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Jüdische Rundschau · 1912-07-05 · Heft 27 (5.7.1912) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVII (1912)
Issue
Heft 27 (5.7.1912)
Date
1912-07-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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nitcli nichts zu erwarten. Hier können also wieder nur Kolonisationsgesellschafteii cingreifen, und in erster Reihe hat es sich der Jüdische Nationalfomls wir Aufgabe gestellt, das grolle Problem der He* Schaffung von Wohnungen für die yemcnilischcii Hin. wamlerer zu lösen. Wahrend der letzten Anwesen* heit seiner Direktoren l)r. Uodenheimer und Df. Tschleuow in Palästina hat er gleich 23 000 Pres, (ür den Hau von Y.cinenitenhäuscni bewilligt. In den letzten Tagen sind weitere 31) UDO Pres, bewilligt worden, und für das nächste Jahr ist die Gewillt* riing von mindestens 50 000 Pres, in Aussidit gc* nonunen. In diesem Jahre sollen noch 100 Häuser ft rliggestellt und mindestens ebenso viele int nächsten Jahre gebaut werden. Der Jüdische Nationalfonds, der indes viele an* dere wichtige Aufgaben zu bewältigen, hat, ist mit diesen Bewilligungen bis an die äußerste Grenze gegangen. Es lallt sich aber nicht verkennen, daß eine gründliche Lösung der Frage weit höhere An* spräche stellt. Sollte cs gelingen, in wenigen Jahren die Allsiedlung von einigen tausend yeincnitisclien Familien durchzuführen, so wäre damit eine Tat für die jüdische Zukunft in Palästina geleistet, deren segensreiche Folgen nicht hoch genug cingcschät/.t werden können. Man könnte ruhig behaupten, dal! damit eine neue Epoche in der jüdischen Siedlung*• arbeit cingclcitct wäre. Der Hau eines Einzelhauses nebst Ankauf eines kleinen Gartens erfordert einen Kostenaufwand von ungefähr 1000 Frcs. Jeder wohlhabende Jude sollte eine Ehre darein setzen, durch eine Spende von 1000 Frcs. dem Nationalfonds die Möglichkeit zu gehen, eine Ycmcuitcnfamilic an/usiedchi. Das He* wußtsein, durch diese Spende der jüdischen Volks* arbeit in Palästina die schaffende Kraft einer jiidi* sehen Familie zugeführt zu Inhen, dürfte für den Spender eine erhebende Genugtuung bilden. Brief aus Bulgarien Konferenz der jüdischen Scliulkomltccs Bulgariens. Vom 21. bis zum 27, Mai d. J. tagte in Sofia die erste Konferenz der jüdischen Sclmlkomitees Bulgariens. Delegierte aus den meisten Gemeinden, in denen jüdische Schulen vorhanden sind, nahmen an dieser Konferenz teil. Alle grollen jüdischen Ge* meinden des Landes, wie Sofia, Philippopel, Rust* schuk, Varna, T. Pazardjik, Widdin, im ganzen mehr als 80 ״«. der jüdischen Bevölkerung Bulgariens, waren auf der Konferenz durch 10 Delegierte vertreten. Vom Ministerium des Volksunterriclits wurde I ierr Dr, B. Manoff, der Leiter der Abteilung für Elementar• unterricht, als offizieller Vertreter entsandt. Die Konferenz wurde von Herrn Dr. Marco Romano, Vorsitzender des Philippopeier Schul* komitecs, mit einer Rede eröffnet, in welcher er kurz die Geschichte des jüdischen Schulwesens während der letzten Jahrzehnte schilderte. Zum Schlüsse führte er aus, dall den jüdischen Schulen in Bulgarien die Aufgabe zufalle, die jüdischen Kinder zu guten bulgarischen Bürgern und guten Juden zu erziehen. Vor Beginn der Tagesordnung wurde von der Konferenz beschlossen, dem König telegraphisch die Loyalität der jüdischen Bevölkerung Bulgariens aus* zus’prcchen. Die Antwort des Königs lautete: ״Dr. Marco Romano, Vorsitzender der Konferenz der jüdischen Sclmlkomitees in Sofia. Bin tiefgerührt von den stets unveränderlichen Gefühlen der Loyalität und Ergebenheit, welche Sie mir im