Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 29 (19.7.1912)
- Date
- 1912-07-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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IS, Südultciji Stsa£« 3. T*!r;4.0(«i Aut UiiUnd (>IJ. S^nxfcjiusd׳[. Ditajlrrumt Donntraltj 5—6 Uhr ceJimJlU;«. כ־ י־ r 's. r* o >׳* Lj w V' Jlb VII. Jahrgang Ausweis Schekels öollub 21,—, Königshütte (Zionistische Frauengruppe) 130,—, Herxheim l, Kybnik 20,—, Vreschen 20,—. Strallburg t Mutzig 9,--, Win• zcnlicim (Ob.-Els.) 5,--, Molsheim l,-־, Zionistischer Verein West-Berlin 20,—, Duisburg 8,— M«rk, Lnndcsorganisatlonsbclträgc: 1. Ortsgruppen: Duisburg. 21,—, Wrcschcn 20,—, Oollub 39,־־, •Herxheim 2,— Mark (Einzelbeitrag). 2. Einzelpersonen: Aus Halberstadt: Ernst Bacr 10,—, Isaak Rothenberg 6,—. l>r. Pincus, Berlin, 10,—, Dr. Alfred Klee, Berlin, 20,—, Leo Reichen, bach, .Thale, 10,—. H. Auerbach, Essen, 5,—, Dr. Wilhelm Majcrzik, Berlin, 10,— Dr. Hofstein, Oppeln, 10,—, Rcf. Edgar Wcill, Mölsheim, 5,—, Oberlehrer Myrtill Bloch, Straßburg, 5,—, Ludwig Pinner, Berlin flv. Z. V.), 5,—, Alois Natzler, Regensburg, 5,—, Leo Hosenblatt, Regensburg 5,—, L’. Davidson, München, 20,-, J. O., Berlin (K. Z. V.) 10,-, Frau B. Lesscr, Berlin, 5,—, Moses Marx 50,—, Ida Marx, Berlin, 50 Mark. 3. Verschiedene Spenden: Kattowitz 2,50 Mark. Eingang vom 13. bis 18. Juli 1912t Schekel: 256,— M., Landcsorganlsationsbciträge: 325,50 Mark. Gesamteingangt Schekel: 4898,50 M., Lan. desorganisationsbeit rüge: 15120,33 Mark. jüdische Kolonisation in Palästina und anderwärts Von Davis Trictsch, Berlin. In einer von sieben Mitgliedern des Verwaltungsrates un,d acht Beamten besuchten Jahresversammlung־ hielt soeben der stellvcr• •tretende Vorsitzende der Jewish Colonisntion Association, Herr Franz Philippson, eine Anspräche, die das Wesentliche des Berichtes der Gesellschaft pro 1911 wiedergeben sollte. Die Entwickelung dieser größten jüdischen Kolonisationsgescllschaft ist .ntercssant genug, um selbst vielen Einzelheiten der zu stattlichen Bünden angewachsenen Jahresberichte näherzufreten. Um so mehr aber wird dies für so authentische Zusammenfassungen gelten wie die erwähnte. ■ Ein besonderes Interesse bietet Philippsons Ansprache durch die (wie uns scheint ziemlich scharfe) Gegenüberstellung der Kolonisation in Palästina und anderwärts. Wir wollen einige besonders markante Stellen vorwegnehmen. Es heißt dort nach einer Schilderung argentinischer Kolonieszencn: ״Es ist unmöglich, bei diesen einfachen Bildern sich der Rührung zu erwehren. Unser Begründer, der cs unternahm, die Juden zum Landleben zurückzuführen, wäre wohl belohnt gewesen, wenn er lange genug gelebt hätte, tun die Verwirklichung seines Traumes zu sehen.“ An einer anderen Steile heißt es nach einer Reihe, von Einzelheiten über Palästina: ״Ich kann also nachdrücklich sagen, daß unsere Arbeit in Palästina in unwiderleglicher Weise die landwirtschaftliche Eignung der Juden erweist, aber auch, daß die Resultate ganz andere gewesen wären, wenn dieselben Möglichkeiten und derselbe Opfermut in einem giinstigeren Lande zur Geltung gekommen wären.