Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1912)
- Date
- 1912-08-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 32 Seite 301 ® etic -111! wir in n •10! bcinn prn? teil fr״ יי:4 in. lur er. en 1t• ne i\i n/. ter en en!in es ad Ist en di k. at s* in K> Hl!n Ic!r 1• r- 1• e 1t I« in a e f. 1 1! I i r 1 i i J U E D l S r 11־ F. RUNDSCHAU Das ist ein weites und dankbares Arbeitsfeld eine Betätigung, die jeden den Erfolg seiner Arbeit am eigenen Leibe erfahren läßt, die ihm hohe Uefricdigmtg und wahre Jugendfreude bringt. Die. körperliche Ausbildung gibt viel mehr als eine bloße Kräftigung der Muskeln. Sie erzieht zu taikräftigem, mutigem und entschlossenem Handeln, zu Seihst! belurrschung und Selbstbewußtscin, zu Disziplin und Pflichtgefühl. Durch den Wetteifer mit anderen ruft sie die schlummernde nationale Begeisterung wach. Vielen gibt das anderweitige Vcreinslehcn das not! wendige jüdische Wissen. Kurzum jeder junge '/Jonist findet hier nicht nur ein reiches llelätigmigs. fehl, sondern •auch ein reges jüdisches l.eheii, das ihn «dt erst zu einem ganzen Menschen und Jüdin erzieht. Und wie jede erfolgreiche Arbeit zu weiterem Schaffen anspornt, so wird sich die Begeisterung für unsere Sache an dieser produktiven Tat wieder neu entfachen und uns die opferinütigc Jugend erziehen, die wir zu unserem schweren Werke brauchen. Der letzte deutsche Delcgicrtentag hat eine Reso• lunon angenommen, nach der allen jungen Zionisten die aktive Anteilnahme an der nntionnljüdischen Turn• bewegung, allen älteren ihre ideelle und materielle Föiderung zur Pflicht gemacht wird. Bis jetzt bat mm von der aktiven Anteilnahme der zionistischen Jugend noch nichts verspürt. Sogar in den ziouisti• sehen Jugendvereinen bestellt noch jetzt ein ziem* In.her Widerstand gegen das Turnen. Wenn unsere zionistische Jugend nicht einmal die hierzu erforder• liehe Tatkraft aufbringen kann, sollte sie daun im* .Stande sein, die ungeheure Judennot auch nur im geringsten Maße zu lindern? Die Größe und Stärke der jüdischen Turnbewegung wird also ein Maltstab sein für die Kraft und den Schwung der zionisti• sei en Begeisterung unserer Jugend. Jeder junge Zionist muß den Weg zur ״jüdischen Tumcrschatt“ linden, denn sonst ist er entweder nicht jung oder aber nicht Zionist, Und dann noch eins. Die Propagamlnkraft der jüdischen Turn• und Sportbewegung wird überall unterschätzt. Das turnerische und sportliche Vereinsleben gibt zum mindesten dieselbe Gelegenheit zu zionistischer Propaganda wie irgendein anderer Jugendverein, nur mit dem Unterschiede, daß nicht nur diskutiert, sondern auch gearbeitet wird. Als Beispiel, wie die Turnvereine zu Trägern der ge• samten jungjüdischen Bewegung werden können, sei nur an den ״Makkabi“ in Konstantinopel erinnert. Und was in Konstantinopel möglich, könnte anderswo auch durchführbar sein, wenn die zionistische Jugend mehr In der Turnbewcgung mitarbeiten würde. Die Popularität aller jüdischen Turn• und Sport• vereine ist־ nicht zu leugnen. Und es sind noch lange nicht die Schlechtesten, die den Weg zur jüdi• sehen Turncrci finden. Ist doch der nationalgesinntc seines Judentums bewußte Turner ein weniger sprödes Material als der zum Widerspruch gereizte Dcbatter eines Diskutierklubs. In vielen Fällen bleibt der zio• iiisljsclicn Propaganda sozusagen nur das Einziehen <lcs Schekels übrig. Hier liegt ein Betätigungsfeld für neu zu gewinnende Kreise, das nur zu sehr ver* nachlässigt wird. Zionistische Arbeit gibt es also reichlich genug. ■ Und wenn Euch der Zionismus mehr ist als eine schöne Phrase, so beweist es durch die Tat. Hic Rhodus, hic salta. Nathan K a m i n 8 k i. Streit. Als er starb, war sie erst 32 Jahre alt, und doch sagte sie, so oft man ihr eine neue Ehe vorsclilug: ״Nein, nach Ihm — nein! Ich brauche keinen Mann; und meinem Kinde gehe ich keinen Stiefvater.