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Jüdische Rundschau · 1912-08-23 · Heft 34 (23.8.1912) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVII (1912)
Issue
Heft 34 (23.8.1912)
Date
1912-08-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seile 320 JUEDISCH1: RUNDSCHAU Nr. 34 mit ihnen in Palästina mehl ein harter Kampf drohe?.wischen ihren a.lleu eingefleischten Gewöhnlichen und der jungen Liehe zum neuen Jiscliith. Und ihr lk־is|1icl wird zünden! Die Offiziere der Bewegung, wie man die Studenten mit Vorliehe nennt, müssen zu wahren F ü 11 r e r 11 werden, und nicht mir in geistiger f linsicht, sondern mtclt in Wirklichkeit ninfl die gesamte jüdische Intelligenz dem Volke den Weg nach Palästina zeigen. Durch die Suggestion der Tat zur R c g c n e r i e r u n g des jüdischen Volkes in Palast in». Julian Silbcrbusch. ״Und fvl ossmsohn bleibt!“ Uns wird geschrieben: Unter dieser Unterschrift entnimmt der ״Israelit“ triumphierend dem Jahresbericht des I klinischen Gymnasiums zu Jaffa die Feststellung, daß Dr. Mossinsohn auch für das koimncnde Schuljahr im Lehrerkoliegimn dieser Anstalt verbleiben wird. Das orthodoxe Zcntralorgnn nimmt gern die Gelegenheit wahr, sich über die Einfalt der Misraehisten lustig z.u machen, welche man um die Konzession betrogen 11,die, * *die angeblich in der Opferung dieses Schulmannes halte bestellen sollen. Die Leser der, ,,Israelit“ wissen es nicht mul brauche» es nicht zu wissen, dall das Hebräische Gymnasium ein Institut eigenen Hechts ist, welches von der Zionistischen Organisation Weder einen Pfennig Subvention noch Direktiven erhält. Mancher unserer Freunde, der zu den Lesern des ״Israelit״ gehört, wird aber fragen: Was ist's mit Dr. Mossinsohn? Wir antworten darauf, er lehrt an der erwähnten Anstalt die prophetischen' Schriften des Judentums, und seine Unterrichtsinethode begegnet bei besonnenen Zionsfreunden schweren Bedenken. Dr. Mossinsohn verfährt mit seinen Textkorrekturen anscheinend viel zu souverän. Am sinnfälligsten ist seine Lchrweise mit ihren Ucbcrircibuiigen von Aehad-llaam jüngst dargestellt worden, als dieser über seinen Hesitch Im Jalfaer Gymnasium berichtete. Allerdings, so ganz einfach liegt die Sache dicht. Der prophetische Text ist an vielen Stellen durch ungenaue Ueberliefermig verdarben mul in seinem Sinne verdunkelt worden. Die alten Kommentatoren quälen sich mit den Stellen ab, kommen aber häufig zu keinem uns befriedigenden Ergebnis, ihre Deutungen sind gezwungen und halten eingehender Prüfung nicht Stand. Wer die Ncwiim nicht studiert, dem bereiten diese Dunkelheiten allerdings keine Pein. Jeder ge* wissenhafte Forscher, und mag seine Denkweise sonst auch noch so orthodox sein, verfällt manchmal auf Textkonstruktionen, von denen das Wort gilt, ״legt ihr nicht aus, so legt ihr unter“. Uehrigens, die Glanbcnsverbindiichkcit in bezug auf die prophetischeu Schriften gilt nicht der Unversehrtheit des überlieferten Textes, sondern mir dem Moment ihrer Inspiration. Allerdings, vom Standpunkte des religiüsen wie überhaupt des historisch gerichteten Judentums ist es dringend erwünscht, dall die Be* handhmg prophetischer Stoffe im Unterricht nicht gar zu sehr von der überlieferten Anschauungsweise abweicht. Es ist das Bemühen ernster Schulmänner, hier brauchbare Richtlinien zu finden, und wir vereinigen uns mit Achnd-Haain in dem Wunsche, daß auch das I lehräischc Gymnasium zu einer pietätvollen Behandlung des Prophctentcxtes zurückkehrt. Der ״Israelit“ hat aber infolge