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Jüdische Rundschau · 1912-06-07 · Heft 23 (7.6.1912) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVII (1912)
Issue
Heft 23 (7.6.1912)
Date
1912-06-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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scmiiismus ihm eine Kunst form sei, d. h., daß er bewußt Antisemit sei, aber das verdecken wolle, um die Juden um so besser treffen zu können, daß er Antisemit sei, mir klüger als die Hcrufsantiscimte». Herr Dr. Hrcuer ist, das muH mau zu seinen (1 misten wohl annchmcn, sich über die Ungeheuerlichkeit seiner Beschuldigung gegen Sombart, der nach ihm ein (}csiuuungsluinp schlimmster Sorte ist, offenbar nicht klar geworden. Denn was er nachher ausführt, ist absolut nicht geeignet, seine Beschuldigungen zu beweisen. Wenn jemand, wie Soiubarl, auf dem aller• diugs unrichtigen Standpunkt stellt, die Ras en• mul Bhitseigensthallen als die I lauptwesenluit eines Volkes zu betrachten, so ist das keinesfalls meine |;eder sträubt sieh in Verbindung mit dem Judentum, das niederzuschreihen —• ein ״I lumte/üehierstand• piuikt". Das Judentum sollte Herrn Dr. Breuer zu hoch stehen, als dal! er zu solch widerlichen Vcr• gleichen, die er, nicht Sombart, zieht, seine Zuflucht nähme. Wenn Sombart solche Anschauungen hätte, würde er nicht so sehr das Judentum, als auch sieh als Deutschen herahset/en. Denn seine Auffassung einer Volkseiitstehimg und seine Volksbewegung als Rasse ist doch nicht lediglich auf die Juden, sondern in gleicher Welse auf jedes andere Volk, so auch das' deutsche, aii/uwemlen. Fine Rassenthcoric bezieht sich eben auf alle Völker und nicht lediglich auf die Juden. Wenn der Zionismus im Ergebnis mit Sombart ühereinstiinint, so ist doch der Weg ein wesentlich anderer. Nicht Herr Dr. Breuer ist als ״angeblicher Sombarthct/cr mit Unflat (ihcrschiittct worden“, son• «lern er hat Sombart gemeiner Gesinnung geziehen, und da er uns Zionisten mit Sombart identifiziert, auch uns in der unerhörtesten Weise beschimpft. Daher führen wir nicht die Sache Somharls allein, wenn wir gegen Breuers Ausführungen Protest er• heben, sondern unsere eigensten Angelegenheiten vcr• treten wir damit. Mancher mag vielleicht glauben, daß es besser gewesen wäre, Breuers Ausführungen mit Stillsehwei• gen zu übergehen. Aber cs könnte »las doch den Au• schein erwecken, als wenn wir nicht imstande seien, ihm zu erwidern. Herr Dr. Breuer würde vielleicht nie die Konsequenzen seiner Handlungsweise überscheu. Vielleicht kommt doch noch die Zeit, wo I Icrr Dr. Breuer ciusiehf, wie sehr er nicht Sombart, sondem das Judentum durch seine unbedachten Artikel herabgesetzt hat. Kattowitzer Brief GrUndungsvcrsamntlung der Agudath'-Isroöl. Während wir beim Poscncr Delegierteutage waren, ist in der Kattowitzer ״Reichshalle“ der orthodoxe Weltverbaiul ״Die Agudath Jsroel“ begründet worden. Als wir nach 1 lause kamen, hat man uns viel von dein fröhlichen Trubel mul festlichen Treiben erzählt, womit unsere Stadt in diese» Tagen ganz erfüllt war. Es ist kein Zweifel mehr: In die orthodoxe Welt des Ostens ist Lehen gekommen, und das schlafende Heer ist aus seinem Traume erwacht. Der zionistische Türmer verfolgt von hoher Warte mit Spannung und Anteilnahme den Erweckmigspro/ell von Volksschichten, die innerlich erstarrt und in jedem Betracht der Wirklichkeit abgewamlt schienen. Wir begrüßen jeden Versuch der Organisierung des Volkes. Waren