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Jüdische Rundschau · 1912-09-25 · Heft 39 (25.9.1912) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVII (1912)
Issue
Heft 39 (25.9.1912)
Date
1912-09-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sehe *372 J U EDI SCH E RUNDSCHAU \', 3<> i- ו r I vi kl f ׳ ו sehen Volkes «!im-* andere Lösung als «len Zionismus nlclit ^cl»c, li&ttc ich begriffen; mul w«*1111 ich denen gehörte, für die er der letzte Ausweg war, dann mochte ich mich nicht damit ausnuten, daH ich die Ic* •c zwar billige, aber nicht an itire Ansführbarkeit glaube. Als 1812 das zertretene Preuße» sich aufraiftc zu dein furchtbar schweren Kampfe, da konnte wahrlich keiner den Tarnenden, die auszogen, da:. Gelingen vorher garantieren; aller cs war das einzige Mittel, und da cs kein anderes gab, so bissen sic die Zähne zusammen, nahmen die Flinte auf die Schulter und gingen. Und weil nicht neun Zehntel erst verlangten, daß »f.in’s ihnen vorher schriftlich gebe, sondern glücklicherweise auch die Düntm! len dieses bißchen primitive Logik hatten, die Logik des letzten Auswegs, so gingen sie alle, und gerade darum wurde etwas aus der Sache. Also nur darum konnte es sich handeln: ״dehörst du 11m dazu oder nicht?‘' ich habe nlclit mehr viel tlhcrlegt in diesen «11 e» lagen; als ich damit «nfaigcn wollt«•, sali ich, «lall ich eigentlich nichts mein zu tihcrlcgci» halte; «In gehörst eheii da/u, mit «leinem ganzen Denke» und Fühlen, mit all deinen Kräften und all «leinen Wünschen; suche dir nichts menr vor/umachcn, du mußt einfach, weil du nicht anders kannst. Und doch war auch dies ein furchtbar schwerer Schnitt: achtunddreißig Jahre alt gab ich meinem Leben vollkommen neue Riehtung und neues Ziel; in dem Leben, in «las ich nun eintrat und das mich ganz verlangte, war mir vieles, Menschen und Dinge, ganz, fremd, lind ich wußte nicht, ob und wie ich damit fertig werden würde. Ich hatte niemals ernst gekämpft, lind jetzt begann für mich ein bitterer Kampf, bei dem alle, die mir bisher nahcgcstnmlcn hatten, Bekannte, Freunde, die ganze Gesellschaft, in der ich lebte, gegen mich standen; seihst die Liebsten, tlie ich in der Welt hatte, waren nicht auf meiner Seite. Als ich meiner l'rau sagte, daß Ich soeben «1er /ionislischen Ortsgruppe meinen Eintritt nngemddet hätte, stürzten mir vor Innerer Erregung die Tränen aus den Augen. Es bereitet mir immer noch eine heitere Freude, wenn Ich mich daran erinnere, wie sich damals meine Bekannten verhielten. Zuerst versicherten sie sich gegenseitig beruhigend, das wäre bei mir eine ״aufsteigendc Hitze“, und ich würde sicher bald wieder zur Vernunft kommen. Als aber die Aussichten auf die Wiederkehr dieses mir für die Vcrgangenheit 80 freundlich attestierten, wertvollen Ucsitztums in demselben Maße geringer wurden als die Anzeichen für meine Unvcrbesserh'chkeit sielt mehrten, da fanden sie in einigen bedenklichen Seiten meines Ch.mkters einen milden Trost für den ilrgerliehen Mißerfolg ihrer Prophezeiungen. Per eine meinte: Na ja, nun hat er mal angefattgen, nun will er natürlich nicht zurück. Ein anderer, der zwanzig Jahre lang Gelegenheit gehabt halte, mich in seinem Sinuc jüdisch zu beeinflussen, und der in der letzten Zeit wahrlich dazu getan hatte, was er konnte, erklärte einfach: er läßt sich eben zu leicht becin- Bussen. Tröstlich war cs mir, daß etliche bekannten, sic könnten das Ding doch nicht recht verstehen, da ich doch sonst ein ganz verständiger Mensch wäre. Das habe ich dann bescheiden auf meiner Debetseite verbucht. S c h a \v t i. RUNDSCHAU DER PRSSSS /frankfurter