Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 30 (26.7.1912)
- Date
- 1912-07-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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r I Abonnements 1uf!)!• wüclirntlldi am Freit■? er• •chrinrnd• ״JUdlache RundacJiau" koitrn bet der Kipeditlbn und bet •llrn l’oatlmUin vierteljährlich 1,50 M., auilefhalb DeuUchlnml» und Oraler. reidi-Unjarna 2,— M.i für Mitglieder jüdixher Vereine im . Stmmelbeiug durch den Verein 1,— M. > Varlag JQdtach• Rundachaa li. a m. b. H. BERLIN W. IS, SBebiticbe Straß«#. Telephon! Amt Uhlind &45, OetchüfUttundcni 9—1 und 4—7 Uhr, ■ufier Sonnabend und Sonntag, •••״ יv״"■״״• uumuajf, J U.J ר n r ע—^ I Anselmen 3 I Vollen für die «rdn~np«!tena Petit* i | »eil« oder deren Kaum ,li) Pf.| Stellen• j II Anyebole und •Gtaudio tuwie Vereine• J Jj Mitteilungen und .Kleina Anicigcn* 1 1 □ Q nur 30 Pfennig. Q Q I | Manuekriptewerden, wenn Porto beiliegt, | | aleta luruckjeeandt KedaktionaaehluSi 1 . Mittwoch vormitlaga.! ן Redaktion JQdlacha Rundachaa | ■ BERLIN W. 1$, SSchatiehu Straß« I, ן ■ Telephon! Amt Uhland 845. ■ ■ Sprcdielunden Dienatag und Donnaralag I 5 3—6 Uhr nachrniltaga. 2 י*׳-/ r\n ו U ‘ü v,J ־) r •ץ r*'\ rs r > p ) [ J ( ,) {•־־r ח חך < . U U V ( ח n.׳3~־־c־n <־־־׳/ 7 c i Li Ü J ) ב > f 1 <־״/ ף ) Nummer 30 Berlin, den 25■!״dl 1512 — 5. Ab 5672 XVII. Jahrgang Ausweis Schekelt Metz 13,-־, Solingen 3,--, Köln a. Ult. 35,—, Briesen W..P, 4,— Eschwcilcr und Umgegend 50,—, Zwickau 1,—, Berlin 3,—, Emden 10,— Mark. Landcsorganisationsbeiträ ge: 1. Ortsgruppen: I’oscn 75,*-, Holtensalza 24,— Mark. 2. Einzelpersonen: Direktor Loewenthal, Berlin, 25,—, Kechtsanwalt Silberberg, Berlin, 5,— Mark. 3. Verschiedene Spenden: Breslau 1,40, Kattowitz 2,75 Mark. Eingang vom 18. bis 24. Julis Schekel: 128,— Mark, L a n d e s o r g a n i s a t i 0 n s b e i t r ä g c; 133,15 Mark. Gesamteingang: Schekel: 5026,50 Mark, Lau• desorganisations beitrage: 15 253,•IS M. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Ver־ elnigung für Deutschland, Berlin \V. 15, Sächsische Stralle 6. Postscheckkonto: Berlin 8091, Bank• konto: A. H. Heymann & Co., Berlin, Unter den linden 59. Die Heimkehr derYemeniten Das Schicksal, von Haus und Hof vertrieben in fremdem Lande eine neue Heimat suchen zu müssen, hat im Laufe der Geschichte zahl־ reiche Völker betroffen. Aber für den Begriff der ״Zerstreuung unter die Völker“ hat unser jüdisches. Volk das erste und für alle /.eiten gründlichste Beispiel abgeben müssen. So deuten auch die immer wieder neu auftaueheiuleii Nachrichten von der Entdeckung jüdischer Volks- Splitter an allen Ecken der alten Welt auf eine der merkwürdigsten Anomalien unserer an Sonderheiten so reichen nationalen Struktur. Und jedesmal, wenn eine solche Nachricht durch die jüdischen Blätter und die Feuilletons der allgcmeinen Presse wandert, werden wir durch die Mitteilung überrascht, daß die Neuentdeckten all die Jahrhunderte hindurch, in denen sic fern der größeren Judenansammlungen gelebt haben, in Not und Bedrängnis treu am alten jüdischen Gesetz fcstgehalten haben. Und weiter erfährt man von ihrem Lcbcnsschicksal, daß es auch sonst in 1mannigfacher Hinsicht ein rechtes Jiuleu- Schicksal gewesen sei. Der historische Beruf der Juden, den jeweiligen Machthabern bei jeder, wie auch gearteten Emotion der Volksseele als Prügelknabe zu dienen, ist auch ihnen niemals erspart geblieben. So kann es nicht wundernehmen, daß auch die Judenheit des zivilisierten Europas zu diesen Juden, deren Kreis vom Kulturdiiiikel westlicher Anschauung in eigenartiger Verallgemeinerung sehr weit gezogen wurde, ein ganz besonderes Verhältnis gewonnen hat. Nahuin Sokolow, hat diese Beziehung einmal mit dem