Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 30 (26.7.1912)
- Date
- 1912-07-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Mordecai 1× ep/1006175
- Selm 1× ep/1045700
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ו Seite 280 besorgen, und sollen, indem sic unter Leitung eines Vcrtrauciiiuanncs des Nation,־ilfonds eine Genossen- Schaft bilden, aucli die Bewirtschaftung des Grund- Stücks übernehmen. Wenn man den Arbeitern außer dem Lohn noch ein Stückchen Land, auf dem sie sich selbstständig machen können, in sichere Aussicht stellt, könnte man ihren Fleiß und ihre Ausdatier verdoppeln. Die bemittelten Juden aus der .Bukowina, die sich in Palästina ,׳msiedelu wollen, werden sich durch die Landesorganisation die Land• kaufe, und /.war auschlicliend an das bereits hestehende Zcnlruin, besorgen lassen, und könnten, falls sie sich noch einige Zeit in der Bukowina auf• halten wollen, der bereits früher erwähnten Cieuos• scnschnft die Bepflanzung ihrer Grundstücke gegen ein gröllercs Entgelt überlassen; so würden durch die gesteigerte Arbeitstätigkeit wieder eine Reihe von unbemittelten Juden aus der Bukowina ihren Unterhalt finden, indem sie auch auf dem der Landes• Organisation gehörigen Boden augesiedelt werden. Damit wäre schon der Anstoß zu einem o r g a nisch sieb entwickelnden und immer g r ö II e r w e r d e 11 d e n < iemeinwesen gegeben, und der Vorteil wäre der, daß die Kolonie auch eine größere Zahl von Landarbeitern zur Verfügung hätte und nicht auf fremde Kräfte angewiesen wäre. Nicht aber, daß ich mit Gewalt das ״Kleine“, wie Trietsch cs spöttisch unterstreicht, verteidige, und daß ich mit allen Mitteln verhüten will, daß der Plan der Bukowinaer Landcsorganisatioii sieh zu einer großen Kolonicgriindmig auswaehse, sondern, da ich mich nicht in das Gebiet der Phantasie ver• steigen will und nur mit den zur Verfügung stehen• den Mitteln rechne, habe ich midi für diese Art der Gründung ausgesprochen. Darin liegt eine Möglichkeit zu einem positiven Ziele zu gelangen, im Plane des Herrn Trietsch aber nicht, und wenn ich zwischen E r f o I g und Miß• erfolg zu wählen habe, so entscheideich mich doch lieber für das a u s c h c i n e n d Kleine und damit für den Erfolg. Herr Trietsch bestreitet es entschieden, die Idee, dal) jede Laudesorgauisatiou ihre eigene Kolonie in Palästina haben solle, vertreten zu haben. Nun denn! Es genügt wohl, wenn ich als Gegenbeweis auf seinen ersten Artikel in Nr. 22 der ״Well“ ״Die Bukowinaer Kolonie“ verweise, in dem Trietsch ausdrücklich von einer verstärkten Sauunel• tätigkeit in den einzelnen Ländern infolge der S p e zialkolonicn mul von den nach seiner Ansicht daraus resultierenden 5—10 Neugründungen jährlich spricht. Auch der Titel seiner Erwiderung, ״Laiuleskolonien“, in der er diesen Plan als nicht von ihm ausgehend abiehnt, widerlegt ihn. Was diesen Punkt anbei,nagt, will ich nur auf meine früheren Ausführungen verweisen. Ich muß betonen, daß die Aufgabe des Nationnlfoiuls vorläufig mir darin bestellen kann, an/uregen, die Privatinitiative heran• zuzichen, wie es die Bukowinaer Laudesorgauisatiou im speziellen Palle tun will, daß sich aber der Na• tlonalfonds unter den gegebenen Verhältnissen nicht in Koloniegriindimgen in großem Maßstahe stürzen darf. Er kan n es einfach nicht, er müßte wohl das Hundert- oder Tausendfache seines jetzigen Vermügens besitzen, um nur einen» Teil der Anforde• rungon, die Trietsch an ilm stellt, gerecht zu werden. Und wieder nehme ich den Vorwurf der Klei״• lichkeit durch Trietsch gerne auf mich. Ich will nur Tisclio beaw Eine jüdische Ueberliefernng besagt, daß