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Jüdische Rundschau · 1912-08-16 · Heft 33 (16.8.1912) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVII (1912)
Issue
Heft 33 (16.8.1912)
Date
1912-08-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 31£_;___ gegen jene intelligenten, arbeitsamen, ciilbchrmigs. reichen und bewunderungswürdig widerstandsfähigen jüdischen Leute; daß er im Gegenteil stets holte Achtung vor 'den grollen intellektuellen Fähigkeiten mul der /ivilisatorisclien Mitarbeit jenes zerstreuten Volkes gehabt habe. Nur die hohen Interessen des An• Sehens und der souveränen Integrität eines <holler- Portugal veranlallten ihn, sieh gegen eine grolle Zahl ausländischer Kolonisten atisziisprcchcn. In den hencidelcn I locliliiudern würden sieh in wenigen Jahren vielleicht eine halbe Million Juden befinden, in lä bis 20 Jahren mehr als eine Milhoii, die von ver• Hchiedencn grollen und mächtigen Ländern kommen, denn es gehe Millionen davon in Rußland, Dcuts'eli• land, Oesterreich-Ungarn, und viele von ihnen seien anscheinend sehlecld untergebraeht. Der Verfasser schreibt dann wörtlich: ״Wenn das jüdische yolk jungfräulichen Hoden beackern will, weshalb zieht es jetzt •das portugiesische Afrika vor, und ausgesucht diejenige Kolonie, die durch den Mund der Welt als am meisten bedroht hingestellt wird, und warum erbittet es nicht Asyl und Installation in den gewaltigen afrikanischen Besitzungen Englands, Frank• rcielis oder Belgiens? Fs ist eine sonderbare Vorliebe gerade in der Zeit, wo wahrsagende Propheten einer starken, vorherrschenden Nation nur noch eine kurze Frist stellen bis zur unvermeidbaren Absorbierung unserer Kolonie Angola mit ihren grollen Häfen, ihren sehr fruchtbaren Hochländern, mit ihren so ausgedehnten Orcnzcii, dal! darin zweimal das deutsche Kaiserreich stecken könnte? (iiht man uns vielleicht den Vorzug, weil unsere Ländereien besser sind, weil unsere Souveränität freigebiger ist, oder weil mau die Verteidiguugsaktion unseres Volkes, das so viel arbeitsame Leute durch die Welt zerstreut leben hat, für schwächlicher hält?" Der Verfasser will daher nur eine beschränkte jüdische Einwanderung /!(lassen, und zwar in der Weise, dall die Pflanzungen und Dörfer der Juden zwischen Pflanzungen und Dörfern der Portugiesen zerstreut liegen, sowie dall die besten I loehiämler zwischen 11 u i 11 a und B i h e ganz für die Portugiesen reserviert bleiben. Auf keinen Fall dürften sieh die Hochländer von Judäa zwischen 1 luilla mul Ha ihm du (Süd-Angola) und zwischen Mal an ge und Lun da (Nord-Angola) aiisdelineii. Der Verfasser schlicht alsdann mit den Worten: ״Schwarze Adler fliegen, krächzend vor Habsucht, über jene Höhen dahin, die das Volks Israels ohne unsere Rechte, unsere Tradition, unsere Seele und unser Blut nie. mit I ler/enshiiigebimg winde verteidigen können.“ Man ersieht aus dem ganzen Ciedaukcngauge, dall, wie auch schon in der portugiesischen Senats• Sitzung vom 2. Juli zutage trat, keinerlei religiöse Gründe, sondern schwere politische Bedenken in Por• tugal gegen diese jüdische Kolonisation angeführt werden. IIs wäre gut, diese Bedenken noch vor der Ausreise der Kommission zu zerstreuen, wenn auch so erst der nächste Dampfer am 21. August oder der diesen einholende Schnelldampfer am I. September benutzt werden könnte, was allerdings bei der in Süd-Angola bald einsetzenden Regenzeit weniger au• gcnclun wäre. L. Schapiro: Das Kreuz fAus dem Jüdischen übertragen von