Israelit* Fa tu Hirn b/a // lieber d c Steilung der zionistischen Partei zu ״Achad Haam'‘ und seinem Programm des ״geistigen Zentrums“ sind die Ansichten in unseren Kreisen heute noch geteilt. Beide Parteien werden cs jedoch begrüf:?11, daß seit dein Erscheinen des hekannten Artikels Achad Haatns im ״Flaschiloach“ die Streitfrage zv ischen Achad Haamismus und politischen Zionismus - mag. man ihr mm eine mehr oder weniger pri zipiclle Bedeutung heimessen —, cifriger denn 3 «vor diskutiert wird, Beu Ko hc leih hatte in uns rein Frankfurter Uriiderorga» einen Artikel veröffentlicht, der sich entschieden gegen die Anschauung« ׳, Achad Haams und deren Vordringen in zionistisch n Kreisen wandte. Ihm erwiedert David Tachaucr vom Standpunkt der Achad Haamistcu. In seine! Duplik resümiert Ben Kohclcth: ״lin Gol.iih die Regeneration des Juden herbeiführen zu wollen, *wie es ,Achad Haam will, »st unmöglich und absurd. Dies ist erst in Palästina, in einem gesunden Milieu, möglich. Erst müssen wir neue Juden!iahen, bevor wir nach Palästina gellen können, sag Achad Haam. Demgegenüber sagen wir mit Herd: Erst müssen wir nach Palästina, und dort erst Waden wir neue Juden werden können. Uns dünkt, dieser Weg ist nicht nur schöner, sonüern auch — praktischer. Hier zeigt sich eben wieder jene große Wahrheit, von der die sogenannten ״Praktiker“ — d. 11. die , nüchternen Alltagsmenschen — keine Ahnung haben. Die. schcinb.r größten Phantasten, die Propheten, die Intuitive Qenicn, die Künstler sind in Wirklichkeil auch die größten Praktiker. Nur zeigt sich ihr praktischer 811111 nicht über Nacht, Mindern im Laufe «ler Jahrzehnte und Jalirhtmdcrlc. Um ans all dem das Fazit zu ziehen: Für die kleine Alll.1gs.nin it für «las langsame VorwürKßchcti können wir oft Aciiad 1 laaui folgen; was «las große Ziel («kr neue Jude), was die große Richtung des Weges zum Ziel (zurück imch Palästina) anlangt, mul) I ler/1 unser einziger Führer Weihen. Achad llnanis Vorschläge als Mittel 'zur Realisation «ler Ziele ller/ls; nur soweit kann 11(18 Achad liaaiil iiul/cu und fördern." ' iTolouinfe fiur.rfrchrru, /Irr/in Diese im Verlage von Dietrich Reimer, Berlin, erscheinende 1 laibmoiiatsschrift bringt einen sehr instrukliven Aufsatz aus «!er Feder des auf dem Ciiemnitzer Parteitag ausgeschlossenen sozialdemokratistheii Kolonialpoldikers (ieriianl 11 iId e b r a 11 «I. Der Verfasser zeigt sieh von geringfügigen liiluninii .ihgcsehcii sehr wohl imtcniehtet über iiie.rrc Bewegung und hat sieli mit;imikeiiiieiiswerter (liiind• lichkeit m 11 «ler zionistischen Literatur von ihrrii ersten Anlängen an befaßt. Nachdem er kühl und sachlich «lie Uhanccn «les Zionismus abgewogen hat, kommt er zu folgendem Rcsiimeo: ״Es gilt für «len Zionismus nicht, die Assimiiatiunsjudeu und sonstigen Gegner des Zionismus als miiiderwci'tig und treulos zu brandmarken, auch nicht mit aller Gewalt die Assimilation zu hinter• Ircihcn, sondern lediglich «len noch vorhandene«) jiulisehen Suudergeist zn wertvoller Kidtiirarhcit anszii* iiul/cn, in erster l.inic int Dienst der gedrückten osteuropäischen Glaubensgenossen und im Interesse der aufstrebenden Türkei, in zweiter Linie zu Gunsten der westeuropäischen Wirtschaftsbeziehungen im galtzon, zu (iiiiistcn der wirtschaftlichen Annäherung eines großen zukunftsreichen Koloiiialgcbietes, das mit oder ohne ״J1ttlcnsta.it“ in der Sphäre «lauernder westeuropäischerWirlschaftsintcrcsscu liegt, in diesen (ircii/cii würde sich die zionistische Arbeit jedenfalls wohl auch außerhalb «les national-jüdisch intcressicilcii Judentums Sympathie und — nach den Umständen -* talkr.ifiige Unterstützung sichern können, wenn ihre praktischen Leistlingen den Beweis für die Gesmidlieit «ler befolgten Methoden immer deutlicher erbringen.