der neunte Ab, der Tag, an welchem Jerusalem fiel und die nationale Selbständigkeit der Juden /er■ trümmcrl wurde, einstens, wenn wir wieder in Pa• lästina vereinigt sind, ein Tag der Pretule weiden wird. Der Gedanke ist wunderschön ־ ־ und noch mehr— er trägt den Stempel der Erfüllung. Denn schon heute hat Tisclio beaw aufgehört, lediglich Trancrtng zu sein. Da die innerliche Erlösung der Juden, ihre Nationalisierung und Wiedervereinigung in Palästina unaufhörlich fortsehreiten,־ so hat der neunte Ah einen eigenartigen Charakter bekommen. Er ist nicht mehr Tag der Klage, er ist ein Tag der inucrcn Sammlung, Er haiinl unser Gemüt nicht in vergangene Zeiten, er weist vielmehr unserer Hoff• mmg frohe Tage tler Zukunft, Es weicht die Trauer dieses Tages und innere Befriedigung rückt au die Stelle der Wehmut. Unsere passiven, leidenden Väter und Großväter weinten und klagten, trugen Selm• sucht im Herzen und streuten Asche auf ihr Haupt. Wir, das erste aktive Geschlecht des Judentums, weinen nicht mehr. Und weil wir unser Heil nicht im Dulden und Ertragen, sondern in der Tat erblicken, ist unser Tisclio beaw anders als der unserer Väter. JUEDISCHE RUNDSCHAU hübsch bei der Wirklichkeit bleiben, mul mit den Tatsachen rechnen, wie sie vorliegcn. Ja, wenn T(ietsch in seinem Artikel bemerkt hätte, daß sein Plan sich vielleicht nach 100 Jahren würde realisieren lasset», dann hätte ich ihm nichts zu erwidern gehabt, unter (len gegebenen Verhältnissen ist er aber leider undurchführbar. -- Es gibt aber noch einen anderen Grund, der Hie Gründung von speziellen 1. a n (I e s k o I o 11 i c 11; nicht wünschenswert erscheinen läßt. Wenn in einigen Jahren eine jede' Landsmannschaft ihre eigene Kolonie in Palästina besitzen würde - und «ach Ti'iclsch wären schon in der a 11 e rn .׳i c h s t e 11 Zeit diese Verhältnisse Verwirklicht —**wenn es also in Palästina ausgesprochen rumänische, deutsche, russische, französische usw. Kolonien gehen würde, dann hätte die zionistische Organisation das Kastenwese«, uie es sieh im Go|us*J11denlum breit macht, nach Palästina übertragen. Es würde zwischen den einzelnen l.andsmnimscliaflskolonicii eine ungesunde, weil kleinliche, Rivalität hcslchci», mul tler Zionismus, der den, durch die wirtschaftlichen Verhältnisse hedingten, Gegensatz zwischen Ost- und Westjudentum ausgleielicn will, hätte damit einen solchen Gegensalz in Palästina künstlich geschaffen lind so seinen eigenen Bestrebungen entgegengcarbeitet. — Die Zionistische Organisation hätte sich zu einer Chain k a degradiert. Das soeben Gesagte stellt selbstverständlich nicht im geringsten im Widerspruch mit dem Plane der (iiTmdniig einer B 11 k o \v i n a c r Kolonie. I )eim diese ist nur als ein Mittel gedacht, um die Eiuwanderungsbewegung der Juden aus der Bukowina nach Palästina zu b e s e h l e 11 u i g e n , doch ist kein e s w e g s gemeint, daß sieh kein Jude aus einem auderen Lande in der Bukowinaer Kolonie nnsiedeh* könnte. Ganz anders wäre es jedoch, wenn jede Lniult'sorgaiiisalion ihre eigene Kolonie hätte, denn dann würde sieh jeder Jude in der Kolonie des Landes aiisicdelu, aus dem er kommt und die früher erwähnte künstliche Scheidung wäre vollzogen. Eine weitere Folge dieser speziellen Kolonien wäre ferner, (lall die einzelnen Lamlesorganisationeii ein- 8 c i t i g mir auf die Förderung ihrer Kolonien bedacht wären und für das allgemein-zionistische Interesse keinen Sinn mehr besäßen. Der Zionismus würde aufliöreii, das zu sein, was er sein will, die Z 11 s a ui 111 e 11 f a s s 1111 g des Oesniiitjudcntimts. Und zum Schluß noch einige Worte. Herr Trietsch hat wohl