“ Und schließlich zitieren wir den ■Schlußsatz des der Presse übermittelten Berichtes, in dem gesagt wird: ״Die Schwierigkeit besteht nicht mehr darin, wie wir unsere Kolonien be- Völkern können, sondern darin, wie man soviel Land finden soll als benötigt wird. Wir m.'. ׳:.Cr<־» ~“.־.!ncr crrezitv;־L־:n La Pro*בדזר־־זר!?*־־, glauben zu dieser Wandlung in der jüdischen Geschichte beigetragen zu haben.״ Was zunächst Baron Hirschs voraussichtliche Zufriedenheit betrifft, so will cs mir scheinen, als ob der Gedankenflug dieses großen jüdischen Politikers von der Verwaltung seiner Kolonisationsgescllschaft nicht hoch genug eingeschätzt wird. — Baron Hirschs Plan war gewesen, durch die landwirtschaftliche Kolonisation in Argentinien die Judenschaft Rußlands zu evakuieren! — Rußland hatte zu seiner Zeit ca. 5 Millionen Juden. Deren Vermehrung betrug in diesen 20 Jahren (einschließlich der seither Ausgewanderten) zirka 2 Millionen. — Baron Hirschs Plan hat nicht die 5 Millionen evakuiert, er hat nicht einmal die seitherige Vermehrung in der argentinischen Landwirtschaft unterbringen können, auch kein Zehntel dieser Vermehrung, sondern nur ein Hundertstel! Ich schätze Br.ro» Hirsch zu hoch, um anzunclnnen, daß ehr in Argentinien tatsächlich Erreichte ihn befriedigt haben würde. Freilich bin ich auch der Ansicht, daß er längst die Acnderungen seines Planes getroffen haben würde, die mindestens zu einer erheblich größeren Wirksamkeit der von ihm zur Verfügung gestellten Mittel geführt haben würden. — Auch die Vorwaltung der Jewish Colonisation Association hat ja außerhalb Argentiniens eine steigende Tätigkeit entfaltet, der übrigens eine viel größere Wirksamkeit zuerkannt werden muß als dem eigent* liehen Kolonisationswcrkc. Auch die zweite von uns angeführte Stelle würde mit besserem Recht zu ganz anderen Folgerungen führen. Wenn die Eignung der Juden zur Landwirtschaft -- und zwar zu ihren fortge sch ritte neren Formen — sich'gerade in P a 1 ä s t i n a so vorzüglich erwiesen hat, so hätte das dazu führen sollen, die dortige Wirksamkeit auszudehnen. Die Möglichkeiten einer intensiven Kultur sind eben in Palästina in unvergleichiich höherem Maße gegeben als in Argentinien, und auch der Opfermut der dortigen Kolonisten ist so wenig auf ein anderes Land übertragbar, wie etwa Jerusalem übertragbar wäre! — Statt aber aus diesen beiden Tatsachen — einer materiellen und einer geistigen — die richtigen Konsequenzen zu ziehen, bedauert cs die I. C. A. nur, daß diese Möglichkeiten und dieser Opfermut nicht in einem anderen Lande zur Geltung gekommen seien, und sie verlegt ihre Hauptarbeit trotzdem immer mehr in ein anderes Land und... nennt es günstiger, obwohl dort jene besseren Möglichkeiten und jener Opfermut fehlen, die so ganz unbestreitbar Palästina und den Orient zum günstigsten aller unserer Kolonlsationsländcr machen. Der dritte Passus, auf den wir Bezug nehmen, ist ganz falsch. Es fehlt durchaus nicht an Land, sondern es fehlt an Kolonisten. So in Argentinien, in Brasilien usw. wie auch in Palästina. — Die I. C. A. verwechselt hier das große Problem mit ihrer verhältnismäüig kleinen Praxis. WeiL sie neue Ländereien erst dann zu kaufen pflegt, wenn wieder eine große Zahl von Reflektanten