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Jüdische Rundschau · 1912-08-02 · Heft 31 (2.8.1912) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVII (1912)
Issue
Heft 31 (2.8.1912)
Date
1912-08-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 31 JU EDI SC HE RUNDSCHAU :e.:e 293 Schluß von ״Habokhim“ von ״Hatorali wchaabo* dal»״, von ״Hakohanim wchaa»n״l Mir klingt dies alles nicht wie eine I>redigt der Resignation und Selbstbeschränkung, sondern der Ermutigung und Anregung zur rastlosen, unverdrossenen Weiterarbeit in der jeweils eben möglichen Weise. Worauf sich endlich die Behauptung stützt, Achad ilaatn rede uns ein, wir könnten niemals ein gesundes, normales Volk werden, wird uns nicht gesagt. Frei* lieh bildet nach Achad Haam die vollständige ״Sammlung der Verstreuten“ im Lande der Väter ein ״Unendlichkcitsidcal“, dessen vollkommene Realisicrung nur durcli ein Wunder bewirkt werden könnte, während auf ji a t ü r I i c 11 c m Wege, wofern nicht etwa die halbe Judcnhcit ausstirbt, mir ein bestimmter Teil des ganzen Volkes dort zu einem in jeder Hinsicht gesunden nationalen Eigenleben zu gelangen vermag ‘2), Aber ist hier der Oedenke zu finden, das jüdische Volk ״werde niemals ei» gesundes, normales Volk werden können“? Wir kommen demnach zu dem Ergebnis, dail auch die dritte Beschuldigung gegen Achad Haam mellt m Recht bestellt. Er erscheint uns nicht als Prediger der Resignation und ScllisUieschränkung, di 11 wir als unscrii Feind zu betrachten hatten. Wir gingen aus, die gegen Achad Haam gericliteten Anklagen naclmiprüfcn, und fanden, daß für die zahlreichen Kleinbürger in den zionistischen Reihen, welche ״in ihrer Gohis-Psychologie“ die ״Utopie von einem geistigen Volks/.entriun ernst mlmien“, kein zureichender Grund gegeben sein dürfte, nunmehr ihren ״volksfeindlichen“ Stand* pimkt zu verlassen. Ja, ihre Hartnäckigkeit könnte sogar durch die Beobachtung noch verstärkt weiden, 11:111 die Lehre Achad llaams teilweise bereits in den obersten Schichten der offiziellen l’rogriuimi/ionistvii Wurzel gefallt hat. Ich denke vor allem an das in der jüdischen Presse allgemein als ״Ereignis“ he* zeichnete Buch des Leiters des zionistischen Pa* lästina-Amtcs und an' die freudig begrüßte neuere Propagandaschrift der zionistischen Vereinigung für Deutschland l:l). Unvcrliüllt tritt uns hier z. B. der Gedanke entgegen: ״Der Zionismus kann nicht die wirtschaftliche, sondern nur die moralische Juden* not beseitigen“ (Kuppin, S. 207; Lichtheim, ganz ähnlich, S. 35 und 41) ff.), mul unter der Hand ver* wandelt sich der Begriff der ״Heimstätte“ in den dis ״Kulturzentrums“. Wo aber gegen den ״Kultur* Zionismus“ von den Autoren polemisiert wird, geschiebt es in einer Weise, daß sich jeder Kultur* zlonlst, der Achad Haams wahre Meinung keimt, dieser Polemik im wesentlichen selbst auscliließen kann. Jedenfalls erscheint auch die neuerliche Warnung vor Achad Haam nicht geeignet, ihren Zweck zu er* reichen. Zwar dürfte kein Achad-Hnamist geneigt sein, blindlings auf alle Worte des Meisters zu schwören: sachlicher Kritik wird man ihn stets zugänglich finden. Weniger Erfolg verspricht dagegen — die Methode der Abschreckung. Siwan 5672. S c 11 c a r J a s c h u b. צי) AI p. d. II, S. 25. ,״) A. Ru pp in, Die Juden d. Gegenwart und R. Li cht heim, Das Programm des Zionismus. Man vcrgl. auch den Baseler Vortrag Zollscliaus (״Die Welt“ 1911, Nr. 34). künden zu den! Alten Testament stehen. 