Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1912)
- Date
- 1912-08-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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beite 313־ Nr. 33 j U E D Hi C 11 L; RUNDSCHAU Bredereck | - Wir haben durchaus keine Neigung, feurige ' Kohlen zu sammeln auf das Haupt von Leuten, die j uns lange Jahre mit Hall uml Verleumdung verfolgt! haben. Aber was Hredercek tat, haben vor ihm ן andere charakterschwache Lebeleute getan, uml Juden 1 wie Christen, Antisemiten, und Liberale sind auch j weiterhin den Versuchungen dieser Welt ausgeset/t. i Ger.ide in diesen sonst so stillen I tochsonuuertagen , haben sich diese Ereignisse gedrängt, und mau winde! auch Hredercek zu den übrigen tun, wenn er nicht ׳ | Chen lange Jahre hindurch ein Führer der Ikrliiier 1 Antisemiten gewesen wäre. Das ist <;in erschweremies Moment. Denn wir sind cs in Deutschland gewöhnt, j 11.11• Leute, die sich au die Spitze politischer Hewe- j gungen stellen — schon Jim der Sache willen, der . sie dienen wollen — in ihren privaten Dingen ,mf peinliche Sauberkeit bedacht sind. Und die l>om• bastischcn Reden, die der nunmehr Flüchtige in den Berliner Versammlungslokalen vom Stapel lieh von deutscher Treu und Redlichkeit, biederber Genügsam• keil usw. erhalten nun einen doppelt peinlichen Nach• gesdiinack. ״Noch keinen sah ich glücklich enden“ hörte man von den Führern des politischen Antiscmhis• min sagen. Und in der Tat ist die kriminelle ״Verhi'tiistc“ dieser Partei größer denn die irgendeiner anderen. Ist das ein Zufall oder gibt es tiefere Gründe? Natürlich wäre es töricht, bei all den doch immer noch recht zahlreichen Anhängern dieser Parteien eine kriminelle Disposition vorauszusetzen. Aber man muß fcsthaltcn: Das Bekenntnis zum Riuialmordglauben uml anderen blutrünstigen Uebcr• Zeugungen setzt doch immer irgendein Manko voraus, das man bei einigem Wohlwollen auf intellektuellem Gebiet zu suchen vermag. Und eine so geartete Masse — obwohl es viele nicht wahr haben wollen, handelt cs sich noch immer um eine Masse — muß für kleine, ehrgeizige Strebernaturen die geeignete Folie abgehen, um sieh zur Geltung zu bringen, Dciitsilmationate I lamlhmgsgehülfen mul ähnliche arme Schlucker rühren eben beifallsfreudig die Hände, wenn ein Herr Rechtsanwalt ihnen einige Phrasen vorpommt, mag er für seinen Privatbedarf auch eine ganz, andere, vielleicht in vielem entgegengesetzte Moral haben, als in den Volksversammlungen. So haben sich die Ahlsvardt, Pürklcr, Schack, Bnihu •zur Ocltung gebracht, und so hat sich Bredereck seinen Kreis und eine gutgehende Praxis geschaffen. Demselben Trieb nach Geltung entsprangen seine kostspieligen Passionen, der Wettuml Spieleifer, die sein Verhängnis wurden. Recht deutlich aber wollen wir betonen, daß diese kleinen Betriebsamen durchaus nicht die berufene» Vertreter des Anti- Rcmitiunus in deutschen Landen sind. Da wirken andere Motive und auch andere Leute. Und aitir Vogelstraußpolitik wird glauben, daß durch die Kornpromidicning dieser Mittelstandsführcr der antisomi• tische Geist bei uns geschwächt werden könnte. üAüs.AueR. mn Galizien Bei den internationalen Esperantokongressen war cs bisher üblich, Festgottesdienste mit Esperantopredigten und *gesängen in den christlichen Kirchen abzuhalten. Angesichts der Tatsache, daß in der Stadt Krakau, in welcher der diesjährige Kongreß stattfindet, eine sehr bedeutende jüdische Gemeinde