wir doch die Ersten, die diese Forderung auf den Schild erhoben und in die jiidischc Welt hinausgerufen haben. Es wäre fürwahr ein großartiges Ereignis, wenn die orthodoxen Massen des Ostens sich zu lleerhaufen formieren mul als aktiver Faktor in die jüdische Volkspoliiik cinlreli'u wollten. Die neue Konstellation würde uns »ichcr• lieh noch mancherlei zu schaffen machen, aber wir gewinnen dabei wenigstens eine liisi.m/, mit der inan von Macht zu Macht Verhandeln kann, |־s ist ja für eine ProzeUgartei uuwv.ds viw Vmk'it, wenn der Gegner in seiner Verliamllniigstähigkeit beschränkt ist. Zwei Tage waren bei uns die Jereim aus Ost und West versammelt, <1. 11. die Rcbhes waren nicht seihst gekommen, sondern hatten mir ihre Kanzler geschickt, sie verlassen ihre Residenzen nur ungern, und jetzt nach dem Woclicufeste war der Andrang von Wallfahrern nach Oer, Czorikow, Luhawicc mul anderen heiligen Orten besonders stark, und die Last des Tages war groll. Intime Kenner der ehassidischen Welt äußern sieh freilich über die neue Koalition etwas skeptisch und verheißen ihr keine lauge Lebensdauer. Die unhc* kannte Größe in der Gleichung sind eben die Rcbbcs, sic sind die unbedingten Herrscher über Millionen Seelen, Es hätte keinen Zweck, ohne sic zu gelten, aber mau kann auch nicht mit ihnen gehen. Ein negativer Ausgang der Agtulali-Bewegung wäre uns jedoch gar nicht lieb. Es gibt so manche wichtige Funktion im jüdischen Lehen, für die allein sie tauglich wäre. Einzelne von uns haben sieh beispielsweise die unsäglichste Mühe gegeben, für die Neuordnung der Chalnkah Interesse zu erwecken und hier könnte eine Instanz, erstehen, die einzig mögliche, welche die Kraft hatte, die Palästina- Philanthropie alten Stils von der Wurzel aus zu reformicrcti und die .städtische Bevölkerung des heiligen Landes in gesündere wirtschaftliche. Verhältnisse zu überführen. Oder ein anderer Fall: Wenn die Chassidim in Warschau mit dem polnischen Taufjiuleiitum ein widernatürliches Wahlbündnis schließe!!, wenn die Rebhes in Galizien Rcichsrntsmamlate in jüdischen Bezirken vciseh.icilcrii wie ein Paar alte Hosen mul mit den (Irmidrcehteu des jüdischen Volkes Svhiudhidcr treiben, dann winde das jüdische (Jewissen die Agudali vor seinen Rielitersluhl ziehen und von ihr Rechenschaft verlangen ob der Vcr- Kündigung an der Ehre des jüdischen Namens. Es liegt uns also wahrhaftig fern, auf die Neu• grmidmig mit dem Auge des Konkurrenten zu schauen, eher iiherkoimiit uns ein leises Gefühl der Genugtiniiig, daß wir auch in der Orthodoxie Schule machen. Der jüdische Orgamsatümsgcdanke ist .1111 dem Marsche! Und dieses Ergebnis haben wir nicht mir millelliar, sondern ganz direkt herlieigetuhrt. In den Wochen unmiitclhar nach dem X. Kongreß hat der Rabbiner von Basel im ״Israelit“ 11.׳ich einer orlho• doxen (legenorganisatioii geschrieen, wie der Hirsch nach frischem Wasser, und das war die kräftigste, wenn ancli nicht die erste Anregung zu dem Zusauimeiisehluß. In der Einhcrtiftmg zu der konstituierenden Versammlung nach Kaßowitz hat das Komitee nicht verfehlt, der Kattowitzer Konferenz• der ״Glmwewe Zion“ Erwähnung zu tun, vielleicht in der stillen Hoffnung, der Orlhodoxeutag möchte in der jüdischen Zeitgeschichte Wellen schlagen, so mächtig wie die Kattowitzer Konferenz vor 27 Jahren. Ucbrigciis, unser Kongreß in tlaiulmrg hat die hanseatische Orthodoxie in ganz, ähnlicher Weise befruchtet, und aus diesem Verhältnis ist die Lcinersehe Moriah