recht, Mutlosigkeit und Pcssimis* iiiiis vertragen siel» nicht mit einer Bewegung, die praktische Erfolge erreichen will. Aber noch weniger verträgt sielt die Praxis mit der Phantasie, und Herr Trietsch, der doch an der Synthese zwischen dem I feivlschen und dem Chowewc-Zionisnuis mithalf, sollte das am besten wissen. Selbstverständlich fällt es mir nicht ein, den Wert der Theorie irgendwie herabzusetzen, denn diese gibt erst der prakti selten Arbeit den rechten Inhalt. Wenn aber die zionistische Organisation den theoretischen Plänen des׳ Herrn Trietsch gemäß in diese Massengrüiidimg von Kolonien mit ihrem Vermögen einwilligeii würde, daun wäre nach einigen Jahren ein vollständiges Dcbncle der jüdischen Kolonisation infolge der Ersehöphmg des Nationalfonds die notwendige Folge. Wir von der Bukowinaer Landcsorganisatioii, die wir ge sich orte Erfolge erreichen wollen, richten 1111• seren Blick mir auf das Gegenwärtige und Bücher und Zeitschriften Heimkehr, Essays jüdischer Denker. Hernusgegeben von der jüdisch-nationalen Verbindung ״Emunah“ in C/.cruowit/., — Verlag Louis Lamm, Berlin. - i'JPJ. Das Titel wort des Buches rührt au uns mit starkem Sinn. Den wir nur in stillen Stunden aus• zuspreehen wagen: Wir kehren h e i m, 1 >as ist mehr als ein Weg, als ein Wandern; es ist Wandeln und Umwandlung. Aus dein Chaotisch-Zufälligen in das SünnvohAV erde!!de. Ein Umschwung: Und die Wenigen vielleicht nur — die aber die Vielen sind, weil sie den Sinn aller ans Lieht bringen —, jene Wen :gen, welche ihn leben oder leiden, wirken und werten, gehen in sich einer neuen, kaum ge• ahnte« Fülle Raum; der Loslösung von der verümivr• liehen Beziehung durch ein dinglich Festes, Einheitlidies. Etwas E I e in e 111 a r e s kommt ins Denken und Fühlen, etwas, das wir seit Jahrhunderten stetig suchten, um das wir litten und rangen. Und jetzt sind wir gesegnet ... Es wird uns doch zuteil; denn w i r kehren heim... Man mag jenes Werden, Erneuerung, Blut, Urkraft, Bewegung, Zionismus neunen; — es gilt gleich. Eines erfühlen wir täglich: Dieses Werden macht 1ms Menschen des Verstandes zu Menschen der Seihst- Verständlichkeit. Die schwankenden Beziehungen lösen sielt uns zur Stärke eines belebenden ,,Ja“ — oder ״Nein“, Ls gibt keine bloßen (Qualitäten mehr. Das zeigt sich stetig auch in der Art der Betrachtung der Nr. 30 Kleine“, und im Sinuc dieses von Trietsch so ironisierten ״Kleinen‘' wird in einigen Jahren die Bukowinaer Kolonie eine feststehende Tatsache sein. Julian S i 1 b c r b u s c h, C/cruowitz. Die Gefahr der Verflachung Von Erilz Mordochai K a 11 f in a 1111 - Leipzig. Es liegt eine große innere Gefahr in allem Breiterwerden idealistischer Bewegungen. — Das ist die Gefahr der Verflachung. 1111 Anfänge sind es die Wenigen — die Erleber - ־ die tiefen Naturen, die in Stunden furchtbarster innerer /׳•rrisscnlieit, seelischer Erschütterung, in trunkener 1 'ikvnncrfrcndc aus dem Alltag, dem dumpfen Dämmer« tler Zeit das neue Licht: die neue Erkenntnis, das neue Fühlen, die neue Sehnsucht schaffen und sie in brausende Worte, Lieder und Reden formend fassen. — Das sind die Starken, die in» Meer der Sattheit und tler stiuiiplcn Sinne ragen, wie einsame, hohe Gipfel. Die Männer unter den Kuechtseeleii, den Vielziivielen, die den Mut haben zum Bekennen: das neue Ideal zu predigen. ־- Und wenn dann langsam die Bewegung ersteht, immer breiter wird und breiter, dann werden die immer seltener, die zu ihr kommen aus einsamen Tälern, auf den irrenden, viclversclilimgeneii Pfaden des liefen Erlebens, das die Per• sonlichkeit erschüttert in allen ihren Tiefen - das unter schincr/haften