Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 46 (15.11.1912)
- Date
- 1912-11-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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r־ I I I I I I I I I I I I Abonnements ן »«• d>» an! Kr«.Up er. | ״jQdlichf Rundadiau" | hoilrn bei «irr K«pr<li|ion und bei atlrn Potlamiem virrlrljahrlidt 1,50 M., | auOetliaib DrutuchMntli um) Oraler• I rticb.Ungam, 2,- M.| för Mitglieder * jududirr Vereine Im Sainmellmug durdi den Verein M, V.rlag JUdlach• Itundathau ■ E. G. m. I». H. BERLIN W. 15, SlcEilacEr Str.0. I. Telephon: Amt Uhland 855. Ceuli'iltxtundrn: 9-1 und 5~7 Uhr, auSer Sonnabend und Sonntag. u י״י״יין n n\ r n! '\! ו ד 1!! 1 1 ן ^׳י• י , 1 ׳! f \\ 1O lJ u ע^ס 1. •Wni O rx o r״ Wea^ La«, n nn n> \! (! j ׳ Vadid I I I 1 1 1 B I I I I I Anzeigen koaten für die a*»l1*ge1palient Petit•!eile oder deren Kaum •10 l’f. j Siellea• Angetwte und •Ceeurhe •«wie Vereine• Mitteilungeo und »Kleina Ameigea* O □ nur .10 Pfennig. Q Q Manuikripte werden, wenn Porto beiliegt, atrla lurürlfgriaadb KedaktinnaachluMr Mittwoch Vormittage. Redaldloa JOdlaclia Rundaihaa BERLIN W. 15, SleJialtche StraOal. Telephon 1 Amt Uhland MS. Spreobituoden Diemtag und Donoaratag 5—6 Uhr nachmittag•. m I I f I I I I I I I I I £k LLd d 0 K n חף nnr\nQfT־n vj L j j t U O u ס /o cר־-/ 7־ r f /'(־*> I V-J u Y׳m1G Nummer 46 Berlin, den 15. November 1912 — 5. Kislew 5673 XVII. Jahrgang Ausweis Schekel: Hamburg 120,-*, Mnmlien II, •״, Greifswald I, - Berlin I I,- , ״Hvr/Iiah"-Herb11 13,—, Lübeck l,~ M. Landesorganlsatioiisbeitriigoi 1. Ortsgru pne 11: Freiburg i. Hr. 3, Her* lin 3,-, B.Z. V. 15, ״ M. 2. Einzelpersonen: l)r, M. Hoffmann, München, 10,—-, b. Miltner, Eydtkuhucn (letzte Rate), 6,— M. 3. Verschiedene Spenden: <ir. Streit* litz 2,25, Kattowitz —,50, Merlin 2,—, ILimburg I, - M. Eingang vom 6. bis 13. Novembert Sc 11 ekel: 100 M., I. a u d c s o r g 11 u i s a t i <> 11 s b v i t r ä g e: 42,75 M. Gcsamtcingang: Schekel: 70(10,50 M., L a 11• d e s o r g a 11 i s a t i o n s b e i t r ä g c: IS 051,31 M. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vcreinigung für Deutschland, Merlin W. 15, Sächsische Stralte 8. Postscheckkonto: Berlin 809], Bank* konto: A. H. Heymann & Co., Uerlin, Unter den Linden 59. Der moderne Hebralsmus Von Josef Lin* Merlin. Der moderne Hebraist befindet sich in einer einst* weilen noch tinltarmonisclten Lage. Das Hebräische ist ihm ein nationales Grundcicment — ohne jedoch sein intellektuelles Sein ganz oder miclt nur vor* nchmlich auslullen zu können. Er kennt mul genießt allgemeine Literaturen — «ml litt Vergleich mit ihnen muß ihn die ilnn aut nächsten stellende nicht voll befriedigen. Geneigt, größere Maßstähl• aiuuwciuleii, findet er das neuhcbräisclu׳ Schrifttum zu sehr he• grenzt. Gewiß sind die Mialik, Czcrnikowski, Schncnr, Metulcle moclter Sephoriin, Frischmnmi, Sokolow, ßrainin, Bcrdyczcwski, Hen-Jchuda, Ncnmark, Hem* fcld, Achad Haam schaffende Kräfte, die jede moderne Literatur zieren würden. Wie klein ist aber doch die Zahl dieser Schaffenden, wie beschränkt das Maß ihrer Schöpfungen im Verhältnis