111 Einzel• beiten ist der Verfasser fehlgegangcn. Daß die Juden von Gott Orakelsprüche empfangen haben solicn,' ist trotz der Autorität Sachaus außerordent* lieh zweifelhaft, dagegen ist es sehr wahrscheinlich, daß die persische Regierung den Juden mir erlaubte, unblutige Opfer darziibringen, und mit Rücksicht, sei cs auf die Aegypter, sei es auf die Juden in Jerusalem, die Schlachtopfer verbot. Die Parallelen, die der Verfasser zwischen den Sprüchen des Aeliikar 11• d einigen Stellen der Bibel aiifzufindcu glaubt, sind sehr gesucht, und weshalb die Ergebnisse, der alitestainentlichen Queltcnscheiduug aufs glänzendste dadurch bestätigt werden, daß in dem uns erhaltenen Teile eines leider vollständig zerfetzten und iiiivollst billigen Papyros nur vom Mazzotfest, nicht aller v« m Passah die Rede ist, verstehe ich um so weniger, das Passahfest doch nach jeder Ansicht damals b«.reit» existierte und auch im Zusammenhang ,mit dun Mazzotfest gefeiert wurde. Auch die Vermutung 1Ls Verfassers, daß der Satz Jesajas: ״fünf Städte im Lande Aegypten werden die Sprache Kanaans reden“ zu verbessern sei in ״fünf Tore sollen di-: Sprache Kanaans reden“ (I?), wäre besser weg• gelassen. Im übrigen gibt die Skizze jedoch ein gutes Bild von den wichtigsten Ergebnissen der Funde. Wer die Urkunden jetzt in deutscher Uebcrsetzung lesen will, ist nicht mehr auf die teuere Ausgabe von Sachau angewiesen, die zudem die von Snycc und Cowley bereits veröffentlichten Urkunden nicht ent- Eric״ ans Köln im Leben der jüdischen Gemeinde Köln gab cs seit Erledigung der Orgel frage keine Aufregung. Ruhig giifg cs in der Gcmcinilestube her. Ein wenig Ab• Wechslung brachte die Wahl des Zionisten (io Idreich. Man ficht die Gültigkeit dieser Wahl hei allen Instanzen an, da Goldrcich Ausländer sei, aber vergebens. Inzwisclien hat unser Gesinnungsgenosse Köln verlassen und sein Mandat »liciJergelcgt. Der liberale Vorsitzende konnte das Schreiben des Herrn Goldreich nicht zur Verlesung bringen ohne herzliche Worte der Anerkennung für die Tätigkeit des Aus*!anders zu finden. Nun beriet man über einige All* änderungen der Geincindcstatutcn wegen der Ein* führung der geheimen Wahl. Der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe, hatten vor drei Jahren die Liberalen einem diesbezüglichen Antrag der Konservativen /!(gestimmt. Der Vorstand hatte drei Jahre gebraucht, tun diesen einstimmigen Antrag zur Aus* führung zu bringen; aber nun, sozusagen vor Tores* Schluß, da beinuute er sich redlich, sein Wort noch vor ucn nächsten Wahlen Im November ciuzulöscn. Ucber den Antrag des Vorstandes war man schon einig. Da kam die Sensation, Herr ״Stadtrat'1 l'alk brachte ganz plötzlich seinen Antrag ein, nach dem Ausländern dis aktive und passive Wahlrecht ge* nominell werden soll, Herr Stmilrat ist Mitglied der nationalliberalcu Partei, im Jüdischen Jugemivercin hat er einen Vortrag g c g e 11 den Zionismus halten wollen; bis jetzt ist es aber bei diesem Willen geblieben. Sonst wird sein Name in Verbindung mit jüdischen Dingen wenig oder gar nicht genannt. Mit diesem Antrag hat er sogar seine liberalen Freunde ״überrascht“. Von konservativer Seite sprachen alle Kellner dagegen. Zwei Herren der Liberalen drückten ihre Sympathie für einen solchen Antrag aus. Man vertagte die Beratung auf die folgende Woche. In* zwischen ist sieli wohl Herr Falk newullt geworden, daß sein Antrag doeii nicht so harmlos sei (die Wahlen slelii'ii vor der Türe). In der uäihsti'ii Sitzung fehlte der I lerr Stmlirat, er hatte eine wichtige Sitzung 1111 Stadtrate, wie er sieh durch seinen Frnktioiiskolicgeu naiv entschuldigen ließ. Aber dieser Herr gab in seinem Namen die Erklärung ab, daß Herr Rechts* anwalt Falk seinen Antrag z.uiückzii'he, und damit konnte