besteht, wandte sich Herr Rektor Saphra an das Organiza Komitato mit der Anregung, auch einen Festgottesdienst im israelitischen Tempel in Erwä- Rung zu ziehen und sich mit dem Rabbiner und der Gemeindevertretung in Verbindung zu setzen. Das geschah t Der Herr Rabbiner war sofort cinverstanden, und so empfing der Herr Rektor die Nachricht, daß die Qcmcindc cingewilligt uml die nicht unbedeutenden Kosten von 150—200 Kronen zur Verfügung gestellt hat. So wurde am 15. August in der Krakauer Synagoge, gleichzeitig mit den andern Konfessionen, ein Fcstgottesdienst in Esperanto: Predig» und Gesänge (unter anderem Psalm III) ab* gehalten. Die Predigt hielt Herr Rektor Saphra. ־־ Was in der Kirche noch einigermaßen Sinn haben mochte, wird im jüdischen Ootteshaus zu einer deplacierten Spielerei. Denn das Hebräische dürfte doch wohl auch allen Besuchern des Esperantokongresses, die den Tempel nicht aus bloßer Se»sationslust besuchen wollten, als religiöses Vcrsländigur^gsmittel genügt haben. Kroatien ' Im Jahre 1807, also genau vor 15 Jahren, leitete •der Vorsteher der Essck-Obcrstädtcr Kultnsgemeindc, unser Gesinnungsgenosse Dr. Hugo Spitzer, eine Aktion ein, um die Eliminierung des besonderen Judeneide:; aus dem Prozeßverfahren im Wege der Gi'sel/gehimjr zu c. wirken. Trotzdem!eine an den Landtag der _ Königreiche Kroatieii-Slavonien uml Dalm.itien i;v.*icaic:c, 1;׳•;cl.ö'.femi motivierte Petition von allen u!|!n׳(;ciadadcn des. Landes gutgchcillcn und unterstützt und auen vom Landtage der Regierung zur Würdigung abgetreten wurde, wollte die Sache nicht vorwärts kommen, Die Landesregierung nrbeitete zwar wiederholt Entwürfe aus, allein der stete Regierungs, und SyMemwechsel bn.chtc cs mit sieh, daß Keiner dieser Entwürfe Gesetz wurde, ja nicht einmal zur verfa■•;stmgsinüßigcn Behandlung vor den Landtag kam. Nun hat der königliche Kommissär in Kroatieii-Slavonien, Exzellenz von Ctivaj, eine Landes-Gcset/galuings-Kommission eingesetzt, welcher von kroalisch-slavonische» Juden'Vorsteher Dr. Hugo Spitzer, Abgeordneter Dr. Ludwig Schwarz (Agram) und Bankdirektor Oskar Weilhnaytr (Essck) als Mitglieder angehören, und eine der ersten Arbeiten dieser Kommission war die Schaffung eines Gesetzes zur Abschaffung des Jmlcueides. Der von der Kommission entsendete Ausschuß, dessen Präsident Abgeorilucier Domherr Dr. Radiccvic und Vizepräsident Kultusvorstcher Dr. Spitzer ist, hat in seiner am 30. Juli abgehallcncn Sitzung die Regierungsvorlage in Verhandlung gezogen und mit einigen Abänderungc» angenommen, so daß bei dein demnächst zu erwartenden Zusammentritt des Landtags das Gesetz, mit welchem der Jtidcncid jn Kroatien-Slavonicn abgeschafft wird, endlich zur Tat werden wird. Unf/arn Bekanntlich strebt gegenwärtig die ungarländischc Judenheit mit erfreulicher Energie die Erlangung der konfessionellen Autonomie an. Jüngst sprach eine Deputation beim ungarischen Unterrichtsminister, Grafen Johann Zlchy, vor, um ihn für die Sache zu gewinnen. Graf Zichy antwortete in einer längeren, wohlwollenden Rede, der wir folgende markante Sätze entnehmen, die ungemein hezeichnend sind: ״Sie Minnen überzeugt sein, «Infi das Schicksal des Judentums auch in dieser Frage In UIo 11 Uml0 des Judentums seihst gelegt Ist. Insoferne Sie mit de!» Gewichte, mit dem einheitlichen Willen auftreten können und wollen, der zu der vollständigen ,Ausgestaltung einer derartigen Angelegenheit notwendig ist, werde Ich mit größter Freude zu ihrer Unterstützung hcrlieleilen und an der Verwirklichung ihrer Autonomie mitwirken.