zur Literatur irgendeiner anderen Nation! Ein paar Tageszeitungen, einige Monats• und Wochenschriften — das ist die gesamte hebräische Presse, die den Hauptbestandteil des ncuhehräisclten Schrifttums bildet. Das Erscheinen eines neuen Itc* bräischcii Uuclics ist jedesmal fast ein Ereignis — mitunter nicht so sehr wegen seiner inneren lledeu* tung, als wegen seiner Seltenheit. Und dabei ist das Hebräische das einzige Nationalgnl, das wir wirklich besitzen! Und dabei sind wir von jeher ein ״Volk des Huches'1 — und ein rastlos kulturschafiendcs Zehn-Millionen-Volk! Wie viele von diesen zehn Millionen lesen die hebräischen Zeitungen und Bücher? Wie groß ist der Wirkungskreis der hchräisclien Schriftsteller? Und wie leben sic? Unser größter Dichter ist — Buclulruckcreibcsit/er. Unser bedeutendster Denker — llnmlelsangcsteüter. Und die anderen plagen sich zumeist im harten Kampf ums Dasein-- Das sind im allgemeinen die Gedankengänge des modernen Hebraisten, für den die hebräische Re* naissancc einen nationalen Lebensinhalt bildet. Es wäre jedoch irrig, daraus Schlüsse auf eine über* wiegend pessimistische Orumlstimuimig der Hebräer• kreise zu ziehen. Das Unhefriedigtsein mit dem Gegenwärtigen bedeutet da nicht Resignation, sondern einen Ansporn zu weiterem Streben, zu intensiverem Kämpfen. Denn nur durch Kampf kann unsere Natio• nallitcratur und •kultur, wenigstens in der Diaspora, erhalten und gemehrt werden, durch Kampf gegen eine Welt von Einflüssen, die uns umfangen, Diesem Kampfe ist es zu verdanken, daß unsere nationale Literatur überhaupt eine Fortsetzung und Weiterem* Wicklung stetig findet; daß die vor einem Menschen* alter ausgesprochene Befürchtung Jc 1111 da Lob Qordons, er würde der letzte hebräische Dichter sein, nicht in Erfüllung gegangen ist. Nicht nur ist jene Befürchtung keine Wirklichkeit geworden — ״Der ZtonlomuM erstrebt für da■ jßdindio Volk die Schaffung einer Cffcnt• üch-rcchilich gesicherten Heimstätte ln Palästina•“ Baseler Programm• dischen Urgeistes, der nach langen Irrungen und Metamorphosen im NeuliebraiMiuis den Weg der Einkehr angetreten hat. itn Suchen nach dem Eigen* wesen aber ist schon der Erfolg des Sichfindcns verbürgt. wir sind vielmehr seither doch beträchtlich viel weiter gekommen. Die Zeiten sind doch vorüber, da ein hebräischer Schriftsteller dem Zcitungsredaktcur ,,Honorar״ für das Drucken seiner Beiträge gab; da der Verfasser eines hebräischen Buches gezwungen war, Subskribenten für sein Werk zu suchen, um es erscheinen lassen zu können. I lenk• haben wir im Hebräischen ein mildern organisiertes Verlagswesen und eine Presse, die zum größten Teile ihre Mit* arbeiter verhältnismäßig gut zu honorieren in der Lage ist. Vor allem aber ist ein innerer Fortschritt zu verzeichnen. Die Sprache selbst hat eine eminente Fortbildung, eine vielseitige Bereicherung an neuen Begriffen und eine stilistische Modernisierung er* fahren. Das Gebiet, das die hebräische Literatur um* faßt, ist auch sachlich ausgedehnter und umfassender geworden. Auch ist jetzt die Hehaiullungs a r t, die Diktion in der Darstellung eine ganz