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Jüdische Rundschau · 1912-08-23 · Heft 34 (23.8.1912) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVII (1912)
Issue
Heft 34 (23.8.1912)
Date
1912-08-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 322 J U E DIS C11 F RUNDSCHAU I1 I" 0 .•0 ־# I I 1 betrag von seinem kargen Oelialle nbdaibeit. Der Lelirer kann sich durch die Nachzahlung zwar die rechtzeitige Erluiiguiig der Altcrszutagen sichern, nicht aber den vollen Bezug des Grundgehaltes. Ein 1.ein er, der nach achtjähriger Wartezeit ersi in den öffentliehen Schuldienst eintreten konnte, muß sich vier weitere Jahre mit vier I*iinfteln des (irmiilgelialles begnügen. Er erlangt also mit 32 Jahren erst das Grundgehalt, das sein sofort nach Austritt aus dem Seminar nngeslelller Kollege mit 21 Jahren bezieht. Viel entgegenkommender verhalt sieh das (leset/, den jüdischen' Rcligionslchrorii gegenüber, obwohl der Lehrer au einer jüdischen Privalscliiile die 11111• fassenderc Tätigkeit auszuüben und sclhstverstüudlieh auch Religionsunterricht zu erteilen hat. Die dargelegten Millslande bedürfen der Abhilfe. Ls kommt ja keine allzugrolle Zahl von Lehrern in Hetraeht. (hu so leichter wird es in finanzieller llinsieht fallen, hier ein recht weitgehendes Entgegenkommen zu üben. Jedenfalls dürfen die (iehallsVerhältnisse dieser Lehrer der Prüfung durch Regierung und Volksvertretung dringlich empfohlen werden.“ I ׳ v Die Konse1|Ucn/cn der unsinnigen Jmlenverfol• gungen in Rullland für die Wissenschaft legt Prof. Dr. E. Mctschnikoff, dessen epochemachende Forschlingen auf dem Gebiete der ״Krankheit“ des Alterns jüngst von sieh reden machten, in einem Artikel: ״Der Kampf gegen die senile Degeneration“ (5. 8. 1912) an einem drastischen!•all dar: ״Hei dieser Oelegenheit kann ich nicht umhin, einige Worte einzusehalteu, wenn sie auch keineswegs die Frage über die Darmgifte und die Seiiilität direkt angehen. Dali es mir gelungen ist, in der Person des I lerrn Dr. Wo 11 m a n u einen vor/iiglieben Mitarbeiter zu gewinnen, verdanke ich dem Umstand, daß er russischer Israelit ist, und daß ihm daher die (jclehrten-Karriere in Rußland verschlossen ist. Wenn er in Rußland bliche, so wäre ihm. gleich einem andern meiner• Mitarbeiter, Dr, Be/redko, der sicli bereits einen bedeutenden Namen in der Wissensebaft erworben hat, das traurige Los beschiedcn, praktischer Arzt sein zu müssen, ohne innere Neigung zur Praxis. Sein Trieb zur Wissenschaft würde mifruchtbar bleiben und verkümmern, ein bitteres Gefühl unverdienter Kränkung zuriieklasseiul. So vollzieht sielt in Rußland der Prozeß, sielt der Ta- I e 111 e z 11 c 1111 e d i g e 11.“ « AUS ALL6R W6.LT ß Oesterreich Der berühmte Prager Judenfriedhof wird nun doch in seiner bisherigen!Gestalt erhalten bleiben. Der Genteinderat bat das Projekt einer Strallcnregu* Ucruttg, die die Verwendung des Geländes in Aussiebt nahm, endgültig abgclelmt. *Schweiz Ls war zu erwarten, daß auf dem Internationalen Kongreß gegen die Vivisektion und zum Schutze der Tiere, der vorige Woche in Zürich tagte, auch die Sehächtfrage zur Behandlung komme, in öffentliehen Versammlungen ist das nicht geschehen, wahrscheiulich glaubte man, dort Leute zu finden, die Opposition, und zwar lebhafte Opposition machen würden. In 'der letzten geschlossenen Sitzung vom letzten Samstag sprach'Frl. Agnes von K o no w, Hclsingfors, über das Schächten, das eine religiöse Grausamkeit bedeute. Ls braucht wohl von jüdischer Seite nicht betont zu werden, daß solche lieliauptungen, die auf Unkenntnis der Angelegenheit beruhen, Unsinn sind. Der holländische