‘׳ IliUlchraml als Kolonialpolitiker bringt natürlich in erster Linie «len Problemen des Zionismus Sympathie entgegen, die seinem Interessengebiete nahe liegen. Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet er unser uatioualkulturcllcs Streben als eine tincrwünschte Belastung uuscrc.s Programms. Wir aber wissen, «laß wir auf die Realisierung unserer Wünsche und Hoffnungen im vorhinein verzichten würilcn, wenn wir «lavon ahließen — gleichzeitig mit tutserer wirtschaftlichen Tätigkeit in Palästina —, das (iesaintjiulentiim im nationalen .Sinne zu organisieren. Demi wir würden die Größe unserer Aufgabe gewaltig unterschätzen, wenn wir glaubten, daß wir auf die Mitarbeit irgendeines Teiles unseres Volkes freiwillig verzichten dürften. Daß wir immer bestrebt sein werden, in dem bisweilen notwendigen Kample gegen andersdenkende Juden unnötige Schärfen zu vermeiden, versteht sich am Ramie. Wir sind Mild cbrnnd «lankbar «latiir, «laß er sieb so eingehend und vorurteilsfrei mit unserer Sache befaßt bat, wir wissen aber, daß er das nicht aus irgendeiner rotiiautischen «»«ler sentimentalen Neigung heraus getan hat, sotuierit ans der einfachen Erkenntnis, «laß es sich liier um eine Sache handelt, die «ler Gesaiiitkiiitur der Menschheit einen hervorragenden Dienst zu leisten berufen ist. Deshalb siml uns solche Beiträge gelehrter und angesehener Nichtjuden eine wertvolle Aufmunterung, «lie uns immer wieder in der Gewißheit bestärkt, daß wir auf dem rechten Wege sind. * JiUfisc/ic Zeitung, Wien Hoher den kürzlich im Alter von SO Jahren vcrstorbciicn Prof. Theodor Gomperz schreibt das Blatt: ■ ״Sein bekanntestes und umfangreichstes Werk ״Griechische Denker“ wir«l mit Recht als ein stauihn! work in einem Atemzuge mit ('airtliis* grieehisilier oder Momniseiis römischer Geschichte genannt. Um so erstaunlicher ist es, daß Theodor Gomperz, dessen umfassende Bildung und weitreichenden Kenntnisse von jedermann hervorgcliobcn werden, vom Judentum und der J11dc11fra־״e keine blasse Ahnung hatte, wiewohl gerade er, als Nachkomme eines der bekanntesten JmlengesehlecUtcr und als eines «ler fünf jüdischen I lerrenliaiismitglieder, zufolge des Satzes ״Wissenschaft verpflicht^“, sieh doch hätte die Atulie nehmen können, das Judcnproblcin wenigsteils in seinen Umrissen kennen zu lernen. Wie wenig Theodor Gomperz vom Judentum und seinen Problemen begriff, bewies am schlagendsten sein Eingreifen in «ler Angelegenheit der jüdischen Kurie für den Hukmvinaer L.uidtag. Wir behaupteten damals, «laß er in seiner Unkenntnis des gegenwärtigen Judentums . . . zu einer Stellungnahme mißbraucht wurde, welche ihm bcrediiigle Verachtung eintrng. Einige Zeit später revidierten wir unsere Meinung: leider zu Uiigimsten Theodor Gomperz', denn vor konnte•) in seinen Memoiren rtachlescn, «laß er als aclit/igiäliriger Mann bedauerte,j im Judentum,• das ihm unnüt/eiweise viele Schwierigkeiten bereitet habe, unmotivierter Vorurteile wegen verharrt zu Iiibcn.“ ,fr tri sh (V/ronir/r, Isont/on Zum Besuch des russischen Ministers des Aus w.'irüVni, M. Sa zon off, in England schreibt «las Bla).. ״Man darf hoffen, daß Sazoiiotf dieses Lauil nicht Verlassen wird, ohne «laß man einen ciustliclicn Vcrsuch macht ihm iiahezidtniigen, mit wcfilnin Un willen und welcher Besorgnis di«• Lage «!er russischen Juden liier von Juden und Nichljudcu. betrachtet wird.