andere, kon* kreter, mehr Ichcnstrcu, künstlerischer. Lin erfreuliebes und vielversprechendes Symptom ist die he* ginnende Spezialisierung in der periodischen Literatur. Da besitzen wir ein ausgezeichnetes päd a g o g i s c 11 c s Organ in der in Palästina erscheinenden Zweimonatsschrift ״II a ch iuueh״, die auf das ge* snintc hebräische Erzichungswcsen befruchtend ein* zuwirken berufen und geeignet ist; die von S. Hurwitz in Berlin herausgegehenen Sammclhändc ״Hcatid“, die der wissenschaftlichen und kulturellen Ergrün* düng des Judentums gewidmet sind; die neuhegrün* dete Monatsschrift ״llnsnplinh“ in Petersburg zur sprachlichen Erforschung des Hebräischen; die in Paläslinn erscheinende Jugend-Zeitschrift ״Mole* d c 111", die übrigens soeben in dem Dichter und Pädagogen J. Fichmanu einen neuen Redakteur er* halten hat; die ebenfalls in Palästina herausgegehenen Parteitilättcr für die Arbcitcrintcrcsscn ״llapoel lia/.air" und ״Aehduth", von denen namentlich das crstcrc von allgemeiner literarischer Bedeutung ist. Diese Spezialisierung in der hebräischen Presse ist ein Produkt' der jüngsten Epoche und zeigt, daß das Hebräische nicht nur theoretisch, sondern auch faktisch in immer steigendem Maße eine ״Sprache des Lehens" und seiner vielfältigen Acuße* rmigen und Bedürfnisse wird. Eine wesentliche Be* cmilusstmg mul Förderung findet die, Belebung »ler hebräischen Presse und Literatur in dem Gebrauch des Hebräischen als Umgangs* und Verkehrs* spräche, die in Palästina ihren Mittelpunkt hat, aber auch in der Diaspora entschieden im Wachsen begriffen ist (der Einfluß Palästinas auf die Golus* Linder offenbart sich hier vielleicht mehr als auf irgendeinem anderen Gebiete.) Oie Renaissance unserer Nationnlspraelie ist heute nicht mehr bloß ein Traum weniger Schwärmer und Idealisten. Sie wird greifbare Wirklichkeit, langsam zwar, unter stetem Kämpfen — aber sie wird cs. Die Sprache ist hierin der treue Spiegel unseres allgemeinen natio* ualcu Streben« und Wirkens. Wir kommen weiter. Gewiß wollen wir auch fernerhin fortfahren, ״unbe* friedigt" zu sein, größere Maßstähc anzuwenden, unsere Forderungen nicht zu bescheiden zu bemessen, — Dabei wollen und dürfen wir jedoch das Erreichte nicht unterschätzen. Der Vergleich mit anderen Völ* kern und Literaturen diene nur als Ansporn zu vcr* stärkten! Eifer und umfassenderem Streben; der Vcr* gleich aber mit unserem eigenen Ausgangspunkt und einstmaligen Zustande gebe uns Vertrauen in die Kraft unseres Willens. — Von diesen Triebkräften beseelt, schreitet das Hebräcrhccr auf seinem Knmpfespfnde weiter — nicht übermäßig groß an Zahl, aber desto zäher und be* iiarrliclicr in der Erfüllung seiner historisch-nationalen Aufgabe; nicht ohne Verbitterung zwar und mitunter begleitet von den Stimmen der Selbstironic, aber unerschütterlich im Olaubcn an die Macht des jü* Die jüdische Rasse und ihre geschichtliche Bedeutung Referat f >r. Fr. O p p e n 11 c i m v r s, gehalten im Mer* liner ״Verein für pubsehv Geschichte und Literatur“. Der Vortrag, den Dr. Fr. Oppenheimer iin ״Verein für jüdische Geschichte und Literatur" hielt, war weniger ein