“ Und ich bekam keinen Vater mehr. Ich erwuchs, meinem Vater gleich, doch ohne seine Fehler. Er hatte nämlich nicht für diese Welt getaugt, er war — so sagte die Mutter stets — ״zu eifervoll“. Und ich erwuchs — und sic schlug mich 0(1 und stark, erbarmungslos. Ich war etwa zwölf Jahre alt, da schlug sic mich wieder einmal mit einem Balken, der zum Schließen ihres Kramladens diente. Ich wurde zornig und schlug zurück. Sic wurde blaß und sah mich an mit großen Augen. Seither bekam ich keine Schlüge mehr. Die Luft in unserem Hause wurde noch kälter und trockener als zuvor. Ein halbes Jahr später ging ich fort ״in die Welt“. Wie cs mir dann erging, das hat wenig Interesse. Kurz — fünfzehn. .Jahre später wohnte ich in einer großen Stadt in Siidruß- Find, studierte Medizin und lebte vom ״Stunden• geben“. Meine Mutter nahm icli zu mir. Doch sic wohnte bloß mit mir zusammen und erhielt sich selbst. Sic handelte mit alten Kleidern auf dein ״Alten Markt“. Ihres Erwerbs schämte sie sich nicht; aber auf die anderen Trödler sah sie mit Veraclitung hinab. Sie wußte, wer sic war. Mir begegnete sic kühl! wie einst, wenigstens äußerlich; ebenso ich ihr. Ich glaube sogar, ich haßte sic im stillen, Ucbrigcns kümmerte ich mich wenig um sic; Ich lebte in einer anderen Welt. V״ / I V t *y # 4 ׳. y k k ץ,*✓ י " וי *־/••. A-v י, , M Kf />.. יי 4• 'di« # t f ־ \z* וי״׳ י‘ י ־׳> Cll? Bei der grollen Bedeutung, die für uns eine zwcckmäß:;0 Oi0 )־ tiour.icchaik immer׳ mehr ge• winut, und bei du! *■ehr!)(.dealenden Summen, die wir in Deutsch! •nd für organisatorische Zwecke j.ihr• lieh;)!ifwemlt’u, ist es für uns von besonderer Wich• tigkeit, die Arbeitsmethode anderer großer und gut• arbeitenden Parteiorgaitisationen kennen z.11 lernen. Naturgemäß /cigt jede ilire Eigenarten, je muh der Größe der Mit::iieder/ahl, der sozialen Zusammen- Setzung der P״rtci;:ngc!1örigcn, der Straffheit der Organisation und der Unterstlit/uiig durch die ort• liehe Presse. Berücksichtigt man die hierdurch gegeheucn Unterschiede, so läßt sich für uns aus dein Vergleich mit anderen Parteien recht Nützliches für unsere eigene Organisation lernen. Nachstehend sei aus ״Die Volkspartei, ein po• litisches Monatsblatt für Mitglieder und Freunde der Fortschrittlichen Volkspartci“, Nr. 6, ein Musterhaus• haltsplan eines fortschrittlichen Vereins veröffentlicht: ״Haur.haltsnIan eines fortschrittlichen Vereins. Wir nehmen als Beispiel einen kleineren Verein von 120 Mitgliedern mit einem Normalheitrag von 2 M., der vierteljährlich (ä SO Pf.) oder halhjälirfich (ä 1 M.) erhoben wird. Die Rechnung sieht etwa folgender• maßen aus: Einnahme: Mitgliedcrbciträge Außerordentliche Beiträge und Ge• wiuuc aus Schrifteuvcrtricb Ausgabe: Für Eiusammcln der Beiträge Bezug der ״Volkspartci“ Verteilung der ״Volkspartci“ Einladeblätter zu Monatsvcrsainm• luugcn Beitrag zur!,arteizentrale Beitrag zum Landesverband Beitrag für den Parteisekretär Auswärtiger Redner Auslagen für Annoncen Bibliothek Reise zum Parteifest Kassenbestand 240 too M. «1 340 M. 1־2 M. ״40, Fi 43 »1 20 U 30 11 5ו 1» 50 ו* 30 «» 12 יו 30 »» 20 *t ״ 46,60 310 M. In dieser Rechnung ist altes knapp, aber ein Verein mit diesem Haushaltsplan kann leben, denn er kann seinen Mitgliedern geistige Anregung bieten und sic damit fest Zusammenhalten mul ihre Anzahl vermehren.' Es würde der Schriftlcitung der ״Volkspartei“ .angenehm sein, wenn ihr von verschiedenen Vereinen die Abrechnungen über das letzte Rechnungsjahr abschriftlich zur Verfügung gestellt werden könnten, damit ein Verein vom anderen lernt, wie es gemacht werden muß.