Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1912-10-02 · Heft 40 (2.10.1912) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVII (1912)
Issue
Heft 40 (2.10.1912)
Date
1912-10-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2651273-2651763-2651802--08582-2665839
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

beite 382 JUED1SCIIE RUNDSCHAU Nr 40 destens!•'res. 50 und die weitere» sollen mindestens Frcs. 10 betrogen. Die Frist zur Vollzahlmig eines Hauses wird bis Ende 19KJ festgesetzt. Jedes voll eingczahlte 1 laus wird unter einer bestimmten Nummer in einen künstlerisch ausgestatteten Kataster eiligetragen und das zu errichtende Haus in Palästina mit der gleichen Nummer versehen. . Das Direktorium fällte ferner einen Beschluß, der gewiß unsere Gesinnungsgenossen mit Hcfriedigung erfüllen wird. Da sich nach der Uereclmuug von Architekten und sonstigen Sachverständigen ein Arbciterliaus selbst aus Stciumntcrial auf höchstens Frcs. 700 stellt, soll nun für den Rest der Eres. KHK) 1-2 Dtinam für Hof und Garten erworben und für jedes I laus zur Verfügung gestellt werden. Natürlich soll das alles den Arbeitern nicht geschenkt werden, sondern sie sollen dem N.-F. solange eine Miete entrichten, bis der investierte Betrag zu angemessene» Bedingungen verzinst mul amortisiert ist. Der Grund und Boden soll dauernd Eigentum des J. N. F. bleiben. An unseren Gesinnungsgenossen und den Freunden des Nationalfonds ist cs nun, diesen schöne» Gedanke», der die jüdische Kolonisation im heiligen Lande um ein mächtiges Stück vorwärts bringen, wird, in möglichst grollem Mallstabe verwirklichen zu helfen. Wir erwarten, dali jeder bewutite Jude seine Pflicht gegenüber tmsern tapfer» Pionieren, die ganz andere Opfer für unser Ziel bringen, erfüllen wird! Das 11aupt b ur e au des Jüdischen Nationa 1 fonds. Agudah und Misrachi Wir lesen in der ״Misraihi-Korrespondeut“ Nr. 0 folgende Ausführungen: Herr Ch, M. Fill-Zürich polemisiert im ״llamodia“ gegen die Resolution, die der Misrachi auf seiner lei den C. C.-Sil/.ung gegen die Agudah gefaik hat. Der Ton seiner Ausführungen ist im ailgemeinen so unhöflich und unsachlich gehalten, daß man sich eigentlich damit begnügen könnte, den Artikel niedriger zu hängen. Aber die Persönlichkeit des Herrn Eiß interessiert uns. In früheren Zeiten Misrachist, wandelte er seit einiger Zeit seine Auschaumigen. Wir sind weit entfernt, ihm diese Wandlung zu verübeln. Aber er wandelt sieb fortgesetzt. Er findet z. B. in den Breuerscheii Ausführungen nicht so Arges und meint, dieselben Argumente wären schon wiederholt öffentlich zum Ausdruck gekommen. Eine Beschimpfung bleibt u. E. eine Beschimpfung, auch wenn sie wiederholt wird. Sie wurde auch als solche von allen Teilnehmern der Kattowilzcr Konferenz empfunden und verurteilt — auch von Herrn Eil), der über die grobe Art empört war. In seinem Herzen zitterte damals wohl noch eine zioinstische .Saite leise nach. Jetzt scheint sie ganz verstummt. Herr Eiß ist jedoch nicht genügend unterrichtet, wenn er meint, am; unserer Resolution spräche die Verärgerung darüber, daß wir weder zu den Vorverhandlungen noch zu den Beratungen der provisorischen Kommissionen hinzugezogen wären. Wir wissen uns von persönlicher Eitelkeit frei. •Was uns und andere gutjüdische Kreise befremdet, ist die Tatsache, daß nach dem Wunsche der Initiatoren die Agudah eigentlich