Pfarrer Dr. Gramer, <!011 mau andi im Sehwiirgoriehtssaale als einen toleranleu, liebevollen I lerrn keimen lernte, nahm die Juilen gegen die übertriebenen Angriffe in Schul/.. Nach einer langen Diskussion iialim der Kongreß eine Resolution au, in der er sich für die allgemeine l'iiifiiliiiing der Belaubung vor Tötung der Tiere atisspradi. Lin Antrag von Dr. Saillard, Paris, auf absolute Mißbilligung des Schäehtens und Anregung gescl/licher Maßnahmen dagegen wurde mit 311 gegen 21 Stimmen, also mit einer gelingen Mehrheit angenominell. Daß ein Kongreß, der unter Vorsitz zweier deutscher Professoren stand, die als demokratische Denker bekaimt sind, die Heuen I firsler-Ileiliu und Giiiihlc-Münelieii, eine sehr wichtige Frage, wie die Seliäelitfrage, durch die Resolution einer Dame aus Finnland zu lösen versucht, beweist uns die ganze Unkenntnis des Kongresses, von den tatsächlich vorliegenden Urteilen filier den großen Wert des Schachteils für die (lesimdlicil des Menschen. Befremdend aber ist es immerhin, daß es gerade ein Jude sein mußte, ein Dr. Levy aus London, der den Bestrebilligen der Juden auf Glaubensfreiheit entgegenarbeitete, indem er erklärte, das Schächten sei keine religiöse Vorschrift mul sei nirgends geboten. Wir wollen hoffen, daß der ganz, im Slillen tagende Kongrell keinen Schaden für die Seliäelitfrage, besonders in der Schweiz, zu üben imstande war. * Itussfantt In der russischen Stadt Sercje sind 85 I läuser, viele Stallungen und Wirtschaftsgebäude mul die prächtige Synagoge durch eine grolle Fciicrsbrunst vernichtet worden. Die Not der größtenteils .jüdischen Abgebrannten ist sehr groß. Das Feuer entstand dadurch, daß ein 13 jähriger Knabe heim Getreideeinfuhren ein brennendes Streich- 1101✓. weggeworfeii hatte. Türkei Anläßlich der Ictzleu Ofn/.iersprüfmigen in der Koiislanlinopeler Offiziersschule wurden, wie aus Konst,uiliiiopel gemeldet wird, auch zwei jüdische Militär/ügliiige, uml zwar Sciutov Uffciuli Uevali aus Saloniki und Carmi Lffcitdi Eiscnbcrli aus Kcchovotli in Palästina, zu Leutnants ernannt. Die beiden Offiziere hatten ihre Prüfung mit Auszeichnung bestanden. Amerika Nr. 34 jüdische Häuser, mögen sie noch so vornehm;ms. gestaltet sein, mietet man sich nicht gerne ein, und i 11 d c 11 B a d e p I ä t /. e 11 ist di e Auss c 111 i c fl ti 11 g der J u d c n a 11 s d e 11 h e s s e r e 11 Hotels so offenkundig, daß die Jude״ sich besondere Badeplätze wie Long Brandt, Far Rocka. way mul andere aiissticbcii mußten, die schon ganz jüdisches Gepräge tragen. Die reichen anicrikaiii. sehen Juden suchen deshalb im Summer gern die coro, päisehen Bäder auf. Ein ganz eigenartiger Oslrazisimis gegen Judeir blüht in den Privatsehnlcn. Dort herrscht eine Prozenliiorm ä la Russe, sagte der Professor. |\ wird darin mir eine geringe Anzahl jüdischer Kinder geduldet. Die Folge davon ist, daß gar niancbe l'ltern um ihren Kindern die Aufnahme in die beliebte Schule zu ermöglichen, nach Maramien-Ai t, i 11 r J ti d e 111 u m v e r I e 11 g 11 c 11. Aehiilidie Verhältnisse herrschen unter den Slu. deinen der Universitäten. Die S 111 d e 111 e 11 v c reine, wissenschaftliche und sportliche, sind 111 e i s l e 11 s j u d e 1t r e i 1t, so daß die jüdischen Studenten gezwungen sind, sich in eigenen jüdischen Vereinen zu gruppieren. Ich z. B., fügte der Professur hinzu, bin Professur, als solcher könnte ich wohl in den Uiiiversity-Kliih Aufnahme finden, als Jude aber würde ich zweifellos /uriiekgewiesen werden. An meiner Universität sind zwar noch sechs bis sieben jüdische Professoren, aber keiner außer mir bekennt sich offen zum