Siegfried S c 11 m i t z.t (Schluß.) Einige Zeit verging. Dann hörte ich eine Stimme. Es war ei ו Acch7.cn, ein Weinen, ein Schrei, alles zugleich, lind der Schrei hatte Worte. Die Stimme war heiser mul furchtbar verändert; und doch klangen die Worte klar und bestimmt an mein Ohr, wie langsame Ciloekenschläge. ״Ach, mein Solurl“ Zum erstenmal in ihrem Leben 1 Schweiß rann von meiner Stirn. Tropfen fielen aus meinen Augen. Ich riß aus Leibeskräften, und die Stricke schnitten in mein Fleisch. Gott erbarmte sich meiner: Vor meinem Kopfe drehte sich alles; ich verlor die Besinnung. Nur ein Gelächter hörte ich noch um mich herum. Dann kam ich auf eine Minute zu mir. Wieder redet der kleine Gelbe: ״GenugI Die soll stück• weis krepieren vor seinen Augen. Und den da will Ich bekreuzigen, damit ich seine dreckige Seele rette.“ Ich fühlte zwei tiefe Schnitte auf meiner Stirn, einen über dem zweiten; und ich hörte ein Ge• Lichter. Ein schmaler, warmer Strom rieselte von der Stirn über die Nase und rann mir in den Mund. Ich verlor wieder die Besinnung. VIII. Tiefe Finsternis. Tiefe Stille. Nichts wirkt von außen, nichts ist fest im Innern. Nichts — nur eine _ jUEDlSCM E RUNDSCHAU Taufbazillen Fine bakteriologische Studie. Vor einiger Zeit ist ein Buch, betitelt ״Juden• laufen", erschienen, enthaltend Aussagen berühmter Zeitgenossen über die Erscheinung der Judentaufen. Alle diese I len en betrachten diese Erscheinung mehr vom soziologischen Standpunkte. Ich gestatte mir, uhcr diese Frage auch eine Meinung zu haben mul, da ich diese l.chciiscrschcimmg von der naliirwisxcii• sclinlllich-biologisclicn Seite betrachte, wird meine Ansicht von den dort niedergclcgteu ein wenig ah• weichen. Die Juden oder Israeliten (von neueren Verfassern auch ״Mosaistcu" genannt) sind längst durch ihre Akkliinatisatiousfäliigkeit und ihr Atipassungsvcr• mögen bekannt. Aetißcrlich und innerlich, körperlich und geistig. Im Mittelaller und bis zur allerncucsten Zeit beschränkte sieh diese Fälligkeit nur auf das Aeullerc. Das Innere ist heim Juden in Deutschland wie in Persien mul Marokko dasselbe geblieben. In der neueren Zeit tritt mm auch das innere zNiipassiingsvermögen immer mehr in Erscheinung. In einigen Dezennien haben die Israeliten mit der Tracht auch ihre alten Gebräuche und Sitten aufgegehen und sind andere Menschen geworden, ganz imigcwaudelt. Dieses lhuwaiidluiigsvcrmügcu steigeit sich ge• r.ule in der letzten Zeit oft bis ins Krankhafte und greift auch auf das Seelenleben lind die Religion über. Es isl oft ganz, merkwürdig, wie mich das religiöse Empfinden und Bedürfnis sieh mit den örtliehen Bedingungen ändern. Von zwei Schwestern, Töchter eines und des• seihen Koiimierzienrntpanies, Isidor Lichteiistein und Frau Jettchen, geborene Treitcl, wirtl die eine Gattin eines Berliner Bankiers in der protestantischen Lehre selig, während die zweite, die nach Wien geheiratet hat, mm an die Heiligen der katholischen Kirche glaubt. In Moskau schwärmen oft alle, ansgewieseue I amilienväler und junge Studenten für den griechisch• orthodoxen Glauben; die jungen Israelitinnen in Saluiiik finden mir in der!.ehre des Propheten ihren inneren Frieden; auf der Halbinsel Kamtschatka he• geistern sieh Juden für die hohe Lehre Buddhas. Es ist aber noch nicht vorgekommeii, daß z. U. eine reiche Israelitin in Wien oder Paris ihr Heil in der evangelischen oder orthodoxen Lehre gesucht hätte. In Berlin hat noch niemals ein junger jii- Bischer Rechtsanwalt