Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 27 (5.7.1912)
- Date
- 1912-07-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 252 J U JE Dl SCH E RUNDSCHAU Nr, 27 Man möchte fast wünschen, daß dieser Jongleur einmal auf Land träfe, gegen das selbst seine Plian• tasic niciits cinzuwcndcn fände, nur damit nicht Immer und immer wieder aus einen» 1 lalsc seiner Projekten• Hydra zwei neue Fratzen aiifstclgcn. Aber das wird er wohl zu verhindern wissen. Denn an dem Tage, an dem ״das" Territorium ge• funden wäre, müßte die Ito sterben, die nur von den» Fragezeichen lebt. Naive Juden, die es noch nicht begriffen haben, wie die Judenfrage nur in einer be• stimmten Konzentration — nie aber in irgendwelchen Irgcndwo-Ocbictcn gelöst werden kann, und die infolgedcsscn meinen, ein Irgendwo-Oebiet sei theore* tisch denkbar und deshalb nicht a limine abzulehncn, . . . solche naive Juden kann auch ein Zangwill nur solange finden, als er seine eigenen Projekte wieder fallen lassen kann. Seine Organisation lebt ■davon, daß sic ilircm Ziele nicht näher kommt, ja, daß sie sich immer weiter davon 'entfernt. Nicht nur die Landprojekte nämlich werden schneller als sie kommen aufgegeben, sondern auch das geheiligte Grundprinzip der vorherigen (der □11• Wanderung und Kolonisation vorangehenden) politi• sehen Sicherung des Territioriums. Wörtlich sagt Zangvvilt: ״Seit jener Zeit hat die Erfahrung alle Sektionen der Ito zur Ucberzcugung gebracht, daß die vorherige Sicherung eines Territoriums mit einer!«jütischen Ga* rantic, und mag sic die beste sein, nicht der einzige Weg ist, um ein Ito-Land zu schaffen, daß vielmehr in Berücksichtigung der Vorurteile seitens der Juden sowolü als seitens der Nichtjuden ein leichterer, zum Ziele führender Weg darin besteht, den jüdischen Emigrationsstrom in ein unbewohntes oder wenig be* völkertes Land zu lenken, bis die Einwanderer und ihre Nachkommen die Majorität der Bevölkerung biU den würden . . . das Mittel . . . würde zu demselben Endergebnisse führen, wie die au erster Stelle ge• nannte Methode." Was bleibt da von der Ito übrig? Liegt diese zweite Möglichkeit nicht in Palästina und in Argen• tinien vor? Hat es einen Sinn, namens der nationalen Konzentration noch dritten und zehnten Möglichkeiten nachzujagen . . . nachziijngen notabene in einem Tempo, das die Majoritätsbildung in die Zeiten der Nachkommen künftiger erster E i 11 w a n - derer verlegt? Als humoristische Leistung bietet Zangwills neue• stcr Speech mancherlei, ln ernsthafter Hinsicht ver• stärkt er uns den Eindruck eines abschreckenden Bei• spiels: ״Man hält einen Aal am Schwänze fester, als einen Lacher mit Gründen." Es hätte auch keinen Zweck, Zangwill an seinen eigenen, diesen Ausfiiliningeii als Molto vonmgcsetz.ten Worten halfen zu wollen. Aber seinen Anhängern geschähe es nur recht, wenn er demnächst ihnen dieselben Worte in neuer Beleuchtung Vorhalten würde, um sie damit zu ver• spotten, was sie von ihm sich haben bieten lassen. — Auch das kann noch kommen! D. T. Wie wir erfahren, kam die Versammlung, die am Mittwoch abend geschlossen wurde, nach längerer Debatte zu einer Ablehnung des Angola-Projektes. Sic nahm eine Resolution an, in der der portu• gicsischcn Deputiertcnkammer der Dank für die Au* nähme der Gcsctzcsvorlage ausgesprochen wird, die jüdischen Kolonisten in Angola Laiulkim/cssioiicii an* bietet. Die Konferenz, hedaurc jedoch, daß infolge *■" ■■■—"■' י ..