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Jüdische Rundschau · 1912-11-15 · Heft 46 (15.11.1912) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVII (1912)
Issue
Heft 46 (15.11.1912)
Date
1912-11-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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JUEDISCHE RUNDSCHAU N46 .־׳ Seite 440 •י durcl!gemacht hat, seien, erstens das Nomadentnm, zweitens der patriarchalische Agrarstaat, ilami die typische Zersetzung durch Sklavenwirlscliaft; n:1ch Ziisauiinenbnich des rüinisclien Reiches sei plötzlich Europa von einem Netz, jüdischer I lämllcr durchzogen; das habe aber, wie gesagt, darin seinen (inirid, daß die Juden anlk'r der Landessprache noch ihre eigene Sprache liatten. Das sei das ganze (leheiinnis. Wenn inan Üi1erl1a11|)t von Rassen sprechen wolle, so müsse mau die Rasse nicht als Anfang der Ent• Wicklung, wie man früher geglaubt habe, sondern als das Ende ansehen. Rassen könnten sich aber in wenigen Generationen bilden (Hier scheint tippenheimer den Einfluß der Vererbung anzunehmeii. Der Ref.) und ebenso schnell sich verändern. Gebe man aber das zu, dann habe das ganze ״Rasscgeschmusc" keinen Sinn. (Doch! wenn auch nicht für die Gvriuauomauic, so doch für eine vernunflig gefaßte natioiialjiidischtf Theorie.) Oppenheimer geht in einer Beziehung tiefer als seine Gegner, indem er sich nicht mit der Konstatiemng des Rassegeistes begnügt, sondern dafür Erktiirungen sucht; und wenn man auch vielleicht mit seinen Erklärungsversuchen des jüdischen Scharfsinns, des ״kap talistiselien Geistes“, nicht einverstanden sein mag — ich will cs hier nicht entscheiden - , so ist doch das Streben nach derartigen Erklarungen durchaus als ein gesundes anzuerkeimen. Oppenheimers Einseitigkeit besteht darin, daß er das Moment der Vererbung vollkommen ignoriert. Man kann zwar aus seinen Erörterungen zwischen den Zeilen gleichsam herauslesen, daß er gleichfalls von dem Einfluß der Vererbung Gebrauch macht, direkt ausgesprochen hat er es nicht; und zu verlangen, daß man es sieh seihst heraiissuelit, ist eine Zumutung an das Publikum. Uel)erh:.1.־pt liegt der Fehler von Oppenheimer darin, daß er glaubt, das Publikum folge ihm in alle Einzelheiten seines Vortrags, während der assimilatorische Teil seiner ZuliürcrschaE* sieh lediglich mit «lein E'aeit ״es gibt keine jüdische Rasse“, auf das sie von Anfang an gewartet, begnügt, um dann auf Grund der ״wissenscliafth'chc.i Ergebnisse eines Gelehrten*• gegen die nationaljiulische Theorie und «len Zionismus scharf zu fassen, während in Wirklichkeit eine vernünftig gefaßte nationaljüdische Theorie mit Oppenheimer gar nicht סי sehr im Widerspruch stellt.' Palästinakursus in Berlin Die Berliner Zionistische Vereinigung veranstaltet einen Palästina-Kursus von 5—6 Abenden (einen Abend pro Woche), beginnend Dienstag, den P). Novetnber, abends <) Uhr, im Sitzungssaal des Zentral• burcaus, Ecrlin W. 15, Sächsische Str. 8. Es wir«! eine Einschreibgebühr von 2 M. erhoben, die mit t! •r Anmeldung an untenstehende Adresse cingcsandt oder am Abend selbst entrichtet werden kann. Die Vorlesungen, zu denen sich die Herren Davis Tri et» eh und Dr. A. San «Iler erboten haben, behandeln iin einzelnen folgemle Themata: Einleitung: Die gegenwärtige politische Situation und die jüdischen Palästina-Bestrebungen. - Die politische Geographie Palästina und seiner Nachbar-׳ gebiete, ״ Die Bevölkerungsverhältnisse mit besonderer Berücksichtigung der Juden. (Trietsch.) Die physikalische Geographie. — Die geogra¬ Ein jüdischer Philosoph der Jetztzeit (Karl Joel: Seele und Welt. Jena PH2.) Von Dr. Kate Friede in a 1111. Eine der Fragen, die in jüdischen, ja sogar innerhalb zionistischer Kreise heut« auf das lebhafteste diskutiert werden, ist die Frage, ob cs in unseren Tagen noch eine jüdische Kultur gehe, o«ler oh wir nur pietätvoll von dem religiösen Erbe der Vergangenheit zehren, mul dann, oh nur der fromme Jude, <1. 