für den Buddhismus oder den Katholizismus geschwärmt, sondern immer nur für die i-elire Luthers. Diese Umstände sind doch sehr beachtenswert, Denn cs ist doch etwas unwahrscheinlich, daß die Akkliuiatisationsfähigkeit und der Einfluß des Milieus solche tiefgehenden Veränderungen im geistigen Leben hervomifen könnte. All dies bringt mich zu einer vielleicht etwas gewagten Hypothese, die aber in. E. vieles für sieli hat und manche Erscheinung erklärt. ' Die religiösen Vorstellungen und (ieistesrichtim• gen sollen demnach, analog den Infektionskrankheiten• durch gewisse bazilleiiartige Religioiis• und Gedanken• erreger übertragen werden. Ohne Bazillus keine An• dacht mul keine Inbrunst. Es gibt aber mehrere Unruhe, eine schwere Unruhe, ein angestrengtes Suchen nach etwas Festem, nach einem Punkte. Ein Wort ist aus diesem Chaos in diese Welt liiueingeirrt, ein kleines Wort: ״Was?“ . , . Und dreimal ״Was? Was? Was?“ , . . Und zw.mzigmal: ״Was?“ Und das Wort wächst und weitet sieh und vermehrt sich, und daraus wird: ״Was ist da?“ . . . ״Was ist ringsum?".Was ist das Ich, und was isl außer dem Ich?“ . . . Plötzlich ein jähes Lieht und ein starker Schmerz, zugleich in meinem Kopf, Drei Worte stecken mir im Hirn, wie eine dünne, lange Nadel, durchgcslochcu von einem Ohr zum andern: ״Ach, mein Solm!“ . . . Ich kam zur Besinnung, -• Nacht. •Die Lampe war verloschen oder d i e haben sie ausgelöscht, ehe sie gingen. Ich stehe, ans Bett gebunden: auf meiner Stirn ich fühle es — hremit eine Wunde scharf lind schneidend und üluitätiht den Sehmer/, der andern Wunden. Aus der Stadt dringen allerlei Töne; die Stadt schreit mitten in der Nacht, ,schreit dumpf und schwer. . . . Nicht weit von mir, auf dem Bette, zuckt etwas in der Finsternis. ״Mutter!“ Stille. Keine Antwort. Meine Stimme reicht nicht dorthin, in jene Wcltcnrcichc, wo ihr gestrenger, rauher Sinn schwebt. ״Ach, mein S0I111!“ hat sic mir gerufen. Ja, ihr Solml Jeder Tropfen Blut, den sie jetzt verliert, fließt auf ungekanntem Weg in meine Adern und entfacht dort einen Höllenbraiul. ״Ach, mein Solml“ — ein schwerer Hammer bewegt sich langsam auf und nieder und fällt jedesmal auf meinen Kopf, und — ganze Welten fallen in Trümmer . . . Nr. 33 Allen dieser Religioiish.i/illeii, die in den vcischio denen Wcllgcgcndcu, je nach den klimatischen und ähnlichen Bedingungen, verschieden wachsen und gedeilien. Au den Ufern der Spree z. B. sind die Verhältnisse für die protestantischen Bazillen günstig, während die anderen Religionshazillcn sich dort nicht gut halten können und zugrunde gehen. In mehr südlichen und westlichen Breiten sind die Verhältuisse für andere Rcligioii’diazillcii günstig, was durch die dort überwiegend katholische Bevölkerung hewiesen wird. Auch die dort wohnenden Isiacliten b/w. ihre religiösen Ansehammgen werden natürlich von den dortigen Bazillen hecinfhißt mul von keinen anderen wenigstens nicht mit der gleichen Intensitat infiziert. Die griechisch-orthodoxen Ba• rillen entwickeln sieh gut in einem mehr rauhen Klima, z. B. in Rußland. Ihre westliche Grenze .scheint die Ostsee zu sein. Dagegen brauchen die Islam-Bazillen ein warmes orientalisches Klima. Auf diese Weise kann die Eni Wicklung und Verbreitung der verschio denen Religionen auch bakteriologisch erklärt Werden, teil stelle meine I Ivpolhese auf Grund von Heobaeh* tuugeii und statistischen Materials auf, das sich allerilings nur auf den israelitischen Zweig der semitischen Rasse bezieht