seiner Hallung in der Raphacl-Brcucr-Affäre für alle Zeiten das liecht verwirkt, nocii als öffentlicher Ankläger gegen Häretiker atdtrctcu zu dürfen. Es war uns übrigens interessant, den Aschaffen. Bürger Be/.ifksrabhiner auch schon in früheren Schriften als einen ganz verwegenen Uihclkritikcr kennen zu lernen. Damit der Tatbestand nach jeder Hichtmig siclicrgcstelit wird, sei die betreffende Stelle in aller Ausführlichkeit wiedergegeben, und wir bitten den Leser im Interesse der Sache tun gütige Geduld lind Nachsicht. tu seinem Kommentar zum Buche Esther, und zwar /um eisten Satze: ״Es war in den Tagen Achascliwerosciis. Es ist das der Achaschwerosch, der Herrscher war von Indien bis ActhiopUn über luindersieheiuiiulzwaii/ig Provinzen“, bemerkt Dr, Breuer nämlich folgendes: ״Bedeutsam nennt die Er/iihlung zu Beginn Achaschwerosch schlechthin Achaschwerosch. Später heißt es immer: der König oder König Aelinschwcrosch. Indem sie uns Achaschwerosch ohne jedes erkliiicudc oder schmückende Beiwort vorstellt und erst nach eine r Pause fort fährt: cs Ist derselbe Acäascliwcruscli, der einst der mächtigste Manu seinerzeit gewesen, killt uns die Erzählung einen Augenblick diesen glänzenden Dynasten in der ganzen schattenhaften Gcwcsenlieit seiner Grolle aufsteigen: Es war in den Tagen Achasch* wcrosclis. Still betroffen fragt der Leser: Von wem ist die Rede? Da 'fährt die Megilla fort: Von Achaschwerosch ist die Hede, der einst König war von llodu bis Kusch. Mit primitiveren Ausdnicksmittcln kann die Tragik irdischer Vorgang, liclikcit wohl kaum geschildert werden.“ Wenn diese Worte einen Sinn haben sollen, so können sie nichts anderes bedeuten, als dall das Buch Esther zu einer Zeit verfallt sei, in der der Name des Achaschwerosch längst vergessen war. In welche Zeit Herr Breuer die Abfassung des Estherbuclies setzt, entzieht sich unserer Kenntnis. Aber aus seinen Worten geht hervor, daß er die Abfassung in eine sehr späte Zeit verlegt. Das Estlicrbuch berichtet bekanntlich im Gegensatz. hierzu, dall der ganze überlieferte Text von Mordochal und Esther aiifgcscliricbcn und an alle Juden in den Provinzen von Persien-Medien versandt worden sei. Wir sind auf die Antwort des ״,Israelit“ gespannt. Was Dr, Mossinsohn recht ist, ist Dr. Raphael Breuer billig. Wird der ״Israelit“ jetzt fordern, dall dieser aus seinem Amte als Bezirksrabbiner von Aschaffen• bürg zu entlassen sei? — A. W. Brief aus Kiew Warum sitzt Belli s, dessen Unschuld Jüngst fcststcht, immer noch im Gefängnis? Nachdem K r a s 80 \v s k i, der 1 hmptcntluillcr, seine Fest־• Stellungen in dem konservativ-antisemitischen Kicwljanin veröffentlicht hatte, erwartete man von Tag zu Tag die Freilassung von lleilis. Statt dessen geriet er in eine noch traurigere Situation, und die größte Strenge kam gegen ihn zur Anwendung. Mit wenn auch die älteren Juden durch die ungewohnte Tätigkeit am Abend ganz ermüdet sind, am anderen Tage sind »ic .wieder bei Sonnenaufgang auf den Feldem, und »Hinter schreitet die Arbeit vorwärts. — Das ganze Dorf ist wie auf den Kopf gestellt; man spricht von nichts anderem, als von den jüdische» Landarbeitern unter Leitung der zionistischen Studeuten. — Und immer größer wird diese kleine Schar, und wetteifernd sucht ein jeder den anderen in der Zahl der (arben, die sic selbst gebunden, zu »hertreffen. — So hnt ein zionistischer Student durch sein aneiferndes Beispiel einer grollen Zahl von Jude» einen Lehensnnleilialt verschafft, er hat aber auch grollzügige nationale Erziehungsarbeit geleistet. Ist es nicht eines der Hauptziele «Ich Zionismus, die jüdisehen Pro!:tarier der heimatlichen Scholle znzufuhren, um 80 aus dem durch den Mangel an Bauern kranken Ju lentume im Qolus ein auf der breiten Basis des Bauernstandes organisch sich entwickelndes jüdisches Volk in Palästina zu machen? Und kann es bessere und erfolgreichere National!