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Jüdische Rundschau · 1912-11-15 · Heft 46 (15.11.1912) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVII (1912)
Issue
Heft 46 (15.11.1912)
Date
1912-11-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 46 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 441 schlag gemacht worden, die Streitfrage über die zu• künftige politische Stellung der Stadt in der Weise zu lösen, dal) man Saloniki zu einem freien neu• tralen Hafen unter internationalem Schutze erklärt und so alle Rivalität der einzelnen Mächte aus der Welt schafft. S. II. Oarvin, der Chefredakteur des ״Observer'״, ein einflußreicher konservativer eugli• scher Politiker, macht mm den Vorschlag, der Stadt mit Rücksicht auf die MnjoritälsvcrliäUuisse eine jüdische Verwaltung zu gehen. Israel Za ng will, der ja schon früher einmal Mazedonien (damals allerdings weitere l.audstrcckcu) in den Kreis seiner kolonisatorischen Pläne gezogen halte, äußerte sich einem Ausfrager gegenüber über diesen Plan in zustiinmcndem Sinne und machte bereits detaillierte Vorschläge über die zukünftige (kstalluiig der Dinge. So ist er der Ansicht, daß von seiten der Juden zunächst ein Teil der türkischen Staats• schuld zu übernehmen sei und nennt in Oscar Straus bereits einen Kandidaten für den ersten Bürgermeisterposlen der freien Hafenstadt. Präsident Wilson sei dazu berufen, die Ernennung vorzuiielnucii. Oesterteich ln Wien haben unsere (iesiiiimiigsgenosscn für die Kultuswahlen ein ihnen von der Gegenseite au• gebotenes Kompromiß akzeptiert. Die Mitglieder der zionistischen Leitung, l)r. Jacob Ehrlich und Ing. Roh. Stricker, erhalten Vorstamlsuuuulale, und in den Itezirkskommissioncn erhalten die Zionisten ein Zehntel aller Mandate. Diese Vereinbarung bc• deutet einen erfreulichen Erfolg der langjährigen De• lmiluutgen unserer Freunde. Höhnten Der Vorstand der israelitischen Kultusgcmeinde in Konto tau hat bei Aufstellung des Budgets der Gemeinde unter anderen Subventionen auch dem Jüdischen א a t i o n a I f o n d s 50 K. zugewicscu. Nun fanden sich aber im Kultusvorstaud Herren, welche gegen diese Spende protestierten, und da sie überstimmt wurden, brachten sie eine Beschwerde bei der politischen Aufsichtsbehörde, der Bezirkshauptmannsehaft Komotau, ein, in der sic gellend machten, daß die Kultusgcmeinde nach dem Oe• setze mir für die ,religiösen Bedürfnisse" der Gemeiiideaiigehörigcn zu sorgen habe, die Zu• Wendung an den Natioualfoiids aber eine ״politische Demonstration" sei. Die BezirkshauptmannschaÜ bat der Beschwerde stallgcgcben und den Beschluß des Kultusvorstaudcs als ungesetzlich aufgehoben. Gegen diese I'ntscliei• düng nun beschloß der Kultusvorstaml Komotau, den Rekurs an die böhmische Statthaltern zti überreichen und betraute damit das Vorstandsmitglied Herrn Dr. I (ermann I lirsch. In dem Rekurse wurde ausgeführt, daß die Entscheidung der Bczirkshauptmamisciiaft ein ungesetzlicher Eingriff in die Autonomie der Kultus• gemeinden sei; da die Kultusgcmeinde auch für andere, nicht direkt religiöse ,Zwecke, wie Krankenhäuscr, Waisenhäuser, Wohlfahrtsvcrcinc, Mittel bcwillige, müsse ihr auch das Recht /!!stellen, den Jüdischen Natioualfoiids, dessen Zwecke in dem Rekurs dargelegt wurden, zu subventionieren. Dieser Tage langte mm die — inappellabel — Entscheidung der k. k., Statthaltern in Prag herab, wodurch dem Rekurs vollinhaltlich staltgcgehen, die Entscheidung der Bezirksliauptmaimschaft aufgehoben ....!