Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 25 (21.6.1912)
- Date
- 1912-06-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 232 JUEDISCHE RUNDSCHAU N>\ 25 famle, ווג$ «lern Gesichtswinkel jüdischer Leser zu schalfett, kanzelte der ״Israelit“ Herrn Dr. 1־ heil• haber in einer Weise herunter, als habe er die ganze Orthodoxie vernichten wollen und feierte die durch eine kaum glaubliche Unlogik ausgezeichnete und innerer Widersprüche volle ״Widerlegung“ Teilhabers durch ihren statistischen Mitarbeiter als eine wissen• schaftlichc Tat ersten Ranges. (Das Schicksal des Herrn t)r. Theilhaber, der von medizinischem Standpunkt aus nach den vielen Uebcrlällen keine lie* rechtigung mehr hat, noch am Leben zu sein, intcrcssiert uns hier nicht.) Alle Achtung vor der statistisehen Wissenschaft, aber eine solche Behandlung dieser den innersten Lebensnerv der deutschen Juden berührenden Frage lieillt denn doch vom eigentlichen Kernpunkt, vom wichtigsten Fazit ahlenken, heillt den Ernst der Lage nur noch weiter gefährden. Es ist denn doch gegenüber der Oesamtlage dir Juden herzlich gleichgültig, ob Herr X.• statt '2.222 Juden nur 2111 sich taufen oder Herr Z, statt 8077 mir 8802 geboren werden lallt. Solche Lappalien mögen die Herren Fachleute unter sich, in Hochblätter:•, wie immer, ausmachen. Wir wollen über diesen völlig uninteressanten Streit die Tragik der Lage nicht weiter verdecken lassen und verlangen von allen ernst zu nehmenden jüdischen Blättern, dall sie endlich erfahrenc und kompetente Beurteiler mit gesunden Vorschlügen zu Worte kommen lassen. Bonn a. Rh. Dr. Edelstein. Von der Sportabteilung des Bar Kochba Erfolgreiche Teilnahme am Stnfcttcnlauf Potsdam Berlin. Wie im Vorjahre, so hat die Sportabteihuig■ des Bar Kochba Berli ו auch am vergangenen Sonn• tag!111 dem StafettcnUuf Potsdam״ Berlin teilgenom• men. Dieser Kampf, an dem Turn- und Athletik• Mannschaften,. Ftillbalispieler, Soldaten und Jugend• vereine tcilnelimeii, gewinnt Immer mehr an Volkstümliclikcit und gilt seit langem als d i e grolle Prüfung, bei der die Vereine Ciroll-Berlins Ihr lechnisches Können, die organisatorische Befähigung ihrer Leitung und - last not least - die I )is/iplin* und Opferfreudigkeit ihrer Mitglieder messen. Die ein• fache Aufgabe, die dein l.tuft; /!(gründe liegt, ist die, eine Urkunde unter Zuhilfenahme von 110 Läufern v.m der (lUeuieker Brücke In Potsdam bis zum nisinarckdenkiual auf dem Köuigsplatz. in Berlin so schnell als möglich zu befördern. Die Beförderung geschieht in der Weise, dall ein Läufer die Urkunde jedesmal dem folgenden übergibt (in Stafetten). Da die gesamte Strecke etwa 2"> km niillt, so entfällt durchschnittlich auf jeden Läufer eine Strecke von 500 ui. 'Aufgabe der Klubleitung ist es nun, die Läufer entsprechend Ihren besonderen Fälligkeiten und den Eigenheiten des Terrains zu verteilen. Der Start in Potsdam ist jedesmal um $ Uhr morgens. Die Vorbereitungen inaehen cs jedoch für einen Teil der Läufer notwendig, sielt bereits kurz nach 5 Uhr auf die Beine, zu machen, um rechtzeitig au Ort und Stelle zu sein. Die erste Teilnahme an diesem Lauf im vorigen Jahre war für die Sportabteihuig des Bar Ko<hba, die damals erst wenige Wochen bestand und sich der umsichtigen Leitung Alfred Burins erfreute, ein kleines Wagnis. Mau war sieh in der Ahtcilttntg jeden Augenblick bewullt, dall für eine jüdische Mannschaft in besonderem Malle das Wort gilt: ״Das Fähnlein ist leicht an die Stange gebunden, dter es kostet viel, es mit Ehren wieder herunterzultolen.