“ Dieser Haushalt zeigt, daß aufgewendet werden: für die Parteipresse 62,40 M. auf 120 Mitglieder oder 0,52 M. pro Mitglied, bei uns dagegen 4 M,; für die zentralen Parteiinstanzen 95 M. oder 0,79 M. pro Mitglied, bei uns dagegen 4 M.; für die Zwecke des Vereins selbst 132,60 M. oder 1,52 M. pro Mitglied, bei uns dagegen mindestens 4 M,, gewöhnlich viel mehr. Worauf beruht diese enorme Mchrnufwendung unserer Organisation? IU. Um wenig güig's. Man wollte die Welt um• schaffen. Mit Rußland begann cs; das übrige sollte folgen. Das Land fieberte damals vor Erregung. Größer und größer wurde der Strom und zog mehr und mehr Massen an sich. Jetzt und jetzt flammte schon das rote, heiße Feuer einzelner Heldentaten enger und verzehrte bald Hohe, bald Höchste, Kopf auf Kopf. Die aUc Ordnung mußte antworten und aut• wartete treffend und gut, unter anderem auch mit Judenpogromen. Auf mich machten diese Pogrome keinen Eindruck: Denn wir hatten dafür ein Wort, ״Contrc-Revolution“ hieß cs, das erklärte alles und beruhigte alle. Auch hatte ich noch keinen Pogrom nuterlebt; unsere Stadt war erst an der Reihe. Ich war Mitglied in einem Ortskomitcc irgend* einer Partei. Däs war mir nicht genug: Ein Gc• danke, messerscharf, schnitt langsam und tief iiv mein Hirn. Was für ein Gedanke? Ich wußte es nicht klar, ich wollte erst davon nichts wissen. Ich hatte bloß das Gefühl, meine Muskeln würden plötzlieh steifer und straffer; einmal merkte ich, daß ich ohne Grund, ohne cs zu wissen, mit meinen Fingern die Lehne eines Stuhles während einer Lektion zerbrochen hatte — und verlegen stand ich da. Ein anderes Mal fragt mich einer meiner Schüler plötz• lieh verwundert: ״Was, Minna?...“ Ich begriff: ich hatte in Gedanken den Namen ״Minna“ ausgesprochen, Ich begriff auch, daß mein Gedanke ein t. Presse. Die Mitgliedschaft fortschrittlicher Vereine liest wohl ausnahmslos linksliheralc Tages• Zeitungen, steht also unausgesetzt unter dem Einfluß der pjrteiprcsse; das Monatshlatt ״Die Volkspartei“ dient nur für ganz, spezifisch organisatorische Zwecke. Unseren jüdisch-nationalen Zielen gegenüber ist die Tage־>presse dagegen bestellt 111s indifferent. Die von uns von Organisatiotiswcgcn gelieferte Presse muß daher sehr viel umfangreicher mul ausführlicher sein als bei den Fortschrittlern; außerdem kommt unsere ״Rundschau“ 52 mal im Jahre ins Haus, ״Die Volks• partei“ nur 10 mal. 2. Zentrale P a r t e I i n s I a n /. e 11. Die der Fortschrittspartei sind eben mir Parleiinstan/en, während für die nationalen Zwecke und Aufgaben der Staat sorgt, die unsrigen dagegen müssen unseren Anhängern die Funktionen des nichtexisticrcnden Judenstnatcs in partiluis iiifideliiun crsct/cn. 3. V e rc i 11 s /. w c c k e. Hier sind bei den Fortsclirittlern einzelne Posten sehr niedrig, z. B. Ein• ladeblätter zu Monatsversaininhmgen, die offenbar ge• druckt oder liektographiert der Monatsschrift zwecks Portoersparnis bcigclcgt werden. Wir kündigen ja auch einen großen Teil unserer Versammlungen * z. B. die Berliner und I InnilHirgcr — vorher in der Rund• schau an, müssen aber erfahrungsgemäß, wenigstens * in Berlin, noch extra Karten verschicken, die wegen der anderen Art der Ruiulseliauversenduiig, dieser zwcckmüßigcrwcisc nicht bcigclcgt werden können. Sehr billig sind ferner 12 M. für Annoncen. Hier hilft offenbar der kostenlose Hinweis auf die Ver- Sammlung im örtlichen!