Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 34 (23.8.1912)
- Date
- 1912-08-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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I־/ ר 1 r~"\ ך"--^ ך־׳, ך# ־ ך—--־•ן ן ׳ t } I ’ י f* ’ t J , ל י. J v <n n r l .:>1j ü( י׳/...,־ ^נך r7־ n׳c״־D־n 3״/ ג .•יי UL r\n/ס L'JO Nummer 34 Berlin, den 23. ,A 1! 10. E11115672 XVII. Jahrgang Ausweis Sckckel: Elbcrfck! 20,—, Königsberg i. Pr. «0,־־, < iraudenz I —, Dortmund 26,—, Ussa i. P. 1,״. Gulcar (Nicdcrrhcin) 12,—, Rees 1,—. LandesorganlsatlonsbcitrUgo» 1. Ortsgruppe 11: Elberfeld 9,—, Dortmund 4,- biil/hurg (tifizelboitr.) 3,—. 2. Einzelpersonen: Josef Löwenstein, Li«.1 1. P. 5,—, Frau Herrmann Qrauden/. 9,—. f. V e r s cb i e d c n e S p e 11 tl c 11: Kattowit/. 1,—. Eingang vom 14. bis 21. August 1 Schekel: 121, M. Landesorgan i sn t io 11 sbei träge: 31,- M. Gesamteingang: Schekel: 5129,— M. Landesorganisationsbeit rage: 15 631,03 M. Ein Jahr der Arbeit Am 15. August war gerade ein Jahr ver* flössen, seitdem der zehnte Zioiiistcnkongrcl) in Basel seine Tagung geschlossen und das neue fünfgliedrige E. A. C. die Leitung der Geschälte unserer Bewegung übernommen hat. Die Sitzung des Zentralkomitees unserer Be- Avegung, die am 1. September in Berlin zusammen• tritt, wird berufen sein, ihr Urteil über die Arbeit des E. A. C. während dieses kurzen Zeitabschnittes zu fällen. Wir wollen diesen Jahrestag lediglich zum Ausgangspunkt einer kurzen Betrachtung der Arbeitsniethoden machen, wie sie von unserer Berliner Zentrale geübt werden. Wenn man die Presse unserer verschiedenen Landsmannschaften als Sprachrohr jener zionistisehen Mehrheiten, die sie zu vertreten haben, ansprechen darf, so muß inan sagen, daII die Ucbcrcinstimmung der zionistischen Massen mit den Ansichten der Parteileitung wohl selten eine so weitgehende war, wie gerade in diesen Tagen. Und das Bild der Geschlossenheit, das unser deutscher Dclegiertentag im Mai d. J. geboten hat, dürfte auch ungefähr die Verhältnisse innerhalb der ücsaintpartei widerspicgeln. Naturlieh wäre es eine Uebertrcibung, wollte man sagen, daß es in einer so großen und umfassenden Bewegung, wie der zionistischen, eine Opposition nicht gibt. Aber die geleistete Arbeit und einzelnc Erfolge, die ~ trotz, der kurzen Spanne Zeit ־ ־ unverkennbar sind, haben manchen von seiner divergierenden Ansicht abgebracht und vor allem ist das Vertrauen der Partei zu ihrer Leitung Wohl ein uneingeschränktes. Die enge geistige Fühlung der Landsmannschäften mit der Berliner Leitung ist wohl mit in erster Linie den zahlreichen und oftmals recht •weiten Reisen zu danken, die die einzelnen Mitglieder des E. A. C. und seine Beamten im abgeiaufenen Jahre unternommen haben. Es hat sich ge- Tcigt, daß kein noch so reger brieflicher Verkehr die Vorzüge einer persönlichen Aussprache über organisatorische Fragen ersetzen kann, und daß der Anwesenheit und den propagandistischen Benuihuugen der Berliner Herren jedesmal ein Auf- Schwung des zionistischen Lebens in dem bctreffenden Lande zu danken war. Erst in diesen •Tagei ist Dr. Lcvin zur Jahreskonferenz aus •Palästina zurückgekehrt, wo er seine Kraft in erster Linie dem zu errichtenden Technikum in Haifa gewidmet hat. Die Vorteile, die unserer ,*Arbeit aus der Anwesenheit unserer A. C.