Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 29 (19.7.1912)
- Date
- 1912-07-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 270 Nr. 2«). JUEDISCHE RUNDSCHAU eigneten Lande Außerordentlich viel größere Re* sultale er/ielh.1r gewesen wären. 1 labe ich doch den Nachweis erbracht (der immer mehr Zustimmung findet), datt bei intensiver Wirtschaft im Orient die landwirtschaftliche Ansiedhmg mit der gegenüber der Auswanderung nach Amerika gesparten U e b c r f a 11 r t s d i f f c r e n ־/. bewerk* stelligt werden kann! Auch an sonstigen Fehlschlüssen ist mir in , dem Vorbericht einiges aufgefallen. Bei der kann• dischcit Kolonisation wird erwähnt, dail die Aus• ׳datier der Leute hier besonders von ihrer Treue zum Judentum begünstigt wird. Sollte das nicht in viel höherem Malle für Palästina gelten? — Ferner hcillt es, in Palästina werde der Boden als unfruchtbar betrachtet. Dies ist aber kein Nachteil, sondern ein Vorteil für die, die cs besser wissen. Im anderen Falle wäre nämlich der Hoden teurer, und es gäbe mehr Konkurrenten. Dabei hebt Philippsou selbst hervor, dal! man, von den jüdischen Kolonien mit der enormen Ausdehnung ihrer Weinberge, Orangen- und Mandelplantagcn, jenen Tausenden von Hektaren, auf denen mittels der vollkommensten Methoden eine intensivste Land- Wirtschaft betrieben wird, geradezu bezaubert sein kann“. Dies letztere zeigt auch, dall es . dem Lande Palästina ganz fälschlich als Nachteil gebucht wird, datl hier spezielle Landwirtschnftsmethodeu erforderlich seien. Wenn ein Land zu besseren Methoden in so lohnender Weise Veranlassung gibt, so ist auch dies ein Vorteil und kein Nachteil, — besonders im Falle jüdischer Landwirtschaft, die von vornher* ein damit rechnen muH, die geringere iandwirtschaftlichc Gewöhnung durch intelligentere Arbeitsweise auszugleichen! Unberechtigt ist auch die Bemerkung, daß gerade die Mittelmccrländcr sich schwer von den altgewohnten primitiven Methoden der Landwirt* schalt frcimacheii könnten, was mit dem Beispiel , Algeriens belegt wird. Für Algerien mag es im großen und ganzen stimmen, weil kein nennenswertes neues Kokmistenelemeut ins Land kam, Die jüdische Kolonisation in Palästina aber arbeitet, wie wir bereits oben bestätigt gefunden ' haben, ״mit den vollkommensten Methoden“, und wenn der arabische Rest des Landes bei prim*- tiven Arbeitsweisen bleiben sollte, so könnte uns ,das ziemlich gleichgültig bleiben. Es wäre noch mancherlei zu bemerken, aber das bisherige dürfte genügen. Ich möchte auch ausdrücklich hervorheben, daß die Arbeiten der I. C. A. auf zahlreichen Gebieten eine außerordentlich respektable Leistling darsicllcn. So ist das System i! rer Leihkassen sicherlich die größte jfulisch-wirlschaftiichc Organisation der Welt, und um neben dieser ganz großen Leistung auch eine kleinere, mehr auf dem pebiet der Kolonisation liegende, zu erwähnen, Am Tor des Abends Gedichte von Theodor Ztocistl. Hugo R o 8 c n t h a 1, Grünberg. ln einem ״Entheiligte Kunst“ betitelten Artikel des Maih.ftes der ״Xenien“, in dein Mathias Aclier die Schändung der Kunst durch ״wit7.clnd-pos.scn• reißerische“ Kritik einerseits und durch kokettierendes Lob andererseits bekämpft, stößt er auf der Suche nach den Gründen dieser innerlich unwahren Kritik auf die Psychologie der Cliq.ic: . . . man gehört zu demselben Kreise wie de* andre und hat also ein materielles oder auch sozusagen moralisches Interesse daran, diesen anderen zu fördern und hiermit zum Glanze und Ruhme des ganzen Kreises beizutragen.