“ Es ist interessant, daß die Regierung selbst die Juden des Landes darauf liinwcist, wie sic nur durch eine einheitliche, die ganze jüdische Bevölkerung umfassende Organisation zu ihrem Rechte gelangen könne, uml daß alles Petitionieren fruchtlos bleiben müsse, wenn nicht gleichzeitig ein starker, von der Gesamtheit getragener Wille fordere, was des Volkes ist. Der Bescheid des ungarischen Ministers erinnert an die Aeußemng des ehemaligen cislcithanischen Ministerpräsidenten Baron Biencrth gegenüber Adolf Stand, in der er bedeutete, die Regierung sei insolangc außerstande, den jüdischen Forderungen gerecht zu werden, als sie nicht mit einer legitimierten Vertretung, welche die Gesamtheit hinter sich habe, verhandeln körnte. Mögen die Juden beider Rcichshälften aus diesen Eium/iationen der verantwortlichen Minister die Lehre ziehen t Itustiiand Vor einigen Monaten hatte sich eine Jüdin, Hannah Spector, vor dem Gericht von Oman unter der Anschuldigung des Rituahnordes zu verantworten und wurde nach längerer Verhandlung freigesprochen und aus der lange Zeit erlittenen Untersuchungshaft entlassen. Aber der Senat, bei dein der Gencral-Prokurator Berufung cinlcgte, annulierte das freisprechcnde Urteil, und Hannah Spector flüchtete nach Amerika, um einem ungewissen und gefahrvollen Geschick und weiterer langer Untersuchungshaft zu entgelten. Diese Flucht war nun Wasser auf die Mühlen der Antisemiten, die natürlieh behaupteten, die Frau hätte Rußland nur verlassen, um der sicheren und gerechten ,Verurteilung zu entgehen. Die jüdische Gemeinde von Oman, die für sich und womöglich für das gesamte mssisehe Judentum Schlimmes befürchtete, appellierte an den Edelmut Hannah Spectors und hat sie, sich dem Gericht zu stellen, um unabsehbares Unheil von der Oemcinde abzuwenden. Die Angcschuldigtc versprach nun, im Herbst nach Rußland zurückzukehren und die Aufregungen und Gefahren einer erneuten Verhandlung auf sich zu nehmen. Türkei Schaft, ferner Mühlen, Pumpen, Buttermaschinen, ZeiiUifngnlpuinpeu für die Bewässerung und noch viele Arien kleinerer Maschinen. Das ganze Verzeichnis ist heim Konsulat zu erfragen. (Deutsche Levante- Zeitung.) m Die Gemeinde in K o n s t a n t i 11 o p c I befand sich seit längerer Zeit in einer Krise, weil zwischen' dem Großrabbiner und der aschkenasischen Gcnteinde ein heiliger Konflikt nusgchroeheii war. Nunmehr ist, insbesondere dank der vermittelnden Tätigkeit der Loge ״Bnei Berith“, der Frieden wicderliergestellt worden. "Die nschkcnasischc Gemeinde hat sieh mit dem Großrabbinat .geeinigt, nachdem sie iltre Hauptforderungen durchgesetzt hat, und der ״Mcdschliss dsehisniaiii“, das Konsistorium der Juden von Konstantinopel, ist so zusammengesetzt worden, daß den verschiedenen Richtungen eine entsprechende Vertretung gewährleistet ist. Amerika ln den letzten Wochen fanden zwei zionistische Tagungen statt, die den Fortschritt der zionistischen Bewegung in Amerika deutlich illustrieren. Die kanadisclien Zionisten hielten in Ottawa ihre Jahreskonventio» ab, die von 350 Delegierten besucht war. Aus den Berichten mul Referaten ging hervor, daß es in Kanada mehrere Tausend organisierter Zionisten gibt, die seit ihrer letzten Tagung etwa 00 0(10 M. für zionistische Zwecke aufbrachten. Der stcllvcrtretende P r e 111 i e r m i 11 i s t e r von