- sicnmgsarbt it geben, als wenn im Golus mit der Erziehung der Juden zur Landarbeit begonnen wird, wenn sie sr'ion im Oohts an diese Arbeit gewöhnt 'werden? Und d. .'8er Fall darf nicht vereinzelt bleiben, liier »lull ־׳ine großzügige Aktion cinlrctcn. Der jüdischen Studenten harrt «liese Arbeit, und wahrlich, sie ist der Anstrengung der Berten unseres Volkes wcrtl Man denke sich: Unsere zionistischen Studeuten ziehn in den Ferien auf das Land, tu» sich als Landnrl •iler zu verdingen. In freier Luft gewinnen sic selbst frische Kräfte für ilire geistige Arbeit, die!.> verwendete Ferienzeit bedeutet für sie, die das ganze Jahr mit Privatxtimdcngebe» ihre Kräfte auüv.bcn und in dumpfen, dunklen Stuben wohnen, die beste Erholung. Und erst der Erfolg, den ihr Beispiel zu verzeichnen hätte I Die jüdischen Massen würden mitgerissen werden und lernen eine Beschäftigung kennen, die ganz mit den Zielen des Zionismus iibereiiistinunt: die Nationalisierung des jüdischen Volkes hätte begonnen. Dies ist ein Weg, den die jüdischen Studenten betreten müßten, um mit der Nntbnalisicmng der Massen erfolgreich einzusetzen; dies ist auch ein Weg, der keine Opfer erheischt, vielmehr im Interesse der körperlichen Kräftigung der Studentenschaft dringend anzuraten ist. Und wie in diesem Falle, muß auch bei der ganzen künftigen Agitation für den Zionismus das Beispiel in den Vordergrund treten. Suggestion der Tat ist die Parole, die die zionistische Organisation in der letzten Zeit ausgegeben hat und die in der verstärkten Tätigkeit In Palästina ihren markanten Ausdnick findet. Suggestion der Tat soll auch die Parole sein, die sich jeder Zionist als Hichtschnur seines Lehens verzeichnen soll. Die Studenten, denen der Zionismus L c b c n s a n s c h a u u » g geworden ist, müssen sich. einmal mit dem Gedanken vertraut machen, den Zionismus bis zu den äußersten Konsequcuzeii durchzudenkcn, sie müssen sich dazu rüsten, nach Palästina zu gehen, um durch ihr Beispiel die jüdischen Massen aufzuriittclu. Sic sollen damit rechnen, als reife Männer ein ganz neues Lehen in unserer alten Heimat beginnen zu müssen, und werden daher schon hier im Golus au sich arbeiten und sich vorbercitcn für die große Wanderung, da- Bücher und Zeitschriften Mnncs Mordcchai Leffci: Die erste Blüten. Poemen un Lieder (Jüdisch). New York, 1012. In einem Vorwort, dessen Notwendigkeit uns ebensowenig wie die der nachfolgenden ״Blüten“ cinlcuchtcn will, gibt der sicherlich wohlmeinende Dichter dem schmerzlichen Gefühle Ausdruck, »Ins er beim Abschiednehmcn von seinen Erstlingswerken empfindet. Nur ist cs nicht recht zu verstehen, was ihn denn eigentlich zu diesem ״Opfer“ veranlaßt hat. ,Wäre es am Ende nicht besser gewesenund allein hierin fühlen wir uns eins mit dem Dichter —, wenn er seine poetischen Erzeugnisse hei sich behalten hätte? Einstweilen wenigstens. Vielleicht ersteht uns noch dereinst in Maucs Mordcchai Lcffcl ein wirkliebes Dichtertalcut. Manche Stellen in der vorliegeu• den Llcdcrsammhing, wie ״Auf'11 Dam“, ״Noch der Arbeit“ u. a., scheinen darauf hiuzudeutcii. Da finden wir Ansätze zu einer Formgestaltung. Im ganzen überwiegt jedoch