bitteren Worte von den ״exotischen Juden“ gekciinzeichnet. Das eingeborene jüdische Gefühl der Zusammengehörigkeit verbirgt sich noch unter der täuschenden Hülle des abstrakten, gleichsam wissenschaftlichen ״Interesses“, das sich u. a. die ״Allianz“ bei ihrem nordafrikanischen ililfswerk zunutze macht. Heute wissen wir, daß das in allen Ländern und in allen Schichten der Judenheit erwachende nationale Bewußtsein sieh mit dieser Halbheit nicht begnügen wird. Und weiterhin sind wir gewiß, daß es nur einen Weg gibt, auf dem die ,Zerstreutesten der Zerstreuten dem Volksganzcn zu erhalten und für immer sichcrzustellen sind: Die•Sammlung in.unsercr alten Volkshelmat Palästina. Ob es jemals gelingen wird, diese große Aufgabe rest¬ .colo* Fro22־Ti*nr3a europa, nur die Auslese der Besten sein wird, die an der Wandlung unseres Volksschicksals teilnimmt, kann heute niemand voraussehen; die besondere Eignung der Mehrzahl dieser Leute zu landwirtschaftlicher Tätigkeit und ihr voraussichtlicher Nutzen für unser palästinensisches Kolonisationswerk ist jedenfalls erwiesen. Das gilt in besonderem Maße von den Juden SiUlarabiens, die in einer Anzahl von etwa 20000 Seelen im Yemen ansässig sind und die unter den Drangsalierungen der arabischen Stammeshäuptliugc und den Demütigungen von seiten der übrigen Bevölkerung Fürchterliches zu leiden haben. Jchoschuah Feldinann-Jaffa, der den Berliner zionistischen Kreisen von seinem hiesigen Aufenthalt her wohl bekannt ist, hat uns in Veröffcntliclumgen der ״Welt“ und der Zeitschrift ״Palästina“ ausführliche Kunde über dieses anspruchslose, fleißige und ehrliche Völkchen ge- Juacht, dessen tiefe Religiosität mit einer glühenden Liebe zu Palästina gepaart ist; und wir kömum heute schon sagen, daß Palästina, das Ziel gemeinsamer Sehnsucht, zum Vermittler zwischen uns und ihnen geworden ist. In der Idee sammelt schon heute Palästina die Zerstreuten, und die ״exotischen Juden“ werden uns zu Brüdern, die mit uns an einem großen Kulturwerke mitwirkcu. Die Beziehungen der yemenitischen Juden zum Heiligen Laude stammen nicht von heute und gestern. Schon seit 30 Jahren sind einzelne von ihnen ciugcwnndert und haben sich in Jerusalem als Handwerker und Tagelöhner niedergelassen. Aber erst der neue Jischub und die vielfachen Arbeitsgelegenheiten, die sich schon heute in unseren Kolonien bieten, vermochten den in ihrer bisherigen Heimat so hart Bedrängten neue Aussichten zu öffnen und sie. zu einer Aiiswande־• ruug in größeren Massen anzurcgcii. Damit ist die jüdische Allgemeinheit vor eine große und fruchtbare Aufgabe gestellt worden. Woche für Woche treffen im Hafen von Jaffa arme, aber gesunde und arbeitswillige Gruppen von Juden ein. Noch niemals ko n n t e m i t so geringen Mitteln so vielen gehülfen werden. Unser Paliistinaamt, in Verbindung mit dem Berliner Verein Esra, läßt ihnen bei ihrer Niederlassung wirksame Hilfe angcdeihen. Nationalionds und Wolffsoluistiftuiig suchen nach!Maßgabe ihrer Mittel der dringenden Wohnungsnot abzuhelfen. Die Zionisten aller Länder werden, sobald sic dazu aufgerufen werden, auch weiterhin willig für dieses nationale Werk spenden, aber noch klaffen Lücken im Hilfswerk, und hier haben die berufenen Organisationen sofort einzuspringen. Wer hier versagt, dem wird es gewiß nicht leicht fallen, triftige Gründe beizubringen, die sein Abseitsstehen entschuldigen könnten, es sei denn, daß die Weisheit jenes jüdischen ״Politikers“ herhniten müßte, der verkündete,!nan solle Juden überall kolonisieten, ״nur nicht in Palästina“. Die yemenitischen Juden mit ihrem gut jüdischen Empfinden aber kennen nur c i n Ziel der Auswanderung, und das ist eben I* a I ä s t i n a. Wer mittun will, ist willkommen; die Größe der Aufgabe