11. derjenige, der auf dem Boden des positiven jüdischen Religionsbekenntnisses steht, Anteil an dieser jüdischen Kultur habe, oder oh auch der nicht orthodoxe Jude durch ein kulturelles Baud mit seinem Volke verwachsen sei. Diese Frage, die zunächst als reine Doktorfragc erscheinen möchte, wird heute immer mehr zu einer hrcuucmleii dadurch, daß von ihrer Entscheidung letzten Endes das Oeschick des jüdischen Voikes, wenigstens eines großen Teiles der westeuropäischen Juden, allhängt. Denn ca wird sehr richtig der Gesichtspunkt geltend gemacht, daß zu einer Volksgemeinschaft auch eine gemeinsam*: kulturelle Grundlage gehöre, und daß daher eine Rasse an und für sich noch keine Nation sei, wie die den verschiedensten Nationen ungehörige germanische Rasse beweist, während andererseits das aus verschiedenen Rassen zusauiiucngcsehmol/em• deutsche Volk eine Nation — nicht bloß, wie oft phische Lage in! Verhältnis »1 «1111־ Nachbarländern. .Geologie. Flora und Bodenkultur. (Sandler.) Die wirtschaftlichen Verhältnisse des L indes (l.andwirtsehaft, ll.uaicl, Industrie, Verkehr). ־ Die EebeiisvcrliältnEse der eingeborenen und der fingewunderten Bevölkerung. Die jüdische Eimvantie- Hing und Kolonisation. Die landwirtschaftliche Kolonisation (Abriß der bisherigen Entwicklung, gcgenwäitigcr Zustand, Möglichkeiten der nächsten Zeit). Die städtische mul die industrielle Koloiiisatioii. Die Juden im Handel und Verkehr Palastinas (Einzelheiten wie bei Landwirtschaft). (Trietsch.) Klima.• Gesimdlieitsvcrliältiiisse der eingeborenen iiiiil der eingewaiiderten Bevölkerung. -■ Hygienische Einriehtuiigeii und Bestrebungen. Die Heilfaktoren «les l.amles und die sich daraus ergebenden Möglichkeilen. (Sandler.) Palästina und seine Möglichkeiten zur Eösiing der jüdischen Eiiiigratinnsproblcine. Die l'assiiiigskraft des l.amles und seiner Naehhargehiete. Chancen der Juden in Wirtschaft und Politik der islamischen Welt. (Trietsch.) Anmeldungen an: Zionistische Vereinigung, Berlin W. 15, Sächsische Str. 8. ״Mißverständnisse“ des ״Israelit“ Der ,,Israelit“ hat die bösen Zionisten wieder einmal gefangen. In Köln, in einer Volksversammlung, haben die llerien Nachtiiu (ioltlinann und Dr. K I a I z k i n endlich eiunial wieder den wahren, religionsfcimllii'hen Charakter «les Zionismus verraten mul gezeigt, wohin der Weg geht. So scheint es nach einem ausführlichen, aiulerilialh Spalten langen Bericht, «len «las Blatt in seiner letzten Nmiimer veröffentlich(. Durch welche ״Mißverstäiuluisse und Auslegiingeii“ dieser Eindruck zustande konuncii konnte, zeigt die folgende Richtigstellung, die Dr. Klut/kiu dem Blatt gesandt hat und die er lins gleichzeitig zur Verfügung stellt: Köln, »len II. November P)I2. An die Reduktion des ״Israelit", Sehr geehrter Herr Redakteur! Ich bitte Sie um Aufnahme folgender Zeilen: Der in Nummer •E> «les ,,Israelit“ unter der Heberschritt: ״Eine Kiiudgehtiug Juiigzioiis" veröffentlichte Bericht aus Köln enthüll, abgesehen von der ten* deliziösen Darstellung überhaupt, einige grobe Eilt- Stellungen meiner Ausführungen. Es ist vollständig unwahr, »laß ich mich dahin geäußert hätte, ״daß »ler