Namen des bulgarischen Judentums aus* F■. . ... m...J . . ..I»". . ■.....L raschen, leichten und wie selbstverständlich er* . scheinenden Künstlerart darin, die die nordischen Erzähler uns so wert macht. Und so wächst dies Buch zu seinem erschütternden Ausgang, wenn er gleich vielleicht nidit $0 ganz überzeugend sein mag. Die Tragik des Geschickes von Jakob Bendixen ist die Unfreiheit des Juden im Verkehr mit Christen hei einem Menschen, der auf der Suche nach Assi* milation ist, da er in ihr sein Kulturicleal sicht. Das Leid von Generationen von Verfolgten hat die Scnsi* UvUlit in ihm zu einem so hoben Grade gesteigert, daß er von vornherein als untauglicher Soldat des Lebenskampfes angesehen werden muß. Er ist der letzte Erbe und muß untergeben. Meier Aaron Goldschinidt wußte, als er dieses Buch schrieb (18-19) noch nichts von der neuen Auffassung des Judeploscs, die uns Nacligeborencn die Antwort auf alle in ihm noch ungeklärten Fragen gibt. Aber der Roman ist Material zu unserem Ma* terial, denn er. gehört zu jenen, die den Schutt auf* räumen und die Balm freimachen. Auch das Buch von Brod verspricht das Schick* sal eines Juden zu zeichnen. Aber cs gibt in Wahr* heit nur eine sehr sorgfältig ausgeführte Vorstudie dazu, und cs erscheint fraglich, ob auch nur ein kleiner Teil der Leser imstande und geneigt sein wird, aus dem, was Rohstoff geblieben ist, im Geiste das fertige Werk nuf/ubaucn. Wir wissen, daß Max Brod das Zeug zum sprechen ur. t ,;.*r!. ׳'״׳: von Inm! ,!1״ 'Verte sind, da sie 1,,:r IT eia-.ן!ו L.r :11 ׳׳;, ,,.v! r r c.־oi1* nung der t!.r ji.u: ....wn Suiiu.aimiiecs, ausgesprochen v.'uV.i, Die Eiti'iu:,: IV:; r l״׳.m:.\.iz. zeig!, wie selir die n.Ji.a Ec;,.,; Un.nen vom Stannin* l.u'.iJ. .,.,i 1.,!r;.:.*r! , den grollen Weit dar!dkl:־׳••׳;t'.r den »’chritt und Wohlstand d.r Vdi'.er t.hviJ11.'״ii»1,ic11 lind ich danke Ihiu-Ji;,leicin; 1‘iiai.en für die Untcrl.'inigkcits• gcinhle, wie allen für ii.re etile Initiative.“ , Der König. Die Konferenz bc ,n..dn e.v.iliöpk ml 11111• f ragen des jüdischen Untu1־ic1:',-.’.ve::-::1s im!.am!(: mul i!eriet auch über die Midcl zu de* tu Organisation, Stabilisierung und Vcrb::v.:cnmg. Der wichtig de, einstimmig gefaßte Beschluß der Konferenz, lautet: Das b u I g a r i s c 11 e Judentum hat die I*flicht, jüdische Schulen zu erhalten. Ferner 111 Inn die Konferenz mit 14 gegen 2 Stimmen folgende Resolutionen an: Die jüdischen Schulen, welche im Sinne der Artikel 12, 27, 30 und ■IS des Gesetzes für Volks* unterricht die Kinder zu guten bulgarischen Bürgern zu erziehen haben, sind ferner verpflichtet: 1. den Kindern eine jüdische, nalionalrcligiüsc Erziehung zu gehen, 2. die hp.mioliselic Umgangssprache durch die jichräisrhc zu ersetzen, 3. den jüdischen Kindern eine den Aufgaben des täglichen Lebens entsprechende Bildung zu geben, wobei sic die Austuiuuslagc der Juden in der Gesell- Schaft zu berücksichtigen haben. * , * Zur Ausführung der angenommenen Resolution wurden untci* anderem folgende Beschlüsse gefallt: Für die Kindergärten, in welchen der U'ntcrricht nach der Prühclmciltodc erteilt werden soll, ist als Umgangssprache die I1ebr.Tif.cl1c bestimmt. In den Elementarschulen und Progymnnsicn soll vollinhaltlich das Proginmm des Ministeriums für Volksunterricht befolgt werden mit dein Bulgarischen als Unterrichts* spräche. Der jüdische natioiialreligiöse Unterricht soll ,dein Geiste der Resolution entsprechen. In den Elementarschulen soll keine fremde Sprache unter* richtet werden. Es wurde beschlossen, im Monat Juli eine Kon* ferenz der jüdischen Lehrer zwecks Ausarbeitung eines allgemeinen