gar keine Agudah sein soll. Das wäre ein merkwürdiger אגוד , der mir einen ניץ umfallt! — Wir halten kein Verständnis dal»', daß mau erst einer Art Agmtah-amtlicher Bestätigung bedarf, um als wahrer Jude Geltung zu haben. Wir müßten keine Ehre im Leibe Italien, wollten wir unsere Stimme nicht dagegen laut erlichen, daß inan uns eine Vereinigung von Gottesleugnern nennt. Wir bezweifeln, daß man Glück damit bähen wird, die in Aussicht stehende grolle Versammlung der Agudah zu einer Art Katholikentag zu gestalten. Ketzergcrichtc sind nicht mehr zeitgemäß. Und I lerr Eiß appelliert an sehr niedrige Instinkte seines Leserkreises, wenn er dem Misrachi den Vorwurf macht, ״er stelle seinen Parteislaiulpiuikt höher als die הורד. הקתיצה Schlagworle von solch verleumde- Tischer Art wirken wie Gift. ,גיריד באגדגא דטווזא «־AUS ALLER WELT :: lünfjland Der Missionsuufug in London hat neuerdings einen derartigen Umfang angenommen, daß man sich auf jüdischer Seite zu energischer Abwehr entschlossen hat. Die bestehenden Organisationen erlassen In den Zeitungen Aufrufe als ganzseitige Inserate, in denen jüdische Ehern aufgefordert werden, ihre Kinder vor den Qeschenkcu und sonstigen Verlockungen der Proselytenmacher zu warnen. Galizien f Die angekiindigte Konferenz ' der galizischen akademischen Jugend fand Mitte September in Drohobyez statt. Es wurde beschlossen, einen Verband der I loehsdmljiigend zu gründen und einem Exekutivkomilee die Ausgestaltung dieser Organisation zu überlassen. * Die Agitation ,des Gg. Dr. Zipper für das hebräische Gymnasium zeitigte bereits schöne Erfolge. Bis jetzt sind 000 Kronen gesammelt worden. Dr. Zipper wird in den nächsten Tagen weitere Ver- Sammlungen zugunsten des Jerusalemer Gymnasiums abltallcn, rhisnlftHfl Anläßlich des 10jährigen Todestages Autokolskis würdigt die ״lta/ifirah“ Antokolski als Juden. Der grolle Künstler, dessen Atelier von den höchsten Persönlichkeiten besucht wurde, arbeitete nie am Samstag und an den jüdischen Feiertagen. Seinem Freunde Gurewitz schriet) er darüber wie folgt: ״Du hr!liehst Dich hierüber nicht zu wundern. Ich weiß, ich bin ein sündhafter Mensch. Aber den heiligen Sabbat entweihe ich nicht. Zeit meines Lebens war ich gewohnt, diesen wunderbaren Tag der Rnlic mul des einsamen Gedenkens zu hüten und zu achten.“ Antokolski kam einmal von Petersburg nach Wilna in der Uniform der Kunstakademiker. Die gelben Knöpfe der Uniform trugen die Aiifaiigsbuchstaben Antokolskis Namens in hebräischer Schrift. Ein Freund bemerkte dies und machte ihm deshalb Vorwürfe, Antokolski erwiderte erregt: ״Es ist für mich eine Ehre, Jude zu sein! Jeder soll wissen, daß ich Jude hin!“ * Am 1. September, russischen Stils, an welchem sich die Ermordung Stolypins jiihrte, veranstalteten die Führer und zahlreiche Mitglieder des nationahstiseli-antisemitisdieii Vereins der ״Zweiköpfige Adler“ in Kiew blutige Ueberfälle auf die Juden dieser Stadt. Unter dem Schlachtrufe ״Gedenket ries l. Septembers!