“ Sie wullte, dall sie hier zur Vertretung der jüdischen Jugend der I lauptstadt berufen war, und dall es bei einen( Versagen der Mannschaft an hämischen Olossen nicht (eitlen würde. Als man sich aber entschlossen batte, die Einladung des Berliner Allilelikverbamlcs anzunchnieii, da war es gerade dieses Hewulltsciu, das die Bar Koehbauer aufeuerte, mit vorbildlichem Eifer dem Training obznliegcit und jeder au ■seinem Teile des letzte /tun Gelingen des Oan/en beizusteitcrn. Die Vnrbcrcilungszcit war kurz, lind der 22. Platz unter IS Vereinen bedeutet einen Achtrtngserfolg, mit dem man zufrieden sein konnte, da diejenigen Vereine, die zmu erstenmal au diesem Reimen teilnahmen, durch den Mangel an organi• Kalorischer Erfahrung meistens recht weit zurück enden. Der Umstand, dall damals, wie auch am letzten Sonulag, keiner der Ersatzleute in Tätigkeit zu tret .it brauchte, stellt der Disziplin der Mannschaft ein gutes Zeugnis aus, und wer sielt die Muhe machte, den Soitnlagmorgen für einen Spaziergang auf der Strecke zu opfern, der konnte beobachten, dall unsere Leute dttrelt gleichmällige mul adrette Kleidung angenehm utilfielcu, Auch hierin pflegt stets ein stiller Welt• streit linier den gut geleiteten Mannschaften sin!(• znfimlrn. Als Sportabzeichen führt die Abteilung einen blauen Magen David im Kreise nnl weilt •111 Hemd. Diesmal waren die Bedingungen für den Itar Kochba schon erheblich leichtere. Der Erfolg war liier, wie iimner, die beste Propaganda gewesen, und es fanden sieh viele schätzenswerte Kräfte zu uns, die int Vorjahre noch für andere Vereine gestartet waren. Ans manchen Fehlern heim ersten Versuch halle mau gelernt und kotutle diesmal eine Organi• satinn zustande bringen, die schon auf Grund der ״I.ipierforiu“ der Läufer ein besseres Abschneidern als int Vorjahre gewährleistete. Wochenlang hatte mau mit der Rcutmhr in der I (and gesucht, sieh mit den allgemeinen Qualitütcii und besonderen Fälligkeilen jedes Einzelnen vertraut zu machen. An Tech• ink und Taktik der Teilnehmer wurde von erfahrenen Spoilsleuten hcnimgefcilt und sehlicllliclt konnte unter den so Vorbereiteten iioelt eine engere Auswahl der 10 Besten getroffen werden. Mit Anerkennung u id Dank sei vermerkt, dall sielt eine ganze Reihe von Akademikern in den Dienst der Mannschaft gestellt halten. Der Erfolg entsprach denn mich den Erwartungen, die Eingeweihte - allerdings nur für sieh, in der Stille in die Mannschaft gesetzt hatten. In einer Konkurrenz, von 5'J Mannschaften sollten wir uns diesmal behaupten, so dall allein die gleiche Platz- /ilfer, wie im Vorjaltre, bereits einen uciiuenswertci! Fortschritt bedeutet hätte. Aber es kam noch weit besser. Während wir in Potsdam, Wannscc und gar tuielt im (irunewald in 21). bis 2X Position lagen, vermochten die besseren Läufer, die wir für den Sehltill aufgespart batten, bis zur 18. Stelle aufzu• rücken, bis daun wenige hundert Meter vom Ziel noch eine Mauuselta(t ״geholt“ wurde, so dall der Bar Kochba im ersten Drittel der teilnehmenden Mannschaften endete. Die Zeit war I Std, 9 Min. •iö, J Sek. Eine besondere Freude für unsere Sportslcutc war es, zu sehen, dall das Interesse der jüdischen Oelfentlichkeil und insbesondere der zionistischen an dieser Veranstaltung gewachsen ist. Wir glauben aber auch, dall die jüdische Allgemeinheit dem Bar Kochba Dank wissen sollte dafür, dall er die blau• weillcu Farben so erfolgreich vertreten hat. Vor allem aber sollten unsere Gegner, wenn sic ehrlich sind, mnmtclir ein Schlagwort korrigieren, das ihnen liitge gute Dienste geleistet hat: nämlich das von der ״Absonderung“, die wir angeblich treiben. I leiht das Absonderung, weint wir mit einer Menge, die sielt aus allen Ständen mul Gesellschaftskreisen zusammen• setzt, in friedlichen sporlliehcii Wettbewerb treten und mit ihnen Zusammenwirken, zu dieser intponic• lenden Demonstration jugendlicher Kraft und Be• hciitligkcil, über die wir iu gleichem Malle zu verlugen glauben, wie unsere Spurtsfrcuudc anderen Stammes? Die ״Absonderung“, die die Herren meinen, lieillt Bekennen zum Judentum. Nun ja, da werden wir uns nicht einigen. Wir meinen, dall es erzieherisch und menschlich wertvoll ist, wenn wir r1ü iiiiigc Juden, mit den jüdischen Zeichen ge• schmückt, hiucinstellen in die Tausende ihrer Alters• genossen, mul es hat sielt erwiesen, dall man uns, wo wir so auftreten ttitU sportlich etwas leisten, die Achtung nicht versagt. Die Sportabteihuig des Har Kochba wird freudig auf dem einmal bcschritteiien Wege fort fahren. Ihre Vertreter werden von mm ab auch in Eiuzelkonkurrenzeit starten, und unsere Freunde werden hoffentlich noch oftmals Grund Italien, auf die Leistungen der jüdischen SportsletUe mit einigem Stolz, zu blicken. Die Sportabteihuig des ״Jüdischen Turnvereins Bar Kochba“ hat, mehrfachen Wünschen entgegen• kommend, eine ״Akademische Abteilung“ eingcrieh• tet, zu der bereits zahlreiche Anmeldungen vorliegcu. Adresse fiir Zuschriften: l)r, Felix A. Th eil- 11 a her, Berlin N, Virdiowkrankenhaus. Die Agiidali Jisroel und Dr.Breuer Zum ״Fall Breuer“ sind uns eine grolle Anzahl von Zuschriften /ugegangen, die die Lut- üslimg wieilcisnicgelu, die in orthodoxen Kreisen weit über den Kleis der Zionisten hinaus über das Kattmvilzer Vorkommnis herrscht. Immer, hin mnll feslgestelll werden, dall eine offizielle AliselniUeliing von seiten der Organisation, deren I lausrecht |)r. Breuer inilUirauchl hat, bisher noch nicht erfolgt ist, und es wäre zu bedauern, wenn das junge Unternehmen auf diese Weise unter den Aus. seltrcitungcu eines einzelnen Fanatikers /u leiden hätte. Herrn Dr. Breuer hat sich übrigens Geheimrat Geiger mit freudigem Beifall zugesellt. Ihm kommt!a eigentlich die gel.tige Vater.sehalt zu an den Ge. denken, den Zionismus, der sielt mit geistigen Waffen nicht mein* recht bekämpfen lällt, entfach zu dcmiu. zieren, l'ar nobile fratriuul Aus der Fülle der uns /,tigcgaiigeucit Zuschriften ui mir eine wiedeigegeben, weil sie uns eine recht interessante Betrachtung an den Namen der neuen Organisation zu knüpfen scheint: ״Als Zionist mul gesetzestreuer Jude habe ich aus der letzten Nummer dieses Blattes mit Befried(• gung ersehen, dall mau in inal'geheitdeu Kreisen der Agmlah Jisroel das völlig unmotiviert ngressive Auftreten des Herrn Dr. Breuer iu der Kattowitzcr Ver• Sammlung entschieden inillhilligt. Wer die (lesin• nung und die intransigente Denkweise dieses Herrn kennt, dürfte freilich über sein gegen den Zionismus und dessen gesetzestreiie Anhänger geschleudertes Anathema nicht erstaunt sein. Mir scheint aber, dall der nciigegrümlcte Bund durch «lie durch.ms unberechtigte Wahl seines Namens als ״Agtnlah Jisroel“ dein tu;ynipathiselieu Auftreten des Herrn Dr. B. beträchtlichen Vorschub geleistet habe. Ein Bund der Gcsctzcstrciicn darf nämlich ־ nach lalintulisehcr Auffassung - sielt nicht als Agtnlah Jisroel bezeichnen, weil damit die ilureliaus imzulässige Meinung zum Ausdruck kommt, «lall die nicht tut Sinne des traditionellen Judentums lebenden Glaubensgenossen «las Ehrcuatlrihut Jisroel nicht verdienen (Iractal Sanhedrin fol. •I) und sinn, gemäß auch Citagigah fol. 22). Freilich gibt es auch eine jüdische Gemeimle, die sich Adass Jisrcicl nennt. Das geschieh( aber mit nicht minder grolktu Unrecht, mit Rücksicht auf die jüdischen Bewohner der Sta«lt, die einer an• deren, nicht dieser Gemeinde angehören.