“ r: AUS ALLER WELT ״ liuxrJmut Wählend eines (Mitlesdieiistes in «1er Njnagoge in der iiissisciii'ii Stadt IT• re spul entstand üilulgc einer aus einer iiiiit.dlciideii I,cl10leun1la1npe iierati!, schlagenden Flamme in «ler überfüllte» Fraiieiinbtei hing eine Panik. Vier Frauen wurden erdrückt und 23 verletzt, unter ihnen drei’• lebensgefährlich. ftafi an Unter dem Schlag wort ״Der Papst gegen den A n t i s e m i.i i s uni s“ brachten verschollene Blatter folgende Meldung, angeblich aus Rom: ״Der Papst sandte au die Bischöfe von Oesterrcieh-Ungarii, Rußland und des Orients Rundschreiben, in denen er empfiehlt, unter keinen Urn• ständen die Bewegung des Antisemitismus zu unterstutzen. Sie sollten darauf ,Jiiiiwirkcn, daß Gcwalttütigkcitcii oder Angriffe gegen Israeliten vcrmieden werden." Die Uiiwalirscheinliehkeit der gemeldeten Tat- Sache war jedem, «ler mit «len Vorgängen in der Zeitgeschichte und «len Machtfaktorvn vertraut ist, welche die Leitung der katholischen Kirche in der Gegenwart beeinflussen, sofort klar. Dennoch — in überflüssige•)) Diensteifer — wurde die Wiener halbamtliche ״Politische Korrcspomlenz“ aus Rom beauftragt, folgendes Dementi zu bringen: ״Die Nachricht mehrerer Blätter, daß der Papst an «lie Bischöfe von Oesterreich mul Rußland ein Riuidschreiluii über den Aiitisemhisimis gerichtet hat, ist vollslümlig unbegründet. Die Gcsin- Illingen des Papstes in dieser Angelegenheit sind allgemein bekannt. Der Papst mißbilligt entschic• den alle I laiidlungeii, die mit den Geboten der christlichen Nächstenliebe in Widerspruch stehen, und es unterliegt nicht «lern geringsten Zweifel, daß er ״ein gewalttätiges Auftreten“ von Katholiken gegen Juden verurteilt. Es bestellt jedoch kein Grund dafür, diesen Standpunkt des Papstes in einem Rundschreiben Ausdruck zu gehen. Eiiv päpstliches Dokument, wie cs einige Blätter an-, kündigten, ist in keiner Form vorhanden.“ Amerika j! je M ii n 4 K * h. I '1 A S 1 I 1 1 Laut den soeben erschienenen statistischen Ziffern über die Sterblichkeit in New York ist die Sterblichkeit unter den Juden daselbst viel gcringer als unter der übrigen Bevölkerung. Nach dieser Statistik sterilen im Alter von 15—25 Jahren unter den Juden 2,53 >״,׳. Von den cingewanderten Irländern sogar 15,15 »,1 .״ in Alter von 25—1>5 Jahren sterben unter den Juden 7,99 hei den nichtjüdisollen Amerikanern 25,92 <׳,,, und unter den nichtjüdischen Einwanderern 21,20»;«. Wie aus Jerusalem gemeldet wird, begibt sich der bekannte Hebraist und Lexikograph Ben Jehu da zu Beginn den kommenden Monats nach Amerika, um in den großen Bibliotheken von New York und Washington Material für sein großes lie• bräisclies Lexikon, von dem bereits einige Bände erschienen •.;tuet, zu sammeln. Bekanntlich sind die grollen jüdischen und hebräischen Bibliotheken, welche in den letzten Jahren zu haben waten, alle nach Amerika gewandert. Die großen jüdischen Organisationen Amerikas rüsten sich zum feierlichen Empfange des hervorragenden jüdischen Gelehrten aus Jerusalem. Eine wichtige Verfügung wurde dieser Tage vom amerikanischen Handcisiiünistcr erlassen. Durch dcuselben erlangen die Kinder jener amerikanischen Einwanderer, welche das amerikanische Bürgerrecht erworben haben, gleichfalls das amerikanische Bürgcrrccht v11״ dem Momente an, da sic ihr Ursprungliebes I ieimatslaud verlassen. Präsident Taft hat dieser Tage dem Senat die Ernennung «les Mr. Ralph Straßburger zuin Sekretär der ׳amerikanischen Gesandtschaft in ßukare st beknnntgegebcii. Straßburger ist ein i»u New Yorker öffentlichen Leben bekannter Jude. . Diese 11 1( U I n H Fi H W CI IV i ׳3 B U> < , t \ f »t I / >* ־'

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