Vortrag über das obige Thema, al* vielmehr ein allgemeines nationalökonomischcs Kolleg. Ausgehend von den teleologischen Dcutungen des Weltgeschehens, die man heute vollständig mifgcgvlien habe, erwähnte er kurz die heute noch bestehenden k a u s a I c n Theorien und stellte den üblichen Formulierungen seine eigenen gegenüber. Die Rassentheorien gehörten zu den einseitigen Geschichtsauffassungen. Man habe seine Reden auf dein Soziologcntag iiiißvcrstandcn; er habe nur gegen die Rassentlieoretikcr zu Felde ziehen wollen, die nichts keimen als Rasse, Rasse und noch einmal Rasse. Dagegen gehe er zu, daß vielleicht Kunst und Metaphysik auf spezieller Begabung beruhten. Die Rassentlieorie aber, die die Wanderungen eines Volkes aus seinem Wamlergeist, seinen Handel aus seinem I landelsgcist erkläre, stehe auf demselben Standpunkte, wie der olle Bräsig mit seinem Aus- Spruch• die große Armut komme von der großen paiivretc. Er, Oppenheimer seihst, habe verschiedene Erscheimiiigcn des geschichtlichen Lebens, die man früher aus der Rasse erklärt habe, ohne• Rasse erklärt So sei z. Bi das Entstehen des Kapitalismus nicht auf ״kapitalistischen Geist", wie Sombart meinem zuriiek/uführen, sondern der Kapitalismus trete überall dort auf, wo Freizügigkeit und Großgrundbesitz vorbanden seien. — Ebenso irre Sombart in seiner Psychologie der Juden. Der jüdische Scharfsinn erkläre sich aus da Vielsprachigkeit der Juden. Wer mehrere Sprachen kennt (wie die Juden die Landes• und ihre heilige Sprache), der verstehe Wert und Begriff zu trennen, und das sei Scharfsinn. (Heute sind doch aber die Juden wenigstens in Deutschland nicht mehr vielspreehig als die Umgehung, hebräisch können sic nicht mehr; Scharisiun wird uns trotzdem noch nachgerühmt; also wird wohl die Vererbung mitspiclcn müssen. D. Rcf.) Es bleibe nur noch der Rest zu erklären, warum sich die Juden nicht haben unterkriegen lassen, und darauf sei die Antwort, die Juden seien eine Herrenrasse, weil die Unterschicht uiitcrgegangcn sei, und wer einmal von Kopfarbeit gelebt habe, tebe nie mehr von Uandarhcit. (Hier spielt also wieder einmal die Vererbung mit. I). Rcf.) Seine zionistischen Freunde hätten ihm vorge* würfen, er sei Anhänger der Milieutlicorie; er weiche aber in wesentlichen Punkten von der alten Milieutheoric ab. Allerdings halte auch er an der absoluten Abhängigkeit des Individuums von der Gruppe, und der Gruppe von der Umwelt fest. Doch habe er ein neues Moment in die Milieutlicorie hincingcworfen, die höchst wichtige Unterscheidung zwischen ökonomischen! Mittel und ökonomischen! Ziel. Oppenheimer geht »Udießlich auf die Grundlagen der Rassentlieorie ein. Zuerst glaubte man in der Sprache ein Rassenmcrkmal gefunden zu haben, das hat man aller späler aufgegeben. Auch die Schädellheorie ii.it versagt, und schließlich ist man auf seelische Eigenschaften verfallen; aber Abncigungen bestehen nicht nur zwischen Rassen, sondern auch zwischen verschiedenen Gruppen derselben Rasse. Nach dieser ״langen Einleitung", wie Oppenbeimer sagte, kommt er nun zur Nutzanwendung auf die Judcnfragc. Die Stadien, die das jüdische Volk