Programms für alle jüdischen Schulen des Königreichs eiiizuherufen. Ferner wurde beschlossen, alle drei Jahre eine Lehrerkonferenz und dann eine Konferenz der Sdiulkomitccs cinzubc* rufen. Betreffs finanzieller Erhaltung der jüdischen Schulen faßte die Konferenz folgenden Beschluß: Die jüdischen Schulen sind jüdische Gemeinde* institutionell öffentlichen Charakters und müssen als solche von allen Mitgliedern der jüdischen Gemeinde unterstützt werden. Der künftige Gcmeiudekongrcß des Königreichs hat, auf diesem Prinzip basierend, den Modus zu bestimmen, du reit welchen die jüdischen Schulen materiell zu sichern sind. " ♦ * Betreffs der Gcmeiiidekoiigrcßfragc äußerte sielt die Konferenz (nlgctidcrmnßcn: Di das jüdische Schulwesen in Bulgarien mit Kompetenz und Sanktion nur durch einen Kongreß der bulgarischen׳ Juden geregelt werden kann und der Modus, nach welchen dieser Kongreß cinhcrttfcn werden soll, in den Statuten vom Jahre 1900 vor* gescheit ist, beschloß die Konferenz im Interesse des Schulwesens, das kompetente Ministerium des Aeußercn itrni Kultus zu ersuchen, einen Kongreß der bulgarischen Juden cinzuberufen. Zuletzt beschäftigte sich die Konferenz mit der Tätigkeit des Großrabbiners Dr. Ehrenpreis in bezug Erzählen hat. Er hat es in seinen Büchern wieder* holt bewiesen, er hat auch in diesem fast philo* logisch genauen Buch eine Szene gegeben, die an die Kunst seiner besten Momente heranreicht (d. i. das erste Zusammentreffen Arnold Bcers mit der Gouvernante Lina und deren Verführung), aber sonst geschieht nichts, als daß geredet wird, zergliedert, charakterisiert, mit einer so großen Freude am Haar* spalten und Differenzieren, daß man trotz Brods gegenteiliger Versicherung im Nachwort des Buches nicht umhin kann, nicht einen Typus des Juden, sondern einen he&Uuuntca EhucUall in Arnold Beer zu stielten. Es ist auch ein Vorwort da in Gestalt eines Mottos: ״Und Simson sprach: Mit dein Kinnbacken eines Esels einen Haufen, zwei Haufen ־*־ mit dem Kinnbacken schlug ich tausend Mann usw.“ Arnold Beer erschlägt mit seinem Kinnbacken, nämlich redend, gleichfalls tausend Mann, und Max Brod tut es ihm zugleich. Aber Max Brod ist schalkhaft genug, es selber mit lustigem Augenbliiizeln zu sagen, und darum kann man ihm manches zugute halten. Er ist der Typ des geistreichen, schillern* den Juden, er kann die Welt nicht einfach sehen, die Strahlen ihres Lichts sind tausendfach gebrochen, er hat den Ucbcrmut der allzu Reichen, die mit dem Golde jonglieren und cs so vertun. Und es Ist darum ein Mißverhältnis In die An* läge des Buchs gekommen, Sein ganzes erstaunliches seelisches Material wird nicht ausgenutzt, Ist um auf dis jiidi'־,che Schulwesen fm Lande und sprach sielt folgcmlerttiallen aus: 1. Laut Artikel 6 und 17 der Statuten von 1900 gehört zu den Pflichten des Großrabbiners die Er* b'..!U111g iiml Stärkung der jüdischen Schulen; die zwölfjährige diesbezügliche 'ialigkcit des Dr. Ehren* preis als Cirollrabbiner der bulgarischen Juden war negativ, 2. Das jüdische Schulwesen in Bulgarien kann nur von einem Kongresse aller bulgarischen Juden organisiert und geregelt werden, deren Delegierte laut Anordnungen der Statuten vom Jahre 19IM1 direkt von der jüdischen Bevölkerung des Landes gewählt wurden. Die Tätigkeit des Dr. Fhrenprei* als Groß* rahhincr war stets darauf gerichtet, die Einberufung des Kongresses niclit zustande kommen zu lassen, wodurch die Organisierung und Regelung des jüdischen Schulwesens im Lande unmöglich gemacht wurde, '3. Das Konsistorium, dessen Vorsitzender Dr. Ehrenpreis ist, erklärte, .daß sich der Kongreß mit dein jüdischen