sieh zum Christentum bekennende Jude, wenn er zur jüdischen Nation wie »ler Deutsche zur deutschen stehe, als Volljudv zu gelten habe“. Ich habe eine solche Acullcrmig weder dem Wortlaut noch dem Sinne nach getan. W a 11 r ist, daß ich in Erwiderung auf die Ausführungen des Herrn Dr. Forsch, der aus meinen Worten tinliegriiiuletorwcisc eine Folgerung im Sinne der obigen Behauptung zu zielten versuchte, klipp und klar erklart habe, daß ich mich gegen eine solche Folgerung entschieden verwahre! müsse. Ebenso unwahr ist die Schhißbeinerkung «les Berichts: ,,Es gehe nicht an, «laß »ler Zionismus mit Rücksicht auf die paar Orthodoxen, die ihm, wie »ler Misrachi beweise, ja »loch schließlich nur Schaden irrtümlich betont wird, ein politisches Staatsgchihlc ist, weil ein gemeinsames Kulturhaiul die verschiedenen Stämme zu einem Volke eint. Da wir Juden seit den Zeiten eines ansschließlieh tlieokratische•.! Gemeinwesens kein Volk im Sinne «ler anderen Völker Europas gewesen sind, so ist es klar, daß wir in demselben Sinne wie diese auch I eute noch keinen gemeinsamen Kiilturinhalt hesitzen können, der das ganze, nicht bloß das religiöse l eben luulMUe. Ebenso klar ist es, daß die Forde• rung eines solchen Kulturlebens zu unseren dringend• steil Postulalen gehören muß, wenn wir ein Volkstum im Sinne der übrigen Völker anstreheii. Es gibt Zionisten, die, vorwiegend von »lern sozialen Interesse an der l lehmig «!es jüdischen Proletariats in unsere Reihen getrieben, die Kulturfrage überhaupt ad acta legen möchten und sich damit vcr'röstcn, «laß in einem jüdischen Gemeinwesen der Zukunft eine jüdische Kultur sich schon ganz von seihst heraiisbihlcii wcnle, daß man eine solche nicht ״machen“ könne, und «lall wir vorläufig nichts anderes zu tim hätten, als die in a t c r i c 11 c n Bedingungen zur Schaffung eines jüdischen Volkstums auf eigenem Boden hcrbcizuffiltrc». Diese Ansicht würde vielleicht etwas für sich haben, wenn wir uns mit der Hoffnung׳ schmeicheln dürften, «lall tatsächlich einmal alle Juden «ler Erde siel» in Zion zu einem gemeinsamen Volksleben vereinigen könnten mul wollten. 'Dann nllertlings, 8«) dürften wir erwarten, würde «ler gemeinsame Boden auch mit der Zeit eine gemeinsame Kultur erzeugen. brächten, seine Prinzipien verleugne“. Wahr ist, daß ich folgendes )׳«,sagt habe: Es ist uns ein Gclxd »ler Gcsiniiiiugsaufrielitigkeit mul -Würde, «laß nationah• Kriterium in seinem ganzen Umfang«‘ und bis zu seinen Icl/tcn Folge!uiigcn zu vertreten, ohne uns von etwaigen taktischen Rücksichten dazu verleiten zu las .eu, durch Verdunklung mul Halbheit «len. einen < Jer anderen westeuropäischen < Utliodoxeii, »ler fur die nationale Idee noch nicht empfänglich ist, fur 1111• sere Partei zu gewinnen. Die Erfahrung hat gezeigt, daß Leute, »lie ohne klare Erkenntnis unserer nationalen Grundlage gelegentlich unserer Bewegung sich aiigcsehlosseu hat, gelegentlich auch unsere Reihen wieder verlassen haben. Die!emlcn/iüsc Darstellung meiner Aiisfulirungen überhaupt nötigt mich, meinen Ü1־»l.1nke11gang, um alle Mißverständnisse aus «lern Wege zu raumen, liier kurz wicilcrztigchcn. Ich führte, wie m «lein ״Stadt-Anzeiger zur Kölnischen Zeitung" vom I. Noveuibcr in objektiver Weise bericht( wurde, folgendes aus: ״Ein Ideengehalt kann nicht »las Kriterium des Judentums bilden. I >ic Ideen des Judentums sind, gerade weil sic hohe ethische Werte reprasen* tieren, in ihrer Anlage dazu bestimmt, Gemeingut der ganzen Menschheit zu werden, und können daher nicht den Bestand der Volksiudividiialital gewährleisten. Nicht »lie Erhaltung »ler hlee, solidem die Erhaltung der nationalen I ).i'wmsüirincn, wie hebräische Sprach‘ und Kultur, kann die ׳jüdische Wesensart vor dem Untergänge bewahren. Die Be- «lingiing hierfür ist «he territoriale Konzentralum der Juden in Palästina.