Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 35 (30.8.1912)
- Date
- 1912-08-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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.Se|te 330 __JUCD1SCHE RUNDSCHAU _N'. 35 Nachmittags 4 U11 r: 7. (Schluß•)Sitzung. Wahl des Legitimations-Ausschusses für den Xi. Kon• groß. Eventualix Nachmittags 6 Uhr: . Sitzung des großen Adions-Comites. Sit/.u ngslo knl. Alle Sitzungen sowie sämtliche Nchenverniistal* tungen finden in den Räumen der Bne Brilh-Logc zu Berlin W., K lei sts,t «10 •־, statt. Das erst im April cingeweihic Logcnhaus des Bne Brith-Ofdens enthalt sehr schön eingeriehtete Oescllschafts■ und Sitzung*• räume, und besitzt einen umfangreichen Restan* rationsbett ich. Zu diesem gehört auch ein sehr hübscher Garten, so daß man bei warmem Wetter die Mahlzeiten im Freien einnehmen kann. Die Küche steht unter Aufsicht des Rahbinats der Jüdischen Gemeinde von Berlin. Es ist dafür Sorge getragen, daß die Mitglieder und Gaste der Zcntral-Coniite-Sitzung im Logenhnuse ihre Mahlzeiten einnelunen können. Der Preis des Mittagessens ist auf 2,50 M. (ohne Wein zwang) fest• gesetzt. Daneben ist cs selbstverständlich zulässig, . it la carte zu essen. Verkchrsge lege n heiteu 1111 «I Logis. Das Logcnhaus ist am leichtesten mit der Unter• grundhalm (Hochbahn) zu erreichen und befindet sich zehn Häuser vom |lochhahnhof Nollendorf• platz entfernt. Es wird sich daher für die aus• wärtigen Gäste empfehlen, ein Hotel in der Nähe des Potsdamer Platzes zu wählen. Die Entfernung vom Potsdamer Platz (Untergrumlhahiibof)' bis zmn Nolleudorfplatz (Untergrnndhaiinhof) beträgt nur sieben Minuten. Dagegen ist die Verbindung mit der Gegend des Bahnhofs Friedrichstraßc nicht so günstig. Wer vom Bahnhof Friedrichstraßc kommt, begibt sich am besten zu Fuß oder mit dem Omnibus nach Friedrichstraße, Ecke Mohrcnstraße mul von dort aus (vom Uiitergrimdbahnhof Fricdrichstrallc) mit der Untergrundbahn nach dem Bahnhof Nolleudorf• platz. Auch diese Fahrt dauert mir 10 Minuten. Die Zahl der Motels am Potsdamer Platz hat sich in den leiden Jahren sehr vermehrt. Direkt ׳״im Potsdamer Platz liegen folgende vier sehr großen Hotels: Hotel Esplanade, .Hotel Fürstenhof, Palast• Hotel, Hotel Bellevue. Veranstaltungen.... Anläßlich der Zentral-Comitc-Sitzimg finden zwei Veranstaltungen statt, zu denen die Mitglieder und Gäste des ZcntraUComitcs ergebenst eingeladeii werden: 1. Sonnabend, den 31. August, abends 8 Uhr, Begrüßung« •ibend (zwanglose Zusammenkunft der Teilnehmer der Zcntral-Comite-Sitzung mit ihren Damen) am Logenbaus. 2. Mot>tag, den 2. September, abends 8 Uhr, Bankett, veranstaltet von der Berliner Zionistischen Vereinigung Bei Lesser Ury Von Dr. Oskar Rosen fei d (Wien). Er ist mter den deutschen Malern der Gegen, wart wenn nicht die markanteste, so doch die singulärste Erscheinung, und doch ist sein Name nicht hiuausgednmgcn über den engen Rahmen seiner Gemeinde, die ihn schätzt, würdigt und kauft. Seine Bilder unterliegen nicht dem Kurswert des Marktes; der Liebhaber reiner Kunst genießt sie ent• wedef in Ui־ys Atelier am Nollendorlplatz (in Berlin) oder bei sich daheim zur Weihe der alltäglichen Stunden. Denn vor Urys Landschaften muß man mit gläubiger Seele hintcetcw, mit uoveüMseUten, empfangsfreudigen •Sinnen, Dem nervösen Großstadt• mcnschen verschließen sie sieh schamhaft, mit einem