־־... — 1 .. Das Sternenbanner Von Helene Hanna Coh n. Der Direktor der größten New׳ Yorker Mädchen• Hochschule hat mich ciugcladen: das Hissen der Flagge auf einem neuen riesigen Schulgebäude soll gefeiert werden. In einer grauen, tiüdilerneu < irollstadtslralle im Herzen des jüdischen Viertels ist die Tribüne er• richtet; ihre bunte Drapierung, der Falmen• und Blumenschmuck an den ringsum .liegenden Geschäfts• häusem macht den Eindruck des Milieus■ etwas test* ]!eher. Man wartet. Da dringt vom Ende der Studie her Musik; etwas Weißes, Regelmäßiges naht heran, und nun ziehen die ersten Gestalten im Marsch• takt vorüber: I lochseliülerimieii, junge, frische Miitl• eben, in schlichten, wcillcn Matroscnkleidcrii, mit Flaggenstofikappcn auf dem Kopfe. Leichten Schrittes und froh erhobenen Hauptes gehen sic kerzengerade vorbei, geleitet von Offizieriimcn, denen der saubere Zopf unter der weißen Mütze hervorbaumclt. Und diese Mädchen, die da vorbcimarschiercn mit festen Schritten und hellen Augen — es sind fast alles jüdische Mädchen. Nur ganz gelegentlich eine blauäugige Irin, eine geschmeidige kleine Italienerin oder ein gutes, breites Ncgcrgesicht unter den vielen , jüdischen Mädchen, Die Musik spielt, die Offizicrinncn kommen• dicrcn, und in tadelloser Ordnung marschieren sic des ungeregelten Zustandes des Landes, der kliuiatisehen Schwierigkeiten und der hohen Lehens• und Arbeitskosten es ihr nicht möglich sei, einzelnen Kolonisten zu empfehlen, eine Aufgabe zu übernehmen, die nur von einer mit den nötigen Garantien und der »Öligen Macht ausgestatteten Organisation mit Er. folg diirchgeführt werden könne. ״ Statut der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Beschlossen vom XIII. Delegicrtcntkg in Posen. § I. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland (Z. V. f. D.) ist der deutsche Landesverband der Zionistischen Organisation. Einleitung. § 2. Die Z. V. f. D. umfaßt alle im Gebiet des deutschen Reiches wohnhaften Zionisten, soweit sie nicht Mitglieder eines Sonderverbandes sind. Mitglieder von Sonderverbünden können auch gleichzeitig der Z. V. f. D. angchören, § 3. Die Z. V. f. D. gliedert sich in Ortsgruppen und Gruppcnvcrbändc. 8 4. Jedes Mitglied der Z. V. f. D. gehört einer Orts, gruppe an, jede Ortsgruppe einem Gruppcnvcrbändc. Die Gründung von Gruppen und Gruppenverbänden bedarf der Genehmigung des Lnndcsvorstnmlcs. § 5. Die Z. V. f. I). wird nach außen durch den Vor. sitzenden des Landesvorstandes vertreten. Die Leitung der Z. V. f. I>. liegt in den Händen des Delegier, tentages, des Landesvorstandes bzw. des Geschäfts, führenden Ausschusses des Landesvorstandes. Delegicrtcntag. § 6. Der Delegiertentag der Z. V;. f.!). tritt an einem vom Lnndcsvorstnnd zu bestimmenden, der Regel iiaeli in Deutschland gelegenen Orte, mindestens in jedem zweiten Jahre zusammen. Die Einberufung erfolgt durch den Lnndcsvorstnnd. 8 7. Die Aufgaben des Deicgicrtcntagcs sind: a) Entgegcnalime und Prüfung des Oescdafts. und Rechenschaftsberichts des Landes. Vorstandes, b) Feststellung des Etats der nächsten Ver. W'aitungspcriode, c) Beratung und Erledigung vorliegender An. träge, d) Wahl der deutschen Mitglieder für das Ztn. tralkomitce der Zionistischen Organisation, e) Wal»! des Landesvorstandes für die nächste Vcrvvaitungspcriodc, i) Abänderung des Statuts der Z. V. f. D. vorbei, junge, sehnige Gestalten, nicht mehr zu Boden gedrückt von der Last der Ghcttonot, nicht liiehr /er* iiiürbt von Unterdrückung und Verfolgung, sondern freie, junge Menschen, die das Bewußtsein, einem tatkräftigen Leben cntgegeiiz.iigelien, »las Bewußtsein, für die Ehre der Schule verantwortlich zu sein und an der Zukunft des I .׳indes und seiner Bürger mit* banen zu dürfen, in die Höhe gereckt hat. Nach dein feierlichen ,Umzug, unter dem Beifall, der jeder neuen Sclmlgruppc entgegentönt, nehmen sie der Tribüne gegenüber Aufstellung; und mm kommen die '/.wöll herbei, die gewürdigt worden sind, das Heiligtum des Landes, das Symbol von Freiheit, Tatkraft und I IcimaMlicbc, zu tragen: die nmcrl• kanische Flagge. Zwölf Mädchen, der Stolz der Schule ־* mul fast alle Jüdinnen, ans einem (lüstern Ghettowiiikel lueihcrgevveht, die Kinder verfolgter, zu Boden getretener, verkümmerter Juden — nun freie Bürgerinnen eines freien Landes, mit offener Stirn und klaren Augen. Ein paar ganz kleine stehen daneben und halten* stolz kleine Fähnchen mit dem Wort, das der ganzen Szene ihre Stimmung gibt: Liberty! Nun ein Zeichen, ein Lied aus vielen jungen Kehlen, und aus den Händen der Mädchen schwebt sic empor — die rotweiße Fahne mit den Sternen! Ein brausender Jubel, erhobene, grüßende Kinderitandv, die wie weiße Wellen in der Luft schweben und eine Woge von Glück, Stolz, Ehrfurcht, die sich mit dem Unnncr in die Höhe schwingt. 