״׳■׳... 1 ״׳״.. ... ..... sondern als jüdische Philosophen fühlen, daun wäre uns bereits ein Baustein zur Errichtung eines jüdischen Kulturgcbäudes gewonnen. — Man wende nicht ein, daß jene Philosophen ja ausschließlich von den Tra• dilionen einer allgemeinen europäischen Philosophie zehrten. Auch die deutsche Philosophie bedeutete zunächst die Synthese aus französischen mul englischen Strömungen und war docli eine deutsche Philosophic. Nicht ausschließlich auf den Stoff der Oedanken kommt cs an, sondern auf den Gedanken, der den Stoff formt. Hat man cs doch auch heut• zutage versucht, uns das Eigentumsrecht au der Religion Mose zu nehmen und statt dessen dasjenige, was in alten Zeiten die Kulturmission des jüdischen Volkes bedeutete, einem Hanuirabi in die Schuhe zu schieben. Und dennoch betonen wir, daß, woher uns auch einzelne Inhalte gekommen sein mögen, cs doch der jüdische Geist war, der sic zu einem» Kulturgut der Menschheit umschuf. Nach diesen Vorbemerkungen sei cs mir gestattet, das Werk des Basler Professors Karl Joel ״Seele und Welt" einer näitcrcn Würdigung zu unterziehen, denn sic alle finden ihre Anwendung auf den gegen* wärtigen Fall. Ich bin nämlich der Meinung, daß mit dem Schreiben dieses Buches eine Tat getan Ist, und daß cs uns infolgedessen nicht gleichgültig sein kann, ob wir den Verfasser als 4 jüdischen Philosophen in Anspruch zu nehmen bc• rcchtigt sind oder nicht. — Was für alle modernen Juden gilt, das gilt natürlich auch von Joel, er knüpft seine Gedankengänge nicht an die jüdische, sondern und der angefochtenc Beschluß des Kultusvorstanücs bestätigt wird. Jtussland Bisher sind in die neue russische Reichsduma drei jüdische Abgeordnete gewählt worden. In K o w u o wurde der frühere jüdische Abgeordnete 1'r I e tl 111111111 wicdcrgcwälill. 111 Kurland wurde Dr. (Iure wltz mul in 1,0 dz Dr. Boiunsz, ge• wühlt. Die letztgenannten zwei Abgeordneten sind in der breiten jüdischen OeffenUiehkeit wenig bckaiiut, haben sich aber im jüdischen Lehen ihrer Wohnorte erfolgreich betätigt. Alle drei jüdischen Abgeordneten werden sich voraussichtlich der konsti• tutioncU-deiuokratischcn Partei anschheßen. Die ilazcflrali hatte einen Artikel über die Lage der russischen Juden im Jahre P)D abgedruckt, den Dr. Max Nordau in der ״Neuen Freien Presse" veröffentlicht halte. Der Zensor hatte die Einführung des Original;irtikcls nach Rußland nicht iieansl.iudet und «tie Arbeit war auch von der russischen Presse wicdcrgcgehcn worden. Gegen Nalium S o k 0 I o w wurden jedoch wegen dcs׳ Abdruckes in den 1 iazefirah acht Monate Gefängnis beantragt. Die Verband• hing endete mit dein Freispruch des Angeklagten, * Die Polizei in Krcmcntschny hob ein Bankett auf, das zu Ehren Dr. Pasman iks, der sich in dieser Stadt aiifhiclt, veranstaltet wurde. In Odessa wurde eine Versammlung aufgelöst, in der Werke SeUolem Alcichcins vorgclcscn wurden. Türkei M. Robert B e har, der Leiter der Ahleilung ״Halatn" des ״Maccahi", ist von der Hand eines Meuchelmörders gefallen. In Dchar betrauert das nationale türkische Judentum einen seiner besten und begeistertsten Verfechter. Amerika Das Testament des Herrn Isidor Strauß, der hei der Titanic-Katastrophe uinkain, ist jetzt ver• öffentlicht worden; es beläuft sich auf dreieinhalb bis vier Millionen Dollar. n/Rnen 5,sport Die S p o r t n b t c i I u n g des Jüdischen Turnvereins Bar Koch ha, Berlin, gibt folgen• des Programm bekannt: Jeden Dienstag: Turnen in den Müimerabteihmgen. —- Jeden Mittwoch: Verkehrs• abend im Burghotel, Durgstr. 