“ . . . Wie naiic liegt die Gefahr einer solchen Kritik bei Besprechung von Gedichten eines Zionisten in einer zionistischen Zeitung. Wie leicht könnte der Kritiker geneigt sein, das künstlerische Wertmaß zu verringern. Der Dichter selbst schützt ihn davor. Am Schlüsse des Gedichtes ״Das letzte Licht“ (S. 75), in dem die dunkle, hoffnungslose Not der itiühbcla* denen Menschheit in Gegensatz, gebracht wird zu der slcgcssichcrrn Sehnsucht der Mcnschheits-״Pricster“ nach dem ״letzten Licht“, sagt der Dichter von sich: ״Mir aber kam nur ein verirrter Schein, Der, jäh .luflcuclitcnd, j’iher noch vergangen. Er gab mir AtmungI Und gab mir die Pein: Ich werde nie die höchsten Wcili'n empfangen.“ so ist es ein sehr tüchtiges Resultat, inneihalb 10 Jahren in einem russischen Distrikt 1000 Obstgärten ins Leben gerufen zu haben, wovon beinahe '200 allein im letzten Jahre. Aber L e i )1 k a s s e n u tt d L a n 11 w i r t - sebaft in Ostetiropa sind nic 111 Zweck der I. C. A., sondern allen falls ein Notbehelf, mul es will mir scheinen, als ob diese große Organisation sehr viel mehr im Sinne ihres Gründers erreichen könnte, wenn sic unbeeinflußt durch die bisherige Routine sieb zu einer neuen vorurteilslosen Betrachtung der jüdischen Kolonisationsprobleme entschließen wollte. In diesem Sinne wäre es mir nicht lieb, wenn. in meiner heutigen Kritik jenes Vorbcriehtcs irgendwie die Absicht einer Unfreundlichkeit erblickt werden würde. Sie soll vielmehr nur einen Beitrag zur Diskussion bilden, die sich füglich au eine Ansprache knüpfen darf, die sich schließlieh nicht an die wenigen Teilnehmer einer Sitzung, sondern — durch ihre Verbreitung mittels der Presse — an die größte jüdische Oeffent• liclikcit wendet. Die zionistische Leihbibliothek Von I. o 11 i s I. c w I n. Die zionistische Leihbibliothek. Durch keine l.iteratiirvercins- oder Gemeiiidebibliothek wird sie überflüssig. Selbst dann nicht, wenn jene Bibliotlieken eine Anzahl zionistischer Werke enthalten. Nur u n a h h ä n g i g e K 0 n z c n t r n t i o n bringt uns vorwärts. Die zionistische Leihbibliothek soll keinen Biicherspeichcr darsteUen. Sämtliche Bücher, die sie enthält, sollen gelesen werden. Deshalb wird ihr Umfang nur relativ gering und der Bücherbestand mit Sorgfalt zusanunengcstellt sein müssen. Zwei engere Aufgaben hat die zionistische Leihhihliothek zu erfüllen. Sie soll zunächst der Ortsgruppe als Literatur-Archiv dienen, Material zu Vorträgen und Disktissionsabenden hergeben, dem ein- /einen hei der Propaganda stützenden Rückhalt bieten. Dann aber soll sie die Heranbildung der zionislisehen mul die Gewinnung der niehtzionistlsclien Jugend fördern. Fs hält nicht schwer, die jungen Gesinnung!!