*arteiblatt sparen, was wir nicht können. Endlich fehlt der Posten ״Lokalmietc“ in der Aufstellung, was offenbar darauf beruht, daß den biertrinkenden Fortschrittlern das Lokal gratis gegeben wird, während unsere Zigarettenraucher die Wirte für den mangelnden Alkoholkonsum entschädigen müssen. Die Anhängerschaft der Fortschrittspartei ist gcsellschaftlich ähnlich geschichtet wie die unsrige und umfaßt zahlreiche Juden; daher Ist ihre Organisation technisch in mancher Hinsicht mit unserer vergleich* bar. Aber auch demokratische, jungliberale und nationallihcrale Praxis wäre ein geeignetes Studienobjekt, sowie endlich die aller anderen Parteien. Es wärt: dankenswert, wenn Gesinnungsgenossen, die hierüber informiert sind, weiteres Material beibringen wollten. Dr. Htvmann. Nochmals die Landeskolonien Von Davis Trictscb (Berlin). In der vorletzten Nummer der ״Rundschau“ regt sich I lerr J. S. nochmals darüber auf, daß ich den Plan einer Bukowinacr Kolonie unters ״Vcrgrölte• rungsglas“ genommen habe, daß icli Möglichkeiten einer schnelleren und größeren Kolonisation zeige, und nach dem Beispiel dieser einen Landeskolonie die Gründung von anderen proponicre. Herr J, S,, der diesmal mit dem vollen Gewicht seines Namens Auftritt, will es partout nicht dulden, daß der Czernowitzer Plan erweitert oder verallgemeinert werde, und wehrt sich dagegen mit Methoden, die hier ein wenig beleuchtet seien. Zunächst behauptet J. S., der Nationalfonds ״müßte wohl das Hundert* oder Tausendfache seines jetzigen Vermögens besitzen, um mir einem Teil der Anforderungen, die Trictscb an ihn stellt, gerecht zu werden“. 1.... ׳׳:־. .. . .■י־**■״,״ 1 . ״״■״■. ו beständiger sei, ein Oedanke an eine Sache; und ״Minna“ sei der Name eines Mädchens. Und dieser mein Gedanke wird ständig begleitet von Minnas Bild, von dem Klang, der den Naincn ״Minna" bildet und von einem eigenen Gefühl von Bedeutung und Würde, das stets in der Luft zu spüren ist, wenn Minna anwesend ist. Unser Komitee bestand außer mir aus vier Männern und einem Mädchen. Was für Augen wohl die Männer halten, weiß ich nicht; Minna hatte blaue Augen, hellblau•, manchmal konnten sie dunkel wer• den, schwarz und endlich finster und tief wie ein Aligrund. Sic hatte schwarzes Haar, eine kleine anmutige Figur; etwas Langsam-Ernstes lag in ihren Bewegungen. In unseren Versammlungen debattierte sie wenig. In zwei oder drei knappen Sätzen machte sic bisweilen einen Vorschlag oder sagte ihre Meinung über eine schwebende Frage. Dann saß sic still und aufmerksam da, ihre etwas kurzsichtigen Augen verschmälerten sich. Es kam oft vor, daß wir dann in langer, hitziger Debatte die Frage, über die wir berieten, von all ihren Mißverständnissen und Un* klarheiteu reinigten und dann, ein wenig verwundert und verlegen, zu demselben Qcdankcn kamen, den Minnas drei knappe Sätze formuliert hatten. Sie war die Tochter eines hohen russischen Bcamten; das war alles, was wir von ihr wußten. Hinter der Tür unseres Kouspirationsquartiers warf jeder von uns sein Eigenleben ab, wie man einen Mantel im Vorzimmer ablcgt. ha 11 ja ן I“' t ilt ׳ 1■ , in ־1: i« II .1! ■ M I1 ״ in' II n. . /. ir; ei \ ׳ ' K ). K' iE c: d 11' si ה b hi g, I A 1 Et, ZI J d / d r I! t! d• d. h* 11 II ( t t f z f l I t I i I I . . ' i I I I I