‘• Der Vollständigkeit halber fuge ich hinzu, daß ich 11«•eh liervorgeliohin habe: Wälireml «lie liberale Auffassung vom Wesen »les Judentums als eines bestimmlen Ideellkomplexes und einer Weltanschauung notwendigerweise «las Judentum seiner Somlerart beraubt mnl zu einer allgemeinmenschlichen Idee sich veriliielitigen lallt, lt.it «lie orthodoxe Definition »les Judentums »len Vorzug einer eugiimgicuzteii und geschlossenen Gemeinschaft. Gemeinsnm' ist beiden Auffassungen »ler Gedanke, «laß das Judentum ein Bekenntnis zu einem bestimmten religiösem «»der moralischen hlcal bedinge. Die nationale Auffassung!les Juilentiims erblickt hingegen in ♦len jüdischem Kultur- und Lebensformen, wie Sitte, Sprache und Literatur «len Ausdruck und »lie Lutwicklungsmogliehkeit «ler jüdischen Eigenart. I lochachtuugsvoll I >r. J. K I a t / k i 11. 6• AUS.ALLCR WfLT ״ Ettf/fand Die europäische Politik, die sich durch «he• kriegerischem Ereignisse auf «lern Balkan so sehr hatte überraschen lassen, ist *wenigstens jetzt rechtzeitig zur Stelle, wo es gilt, «las Fell «les Bären -- «lie europäische Türkei * 11׳ verteilen. Und da gibt es denn eine Reihe schwieriger mul gefährlicher Fragen, tun «leren Lösung sieh Berufene und Unberufene mit redlichem Fleiß»• bemühen. Und da ist denn für uns «las Schicksal Salonikis, jener ״zweiten Mutter Israels" — wie es iiisweilen in überschwenglicher Weise genannt wurde - von besonderem luteresse. Dort besitzen «lie Juden beinahe die absolute Majorität mul stellen von «len verschiedenen Eiemcnlcn «ler Einwohnerschaft «las stärkste Kontingent. Es ist nun von vcrschicilcncn Seiten «ler Vtir- Aller wir wissen ja, daß »lein leider, wenigstens iür absehbare Zeit, so );111 wie alles im Wege stellt. Wollen also diejenigen JuiIen, die Staatsbürger anderer Lautier bleiben, trotzdem zum Volke gehören, «luiin muß neben «ler Koloiiis.itioiisarbeit die Kulturarbeit als gleichberechtigt eiiilicrgelieu, wie sie sieh ja tatsächlich in «lern Bestreben, hebräische Sprache und Literatur zu fördern, schon jetzt ein Teil «ler Zionisten zu ihrer Hauptaufgabe )׳einacht hat. Aber cs gibt noch eine andere Möglichkeit als die, auf die alten Traditionen des Volkes zuriickzugreifen, ein»: Möglichkeit, die auch diejenigen zugeben werden, «lie mit Recht behaupten, «laß eine Kultur sich nicht ״machen“ lasse; sie bestellt darin, in «len gegenwärtig lebcmlcu Juden nach «len Zügen geistiger Begabung zu huschen, «lie den Juden heilte vor «len Angehörigen anderer Nationen aus/cichucn. Da drängt sieh mm «lein, «ler «lie philosopnischcu Strömlingen der Jetztzeit verfolgt, die eigentümliche Tatsache auf, daß fast alle führenden Geister auf philosophischem Gebiet heutzutage unter den Juden auzutreffeu sind, leb neune nur Namen wie Cohen, Husscrl, Kassierer, Bcrgson, Simmel, Nelson usw. — Das scheint mir zunächst einmal an und für sieb schon ein Beweis dafür zu sein, «laß die Anlage zu philosophischer Spekulation eine tief im jüdischen Volkscliarakter wurzelnde ist, sodann gibt es uns aber Material in «lie I laud, um hcrausziiarheiten, worin die eigentlich jüdische Nuance «les abstrakten Denkens besteht. Würden sich all «lie genannten Philosophen nicht als deutsche, französische usw.,

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