und sich auch mir auf das letzte Jahrhundert erstreckt. Es wird mir eine große Genugtinmg sein, wenn Religioushistoriker einerseits und Biologen, speziell Bakteriologen, andererseits diesem Forschungsgebiete ihre Aufmerksamkeit und exakte Untersuchungen widmen werden. Fs seien hier einige meiner Beobachtungen auf diesem Gebiete uiilgctcilt. Wie gegenüber anderen Bazillen isl auch hier das Verhalten verschiedener Volker tuul Rassen, sowie verschiedener (ieseli.seJiaftsklassen ganz verschieden. Einige unterliegen leicht, andere zeigen größere Immunität, welche von Periode zu Periode variieren kann. Die Infektion scheint hauptsächlich auf dem Luftwege zu erfolgen, verursacht gewöhnlich einen fieherarligen Zuslaml und äußert sieh in GeiiiiUserregung und nervöser Gereiztheit. Sie isl also zu den Geiiiuls'.toi Hilgen zu zählen. Am Körper sind gewöhnlich keine besonderen Veränderungen wahr• ziutelinien, natürlich sofern der Gcmüt-ziistaml nicht auch auf das physische Befinden zuriiekwirkt. Doch ist zu bemerken, daß im Anfaiigsstaditim dieser Krankheit, wie bei einer anderen gefährlichen Infektion, der Tuberkulose, keine hesomlereii Sy mptomc sieh einstellcn. Erst wenn sie weit vorgeschritten ist imd alle Organe des Geistes angegriffen hat, bricht sie galopparlig nach außen durch. Die Ent Wicklung ist aber eine latente und (ehr langsame. Oft beginnt die Infektion schon in den ersten Kiitdhcitsjalireu und wird durch den Schul• besuch seingefördert. Die Schulen sind als״ als Anstcckuiigshcide dieser Krankheit an/iisclicn, die Kleinen werden von den Mitschülern angcsteckt. Ist Disposition vorhanden, so findet sie günstigen Boden, entwickelt sieh stetig und kann im erwachsenen Alter in Gestalt der Taiifsucht zum Vorschein kommen. In vielen Fällen, besonders wo die Kinder im Ellern• hause in reiner Atmosphäre leben, finden die Bazillen keinen guten Boden und gehen zugrunde, ohne hesonderen Schaden aiiztiriehteu oder eine Erkrankung hervorztiriifen. Wie die meisten durch Mikroorganismen hervor- IX. ״Was hast du auf der Stirn?“ - ״Das ist ein Zeichen, um meine Seele aus den Reichen der Hölle zu retten," — antworte ich. Sie schütteln die Kopfe tmd beginnen sieli zu zerstreuen, leb werde unruhig. ״Wartet,“ sage ich, ״ich will es euch »1־• klären!“ Sie schütteln die Köpfe und verschwinden. ״Ich bin der Ewige, dein Gott, der dich herausgeführt aus dem Lande Aegypten!“ ״Du stillst keine anderen Gütler haben neben mirl“ ״Ein Gott der Vergeltung und der Rache hin ich — und verlange von dir: ״Sei etwas!“ . . . Der Sturinesatcm zieht durch die verwirrte Menge. Die Sklavenleiber zittern, wie unter Peitschenhieben. Aber die dunklen, mageren Gesichter und die schwarzen Fieberaugcii entzünden sich an dem roten Feuer, das den Berggipfel uinkrüut. ״Ach, mein Solml“ sagte sie. Mit dieser Sprache: ״Ach, mein Solml“ . . . Fs ist Tag. Der Kopf ist wüst und groß" wie ein Kürbis, Man sollte eigentlich fortgehen. Ja, fortgehen; aber — aha! die Stricke. Man müßte ein Mittel finden. Es gibt doch ein Mittel . . . ein Mittel . , . Mittel. Mit vieler Midie bringe ich meine Gedanken In Ordnung, so gut ich kann. Da ist ein eiserner Nagel, ln die Wand des Bettes, an das ich gebunden bin, ist ein Nagel cingeschlagen; ein verbogener Nagel , . . mit einen! breiten Kopf. Wie kommt der Nagel her? . . . Das ist nicht so wichtig. . . . Aber mit dem Nagel kann man . . , Was kann man mit dem Nagel? . . .

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