duldet keine kleinen Gesichtspunkte und Eifersüchteleien. Sie wird ־ und muß aber gelingen, das ״Galut Tenan“ wird schwinden, wenn alle Be* rufonen brüderlich Zusammenwirken. Noch einmal die Bukowinaer Kolonie Auf meinen Artikel in Nr. 24 der ״Welt“, veröffentlieht Herr Trietsch eine Erwiderung, unter dem Titel ,, L a n d c s k o 1 0 n i c n Es wäre ein wenig verlockend, sich mit den Einwänden, die Herr Trietscli ln diesem Artikel vorbringt, etwas genauer zu befassen; ich kann mir aber wohl diese Mühe zum großen Teile ersparen, wenn ich nur noch ein• mal auf meinen oben erwähnten Artikel Hinweise, der nicht im geringsten widerlegt wird. Auch sonst muß ich es mir versagen, auf den Teil der Argumente, in denen Herr Trietsch z. B. von einem ״Klcinheitswahn“ spricht, oder mir den Kat erteilt, ״mir nicht den Kopf des Nationalfonds zu zerbrechen“, ziirück/iikommen. Denn darauf habe ich nichts zu erwidern. — Ich will vielmehr auf den in Diskussion stehen* den Gegenstand seihst zuriiekkommen und mich mit der Bukowinaer Kolonie beschäftigen, deren Grün• düng in der letzten Zeit Gegenstand weitgehenden Interesses geworden ist. Die Anregung zur Gründung einer Bukowinaer Kolonie fiel im vergangenen Jahre. Bestimmend für das Auftauchen dieses Planes war. wie bereits er* wähnt, die Tatsache, daß steh seit kurzem in der Bukowina ein immer regeres Interesse für die Be- Siedlung Palästinas bemerkbar macht, und zwar sind cs gerade Angehörige des jüdischen Mittelstandes, die sich immer mehr und mehr mit dem Gedanken befreunden, Palästina zu ihrer künftigen Heimat zu machen. Um diesen Personen die leicht erklärbare' Scheu vor fremden Verhältnissen ein wenig zu nehmen, kam die hiesige Landesorgnnisation auf die Idee, nach Palästina ein Stück Bukowina zu ver* pflanzen, und so kam der Gedanke an eine Buko* winaer Siedlung auf. Die Landesorganisation war sich jedoch von vornherein darüber klar, daß sic an eine Gründung in großem Stile nicht denken könne, da sie nicht die Mittel dazu besitzt. Sic wollte cs auch gar nicht, denn ihr war es nur darum zu tun, ein Zentrum, einen Kern zu schaffen, um den herum sieh ein großes Dorf organisch entwickeln könnte und nicht ein künstlich mit einem Male aus dein Boden gestampftes Produkt. In diesem Sinne sprach ich auch vom kleinen Anfang, den die Laudesorganisation machen wollte, mul es ist klar, daß ich damit nicht gegen eine groß* zügige Ausgestaltung der Kolonie protestieren wollte, wie Trietsch schreibt. Ganz, jm Gegenteil, die Bukowinaer Landesorgani* sntion will gerade die Möglichkeit einer solchen Aus* gestallung recht siehergestcllt wissen, indem sie für die zukünftigen palästinensischen Pioniere ein Kon• zentratlons/eiUrum schaffen will, und dieses Zeuinvm wirtl in der Nähe einer größeren Kolonie angelegt werden müssen, damit es nicht schon im Keime durch widrige Verhältnisse bedroht werden könne. — In großen Zügen hätte man sich aber die Ent* Stellung der Bukowinaer Kolonie in folgender Weise zu denken. Es werden auf Kosten der landesorgani• sation 10—20 unbemittelte Juden aus der Bukowina in einem Gute des Nationalfonds, in dessen Näbe die Kolonie angelegt werden soll, sagen wir, in dem schon mehrfach erwähnten P h u 1 c , mit allen Zweigen der Landwirtschaft vertraut gemacht. (Mittellosigkeit ist selbstverständlich kein Vorzug, darin gebe ich Trietsch recht, aber bisher haben noch immer die mittellosen Juden die ersten Pioniere in den jüdi* sehen Kolonisationsbestrcbungcn abgegeben. Inzwischen wird von der Bukowinaer Landesorganisation durch Vermittlung des Nationalfoiuls ein Stück Land angekauft und die jüdischen Landarbeiter aus der Bukowina auf diesem angcsicdclt. Sic sollen die Aufgabe haben, die nötigen Amelioruiionsarbeiten zu