“ zogen diese Leute durch das jüdische Wohnviertel und überfielen jeden Juden, der ihnen in die Quere kam. Mehrere Juden wurden schwer verletzt und mußten ins Spital transportiert werden. Wie gewöhnlich schritt die Polizei entweder gar nicht ein oder kam zu spät. * Griechen?and Zum ersten Male ist hier ein Jude, Herr Iliskia Sciaky, zum Richter ernannt worden. Herr Sciaky stammt aus Larissa und ist einer der eifrigsten Anhänger des zionistischen Gedankens im Lande. Türkei Der Jtisli/.iniiiister hat dem Großrabhinate durch die Vermittlung eines der Mitglieder des Medschliss Dscliismani bekanntgegeben, daß das offizielle Pressebüro»» aufgefordert worden ist, den Direktoren aller Blätter Weisungen dahingehend zu erteilen, daß jede Kampagne gegen die Jude» z.n vermeiden ist. — Außerdem steht die Regierung im Begriff, ein Geset/esprojokt auszuarbeiten und der Kaiserlichen Sanktionierung zu unterbreiten, welches alle Angriffe gegen irgendeine der nationalen Gemeinden verbietet. Amerika Lim׳ sehr empfindliche Stelle im Programm des Präsidentschaftskandidaten ist die Stellungnahme zur Emigration, Da müssen sie vorsichtig sein, um bei keinem der beiden Teile aii/ustoßcu. Speziell der demokratische Kandidat, Professor Wilson, der sielt vor Jahren in seinem historischen Werke tmgemein wegwerfend über die Emigration äußerte, bekommt dies jetzt empfindlich zu spüren in mehreren jüdischen Zeitungen. Wiisun versucht also zu reagieren und hat zu diesem Zwecke dem Redakteur der ״Wahrheit“ (jüdisch-sozialistisches TagblaU) ein sehr ausführliches Interview gewährt -- aus dem man nicht klug wird. Herr Wilson windet sich, er möchte Emigranten haben, doch mit — aber. Und darauf wollen die jüdischen Emigranten nicht ein* gelten; sie fituleu, daß der ״Aber“ bereits genug seien. So dürfte Herr Wilson bei den Wahlen noch Ueberrasclumgcit erleben. PALfleSTlRS-'RUNO'S'CHflU Der Si'lmliuspektor für den Odessacr Bihlungsrayott hat den Beamten Barbnschcw seiner Stelle enthoben, weil er seinerzeit die russische Erklärtmg gegen die Ritualniordheschuldigimg mitunterzeichnet hat. * Aus P e t h a e h T i k sv a h wird geschrieben: Im ühgclaufcucu Schuljahr wurde die hiesige Schule von ca, 200 Schülern und der Kindergarten von ca. 10(1 Kindern besucht. Die hiesige Talmud-Thora wurde von 210 Knaben und 120 Mädchen besucht. Zu- Kämmen also gab es bei uns ca. 600 Schulkinder, i gewiß eine Zahl, die das ständige Wachstum uusercr Kolonie beweist, — Die Kinder der Verneinten sind /um größten Teil noch ohne jeden Schulunterricht. Das wird hoffentlich anders• werden, sobald die Verneinten in ihre Häuschen einziehen und au einem Orte konzentriert sein werden. Das hebräische Gymnasium in Jaffa ist bereits von den Jerusalemer Behörden bestätigt worden. Herr Dr. M os s i 11 s o 11 n , der jetzige Direktor des Gymnasiums, ist nun »ach Kotistantinopel abgereist, um dort die endgültige Legalisierung der Schule ilurclizufüliren. Das Programm der P a I ä s t i 11 a r e i s e des Heim Dr. Grunwald, auf die wir bereits mehrfach!»»wiesen, lautet: Freitag, den IS. Oktober: Abfahrt, Triest. — Montag: Ankunft in Alexandrien, Empfang dureil Rabbiner Pergola, Besichtigung der Synagogen. Nach Kairo. - Dienstag: Besieh»* gimg der Pyramiden, Museen, Alt-Aegypten, Ramb.im. Synagoge, Empfang heim Ghaehamhaselii, Besuch der Synagogen. — Mittwoch: Besichtigung der Kitalifeiigr.ilwr mul Alt-Kairo. - Donnerstag: Zoologischer Garten und Bazare. — Freitag: Neu-Kairo, Schulen und Bazare. — Samstag: Synagogen, Rahbiiiatc. — Sonntag: Nach Port-Saul, nach Jaffa. — Montag: Jaffa, Rabbiner Kuh, Tcll.miw, Uvinii.'isium, Taelikemoui, Talmud Thora, nach Jerusalem, hier Empfang durch Rabbiner llorovicz. - Dicnstag: Klagemauer, Oelberg, Königsgrühcr, Zion, Schulen, Jcschihot, Hospitäler. - Mittwoch: Jerielto, Jordan, Totes Meer. — Donnerstag: Ik•- Adel, Wohlfalirtsanstalti». — Freitag: Rachels Grab, Saloiiions Teiche, I Icbron, Abend': Klagemauer. — Samstag: Synagogen, Bibliotheken. - Sonntag:'Ramie, Kcchohoth, Neß-Ziona, Rischoi! |c Zion, Mikwe Israel, Jaffa. — Montag: Pethaeb Tikwa, retour Jaffa, ab nach Port-Said, - Dienstag: An Port-Said, abends Alexandrien. - Für den Bestien Ga* liläns sind noch weitere sieben Tage erforderlich. Hierüber ist eine Entschließung Vorbehalten. Der Preis für sämtliche Erfordernisse ist für Aegypten mit 26, für Palästina mit 21 Fres. nro Tag imd’Persou attgegesetzt. Nähere Auskunft erteilt Dr. üriiuwald, Wien XV״ Mariahilferstraße 1117.% TURneii 5.sport Oootswclhe Der $. September war tiir die Rtider.ibiejliuig des jüdischen Turnvereins Bar-Koehba zu I Limburg ein großer Tag, Dank der Beiliilte der hiesigen Logen und einiger Privatleute war sie in den Stand gesetzt, entsprechend der Zunahme ihrer Mitglieder und insbesondere der ausgehildeten Mannschaften ein neues Boot zu Wasser zu lassen, und /.war einen schmucken Zweier. Zu einem besonderen Ereignis wurde die Einweihung dieses Bootes durch den Besuch zweier Vicrcrlmotc der Rtulerabteilmtg des V. J. St., Berlin, gestempelt. Diese hatten die außerordentlichen Multen und Strapazen, die sie vor allem auch wegen des schlechten Wetters zu überstellen hatten, nicht gescheut, um dem feierlichen Akte beizuwohnen und ihren rudcrhriidcrlichcn Gruß zu überbringen. Soweit der Berichterstatter orientiert ist, haben die Berliner Ruderer den grollten Teil der F'alirt durch Spree, Havel und Lilie, bis Wittenberge zu Wasser zuriickßologt und haben sieh mm durch das zunehmend schlechte Wetter veranlaßt gesehe», die letzte kurze Strecke auf einem Llbsclilcppcr bis iialte vor linuibiirg /uriick/ulegcii. Die Hamburger hatten es'sich nicht iichmeit lassen, In frühester Morgenstunde in zwei Barkassen, von denen eine die hier anwesenden V. J. St״ die andere den Vorstand der Bar-Kochba und die Itiesige Rmlermnnnsehaft faßte, ciu/uholcn. Die freudige Begritßmig fand kurz vor Ochsenwärdcr statt. Inzwischen hatte sieh das Wetter aufgeklärt, und heller Sonnenschein begrüßte die auswärtigen Ruderer in Mamburg. Nachdem die Begrüßung stattgefimden hafte, begatten sich die Ruderer in ihre Boote und ruderten unter Fijhrimg der beiden Barkassen tUucW die Schleusen auf die Alster. Inzwischen hatte sieh die Itiesige Rtidcrmaimschuft gleichfalls in ihre Boote begeben und war von ihrem Bootshaus auf der Uhlenhorst den Berlinern eiilgegcngefaltreu. Unter dem Jubel der Zuschauer, die sich au den Ufern der kleinen Alster gesammelt hatten, fand die Begrüßung der beiden Mannschaften »ach Rudererart statt. Mittags um 1 Uhr begann die feierliche Bootsweihc. Zahlreiche Gaste, Vertreter der Loge» und sonstiger Korporationen, hatten‘ sich ciitgcfimdeii. Rahhincr Dr. Sonderling, der Präsident der Steinlhallogc, hielt eine begeisternde Rede und weihte das 111*01« mit einem Glase echten Palästina-Weines ״Macabi“. Indem er auf die Sytnbolik des Namens hiuwies, gab er dem Boot den Waltlspruch mit auf den Weg: ״Mi chomauclto“ (wer ist Dir über?). Der Steuermann der hiesigen Rudernbteilung, Rabbinowitz, versicherte in kurzen Worten, daß die Rmlermannscliait siel» bestreben würde, sich des in sie gesetzten Vertrauens würdig z.u zeigen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.