mau sieh doch zufricileugebcii. Man debattierte aber doch noch über den Antrag, und es war dem Vorsitzenden beim besten Willen nicht möglich, diese Debatten aiis/uschaltcn. Es wäre kein Verlust ge* wesen, wenn ihm dies gelungen wäre. Nur der liberale Herr B i e r lüftete etwas den Schleier von dein Geheimnis der ״Entstehung“ des Antrages Falk. Der Antrag ist doch in der Defensive entstanden gegen die Zionisten, lind nun ging cs ohne jene alte Denunziation nicht ab. Wenn die einmal aus Ruder kämen, dann würde das Verhältnis zu den anderen Konfessionen getrübt werden, denn deren Begriff Vaterland sei ein nmlercr. Solche Verlcun»• düngen zu beweisen, hielt Herr Bier nicht für nötig; ... vielleicht kann er es auch nicht. Noch eine Sensation brachte diese Sitzung. Der Vorstand hatte nicht nur die geheime Wald, sondern auch eine dreijährige Karenzzeit fiir die aktiven Wühler beantragt. Auch die ,,Entstehung" dieses Zusntzunträges ist interessant. Herr Justi/rat Ball in a 11 n , ein liberales Vorstandsmitglied, erzählte es in der Sitzung. Die Rechts* und Verfnssungs* kominission hatte den Waldantrag (geheime Wahl) schon vorbereitet. Da kam ein Herr dazu, der dem Antragsteller verflucht ähnlich sah, und brachte seine Wünsche vor. Man hat diesem Herrn, der den» Antragsteller so verflucht ähnlich sicht“, seinen Wunsch erfüllt und jenen Zusatzantrag aufgenlhnmcu. In der Sitzung stellte sich nun aber heraus, daß der Antrag im Widerspruch stellt mit dem Gesetz vom Jahre 1847. (Herr Justizrat erzählte, damals in der hielt. In der Sammlung kleiner Texte von Uetz• manu ist ein Heft erschienen, das für billiges Geld die Papyri in einer vorzüglichen Uebcrsetzung und Erklärung von Prof. Staerk darbietet. Die wichtigen amtlichen und juristischen Urkunden, sowie einige Privatbriefe sind mit der notwendigen sachlichen Er• klärung' gegeben. Die Ucbcrrcstc der Dariusinschrift und des Achikarromans, sowie alle tmvcrsliimllichcn, unleserlichen Fragmente sind mit Recht fortgelasscn worden. Selbstverständlich ist die gesamte wissenschädliche Literatur berücksichtigt. Die ausgczeichnete kleine Schrift ist in erster Reihe für. Stu• diereude berechnet, aber auch der Laie kann »ich in ihr zurcchtfindcn mul kann sich nunmehr selbständig ein Bild von jener merkwürdigen jüdischen Militär* kolonic machen, Rudolf Lcszynsky. Golusblüten Das ״Berliner Tageblatt“ brachte vor kurzem folgende Annoncen; Graf, aktiver Offizier, 10 J. alt, schöne, große, elegante Erscheinung, schuldenfrei, •wünscht Lebensgefährtin, bevorzugt Jüdin, auch Witwe, Barmitgift nicht unter 3 000 OCR) M. Strengste Diskretion Ehrensachc. Off. V. K. 9982, Expdt. S. W, * Konimissionssitznng habe er das Gesetz nicht bei sich gehabt.) Man gab sich nun auf seiten der Konscr• vativen und auch vom Vorstandstische aus alle Muhe, enen Zusatzantrag zu Fall zu bringen; Herr Justi/rat iallmann hielt einen juristischen Vortrag über die .Ungesetzlichkeit der beantragten Karenzzeit,’er Lat, er heschwor, es nützte nichts: der Antrag über die Knrrcnzr.cit wurde angenommen. Es handelte sich nämlich gar nicht mehr um die Einführung einer Knrrcnzr.cit. Die geheime Wald sollte zu Fall gebracht werden, und zur Erreichung dieses Zieles war ein solcher Zusatzantrag das einzige Mittel. Der Vorstand konnte diesen ungesetzlichen Antrag der Regierung nicht zur Bestätigung vorlegen, also konnte auch der Antrag über die Einführung der geheimen Wald der Regierung nicht vorgeiegt werden. So schnell kann .