Judentum. Man darf nicht vergessen, fügte der Professor gewissermaßen als Liilsehuldi• gnng dieser häßlichen Neigungen hinzu, daß die ungeheure Zunahme der Zahl jüdischer Liiiwohner in den Vereinigten Staaten diese Gefühle genährt hat. Dabei sind die Juden fast alle in den grollen Zentren aiigesammelt. Von den 4 Millionen Seelen New Yorks gehört eine Million den Juden. Jeder vierte New Yorker ist also ein Jude. Broadway ist, wie das Sprichwort sagt, von den Juden erobert. Man braucht ein Fernrohr, pflegt man zu sagen, um in Broadway eine niclitjüdische Firma zu entdecken. Aber diese Abneigung gegen die Juden hat auch ihr (iulcs. Die von den besseren Gesellschaftskreisen atisgcslollenen Juden b I e i b e 11 auf ihr e e i g e 11 e 11 B r ii der a u g e w i e s e n. I)io völlige Assimilation wird aufgehalten. Sogar die Reform kommt von ihren Extravaganzen ab, da die restlose Amerika 11 isiertmg ja doch nicht durchführbar ist. Uchcrall mehren sieh die Zeichen, daß mau sich auf sein Judentum besinnt. Die Zunahme des Antisemitismus in Nordamerika wird vom Professor l)r. Richard Gott 11 eil aus Nv'.w׳ York in einem Interview lebhaft beklagt. Der Antisemitismus, sagte der Professor, findet hauptsächlich in der wohlhabenden Schicht der amerikanischen Bevölkerung seine Pflege. Das gewohnliche Volk ist davon völlig frei. Lin Zeugnis dafür bildet der Ausspruch des Erzbischofs Corrigon, der in einem Gespräch mit einem amerikanischen Rabbiner sagte: ,,Rabbi, oh Sie oder wir Recht haben, das ist ,sicher, alle Differenzen, welche zwischen Ihnen mul uns je entstehen könnten, sind Unrecht.“ Um so sorgfältigere Berücksichtigung findet der Antisemilisnnis in den besseren Sphären. Die Vertreter dieser Kreise meiden den jüdischen Verkehr; in PALAeSTINA-RUMDSCHAU Herr Dr. Martin Nathan (A. II. des K. Z. V.), ist nach Gliedern!! tibergesiedelt. I:r übernimmt dort die Stelle des Kolonialarztes, die bisher Herr Dr. Willy Brünn (A. II. des K. Z. V.) iniichatte. Letztercr übernimmt den Posten des Leiters an dem von Nathan Strauß gegründeten Gesundheitsamte. * Herr Rabb. Dr. M. Grün wähl, Wien, XV., Mnrialiilfcrstraßc 1(17, beabsichtigt Anfang Oktober in kleinerer Reisegesellschaft — bis zu 20 Personen — die dem jüdischen Interesse näher liegenden Stätten Palästinas (älteren und neueren Datums) zu besuchen i I I I f I ו I 1 i I 1 t manu ästhetisch wirkt. Die schwülstige Redeweise, wie mau sie hie und da in Predigten vorgesetzt bekommt, darf nicht durch den Druck verewigt werden, mau muß es den Wenigen, die für jüdische Geschichte Interesse haben, nicht zu schwer machen und ihnen nicht ihre Freude am Gegenstände durch eine Dar- Stellung trüben, diu zum mindesten unmodern ist. Die Art und Weise, wie der Held der Erzählung in den Himmel gehoben wird, geht zu weit, die ewigen Superlative wirken ermüdend. Ein Beispiel für viele: Der Autor weiß nicht, was wir mehr bewundern sollen: das rabbinisclic, philosophische oder medizinische Wissen des Maimonides. (S. 291.) Wer darüber im Zweifel ist, möge das bei aller Anerkennung vorsichtige Urteils Pagels lesen (in dem Snmmelbnitd Moses ben Maitnon der Gesellschaft zur Förderung der Wiss, d. Judcnt.). Maimonides hat keine Apologetik nötig, und wenn der Verfasser den Hintergrund, von dem sieh das Bild des Maimonides abheht, das Zeitbild, wenn auch nur in grollen Umrissen gezeichnet hätte, wäre es vielleicht vermeidbar gewesen, die Farben allzu dick nufzutragen. Wer zu viel lobt, der muß getadelt werden. Sicht mau über diese bedauerlichen Schwächen des Buches hinweg, so wird man gewiß manches finden, was versöhnlich stimmt und das . Buch wert