20, Sportzeitungen liegen aus. — jeden Donnerstag: Waldlauf. Treffpunkt Grunewald, Cafe Eicbholz, Aiierbachstr. 17 a. — Jeden Sonntag•, Vormul nachmittags Hockey- und Fullhailspielc in Scliul/endorf. — Außerdem findet am Montag den 25. November, in der Turn• halle Berlin N,, weißciiburger Str. •In, ein ü f f c u t lieber Sport abend der Sportabteilung statt. Gäste sind herzlich willkommen. Das Programm für diesen Abend ist: 1. Schwedische Freiübungen. 2. Geräteturnen. 3. Vorführungen. *I. Stafcttenlaufcn der Snortabteiiung. 5.!•’echten. 6. Hindernislaufen. Anmeldungen werden auf dem Verkelirsabeiul am Mittwoch, sowie Donnerstags und Sonntags entgegengenommen. Die neugegriuuletc Hockey- M a ״ n s c h a f t des ,,Bar Koch ha" focht am Sonntag ihren ersten Kampf aus in einem Match gegen eine Jugcndnhfci• nu die allgemeine europäisch-philosophische Tradition an. Aristoteles und Jacob Böhme, Scltclling, Hegel und Fcchncr sind es, deren Gesichter uns nicht selten zwischen den Zeilen anzublicken scheinen. Auf den Zusammenhang mit der Lehre Schcllings weist der Verfasser direkt dadurch hin, daß er das Buch dem Andenken seines Vaters, ״eines Schülers Schcl-!ings", widmet. Die Zusammenhänge mit den übrigen genannten Philosophen scheinen ihm selbst kaum zum Bewußtsein gekommen zu sein, da er ihre Namen mir selten und dann nicht einmal im maßgebenden Zusammenhänge erwähnt. Aber er erwidert bereits in der Einleitung denen, die vielleicht nicht alles an seinem Buche ״neu" finden möchten, daß das, was er biete, nur sein könne wie das Leben selbst, ״das iin Neuen immer alt und im Alten immer neu ist". Er seihst habe die Wahrheiten, die er gefunden, ״als Lösungen von quälenden Problemen empfunden", und somit hat er Eigenes gegeben, und der Vorwurf des Eklektizismus muß von vornherein diesem Bckciintuis gegenüber verstummen. Ist es doch überlinupt sehr fraglich, ob der Vorzug eines philosophischen Systems in seiner absoluten Originalität besteht, Würde alle paar Jahre einmal etwas gänzlich Neues ver• kündet, das den Anspruch erhöbe, mit allem bisher Dagewesenen radikal aufzuräumen, dann wäre für den, der die Geschichte des menschlichen Denkens verfolgt, sehr bald Skeptizismus die notwendige Folge. Gerade indem der Philosoph der Jetztzeit an alte Qcdankcngängc anknüpft, indem er, was Denker vor ihm gedacht, mit Hilfe der Ergebnisse d«r modernen ung der Berliner Turnerschaft. Die Mannschaft des ״Bar Koehb.1" in der Aufstellung: Caro l Same For •lenzer B Kikotcr Egcr Asch Forstcnzcr I l.ecsscr Caro || Josef Frost war von Anfang an besonders durch die Schnelligkeit ihres Angriffes idieilegen und gewann das Spiel mit 1:0 (I lalb/eil 0: (l) imeii, die von dem vorzüg• heilen Kapital! der Mannschaft: Eger, und von Kikuhr geschossen wurden. Die Hoekeymamischaft hat in H Tagen ihr tuich• stes Wettspiel, und cs ist zu hoffen, daß die von Herrn Egcr mit Geschick und Sorgfalt trainieilc Main!• schalt ehrenvoll abschncidct. Man ist jetzt dabei, eine zweite Mannschatt zusanimeii/nstellcn, für die noch einige Anmeldungen et* wünscht waren. I lerr Apotheker Landsberger, Schöneherg, Neue Kidmstr. 