־liier weder Vorstand noch Repräsentanz in Köln arbeiten, um jenen fertigen Antrag auf Ein* führung der geheimen Wahl ohne jenen ungesetzliehen Zusatzantrag wegen der Karenzzeit rechtzeitig der Regierung zur Bcsiaiigung cinzureichen, und die Liberalen hallen ihr Ziel erreicht: die nächste Wahl ist wieder öffentlich. Die Wähler aller werden über dieses ״Walilmanöver“ aufgeklärt werden. ״Agudath Jisroel“ In Nr. I'i der ״J. R.“ vom 29. März. 11. Js. N schrieb ich in Erwartung der Konferenz zur Samm* lung der ״Thoratreuen": ״Wahrlich, es bedarf in den Reihen der Maß* gehenden noch viel Selbstzucht, noch viel Wandel, wenn an eine ersprießliche Tätigkeit in dieser Bc- Ziehung gedacht werden kann.“ Wie die Verb iltnisse inzwisclien gezeigt haben, bestätigen mnii.ulu, zwei Monate nach Begründung des ״Wellblindes“, die Talsaelien diese Beiilerkmig bis aufs letzte. Den Lesern dieses Blattes is; die Oründuugsgeseliielitc sowohl wie der Verlauf der ersten Konferenz in Kattowitz bekannt, und es er* iibrigt sieb des Näheren darauf cin/ugehen. Auch Schreiber ,dieses gehört zu dem Teil der Oeset/es* treuen, welche gerne eine Vereinigung der (ieset/estreuen der ganzen Welt begrüßen wurden, allein n u 1 eine solche, welche versöhnend und tolerant ist und welche sielt nur auf Angelegenheiten der gesit/estreiien Judcnhcit beschrankt. Leider winde bei der (1ründ1mgsu׳rs.־mmdm1g in Kattowitz schon von einer Seite ein Ton in die Versammlung gebracht, welcher, wenn auch einzelne Redner dessen Tragweite zu mildern suchten, doch voraussehen ließ, daß Fanatismus' oiler /clotismus bei der weiteren Entwicklung •seine verhängnisvolle Rolle spielen würden. Es wäre eigentlich dem bekannten Rufer im Streite, der alles, was nicht in sein Horn bläst mit dem schönen Sammelnamen ״Schecker“ (״Lüge״) bedenkt, in einem zionistischen Blatte zu viel Ehre angetan, wollte man in den von ihm beliebten Ton verfallen. Zionisten werden im allerscluirfsten Kampfe nicht soweit gehen, dem Gegner, selbst wenn er aus den herrlichen Gefilden der Pußla, wo der ״Daitsch" nichts gilt, in das schöne Mainlan,! verpflanzt wird, den deutschen Patriotismus abzusprechen. Allein es muß doch liervorgchobeii werden, daß ohne das Auftreten dieses Mannes, den» ein großer Teil der Orthodoxen aus Ungarn zu folgen pflegt, die Möglichkeit bestanden hätte, die ״Agndali" als wirkliche Weltorganisation zur Blüte zu bringen. Wie nun aus dem neuesten Sendschreiben Einsamer solid. Kavall.-Offizicr sucht Heirat mit glcichgcs. Dame in. groß. Ver 111 ö g e n (bei Jüdin Laufe nicht nötig). Off. u. O. 14 754 Mas. 11. Vogler, Franfurt a. M. ♦ Heirat. Ich suche Bekanntschaft jgr. Dame bis 25, groß, wirkt, ans^hnl. 11. häusl״ heit. Wesens. Audi J ii d i n g e r m a n. T y p u s angen. Bedarf es hierzu noch eines langatmige« Kiuu* mentars? Sind die Juden noch immer so dumm, daß sie für eine Millioncuerliin eine passende Partie durch die Zeitung suchen müssen und beglückt sind, wenn ein schuldenfreier Adeliger (Vermögen scheint der Kavalier allerdings nicht zu besitzen) sich licrabläiJt, in diesem Falle -• für 3 Millionen! — eine Mesalliance zu schließen. Die Toleranz, geht soweit, daß sogar ״die Taufe nicht notig“ ist. Wir sind gerührt über soviel Edelmut mul Toleranz. Nur schade, daß wir uns für zu gut hallen, als einer solch schimpflichen Behandlung /u/uslinimni. Uii!) das Verhalten von Assiniilauten, die noch immer das nötige Rückgrat nicht gefunden haben, wollen wir nach Kräften me* driger hängen. Vielleicht findet sich daun auch all* mählich bei unsern oberen Zehntausend die Erkennt* nis, daß solche Liaisons von jedem Standpunkt aus betrachtet, ganz unglaublich niedrig sind. Naclnn' Ami.

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