• genossen zum Bestich der Bibliothek zu bewegen. Hat man ihnen erst einmal ein Buch in die llaud gedrückt, so zwingt man sie dadurch schon, wiederzu kommen; man bleibt mit ihnen in dauerndem Konnex. Es besteht so die Möglichkeit, den heranwachsenden Zionisten allmählich mit der cinsclilägigen Literatur vertraut zu machen, ihm systematisch die Kenntnis der jüdischen Geschichte und der Geschichte der zionistischen Bewegung zu vermitteln. Auf diese Weise erfährt der Zionismus der jungen Genossen eine gründliche Vertiefung. Sie werden selbständiger im Urteil und sind sattelfester, wenn cs gilt, die zionistische Idee zu verteidigen. Zur Heranziehung von Nichtzionislcn eignet sich unsere moderne Belletristik, die mich in .... .—.■■■ ■' I ■״ Einem Dichter gegenüber, der so klar die Grenzen seines Schaffens kennt, kann auch die freundlichste Kritik nicht in den Verruf der Lobhudelei kommen. Zloeisti ist gewiß kein weltersciiüttcrndes Genie, aber ein feiner Puet. Ich möchte dies ״feiner Poet“ recht zart und ließ gesprochen wissen. Er hat etwas Frauliches, gar Jungfräuliches — beileibe nicht ״Wcibischcs“. Selbst in einem Gedichte wie das folgende ist uns nicht, als ob ein machtvoller Rufer Freiheit kündet, wir hören auch hier den ״zarten Poeten“. Ruf. (S. 45.) Laßt Heimatost durch eure Seelen gehn, Um eure Häupter seinen Atem wallen. Fr wird des Schicksals Furchen schnell vcrwch'n, Und aller Schmach Ruinen werden fallen. Zerrt von euch ah das gelbe Knechtgewand, Die Dornenkränzc, die das Haar euch säumen, Und schlingt um eure Stirn ein Purpurband, Ein Purpurbaud, gewebt aus Königstrüumcnl Webt Königstrüumc euch ins Leben ein, Daß es durch Höh'n wie Lenzgcwölke gleite I Die Enge dehnt sich dann zur Feldcrweltc. Und Sonne loht in eure Nacht hinein. ‘״Webt Königsträume euch ins Leben einl“ das kann nur ein echter Dichter sagen, einer, den seine Träume aus der Not und Zerrissenheit seines Judendnscins in das stille Wunderland der Vergessenheit tragen. iiieht/ioiiislisclu-n Kreisen hoch im Kurs steht, tn 1ervor1.1|;»n1lem Malle. Da lenkt so mancher junge Mensch wie oft habe ich das feststellcn können unaufgefor. d e r t seinen Schritt zur Hihliothek, um sieh einen jüdischen Roman zu holen. Und der zunächst ein zionislisches Werk cnlscliiedeu abgclclml hätte, darf sieh dann langsam zum Zionismus ״hinauflcscn“. Ein modernes belletristisches Buch hätte man gerne, lautet die Bitte zumeist heim ersten Besuch der Hihliothek. -- Oh Zaugwill genehm wäre? . G ja, von dem hätte man schon gehört, llenn /.weite» Besuch wird ein weiterer Baud Zaugwill erbeten. Mau erkundigt sieh nach den Fimlrücken. Ha• Unterhaltung ist ungezwungener als das erstemal. Mau zeigt dieses oder jenes neue Buch aus der ״Verkaufs-Ahteilung" (die jeder Bibliothek augegliedert sein muß), ohne im Besonderen ein zionistische* Thema zu berühren. Durch diese wohlerwogene Zurückhaltung erweckt mau Vertrauen. Als nächste* Buch empfiehlt matt Jakohowskis ״Wetlher der Jude“, jenen Roman, der — im Gegensatz zur Absicht des Autors — den untrüglichen Beweis von dir Unmöglichkeit der Assimilation erbringt. Daran schließen sich in beabsichtigter Folge etwa Wasser• mauus ״Juden von Zirndorf“, Morris Rosenfelds Ge* dichte, Jüdische Künstler, der erste Almanach, Zlocistis ״Aus einer stillen Welt“. Wenn diese Bücher gelesen sind, kommt vielleicht Bricgcf-Wasscrvogijs Roman ״Reue Richter“ au die Reihe. I )iescr,' der literarischen Qualität nach recht mittelmäßige, aber stramm tendenziöse Roman, der durch seine rcalistischeu Schilderungen weltstädtische» Lehen* eine!» pikante» ’Reizes