“ 11 a m bürg. Dr. nied. E. F i 11 k. öT GLOSSeh ־Vj Neben der Tragödie. Die Breslauer Syn• agogen-Genteiinle hat einen überaus grollen, vielleicht wirklich unersetzlichen Verlust durch den Tod des Vorsitzenden ihres Vorstandes, des Geh. Justi/nts Jacob W «111 s t e i 11 erlitten, «ler seine ganze seilen grolle Arbeitskraft iu «len Dienst der Gemeimle ge• stellt hatte. Das wird in der ganzen Gemeinde von jedermann gern anerkannt, mul sein I Imgang wird von allen schmerzlich empfunden, wenn er seihst auch durchaus liberaler Parlciiuamt war mul es ihm auch nicht immer gelang, ״die Unparteilichkeit «les dvtil• scheu Richters (wie es in einer Traueranzeige hielt) iu «lie Gemeindeverwaltung zu übertragen“. Das mindert aber nicht die Grolle «les Verlustes der Gemeiiule . . . Die Geiucintlc veranstaltete eine Iraner• feier in «ler Synagoge. Alle jüdischen Vereine, die iu der Gemeimle bestehen, wurden geladen . , . mit Ausnahme der Zionistischen Vereinigung und des Jüilischcu Jugciulvcrcins, der z. Z. einen zionistischen Vorsitzenden hat ... In allen Nachrufen war der Name des Verstorbenen J a c «• h Wöllstein voll genannt, - die Familie aller hell «len Vornamen weg. Ob cs eilies jüdischen Gctncimlcfiihrcrs unwürdig ist, Jacob zu lieilkn, otler, «la iu manchen Zeitungen nur die Annonce der Familie stand, weil da die der jü• dischcii Korporationen nicht hiiipalUen, macht«.• es sich da vielleicht besser, auch durch «len Vorminien nichts 7u verraten . . . Und einer von den Kellnern sprach u. a. am Grabe dieses Mannes: ״Nicht bloll in: irdischen Berufe hast «In die Gerechtigkeit geübt, auch die göttliche Zedokolt hast du erfüllt: Du hast «leinen verfolgten Biiiileru int Osten eine neue Heim• statte auf «lern Boden des heiligen Landes initge* sehalleu «lurch «leine Arbeit . . ." Manche schüttelten hei diesen Worten etwas verwundert «lie Häupter. Sie «lachten nicht daran, dall er dem Zentralkomitee des llilfsvereins angehort mul der Hilfsvereiu doch in Palästina arbeitet . . . Und darum die beinahe zionistisclie Wendung des Redners. Ob’s im Sinne des Verstorbenen war? * Der Ti c rs clt 111 z v o tt N i in p t s e It. Inder ״Schlesischen Tierschutz-Zeitung“ ist ein Bericht aus Nimptscli in Schlesien, '1000 oder 1000 Einwohner, davon 10S im Ticrschiit/vercin organisiert. Zwei Stellen aus dem Bericht sind interessant: I. Es wurde beschlossen, dem ״Verein zur I örtlcrmig huiiiancii SvhtacUWns“ VieinOrcU'n 1111V einem Jahresbeiträge von '1 Mark, denn: ״Ganz abgesehen davon, «lall der Deutsche überhaupt keine Veranlassung hat, das jü• ilisclmaliouale Volkstum zu stärken und groB/tizichen, spricht «ler Verein das Schächten entschieden für Tierquälerei au . . ." 2. Ein Lehrer hat einen bei• fällig aulgeuoimiicneii Vorlrng über ״Vogelschutz.“ gehalten. Die katholische Schule des Ortes hatte dazu drei Ausehauungst.ifch! geliehen, ״die!eitler verloren gegangen sind. Die Eigentümerin hat sie bis jetzt noch nicht ztirückerhalten." O, ihr humanen Nimptscher Tiersclüitzlcr! Besondere Umstände hinderten leider Herrn Leo Motz km an der rechtzeitigen Fertigstellung den Manuskriptes seines Referates: ״Unsere Palästina- Politik“, so «lall wir unsere Leser auf unsere nächste Ausgabe vettrösten müssen, in «ler wir dann den Schbtll «lieses Referates, das in weiten Kreisen 80 allgemeines Interesse erregt, bringen werden.