Wellen ihre stärksten Kräfte aufrüttell. ־ Und die jetzt zu ihr kommen, sind die Massen. Die Massen, die nicht selbst sich das Ideal er• kämpften; nicht — oder sagen wir: noch nicht seine tiefsten Probleme und die hohen ethischen Forderungen, die •s an seinen Träger stellt, er* kannten; -- die erst sein Aeußercs, sein In-die-Augcn- Springendstes: die Partei erlebten. So kommt in jede Bewegung eine Zeit — die des breiteren Flicliens — da werden die großen, die Ewigkeitswerte, getragen von schwachen Schul* tern. Kaum wird es denen bewußt — sonst wäre ihr Handeln, ihre Sclhstcrzicliimg anders —, daß sic die Präger der neuen, besseren Zeit, Auserkorene der Geschichte sind, daß es ihnen vergönnt ist, ein bei• dischcs, starkes Lehen zu führen, stark zu werden, mannhaft au den schweren Aufgaben der Zeit; in ihnen ist nicht der Stolz, und das jauchzende Lachen der Siegerstreber. ■Zn viel von den Tageswerten, vom äußeren tecli* iiischen Apparat tler Partei nehmen sie auf ihr« Schultern - und darüber vergessen sie das Wesent• liehe — das Ideal. In solch schwerer Zeit, wo die Flachheit mächtig zu werden droht, müssen alle Quellen erschlossen werden, die eine Vertiefung lies Ideals, mehr Idealis- 11111s, mehr Heldentum hcrhciführcu können. Mir scheint es an der Zeit, das Auge der Zio* nisten wachsam zu machen, daß sie mehr als bisher auf der Hut sind vor tler Gefahr. Denn schon kann mail nicht mehr sagen, daß sic uns droht: sic ist zu uns gekommen, iilier Nacht ־ ist da, seitdem der Weg zum Zionismus nicht mehr über den einsamen Pfaci des eigenen Erlebens und Ringens führt, sois- Erscheinungen um tms und in uns. Wir wollen uiehl überzeugen; denn wir wissen. Und die Befreiten befreien. Dieser Gruiid/ug des Denkens an sich und das Volk, dies Unbedingte — fast möchte ich es so neunen — ist die wahrhaft befreiende Stärke, welche aus dem Sinn fast aller Aufsätze des Snnimelbiichcs spricht, das liier vor mir liegt. Die Stärke dessen, was das Titelwort ausspriclit. Die Schwächen — vor allem im Gesamteiiiiiruck, unter welchem dann häufig die Eiiizelcimlrücke!eitlen — liegen im Zufall, aus dein mul mit dem ein Saumiclhuciv entsteht. Awl.sß, N\Uaiheiter, Themen sind immer von Gelegenheiten, vom Zufall abhängig. Und auch die Zusammenstellung eines solchen Werkes, die Anordnung der Aufsätze, ist ein Anlaß für Gefahren und Mißgriffe, 111 diesem Buche fand ich einen einsamen Aufsatz: Martin Hubers ״Mythen des Chassidismus“, eine in ihrer Knappheit vortreffliche Analyse des Wesens unseres Mythus, dessen Endglied in der Kette die Legende der Chnssidim ist, steht am Schlüsse des Bandes. Und wenn man die Worte gelesen hat, sucht man nach einer Fortsetzung, «ach einem Wort, das an das anknüpfte, was an unseres Wesens Wesen rührt, ״aller Zeit botmäßig zu sein“. Und das ganze Buch ist so um seinen Abschluß, die Worte Buhcrs um das gebracht, um desseiitwillen und aus dem heraus sie geschrieben sind: tim das Eut hüllen eines Wertes, der durch ein Tatsächliches erst erkannt werden muß, mag es eine Legende sein, die folgt oder — und das wäre liier möglich — ein Wort der Betrachtung unser selbst. So wäre dieser Essay Nt dem , M•'ל־י , \ 1111 m reugo k«ni V fr 11 sich• iöf <׳r?11־ win <11 •1:11,״ zur \'! Gef« di r ' koim, I 1 ' m j ״ Vei ol'IHj ' , 1'1'k.t 01 du ' Vj * ויי* ni 1 ן י V;< u ' '־' ־; A if und t j sie 1י Diali f ‘.וי Mas ineli " . 1 das; ׳1 -1 f< td . 1 kam. , er/« , übe wer : Seel' 1 zur( hmi zu keif Ich‘ halt Ges ־(!<> das ‘ dur steL Zi< kei ',iß aui dri I Hv - ge ‘ in; , Ire jet llll I ist J di; Ai di• od j D. , III. de ן so re Sil ist W fü III K d: di d; ß« n vi er Ir. 1 J