8 8. Jedes Mitglied der Z. V, f. D. hat das aktive Wahlrecht zum Deiegiertcntagc; das passive WahL recht ist an die Vollendung des 24. Lebensjahres gebunden. Jtigciidvcrcine, die mit Genehmigung des Lan. desvorstamles als selbständige Gruppen der Z. V. f. D. angeboren, können aus ihrer Mitte auch jüngere Delegierte entsenden, die aber großjährig sein müssen. Die Zugehörigkeit zu einer Jugendgruppe ist jedoch mir bis *ü einer vom Z. K. festzusetzenden Alters, klassc möglich. 8 9. Jede Ortsgruppe wählt einen Delegierten. Orts, gruppen von mehr als 50 Mitgliedern wählen zwei Delegierte. Ortsgruppen von mehr als 100 Mi'glic• dem wählen für jedes angefangene weitere Hundert einen weiteren Delegierten. Gleichzeitig mit der Wahl der Delegierten ist für den Fall von Doppclwahlen oder der Verbinde, rung der Gewählten die Wald von Ersatzdclcgicrtcn vorzuncluncn. 8 10. Die Mitglieder des Landesvorstandes haben auf dein Delegicrtcntag bis zum Schluß der Tagung Sitz und Stimme. § 11• Jeder Delegierte verfügt auf dem Delegierten, tag nur über eine Stimme. Die Delcgicrtcn-Mandatc sind nicht übertragbar. Die Uebernalune des Mandats durch einen Ersatzdelegiertcn muß vor Beginn de» Deicgicrtcntagcs erfolgen. Die Delegierten sind an Aufträge und histmk• tiom» nicht gebunden. Landcsvot stand. (Zentralkomitee.) 8 12. Die Leitung der Z. V. f. D. und deren Ver• tretiing obliegt, abgesellen von der Einschränkung des Jj 5, dem vom Delegicrtcntag zu wäliieiulen Landesvorstaud (Zentralkomitee), die Führung der laufenden Geschäfte hat der vom Delegicrtcntag vor• her besonders zu wältiendc Geschäftsfülirendc Aus. schuß des Landcsvorstaudes zu besorgen. Der Ge• schäflsführciidc Ausschuß hat seinen Sitz in Berlin. Der gewählte Lamlcsvorstand bleibt bis zum Schluß derjenigen folgenden Tagung im Amt, auf der ein * neuer Landesvorstaud gewählt worden ist. •צו 8 Die Au/,1111 der Mitglieder des LamlcsvorMumlca und des Gcsehüflshilirciidcii Ausschusses wird vom Delegicrtcntag vor der Wald dieser Komitees fcstge• setzt. Der Delegicrtcntag wäldt den Vorsitzenden, die Mitglieder des Geschäftsführenüen Ausschusses und die übrigen Miiglieder des Larulesvorstandcs in drei verschiedenen Wahlgängen. Alle anderen Funktionäie des Laudesvorstandes wählt dieser selbständig. 8 14. Der Landesvorstaud tritt mindestens einmal vier• teljährlicli in Berlin zusammen. Auf Antrag von fünf Mitgliedern hat der Vorsitzende jederzeit eine außerordentliche Sitzung nach Berlin cinzubcrufcn. 8 D• Die nicht in Berlin wohnenden Mitglieder des LanUesvorstamles können sich in den Sitzungen durch Von ganz oben Hattert es noch herab, ein winziges Tüchlcin aber das Unterpfand, daß unter seinem Schutze die Tochter unseres Volkes zu freien, ge• sunden, glücklichen Frauen heranreifen, daß sie streb• »am Schaffende werden dürfen oder kräftige, kluge Mütter eines starken, unabhängige» Geschlechtes, das nlehls mehr weiß von Gliettoiiol und engem (llicllo• geist, das endlich, endlich ein Lehen der Freiheit führen darf. Noch einmal sehe ich zu der weitenden Fahne empor: Wird sie halten, was das Wort auf den Valtiicheii diesen lmffiumgsfrohcn, stolzen Mädchen versprach? Wird das Sternenbanner immer, wirk• lieh immer unserem Volke ein Unterpfand der Frei• heit sein? — Die Aussprache zur Judenfrage Die Redaktion des ״Kunstwart" teilt mit, daß ״die Aussprache zur Judenfrage״, welche im Anschluß an den aufsehenerregenden Aufsatz von Moritz Gold• stein begonnen wurde, in einem der nächsten Hefte fortgesetzt wird. Auel» die Redaktion selbst hat eüie Präzisierung iiircs Standpunktes in der Angelegenheit in Aussicht gestellt. Mit welchem Interesse die Aus* führungen von Goldstein aufgenommen worden sind, beweist unter anderem der Umstand, daß der JÜ• dischc Verlag allein von den beiden Heften fast 100 Exemplare abgesetzt hat.