sich gemeldet hat, seit eint cs ihr immer, als seien die Leute wohl da, es fehle aber das Land, ln Wirklichkeit aber fehlt cs ja nicht au Land, wenn das Geld da ist, um cs zu kaufen. Aber Kolonisten kann man nicht kaufen, und auch für Geldvorteile keine Kolonisten heranziehen, solange der landwirtschuftliehe Geist unter den zur Emigration genötigten Massen noch so wenig oder noch so obcrflachlieh entwickelt ist. Der ״Vorbcricht“ der I. C. A. gibt selbst Anhaltspunkte hierfür. Man hat in Brasilien 92 000 11a Land erworben und auf diese Noliz folgen die Worte: ״Wir werben zur Zeit in Argentinien und in Rußland Leute zur Ansied• luug auf diesen neuen Ländereien.“ — Die erste Kolonie in Brasilien (die den Namen Philippson trägt) umfaßt 5398 ha. Hier leben 48 Familien (281־ Seelen). Der Vorbericht sagt, daß diese im letzten Jahre 503 11a und im Jahre vorher 344 ha gesiiet hätten. Dies wäre weniger als ein Zehntel resp. ein Fünfzehntel der Fläche. — Fehlt cs also an Land oder an Menschen? Man könnte über solche Einzelheiten hinweggehen, wenn sic nicht gerade die Hauptfragen beeinflussen würden. Zuviel Leute und zu wenig Fand. . .. das soll f ür das weitflächige und nnbevölkcrte Argentinien sprechen und gegen das ״bereits okkupierte, ziemlich dicht bevölkerte Palästina“. So falsch wie die Voraussetzung, so falsch sind auch — aus anderen Gründen — die Folgerungen. In Palästina ist verhältnismäßig nicht mehr Land bebaut als im brasilianischen ״Philippson“. Man kann in Palästina noch Land genug kaufen für Millionen von Juden, und es ist — aus dem im Vorbericht selbst zugegebenen Gründen — auch leichter, unsere Bevölkerung dorthin zu bringen als nach Argentinien.*) Und schließlich ist cs ganz irrtümlich zu meinen, daß bei jüdischer Kolonisation der Bodenpreis die (oder aucli nur eine) Hauptsache sein müsse. Es entspricht auch gänzlich unhaltbaren Anschauungen, bei jüdischer Kolonisation sich darüber zu freuen, daß die Kinder so stolz zur Schule reiten. Dem gewiß nicht üblen Bilde liegt nämlich der große Fehler zugrunde, daß bei der extensiven südanicriknnischcn Kolonisation unsere Leute, die so viel mehr als andere Elemente auf enges Beisammenwohnen angewiesen sind, ihre Kinder meilenweit zur Schule schicken müssen, und daß sie ebensolche Entfernungen zurückzulegen haben, um zum Aus• tausch ihrer Erfahrungen, zu Beratungen, zu Gesclligkeitszvvccken usw. Zusammenkommen zu können. Diese extensive Wirtschaft ist genau das Beispiel einer jüdischen Kolonisation wie sie nicht sein soll, und hier wäre es am Platze fcstziislclien, daß mit denselben Mitteln in einem für intensive Landwirtschaft ge- *) An einer anderen Stelle des Vorberichtes (be• zilglicli Cauadas) heiilt es charalderistisehcrwcise: ״trotz des rannen Klimas und der (:rollen L'ntfernunc wächst die Zald der jüdischen Bauern von Jahr zu Jahr.“ Wenn hiernach Klima und Entfernung Minder• nisse sind, so ״läge cs nahe“, Palästina, Zypern, Klein, asien (12 Stunden von Rumänicnl) usw. mehr zu berücksichtigen. Von diesen Ländern steht Zypern nicht einmal unter türkischer Verwaltung, cs bietet vielen Hunderttausenden Raum, und sogar die lea hat heute schon dort viel mehr Land als Leute(