hervorgegaugen. I lier hat sich allerdiugs die Orthodoxie kein glänzendes Zeugnis für organisatorische Begabung ausgestellt. Die Moriali gebt jetzt schon in das dritte Jahr, sie will ausschließ• lieh für Erez-Israel arbeiten, aber ihre Palästina- Icistimgen sind noch gleich Null, sie bat es noch nicht einmal zu der ominösen meckernde» Ziege gebracht. Es waren auch Bevollmächtigte der Moriali in K.iüowil/. erschienen, lind wenn ihre Grün• den echte hoch genug bewertet werden, so liegt ihre Fusionierung mit der Agudali gar nicht außer• hall) des Bereielies der Möglichkeit. Was von der Agiiilah-Koiifeieuz noch hervorzuheheii ist, ist manche nicht alltägliche Persönlich• keit, aber keine Rede über das Mittelmaß hinaus. Vielleicht hat die Neuheit der Situation Befangenheit verbreitet, so daß die Kräfte nicht zur Entfaltung kamen mul eigenes noch nicht gehen konnte». I )as Referat des I lerrn Jakob R o s e 11 h c i m - l'rankfuri a, M. überragte alles andere um Haupteslänge. Dieser Manu besitzt unzweifelhaft reiche Begabung für Dinge organisatorischer Art, Ob er der zahllosen Schwierigkeiten Herr wird und sich einmal zum Führer großen Stils herauhihleu wird, das midi die Zukunft lehren. Oie Einflüsse der Umgehung sind nicht eben günstig. Das muß man sagen, wenn man sich das Verhalten des llenu Dr. Salouioii B re u c r• Frankfurt a. M., Seniorchefs der bekannten süddeutschen Pnhli/istenfamilie auf der Agiid.ili-Konfercn/ vor Augen hält. Fr und sein Haus haben die Verständnislosigkeit für die Aufgaben der Zeit zu einer wahren Virluositäl entwickell und für alle Zukunft darauf verzichtet, zuguusten des religiösen Judentums moralische Frohe• rmigen zu machen. Wir können die Begründer der Agudali nicht genug. darum bedauern, daß dieses Bleigewicht au ihre» Füßen hängt. Herr Dr. Breuer hat wie man uns bestimmt vcr• sichert, sein׳ /um I ntset/eii der anderen Komitee•!Mitglieder eine Temlenzrede gehalten, welche sich namentlich durch ZiouisteuUvt/v;ms/eirtmete und dann in eine patriotische Fanfare übelster Sorte ausklaug. Wenn sich dieser ehrwürdige Herr in seinem Frankfurter Gotteshaus so zu gehen pflegt, so ist das lediglich ein Frankfurter Aergeruis, mul wenn seine Gemeinde mul sein Tempelvorstand da• mit zufrieden sind, so haben wir nichts dagegen zu erinnern. Aber in einer fremden Stadt, vor dem Forum der jüdischen Oeffentlichkcit und der Elite der europäischen Orthodoxie sind solche red• nerischen Ausschreitungen einfach unverzeihlich und ein Zeichen fabelhaft schlechter Sitten. Die Herren Rabbiner Dr. K a a t /• Zabrze und Dr. nied. 1־ r a 11 k Altona sind zwar Herrn Dr. Am Dienstag, ihm U, Juni, veranstaltet die B. Z. V. eine Versammlung, in der Herr Richard Fleht heim über den Verlauf des XIII, I Klcgiertentages referieren wird. Beginn 0 Uhr. Lokal: Großer Saal des ״Ticrgarlenhofs“. B r e ti e r entschieden ciitRcgcngctrete״, aber sic vcrmochten nicht den üblen Eindruck gänzlich zu vcrwischen. Wie wir hören, haben verschiedene Teiliichmcr innerlich vuletzt der Versammlung!len Rücken gekehrt. Die Agudath-Isrocl ist also begründet, ihre Sielhing in der jüdischen Welt wird sie sich jedoch noch zu erarbeiten haben. Wir wollen aufmcrUam ihre Schritte begleiten und uns freuen, wenn cs ihr vergönnt sein wird, ein aiilhaiicndcr Faktor in der jüdischen Volkseutwickluiig zu werden. es׳AUS.ALL6R W£LT ׳■: ftusfifand Obwohl die Staatsanwaltschaft den neuer livhcn Enthüllungen des Journalisten B r a s u I. B r u s c h - kowski größere Aufmerksamkeit schenkt als seiner ersten Eingabe, und die sensationellen Hinweise Mn• suis auf die wirklichen Mörder des Knaben Justschiusky ernstlich prüft, schmachtet der 1111*111111• dige Heil i s nach wie vor im Gefängnis, und alle Ik'imiluiiigcit seiner Verteidiger, ihm bis zur lirnptu-rhamlhmg gegen eine hohe Kaution die Freiheit zu verschaffen, sind bisher erfolglos geblichen, ♦ Das Ministerium des lauem hat in Gemeinschaft mit den Ministerien der Finanzen, des Handels und der Justiz neue Regeln über die Registrierung d»r in Riißlaml reisenden jüdischen Kaufleute ausgearbeitet. Danach haben die Polizei Verwaltungen der inneren Gouvernements genau die Zeit des Eintreffens und der Abreise der jüdischen Kaufleute und ihrer Gehilfen in besonderen Büchern zu verzeichnen. Diese Maßnahme wird mit den in letzter Zeit häufig vorgekommenen Verletzungen des Gesetzes über den zeitweiligen Aufenthalt der Juden außerhalb des Aiisiedhmgsrayons begründet. Amvri/'a Soeben wird das statistische Material über die Ein Wanderung im Februar d. Js. veröffentlicht. Danach landeten in diesem Monat im New-Yorker Hafen •12111) jüdische Emigranten (gegenüber 3SS0 im I eb111.11• P>ll), Unter den jüdischen Einwanderern he fanden sieh 2330 aus Rußland, 5(» jüdische Ein* Wanderer wurden teils ihres Gesundheitszustände•, teils, weil angeuou111H׳n wurde, sie würden der öffetit* liehen Wohltätigkeit zur Fast fallen, zurüekgewiesen mul mußten in ihre Heimat z.urückhcfürdcit werden. Die Geldbeträge, die die jüdischen Einwanderer mit sieh führten, beliefen sich auf 157 (KM) Dollar. PAtAeSTINA-’RUMDSCHAU Die Stadt Jvriisalcm soll bald ihren eigenen Trumhahmheiisi erhalten, da die Konzession bereits einer französischen Firma verheilen wurde, die mit dem Bau vier Linien noch im l aufe dieses Soimneis beginnen will. Line englische I 11111.1 hat eine Litt• gäbe hetiefteml Beleuchtung der Stadt mit elektrischen! Lieht gemacht, und ein deutsches Syndikat will die Stadt mit Wasser versehen durch die Errichtung von großen Reservoirs au (,)ließen, die tmgeiähr B> ,Steilen von der Stadt entfeint liegen. Auch an die Pil.isk•. rnng der Stadt und die Kanalisierung denkt die Stadt- Verwaltung. Moderne Feucrlösehapparatc sollen an• geschafft und eine Tclcphonanlngc hergesteßt werden. Die Polizei ist kiir/licli mit Fahrrädern ausgeslatt«, worden. Aus Amerika wurde eine moderne Motor• straßenwal/e bezogen. * I in Projekt, von dem man schon seit )0 Jahren spricht, soll nun doch ausgcfiihrt werden, iiämlie't der U;n1 eines Hafens i» Jaffa. I ine fr,1,1• zosiseli-helgische Gesellschaft unter Beteiligung der I iscnh.ilmgescllscliaft Jaffa Jerusalem soll sich /mit Bau des Hafens mit einem Kosteiiaiifwande \׳o:1 21 Millionen Flaues erboten haluii. Es heißt, daß die Regierung mit der Gesellschaft über die Bedingungen der Konzession bereits einig sei, und daß nur noch die Zustimmung des Parlaments erforderlich sei. Hof- (entlieh kommt die Sache diesmal wirklich zustande. Wer jemals bei stürmischem Wetter vor Jaffa gelegen und tagelang vergeblich auf die Möglichkeit der Laudüng gewartet hat, weiß, daß ein solcher Hafenbau unentbehrlich ist. EiomsTisaie Beweeuna Zionistischer Zentralfonds Wir gehen im folgenden eine Aufstellung der bis zum 1. Juni 1012 aus Deutschland für den Zentral* fouds ciugegaugeiien Beträge. Mit der Gesamtsumme von ()23(), 15 M. rangiert Deutschland unter den Lands•

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