Schulwesen itieli* zu befassen iiat. Hierdurch wollte es demselben den Charakter einer allgemeinen jüdischen Siehe nehmen, damit es vom Kongreß, von der einzigen Institution, die cs mit Autorität mul Sanktion reglementieren könnte, nicht geregelt werden soll. •I. Dr. Ehrenpreis suspendierte die Statuten für das Grollrabbinat vom J.tlirc 1900, wodurch er das bulgarische Judentum in einen Zustand der Anarchie brachte und dadurch einen in jeder Beziehung scltädi* gejtdcn Einfluß auf das Schulwesen ausubte. In Anbetracht des Obenerwähnten wurde folgende Re* solutian gefaßt: Die Konferenz findet, daß die zwölfjährige Amts- Wirksamkeit des Dr. Ehrenpreis als Großrabbiner Bulgariens für das jüdische Schulwesen unheilvoll war. Diese Resolutioji ist dem Herrn Minister des Acußcm und Kultus, wie auch dem Minister des Volksunterriclits zu überreichen. Der Tausendfuß ״Niemand ist in der Lage, schlechteres , iiher Angola oder *~ besseres über Pa* lüstinn zu sagen, als er im Laufe der Verhandlungen von dieser Tribüne her* ab zu hören bekommen wird," (Ans Zangwills Eröffnungsrede der Wiener lto*Konferenz. — Wörtlich!) In der Zeit vor ״Uganda“ hat Zangwill einmal nichts Boshafteres über die lea zu sagen gewußt, als daß er sie mit einem Tausendfuß verglich (auf Eng* lisch bescheidener: Ccntipcde), der mit jedem Fuß nach einer anderen Richtung zu gehen versucht. — Sein eigenes Organisatiönclien, die Ito, kann au Gelt* versuchen fürs erste noch nicht denken. Einstweilen aber blickt cs von seinem Steckkissen aus recht munter über unseren kleinen Globus. ״Wir studier* ten (I) die unentwickelten Landteile in Argentinien, Australien, Bolivien, Brasilien, Britiscli-Ostafrika, Ka* nada, Columbia, Mesopotamien, Nevada, Idaho, Pa* ragtiay, Rhodesien und Tripolitanien; — wir prüften die politischen Bedingungen in diesen Ländern, und wir traten in einzelnen Füllen in Vorverhandlungen mit den Regierungen und Privatbesitzern (?) ein.“ Und alle diese ״Studien“, um schließlich — mit dem Angola-Projekt als Clou — eine. Konferenz nach Wien cin/ubcrufcn, auf der unser Ucbergcograplt Zangwill mit den zu oberst mitgctciltcn Worten reu* mittig sich wiedet Palästina ztizuwcndcn scheint, um schließlich statt des ״schlechten“ Angola gleich mit zwei weiteren Territorien geheimnisvoll zu winken. seiner selbst willen da, und man ist überrascht und enttäuscht, daß das Werk da abbricht, wo c» zu beginnen hätte. Es legt einen Charakter fest: Arnold Beer ist schwatzhaft, er ist ein wenig gewissenlos, ihm׳ ge* hört zu allen Dingen ״nur ein wenig Geistesgewandt• heit und man hatte die ganze Welt in der Hand"; er ist vorlaut, lebhaft, immer auf Neues sinnend, niemals die Dinge zu Ende denkend, ohne Beharrungs* vermögen, ein Sammler, ein geschickter Schachspieler, von einer nebelhaften Energie, die rasch wieder zerfließt, darauf erpicht zu blende«, mit einem Optimismus um sielt zu werfen, der billig, weil nicht ganz echt ist, dabei liebenswürdig und von wacher Intelligenz. Max Brod läßt ihn zum Schluß Journalist wer* den, und w׳ir dürfen glauben, daß er als solcher Tüchtiges leisten wird. Wir aber hatten erwartet, das Schicksal eines Jude n mitcrlebcn zu können, ti. h. zu sehen, welche Färbung und Intensität das Dasein des Ein/ciindividuutns durch seine Zuge* hörigkeit zu einer wohlcharakterisicrtcn Gemeinschaft erfährt. Arnold Bcc'r Ist Jude; wie er aber* als solcher auf seine Umwelt reagiert, erfahren wir nicht, und darum meinen wir, daß trotz Titel und Nachwort des Buchs ein Versprechen unerfüllt ge* blieben ׳ist. Richard Ffuldachiner.

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