herben Trotz, wie ihn einsame Menschen besitzen. Dem Schünheitssuchcr öffnen sie, nicht mehr wider• strebend, ihre keusche, empfindsame Blüte. Das unerhört Neue ■in Urys Bildern verblüfft zuerst: man hält, bang und verwirrt, den Atem an und ist überwältigt von der Glut der Farben, als wäre man bisher blind vorübergegangen an allem, was äußere Welt bedeutet; denn keine Naturaus* schnitte, keine Stimmungsbilder sind es, sondern Phantasien über die Natur, Visionen eines hellseherischen Geistes, der über das Objekt hiuausgeht. Will man Ury daher in eine Formel pressen, die seine Kunst restlos in sieb schließt, muß man zuvor seinen Intellekt begreifen, die Philosophie seines fanatischen Temperaments, den tiefsten Kern seiner künstlerischen Existenz. Er kommt vom Dorf, von der Ebene, wo der Instinkt über die Norm siegt. Die äußeren Bedingungen des Daseins, die iiulu■ Wünsche zur Jahreskoiiferenz Von Davis Trictsch, Berlin. Die Zeit ist kurz, und so sollen auch der Wünsche mir wenige und ihre Formulierung so knapp wie möglich sein. Sie stellen nicht auf der Tagesordnung der Kon• lerenz, können aber ohne innere oder formelle Schwic• rigkcitco mithchnmlctt werden. Nicht einmal an die Zeit der Konferenz brauchen sie nennenswerte An• fordcrimgcu zu stellen, weil sie eigentlich nur Selbstveistäiidliehkeilen enthalten. Mau kann sic billigen und die weiteren Schritte der Exekutive überlassen. Fs handelt sich um die längst erörterte Frage der Schaffung eines E m i g r a t i o 11 s a m t c s, um die Veranstaltung einer großzügigeren Art von Pa- I ä s (i 11 a A 11 s s t e 11 u ״ g c 11, und um ein Organ fiir wissenschaftlichen Z i o 11 i s 111 u s. Das zionistische E m ig r a t i011 s a m t. Der letzte Kongreß, dem ich einen daiiingchen• den Antrag vorlegte, glaubte ihn nicht zum Beschluß ei liehen zu können, in der Befürchtung, es könnte naililier an den erforderlichen Mitteln fehlen. Die* Stimmung des Kongresses und jedenfalls die der später gewühlten Leitung war durchaus fiir die Sache, und wenn man Gelegenheit gehabt hätte, über die Kostenfrage zu sprechen, so hätte sieb licrausgestellt, daß zu einem ganz respektablen An• fang derart geringe Mittel genügt hätten, daß es sieb auch vom Standpunkt der Finanzen nicht verlohnte, die Schaffung des Enu'grät1011s־Aaltes zu v׳'rtagcn. — t icute ist me Frage uer Kosten (imu auen me ucr r'iiiaii/en) schon besser geklärt, und was der Kongrell liegen ließ, kann von der Jnlireskonfcrenz. wohl auigegiiffeii werden. Das zionistische Emigrationsamt. gäbe uns ein neues Instrument zur 'Verwirklichung der ziouislisehen Bestrebungen. Es wäre ein neuer Schritt auf dem Wege der Paiästinaarbeit, die heute so aiigemein als Angelpunkt der Bewegung betrachtet wird; es würde helfen, Menschen und Mittel ins Land zu ziehen, mut die Organisation würde uns dafür ־ - direkt und indirekt — mehr Mittel zur Verfügung stellen, als die Sache seihst von Anfang an kosten müßte. J ii d i s c h e I* a I ä s t i n a a 11 s s t e 1111 n g e n. 111 dieser Frage liegt seit fast zwei Jahren ein Beschluß vor. Das ״Grolle Adions-Coniitc" nahm im November PHD eine entsprechende Resolution an, leider mit dem so oft tödlichen Zusatzworte: ״möglichst". Damals hielt man es dann nicht für möglich. 