 k e i t e tt in Palästina“. Gäste — Damen und Herren — sind willkommen. Chemnitz.. Am Donnerstag, den 21. November, abends 9 Uhr, spricht im großen Saal der lande I Jr. Schemarja L e v i n über ״Das J tt d e n t u in .־» nt S c h e i d e w e g e. Wir machen unsere auswärtigen Mitglieder auf den interessanten Vortrag aufmerksam. KattowiU. Montag, den 18. November 1912, 8• .• Uhr abends, findet im Saal des Hotels ״Kaiscrhof“ eine Versammlung der Zionistischen Ortsgruppe statt. Herr Dr. Aaron Sandler aus Chailottenburg wird über ״Das jüdische Volk im Urteil der Welt“ spreeheu. — Gesinnungsgenossen aus dem Bezirk werden freumllidist eiugeladen, aneli haben Gaste miliesehräiikteii Zutritt. * Berlin. Am vergangenen Donnerstag fand die (lenetalveisammlmij; der hiesigen Misi'nchii'.i'iippu statt. Das Neferal erstattete Herr Referendar Bari 11 über das Thema; ״II e r M i s r a e h i i in ver• g a u g e 11 e u u u tt i m k o m m e 11 tl e 11 Jaltr c". Er ging von der Krise aus, in tler suh der Misraelii zu Beginn seines letzten Arboitsj.dires befunden habe und die dann durch die Septemlur-Koulercnz des letzten Jahres iliren Abschluß gefunden habe. Deren Beschluß, in der Organisation zu verbleiben, habe den Misraelii vor zwei gewichtige Aufgaben gestellt. Erstens habe mau mit aller Macht au einer Ver• Stärkung tler eigenen Reihen arbeiten imissen, damit die Gewähr gegeben sei, daß man seinen Forderungen auch stets den entsprechenden Nachdruck gehet könne, und zweitens It.du• man noch eifriger als bisher um die Verwirklichung tler positiven Atbcitcn sieh mühen müssen. Die Frfoige, die auf diesen beiden Gebieten erzielt worden seien, legte er dar, ebenso die Gründe, warum manches andere noch «lieht erreicht worden sei. Mit Freude begrußte er iusheson* Argumente seien liier kurz zusa.nincngefaßt. Zunächst bringt er gegen den Materialismus vor, daß der Körper überhaupt erst durch die Empfindung werde, wahrend der Materialist diese zu einem Pro• duxt des Körpers machen mochte. Das scheinbar Feste ist das am raschesten Bewegte, dasjenige, was eire so rasche Bewegung darstellt, daß unsere Sinne ihr nicht zu folgen vermögen und es deshalb als etwas Festes autfassen. Die Materie ist also keine Substanz, sondern ein!*ro/cß. Dann aber wäre auch gar nidit einzusehen, wie aus bloßer Materie, die als solche steril ist, jemals Geist werden könne. Auch ist die Materie nichts Absolutes mehr. Die exakte Naturwissenschaft hat heute fesigcstcllt, daß Gewicht, Masse und Trägheit eines Körpers veränderlich sein können, daß also keine einzige materielle Eigen- Schaft konstant ist, Das Leben also stammt nicht aus dem Körper, sondern der Körper aus dem Leben, Aber auch der Oegensatz. zum Materialismus, der Idealismus, ist nach Joel atzuweisen. Es ist nidit denkbar, daß cs mir Geist geben soll; denn das Subjekt als das sich Erhebende, braucht ein anderes, über das es sidi erbebt. Also bliebe demnach nur der Dualismus übrig? Nein, auch die ־.cn weist der Verfasser zurück. Demi wenn Geist und Körper völlig heterogen seien, dann blieben sic audt ohne jede Beziehung zuein• ander. Diese Ikziehungslosigkeit aber, wie sic der P a r a 11 e 1 i s m u s betont, sudit nun Joel wiederum in Ihrer Absurdität auLeudeckcu. Der Parallelismus behauptet, daß Körper und