macht gelesen zu werden. Es geht ja •zweifellos agf die Dauer nicht an, daß man seine Kenntnisse von jüdischer Geschichte ausschließlich aus dem ״üractz“ schöpft, und wenn man eine eingehende Darstellung über das Leben des Maimonides und seine Werke in deutscher Sprache lesen will, so wird man zu dem Buche des Rabl». Mim/, greifen, bis uns einmal tlic Zukunft ein Werk über Maimonides bringt, das alle unsere Wünsche befriedigt. — Es soll am Schlüsse noch rühmend hcrvorgehobeii werden, daß der Verfasser in einem kleinen Orte Weslpreußeiis das Buch geschrieben hat. Nur der Kenner kann ermessen, was das heißt, welche Schwierigkeiten bi* zum Zu• stamlekoimiien eines solchen Werkes in einer Provinzstadt zu überwinden sind. Rudolf L e s z y 11 s k y. Dr. Ludwig Berliner, ״Die staatskirchcnrcehtlichc Stellung der israelitischen Religionsgemeimlen und sonstigen israelitischen RcHgionsvcrbüiidc Süd- Deutschlands“ Frankfurt a. M. 1912. Verlag I. Kaufmann. 4". 7t S. 1,50 M. In den letzten Jahren ist die juristische Literatur und die Wissenschaft des Judentums in Deutschlaut! durch eine Reihe von Arbeiten über rechtliche Verhältnisse der Juden in den einzelnen Bundes• Staaten und Provinzen bereichert worden; allen voran geht das umfassende Werk von Michaelis über die Juden in Preußen. Line neue Bereicherung bietet die, anscheinend aus viuer Doktordissertation 11er• vorgegaugeiie Monographie Berliners. Abgesellen von den Gesetzessammlungen der einzelnen in Betracht kommenden Staaten war bisher mir über einzelne Gebiete oder einzelne Rechtsfragen eine Literatur vorhanden. Berliner behandelt als rcchtswisscnschaft• liehe Untersuchung und nicht als Kommentar zu den einzelnen Gesetzen uml Verordnungen das Staats• kircheurcelit der Juden in Bayern, Württemberg, Bade״, Hessen (Großlier/ogtum) und ElsalLLotliriugcn. Nach einer allgemeinen Einleitung über die Grund• begriffe und einer Aufzählung der Reclitstpiellcn be• spricht er im ersten Abschnitt seiner Arbeit die einzelnen Aeiißerungeii der Kirchcnholicit des Staates über die einzelnen Religionsgemeinschaften und be• handelt eingehend das Recht des Staates, über die Zulassung einer Religionsgemeinschaft im Staatsgc• biete zu entscheiden uml deren rechtliche Stellung zu normieren, ferner das Scliutzrcclit und das ()herauf* sicUtsccclit der Staaten über die «!gelassenen Religion*• geineinseiiafteii. 1111 einzelnen werden unter diesen Titeln eingehende Erörterungen über die Rechtsstellung der jüdischen Gcmcimlchcamtcn, über das Steuer• recht, über die Rechte der einzelnen Gemeindciiiit* glteiler, die Gemeindeämter, den strafrechtlichen und zivilprozessualen Schutz der Gemeinden usw. ge• geben, Hierbei sei noch auf den Umstand hinge• wiesen, daß nach § 6 des Reichsgesetzes vom 31. .Mai 1911 über die Verfassung Elsaß-Lothringens ein Ver• freier der israelitischen Konsistorien, den diese aus ihrer Mitte wählen, der ersten Kammer der Stän-Je als Mitglied angehört. Der zweite Abschnitt handelt von der Betäti• gimg der staatlichen Kirchcnholicit in bezug auf die Rechtsverhältnisse der verschiedenen Religionsgcinciii• schäften untereinander. Hier wird die völlige Parität der verschiedenen Gesellschaften hervorgehoben. Der Staat hat für die Herstellung und Erhaltung des Friedens unter den verschiedenen Konfessionen N. Ulltl ||11C 1 sei J zu f : tlillj I hei ו in Bahj V B:!r (h׳r Will : g׳.*V 1' U stel . (i r Hel Dri voi Mi B. t .1 n!>1 HM 5. VCi 3. 6. C. I.ll dt: i 10 : Wl lal te! an y te tr D ki fe fi ei tr F ti k S b 8 E d fi li ii c d a b d n v fc I 1• t 8 l $ S I s 1 1

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