1 letite wird die Möglichkeit schon weniger zweiiellinit sein, und ich könnte ziemlieli detailliert dartun, daß die Sache mit verhältnismäßig sehr geringen Kosten und voraussichtlich mit der hedcutcndstcn Wirkung zugunsten aller unserer Palästiiinarbeiten gemacht werden könnte. Einzelheiten Enden sieh in dem schon ziemlieh umfassenden Programm, das ich in der ״Welt" (2'i. November PKW») und in der ״Jüdischen Rum!• schau" (2'i. Februar 1012) veröffentlichte. Strießen und gesellschaftlichen, in denen sielt der größte 'l'eii des modernen Lehens erschöpft, sind für ihn bedeutungslos. Was stark und lebensfällig io ihn) ist, hat er aus sieh heraus durch innere Kämpfe und Hemmungen erworben. So steht er, nach weiten Zielen ringend, wie ein Kiml da mitten im Staub des Tages, umtost vom Schlaehlciilärin der Hitzköpfe, die das Sciil.igwuit für die Kunst von morgen aiisgcbon, ohne das Gestern begriffen zu haben, ein einsamer, grüblerischer Träumer, der alles bis auf die Wahrheit seines kfinstierischen Lebens pi'cisgcbcn kann. Weltfremd, und dabei doch voller Beziehungen zu den Problemen der modernen Kunst, yeluKi er Werk auf Werk, mit dem ernsten, starken (iewisr.cn eines Menschen, der seines Wertes sich bewußt ist und darum warten kann; so wundervoll eins mit sieh, indem sein Künstlertum mit seinem Meii.selientum kristallartig sich zusammcnschlielSt. Kein Raum bleibt dazwischen für persönlichen Ehr• geiz, mul fiir Eitelkeit, die verbreitetste aller Künstler- Krankheiten. Und so bricht sich das reale 'Dasein, an ihm vorüherüuteml, an seinen Werken, in, bunten Spiegelungen und farbigen Kontrasten, niemals gleichmäßig begrenzt, sondern überfüllt vom Drang, sieh in der höchsten, cntgiiltigsteii Form zu vollenden. Die Anfänge jeder künstlerischen Regung sind dunkel; auch Urys erste Wege kennen wir nicht. Er ist plötzlich da, mit seinem starken, temperamenl• vollen Willen und malerischen Zielen ohne Ende. Seine Bilder sind nicht alltäglich, rufen aber keinen Widerstreit hervor; mau freut sich ihrer Fülle, schätzt sie, ohne lange Zeit hei ihnen zu verweilen: stille, grüne Wiesen, Vorortemaiicrn mit ein paar Menscheu, schreitende Arbeiter, Interieurs von Stuben Wenn die Veranstaltung jetzt beschlossen wird, so lassen sieh alle Vorbereitungen bis Fmle des Jahres erledigen, so!laß die Serie der Ausstellungen zu Anfang Januar eröffnet werden könnte.*) E in Organ f ü r w i s 8 e n s c h a f 11 i c 11 e n Z i o 11 i s m u s. Auf dem Gebiete der Publikationen fehlt uns ein Organ für die ernsthaftere, wissenschaftliche und kritische Behandlung zionistischer Fragen mul für die eingehendere Diskussion wichtigerer Themata, Wir hiaucheit ein Forum dieser Art, das nicht für die grolle Masse bestimmt ist, und wo daher in einer von keinerlei OeflVntlichkcitsmängelu hehiii• derlei! Form eine sachliche Aussprache über alle zionistischen Dinge slatlfnuleu kann. Die Kritik wird nicht den geringsten Platz in einer :;olelieu Publikation beanspruchen dürfen. Ei•,, mal deshalb, weil sie — mit Recht -- in den der Propaganda dienenden Blättern usw. ztirückstehea muß, während die ,,positiveren" Dinge schließlich doch, wenn auch in keineswegs hinreichender Weise, in den allgemeinen Blättern Raum finden können, dann aber mich, weil sie gerade au solcher Stelle von einem ernsthafteren Publikum und aufmerksamer gelesen werden wird. Nun könnte es manchen fraglich erscheinen, oh die Leitung einer Organisation es nötig hat oder es verautwollen könnte, ein Organ der ״Kritik gegen sieh selbst" zu schaffen. - Bei