-Mit- Glied, r in Palästina erwachsen müssen, liegen auf der Hand. - Während Kurt B1 u m c n f c I d, dessen ,agi- •tatoriiche Fähigkeiten wir deutschen Zionisten besonders zu schätzen wissen, in Mittel- und «Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volle 1120 Ccbnfaun» einer öffentilcb-recMUcb £001chorfcon Hclmotütto ln PalüßUarj#“ D.'iselcr Ps0־g7amxn. Nordeuropa ein Arbeitsgebiet für seine propagandistischc und organisatorische Fähigkeit gefunden hat, ist in Herrn Dr. Philipp Korn grün ein Sekretär für die südosteuropäischen Länder, aus denen dem Zionismus voraussichtlich noch tüchtige Kräfte erwachsen werden, gewonnen worden. Mit besonderem Stolze darf cs uns deutsche Zionisten erfüllen, daß cs — besonders dank der glücklichen Personalunion zwischen dem E. A. C. und unserer Landsmannschaft — gelungen ist, viele der bei uns geübten Methoden auf die Zentrale sowohl, wie auf einzelne andere Landsmannschaftcn zu übertragen. So ist man in letzter Zeit nach deutschem Muster in vielen Ländern zur Einrichtung besoldeter Parteisekretariate geschritten, und die Erfolge, die damit erzielt wurden, sind schon heute unverkennbar. Die großen Vorteile, die Berlin als Sitz unserer Leitung für sich haben muß, machen sich tagtäglich bemerkbar. Die Besuche durchreisender Gesinnungsgenossen, die jedesmal die Gelegenheit einer zionistischen Aussprache in unserem bmeait mit Freuden ergreifen, tragen das ihrige dazu bei, zwischen Partei und Leitung ein Verhältnis gegenseitigen Verstehens und Vertrauern; aufrechtzuerhalten. Die Arbeitsteilung der einzelnen Ressorts hat sich vorzüglich bewährt, und vor allem Ist die ständige Anwesenheit eines unserer A. C.-Mitglieder in Konstantinopel von hohem Nutzen. Auf dem Gebiete der Palästinaarbeit erzielte das Zusammenwirken mit unserem Palästinaamt und dessen Leiter Dr. Ru pp in weiter günstige Resultate, und es ist da in erster Linie die Aktion zugunsten der Yemeniten zu erwähnen, die mit Umsicht und Tatkraft eingcleitet wurde. Hier ist auch der Nationalfonds, in richtiger Erkenntnis der überragenden Bedeutung dieser Aktion für unser Kolonisationswerk, mit recht bedeutenden Summen eingespnmgen, und cs ist sicher, daß zum gegebenen Zeitpunkt jeder der Unseren für diesen Sonderzweck weiteres bereitwillig steuern wird. Der stete Aufschwung des Nationalfonds, den wir natürlich in erster Linie dem großen Stabe seiner Beamten und Kommissäre, besonders aber dem Kölner Bureau und seinem Leiter zu danken haben, dürfte in gewissem Sinne einen Barometer äbgeben für die Arbeitsfreudigkeit, die jetzt allenthalben in zionistischen Kreisen herrscht, und cs ist nur zu bedauern, daß diese Aktivität nicht jn vollem Maße ihren Ausdruck findet in den Eingängen für den Zcntralfonds unserer Bewegung. Wir deutschen Zionisten sind durch den Beschluß unseres Delegiertentagcs noch besonders verpflichtet, einen Beitrag zu leisten, der der Bedeutung unserer Landsmannschaft entspricht. Wir, die wir der Arbeit unserer Zentrale örtlich so nahe sind, wissen vielleicht am besten, wie viele Möglichkeiten diese Leitung ausmitzcn kann, wenn ihr die notwendigen Mittel zur Verfügung gestellt werden. Denn die Arbeit, die sic bisher in der kurzen Spanne Zeit eines Jahres geleistet hat, fußt auf dem festen organisatorischen Unterbau, den wir der Kölner Periode verdanken. Das wollen wir uns jederzeit, wenn wir uns neuerer Erfolge freuen dürfen, vor Augen halten. Auf der Jahreskonferenz werden fraglos nicht nur diese Lichtzeiten der zionistischen Gegenwart aufgezeigt werden. Wir sind gewohnt, von unseren Behörden viel