nicht entbehrt, wirkt oft Wunder. Demi in den meisten Fällen hat der Entleiher, wenn er dieses Buch /.urückhrachtc, um ״ein Werk, das über den Zionismus informiert“, und er durfte sich dann zunächst einige Wochen in Nordaus ,״Zionistische Schriften“ vertiefen. Diese kleine Schilderung aus der eigenen Er• fahrung sollte die ausgedehnten Pers|K-ktiven an• deuten, welche die Bibliothek unserer Arbeit eröffnet. Die Frage, welche Werke die Bibliothek ent• halten soll, beantwortet die angefügte Bücher• tafel, die letzten Eudes — wie nicht anders mog• lieh individuell ist. Historische mul allgemein wissenschaftliche Werke sollen im Verhältnis nicht allzu stark berücksichtigt werden, Die Ihidierlafel enthält daher nur die von unserem Standpunkt wichtigsten Werke. Möglichst vollständig!null die zionistische mul uatioualjüdische Literatur einschließlich von Broschüren und Zeit• Schriften vertreten sein. (Die Broschüren habe ich nach Themen geordnet, in diesen Zusainmenstcllungen können sie zu einzelnen Bauden gebunden wer• den.) Zum Bestand haben ferner zu gehören: eine Anzahl moderner hebräischer Werke, einige Publi• kationen ans der Jargonliteratur, und — besonders aus oben angeführtem Grunde — eine größere Auswahl belletristischer Schöpfungen. (Jüdische Romane nichtjüdischer Autoren haben freilich in einer zioiüstisdicn Leihbibliothek ebensowenig etwas zu suchen wie Werke nichtjüdischen Inhalts aus der Feder jü• dischcr Autoren.) Die Büchcrhcschaffung bereitet keine Schwierig• keifen. Wir besitzen heute in tmserem ״Jüdischen Verlag“ eine ausgezeichnet arheilende Parteibuch• ״Und ich tanze mul lache mul juble mit, Als hätt׳ ich niemals mich selber gekannt.“ (Vergessenbeil, S. 7.) Und dies selige Vergessen bezwingt so sehr allen Judenschmerz, alles Weh um Zion, daß eine• Kirchleins ferner Glockenrtif Kanaans stille Heimatzauber in ihm lebendig macht: ״Da werden leise Hirtenflöten rufen Im Dämiucrgold, und zu den Wolken flehen. Ich aber werde zu des Tempels Stufen Im Glorienscheine meiner Wunden gelten.“. (Glockenruf, S. 12.) Oder daß — wie in dein auch rhythmisch feinen ״Lied zur Laute“, S. H ein allein auf freiem Platz stehendes Bäumchen ihm zum Symbol des sielt in eigenen Boden cinwtir/e.'micn jungen Judentum• wird. ״Da kam mir so heim Wanden! ein stilles Lächeln an.“ Doch der Ton heiterer Zuversicht ist seiten bei Zloeisti. Aus den meisten seiner Gedichte spricht der hoffnungslose Schmerz dessen, der das Morgenrot neuer Zeiten sieht und weiß, «laß er den neuen Tag nicht erleben soll, dein das bloße Bewußtsein de* kommenden Tages nicht genügt. Seine Seele schreit nach der Scholle. Dieser Sc!111suchts3chmcrz laßt ilm zögern, der Jugend das ewige Buch zu reichen: ״Verlöschen wird dies Buch die Jiigcndglutcii. Du siehst das Einst — und siehst den armen .Rest: Die feige Schar, die unser Boot verläßt, Und uns . . . und uns . . ., die ringend wir verbluten.“ (Die Bibel, S. 16.) t, ' * Nr•!""1111 um ' •lllld 1M״, nid״;; \\ tik« יי• der k־ U• oi ei un;’. .tllrt.d Ill.H'l'• holten (iriil'f ׳ «ge ־Leih 11 I I I i t um' ln" 1 ' nid 1 f t, heim׳ ivefl'e l'.iW«•! 1 ׳01 . י •111 I ':,111־11 ' ־ Welk Bri-l Blich»; t ' 11 zu ׳ < 1'lnell 1 1 )11 1111c י lllld ן :Vom die*' j licriv f ein <i neue wnrt