uns aber liegt der Faß doch wesentlich anders. Nicht nur bedeutet die gegenwärtige Leitung unserer Organisation selbst in ausgesprochenstem Maße einen Sieg der kritisehen Richtung im Zionismus, sondern auch ilire eigene Kontinuität wird um so sicherer gewahrt, je mehr sie der weiteren Klärung und Entfaltung durch die Kritik ״einen gesetzlichen Rahmen" gibt. Es ist kein gesunder Zustand, daß innerhalb weniger Stunden eines alle zwei Jahre stattfimleuden Kongresses die Kritik die einzige .Möglichkeit findet, der Vertretung der zionistischen Bewegung ihre Wünsche und Beschwerden vorztitragen. Da kann kein lokales oder Landes•( >rgan eine gute Abhilfe bringen, sondern nur ein von der Zentrale selbst ausgehendes, fiir alle au der intensiveren Ar• heit beteiligten Kräfte der Bewegung, bestimmtes, im besten Sinne wissenschaftliches und kritisches Organ. Nur die an einer solchen Steile erfolgende Aus• spräche, die liehen anderen Vorteilen auch den hat, jeder Schärfe (ohne die es in der breiteren Oeffentlielikeit der allgemeineren Presse oft nicht abgeht) eutratcii zu können, wird zu einer zionistischen Ent• wickltmg führen, deren notwendige Wandlungen nicht ferner behindert oder nur ״stoßweise" zugelassen werden. *) Zu jener Jahreszeit würden auch die schönen Jaffa-Orangen zu haben sein, deren Fehlen die Ver• nnstallimg einer größeren Palä-tiim-AusstclIung zur Zeit des letzten Kongresses verhinderte (I). Uchri• gens ist eben jetzt eine größere Propaganda für die Jaffa-Orange in Deutschland (und im Interesse der deutschen Kolonien in Palästina) im Zuge, wie die amtlichen ,,Nachrichten für l larnlel, Industrie und Landwirtschaft" dieser Tage meldeten. und Cafehäusern, Pastellporträts in saftigem Ton und Farheufreudc, im ganzen und großen eine Rieh- 11111g, die an französische Vorbilder gemahn(, au Coros, vielleicht auch au Bastien Lcpage .... Und daun der Schritt in das Freilich( der Natur, Kolo, listischcs lenkt zum t.uministisehen, die zitternden Linien der Wälder, Bäume, Seen, die Entdeckung der Oimiewaldlamlschafl. Das Wort OrutiewaUl ruft sogleich den Namen Lcistikov wach, der eine Begriff ist ohne den andern imdenkbar,' so sehr verankert sind die beiden iue.11• ander wie'Milles mit Barbizon. Gewiß: Lcistikov verstand es, dem Zufälligen in der Struktur der Gm newnUilandscliaft einen typisierenden Charakter zu geben; er stilisierte den Baumschlag und das Secufer; er erhob sich zu Harmonien, wo die Natur an Bedingtes gefesselt war, Ja, er ging noch einen Schritt weiter, indem er die .Motive drapierte und dort, wo natürliche Lebendigkeit war und vegetatives Wachstum, zum Ornament sich beguemte, das seinem mathematischen Geist zunächst lag. Schließlich, in konsequenter Entwicklung, glichen seine Bilder kirnstgewerblichen Entwürfen: er war heim dekorativen Pauiieaii gelandet. Ury begann dort, wo Lcistikov endete. Wenn Lcistikov die Linie zum Motiv seiner Stilisierung«• kirnst machte, griff Ury tiefer in das Wesen der Landschaft. Er bekannte sich zu dem Prinzip, daß es nichts in der Natur gehe, was stillsteht und im Raum imvcräiulerlich ist. Die starre Kontur löste sich in einen Strom von Licht und Duft auf, in die zitternde, schwebende Atmosphäre, in tausend und abertausend Reflexe ohne Anfang und Ende. Darum bekamen seine Bilder den Charakter der lebendig- ) t I i! t i I "יי k ז » י! J1; ו- ' i k 1 ן: t* j I % ו¬! ו! 4 I I