zu verlangen und ihre Arbeit kritisch zu betrachten. Aber alle werden, wenn sie, die aus allen Ländern zusanrniengc* kommen sind, nach I lause zurückkehren, das Gefühl init nach Hause nehmen, daß cs vorwärts geht mit unserer Arbeit, und daß wir mit frohem Mute in eine arbeitsreiche zionistische Zukunft sehen dürfen. Die Suggestion der Tat Es ist eine alte Binsenwahrheit, daß die natio* natc Erziehung der jüdischen Massen, die unser Hauptprogramm iin (Jolus bildet, nicht die Rcsultäte aufzuweisen hat, die wir erwartet hatten. Der Grund liegt auf der Hand. Das jüdische Proletariat des Ostens kennt den Zionismus noch gar nicht. An diesen armen Juden, deren Elend fast sprichwörtlich geworden ist, die unter’ dem schweren Drucke fortwährender Frohnarbeit leben und vor lauter Arbeit sogar daran vergessen, daß sic Menseiten sind, die heute nicht wissen, wovon sic morgen leben werden, sind die Wogen ,nationaler üegeisterung fast spurlos vorübergezogen. Wenn sie auch zionistisch füllten, vollbewußte Zionisten sind sie nicht. Unsere Versammlungen besuchen sie nicht, da sic vom Kampfe um das tägliche Brot ganz absorbiert werden, die Stimme unserer Agitatoren dringt nicht bis in die sclunut/igcu GäHchcn der jüdischen Ohctti, und die zionistischen Werke und Broschüren, durch die die jüdische Intelligenz mit unerbittlicher Notwendigkeit zum Zionismus geführt wird, ver* stellen sic nicht. Gibt es also kein Mittel, um die jüdischen Massen zionistisch zu erziehen? Von einem ganz eigenartigen Versuche, der im Sinne nationaler Arbeit unternommen wurde, soll hier berichtet werden. Von einem Versuche, der das ungeteilte Interesse der jüdischen Öcffentlichkeif, verdient, weil er eine weite Perspektive in der zionistischen Betätigung zu eröffnen imstande ist. Es ist jetzt Erntezeit in den Golusländcrn Europas. In jedem Dorfe, au( jedem größeren Anwesen werden Arbeitskräfte gesucht, um der sich häufenden Arbeit Herr zu werden. Fetdarbcitvr werden um diese Zeit am besten entlohnt. So werden in einem größeren Dorfe in der Bukowina, von dem in diesem Zusammenhänge die Rede sein soll, alljährlich Landarbeiter in großer Zahl aus Galizien und Ungarn cingefiihrt, um dem Arbeiterinange! wenigstens zum Teil zu steuern. Und doch fiel cs den zahlreichen jüdischen Familien, die in diesem Dorfe leben und die gar keine Beschäftigung haben, die jeden Tag auf irgendein außergewöhnliches Ereignis warten müssen, um ein Stückchen Brot zu verdienen, niemals ein, in der Feldarbeit ihren Erwerb zu suchen. Und da geschah vor kurzem etwas Eigenartiges. ~ Ein junger, zionistischer Student, der seine Ferien in diesem Dorfe verlebt, versuchte diese beschäftigungslosen Juden der Landarbeit zuzuführen. Umsonst! Man zuckte über ihn die Achseln, man verlachte ihn sogar, die Agitation half nichts. Kurz entschlossen vermietete er sich selbst als Landarbeitcr und widmete siel» mit Feuereifer dieser ungewohnten Arbeit. Und das Resultat! — Wo die vielen Worte gar nichts gefruchtet hatten, da wirkte sein Beispiel wie ein Ereignis. Anfangs zögernd, noch von alten Vorurteilen befangen, wandten sich die Juden allmählich der Landarbeit zu und jetzt, nach kurzer Zeit, ist eine ganze Reihe jüdischer Landarbeiter auf den Feldern dieses Dorfes bc# schüftigt. Eine zusammengewürfelte Schar ist cv, 40—50 jährige Juden, kräftige Burschen, und blühende junge Mädchen, die. bis spat in die Nacht hinein arbeiten; Gesang und Scherz würzt die Arbeit, und