noch eine primitive Naivität, bei den ״Lyrischen Liedern“ ebenso wie bei den ״Nationalen Motiven“. Patriotismus ist ja gewiß eine schöne Sache — nur reicht das allein zur Poesie nicht aus. Und auch die zahlreichen Wiederholungen von ״Schmarzcn“, ״Thrörcn“, j.Zaar“ und ״Golus“ machen cs nicht. Unsere nationalen Schicksale sind nicht dazu berufen, durch die ihnen innewohnende Tragik dichterische Reife zu ersetzen. Der Bringer »1er ״ersten Blüten“ muß erst noch eine gediegene Uterarischc Schulung «fiirelmiaelien, bevor er ihnen weitere folgen läßt. Und sind seine Intentionen wohlgemeint, so ist es »lieser Hat nicht minder. Berlin. Josef Lin. Deutsch-Ostafrika als Siedlungsgebiet für Europäer unter Berücksichtigung Britiscli-Ostafrikas und Nyassalamlcs. Bericht der 1WS unter Führung des damaligen Unterslaatssekrctärs Dr. von Lindc- (! u i s t nach Ostafrika entsandten Kommission. I )uuker tk Hunihiot!')12. Der Verein für Sozialpolitik, die vor 10׳ Jahren gegründete wisscuvcluiUUcUc Vecciulgwug dec deutschen Nationalökonomen, bat sieh neuerdings der sehr interessanten Aufgabe unterzogen, die Bedingungen der Aiisiedlimg von Europäern in den Tropen zu erforsche». Vorstehender Bericht ist die erste der .Veröffentlichungen, die über «liese Frage unter Leihing von Prof. Sc ring io den ״Schriften lies Voreins für Sozialpolitik“ erscheinen werden. Für uns Zionisten haben diese Forschungen großes Interesse, denn Wem« Palästina auch größtenteils zur subtropischen Region gehört, so hat die ganze Jordanseiike doch tropisches Klima, und der Vergleich mit den Ausiedlungshedingungcn der weißen Hasse in anderen Koloitialländern wird auch für unsere Arbeit in Palästina sehr lehrreich sein. Der Bericht über Ostafrika erweckt überdies in uns die trübe Erinnerung an das unselige Ugandaprojekt; er zeigt aber auch, wie wertlos für uns Juden die Kolonisation in Nairobi gewesen wäre. Die deutsche und die britische Regierung haben alles Interesse, die ihnen gehörigen ungeheuren tropischen Kolonialländer wirtschaftlich zu erschließen und ilire in die Tropen ziehenden Auswanderer unter der Ilcimntsflagge als Herreukaste über die unterworfenen Neger* Völker auzusiedeln, was alles die jüdischen Interessen in keiner Weise berührt. Nach dem sehr übersichtlich und saldier gearbeiteten Bericht sind allein in Peiitseh-Ostafrika über 3ü(M)d qkm — also mehr als das bebaubare Land Egyptens oder die Gesamtfläche Palästinas —- hygienisch und wirtsehaftlich für die Ansiedlmig von Weißen geeignet. Aber — zur selbständigen Aiisiedlimg gehören, trotzdem das Land kustculus, vuu der Uvgkuuvg gc« gehen wird, im Durchschnitt mindestens 10000 M., und die Beiriehe sind unbedingt .uif die Arbeite kraft der Schwarzen angewiesen, die jeweils in de» Siedlungen die große Mehrheit der Bevölkerung hilden nuilUcn. Je nach der Gegend sinn Viehzucht, Ackerbau und Pinut.1gcuwi1lscl1.1ft die I lauptcrwerhaquellen; im rohen Durchschnitt dürften 100 ha *■ 1 qkm, oder auf palästinensisch IKK) Dunnm, als mittlere Betriebsgröße gelten, so daß in ganz Deutsch- Ostafrika, das erheblich größer ist als Deutschland, etwa 36000 Familien zur dauernden Siedlung angesetzt werden könnten. Für die großen Kolonialmachte sind vorstehende Bedingungen sehr Intercssant, und die bloße Existenz ihrer Sclmtztruppen genügt, um die Neger in Ruhe zu halten; für uns Juden halten die gleichen Bedingungen die Besicdhing Ostafrikas von vornherein indiskutabel go macht. Dr. IIcymann.

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