Kanada, Mr. George 11. Perley, hielt eine enthusiastisch aufgcnommenc Rede, in der er von dem vorzüglichen Eindruck berichtete, den die jüdischen Kolonien in Palästina auf ihn gemacht hätten. Die ca. 20 000 Zionisten der Vereinigten Staaten entsandten ihre Vertreter nach Cleveland. Auf dieser Tagung wurde fcslgestellt, daß die amerikanische Judenheit immer größeres Interesse an der jüdischen Arbeit in Palästina gewinnt. Es kann nicht weiter wumlernchmen, wenn die Tatsache, daß unter den im Fall Rosentlwil kompromittierten Spielern eine grölte Anzahl von Juden vertreten sind, auch im freien Amerika in der Presse weidlich unterstrichen lind brcilgetrcten wird. In erster Linie tut sich hier ״The New York Telegram“, die Abendausgabe des ״New York I Icraltl•• hervor, und unser Gesinnungsgenosse Rabbiner Dr. Magncs in New York hat bereits Gelegenheit genuinmen, das Verhalten dieses Blattes öffentlich festzunngcln. Die jüdische Gemeinde hat bereits umfangreichc Maßnahmen getroffen, um auch nach außenhin ihren festen Wißen zu bekunden, den neuerdings zu Tage getretenen sozialen Schäden entgegenzutreten, insbesondere dann, wenn Angehörige ihrer Gemeinschaft zu den Schuldigen zählen. PAL־AeSTlW'A־RUAD־SÜHAV Dsclieniama, die neueste Kolonie Palästinas, liegt zwei Stunden Wagenfahrt östlich von Gaza und ist somit die südlichste jüdische Ansicdhiug in Palästina. Der Boden wurde reichen Beduinen abgekauft, welche noch weite Bodenflächen ringsumher besitzen. Der Kauf wurde erst diesen Winter abgeschlossen. Die Bodenlläehe beträgt etwa 6200 Dunaitt, wovon gegen 5000 Dunam anbaufähig sind, denn ein Teil des Bodens ist hügelig. Die Kolonie selbst liegt in einer tiefen Talschlucht, die Häuser des kleinen arabischen Dorfes sind zu beiden Seiten des Wadi gebaut. Die Umgehung ist außerordentlich fruchtbar. Bekannt ist die arabische Gerste, die massenweise von Gaza exportiert wird. Doch sollen in der neuen Kolonie vorzugsweise Pflanzungen angelegt werden. Das jüdische Besitztum ist durch Stcinmale gekeunzeiehnet, damit alle Besitzstreitigkeiten vermieden wer* den. Die umgebende Bevölkerung besteht größtenteils aus halbansässigen Beduinen. Mit dem Bau der Kolonie soll erst begonnen werden. Das erste Hatis wird eine Mühle sein, die ein Jude aus Gaza anlcgt, wie auch sonst in der Umgebung mehrere Mühlen von Juden gehalten werden. Die landschaft* liehe Lage soll!nächtig sein. Zahlreiche Hügel und tiefe Talschluchten, im Osten ist das Gebirgsland von Hebron sichtbar, im Westen das Meer. Viele Ruinentrümmcr sind in der Gegend verbreitet und in der Kolonie selbst zu finden. Auf dem Wege nach Hebron finden sich die Ruinen von Bcmr-Tct und die des alten Lachisch. Die Kolonie gehört als die einzige dem Kaimnkamlik Üerseba an. (Nach dem ״Hapoel I iazair“ aus ״Palästina“.) * Wie das Inforinationsbureau des Odcssacr Pa* lästinakoinitces mitteilt, sind durch seine Vermittlung; int Juni d. Js. 300 jüdische Emigranten nach Palästina ausgewandert, und zwar 169 männliche und 131 weibliehe Personen. Von den Auswanderern waren 73 noch nicht 15 Jahre alt, 99 befanden sich hn Alter von 15—30, 77 im Alter von 30—50 und 5! im Alter von mehr als 50 Jahren. Als Rcisczwcck bezeichnten Es sind nunmehr folgende Maschinen zollfrei nach der Türkei /!!gelassen: Dampfpflüge aller Arten, Eggen, Rollen, Walzen, Scliröpfciscn, Ausjätcr, Hacken, Säcinasehinen, Dimgäusbrciicmnschincn, Moforen aller Arten für den Gebrauch der Landwirt-