1, der technische Later der Sportabtalung, ist zu weiterer Auskunft gern bereit. . ' t Auch die Fußballmannschaft obliegt eifrig dem Training und wird in nächster Zeit über die in Aussicht genommenen Wettspiele berichten. Während der allgemeinen Weilmachtsfeiertagc will die Fußballmaiinschaft ihrem Gegner vom Ttirutag zu Pfingsten, dem Hamburger Bar Kochba, einen Bc• such ahstatten, um ihm Gelegenheit zu gehen, das damals unentschiedene Resultat zu korrigieren. ZlöNfSTISCM BELcGUilG Am 23. Oktober sind uns vom Kaiserlichen Postscheckaint <»ü M. gntgesehrichai worden, und z.war «oll sich dieser Betrag aus zwei Postanweisungen von 20 und 10 M. zusammc11sctz.cn. Die Postanwcisunga» sind auf der Post verloren gegangen und es laßt sich auch nicht fcststellen, von wem die Beträge eingezahlt sind. Wir bitten daher diejenigen uiiscrt Freunde, die einen Ausweis über ciiigesandte Beiträge oder Spenden vermissen, uns dies unverzüglich mit• zuteilen, Das E. A. C. hat beschlossen, das Grolle Actions• Coniite auf Dienstag, den 2(>. November, zur Be• spreclmng der allgemeinen Lage nach Berlin einzuberufen. Aus:Dew.eeM׳e1ttD׳ea Berlin. Die in der Tagung vom 2't. Oktober gewählte Sl.ituten-Koiniuissiriu dos Deutschen Laud e s k o m i t e e s der Allgemeinen isrnclitisehen Allianz, hat in der Sitzung vom II. No* vciuhcr ilire Arbeiten beendet und das neue Statut fertiggestellt, welches dem Deutschen Lnndcskoniitec in der nächsten Woche zur Beschlußfassung vor• gelegt werden wird. Die Kommission legt Wert auf die Feststellung, daß das Deutsche Landcskomitcc den in der Presse erwähnten Verhandlungen mit Paris (entstellt, und daß die Verhandlungen nicht in dessem Aufträge geführt worden sind. AUS HAMBURG-ALTONA Am 31. Oktober fand in! Logeulieim die gut besuchte ordentliche Generalversammlung slatt, auf der Herr L. Landau folgenden Jahres- und Kassenbericht erstattete: Wissenschaft neu begründet und dementsprechend erweitert oder modifiziert, gerade dadurch stärkt er in uns das Vertrauen in die Erkeimtnisfähigkeit des Mcnschengeistcs und gibt uns das Zutrauen, daß auch der vorliegende Gedankenhau von einem künftigen nicht völlig über den Haufen geworfen werde. Was mm zunächst an dein Werke Joels eine wahrhaft befreiende Wirkung ausübt, ist schon ganz, all• gemein sein Standpunkt der Philosophie überhaupt gegenüber. Nachdem eine gänzlich auf den Schultern Kants stellende philosophische Epoche sich so gut wie ausschließlich in erkennlnistheorclischcn Unterstichuiigcii bewegte und nach dem Muster ihres großen Vorbildes die Möglichkeit einer Metaphysik überhaiipt ablclmtc, wagt es Joel, die bloße Erkenntnis• theorie mit einem Gast zu vergleichen, ׳״Jer im Vestibül sich gar eifrig im Spiegel beschaut und sich das Augenglas putzt und immer wieder zurecht• rückt, aber vor lauter Prüfung des Schein nicht zum Sehen, vor lauter Arrangieren und Antichainhricrcn und Komplimentieren, vor lauter Fragen, wer mm vorangehen solle, niemals zum Eintritt kommt". Und nun wappnet er sich gegen diejenigen, die da meinen, daß uns niemals eine Erkenntnis der• Welt möglich sein werde, weil wir niemals aus dem Glaskasten unseres eigenen Ichs heraiiszukommen fähig seien. Zunächst stellt er die Behauptung auf, daß die Erkenntnistheorie, wenn sie sich allein auf da9 Dogma ״Die Wett ist mir nur als Inhalt des Bcwußtscins gegeben" gründen wolle, damit nicht nur dem Idealismus, sondern gleichzeitig auch dem Solipsis•

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