Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 22 (31.5.1912)
- Date
- 1912-05-31
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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r> s Nachm ittagssitzung. In der Naclimittagssitzuiig wird zunächst folgende Resolution zur Gemcindcpolitik zur Abstimmung gebracht: ״Der Delegiertciitag wählt eine aus 12 Mitgliedern bestehende Kommission, welche gemein- »;am mit dein gesehäftsführendeii Ausschuß des Zeniralkoinitees die Richtlinien für die Beteiligung der Zionisten an der jüdischen ücmeimlepolitik aus-‘ arbeiten soll," In dieses Komitee werden folgende Herren gewühl!: Dr. Pelz, Dr. Isaac Strauß Pr. Klee, Pr. Kollc nsch er, Pr. Viktor, Pr, Stahl, Pr. Zwirn, Max Gold reich, Pr. Witkowsky, Rechtsanwalt T a n nenwal d, Lazarus Bart h und Arnold W jene r. Sodann macht namens des i'erinaucn/ausschusses Herr Julius S i m o n Vorschläge fiir die Wahlen in den Gcschäftsführenden Ausschull, das Zentral-, kemitee und den Zentralausschull. Herr Rechtsanwalt Dr. Artur Ii a 111 k c wird durch Zuruf zum Vorsitzenden des Zentralkomitees wiedergewählt. Ferner werden per Akklamation gewählt: Für den Geschäfts( ii h r c n d e 11 Aussc h 11 fl: Kurt Blumenfeld, Pr. H. ü. Ileymaiin, Pr. Alfred Klee und Leo Motzkin. Für das Zentralkomitee: Pr. Ascher, Dr. Becker, Pr. llodcnheimer, Estermann, Pr. Friedemann, Rechtsanwalt (ironeuiann, Pr. Halpcr», Pr. Jeremias, Pr. Kalmus, Pr. Kolleuseher, Pr. Leszynski, Richard Lichtheiin, Pr. Moses, Pr. Pelz, Kurt Rosenbaum, Pr. Sandler, Hugo Schachtel, Julius Simon, Fritz. Somlheimcr, Dr. Stein, Pr. Isaac Straus, Rechtsanwalt Weinberg, Arnold Wiener und Max Wollsteincr. Für den Z e n t r a I a u s s c h u II: Pr. II. G. Heymnnn, Dr. Kalmus, Pr. Eli Strauß und Arnold Wiener. Als Ersatzdelegierte: Ostermann, Dr. Kollcnscher, Hugo Schachtel und Dr. Stein. Die bisherigen Revisoren werden wiedergcwnhlt. Es wird nunmehr in die Spezialdcbattc Uber Jugendpropaganda *cingetreten. Auf Vorschlag des Vorsitzenden bcschließt der Delegiertentag, daß ein Vertreter der lugcmlvcreine, der nicht Delegierter ist, zu Worte kommt. Rechtsanwalt öreiffenhagen überbringt dein Dclcgicrtcntag im Namen des soeben stattgef und eilen Turntages die herzlichsten Grüße und Glückwünsche und gibt Kenntnis von den für die Frage der nationalen Betätigung innerhalb der Turnvereine wichtigen Acnderungen des Statuts der jüdischen Turnerschnft, die auf der Tagung beschlossen wurden. Die Mitteilungen des Redners werden mit lebhafter Zustiinmuntr entgegengenomnien. Referendar Felix R o s c n b 1 ii t h berichtet über das Ergebnis der am Vormittag stattgefundenen Hesprcchung über Jugendpropaganda und befürwortet die zu diesem Punkte vorgcselilagencn Resolutionen des Zentralkomitees. In der sieh anschließenden Dehatte sprechen die Herren fl. Mnrgulies, Kurt II111 m e n f e I d , Pr. J e r e m i a s. Es wird beschlossen, eine Altersgrenze fiir die Zugehörigkeit zu den zionistischen Jugcudvcrciucti festzusetzen. Die Feststellung des Alters soll dem Zentralkomitee überlassen bleiben. Die nachfolgenden vom Zentralkomitee vorgcselilagencn Resolutionen werden angenommen: I. Der Dclcgicrtcntag ist der Ansicht, daß die systematische körperliche Ausbildung der Juden für die Erhaltung des Judentums und für die Stärkung des jüdischen Volksbewußtscins von hoher Bedeutung ist. Der Dclcgicrtcntag erkennt daher die national, jüdischen Turn- und Sportvereine, deren Programm neben der Pflege von Turnen und Sport auch die Veranstaltung von Vortragsabenden, jüdischen Geschichts- und hebräischen Sprachkursen darstcllt, als wesentliche Bestandteile der nationaljüdischcn lk•• wegung an. — Er siebt in ihnen zugleich das beste Mittel, um die Jugend zur Liebe zum lmlcnUnn und zur lebendigen Anteilnahme an den Ideen der jü• dischen Renaissance zu erziehen, weil nur solche Jugendvercinc imstande sind, erzieherisch zu wirken, die ihre Mitglieder zur aktiven B e t ä t i gung innerhalb des Vereins heranziehen und da. durch ein dauerndes inneres Interesse an den Ten• denzen des Vereins erwecken. Allen jungen Zionisten wird die aktive Anteil• nähme an der nationaljüdischcn Turnbewegung, allen alleren Zionisten ihre ideelle und materielle Förde• rung zur Pflicht gemacht. II. Der Dclcgicrtcntag ist der Ansicht, daß für die Verbreitung der zionistischen Idee unter der jüdischen Jugend und für die Schulung und Vorbereitung der Monistischen Jugend zur Arbeit innerhalb der Partei, der Zusammenschluß der jungen Zionisten in den zionistischen Jugendgruppen erforderlich ist. Die Aufgaben de!״ zionistischen Jugendgruppen erblickt er in a) der Veranstaltung von' Jugcndagitationsvcr- Sammlungen, ... b) VcraimtnJtimg von zionistischen Lcseahendcii, Dihiaitienibtmgcii und Aushildungskurscn, e) Veraiistallung von jüdischen Oeschichts- und hcbräinchc» Sprachkursen, soweit diese Kurse nicht durch andere Organisationen, insbesondere die nationaijüdisehcii Turnvereine, veranstaltet werden. Die Mitarbeit in zionistischen Jiigendgruppen be• rührt in keiner Weise die Mitgliedschaft unserer Gesinnungsgenossen in den neutralen Jugcndorganisationen. Pie vom Zentralkomitee vorgcselilagencn Statutenänderungen werden a 11 g e 11 o tu tu e 11. Nunmehr ergreift Herr Julius Simon das Wort tmd spricht in licr/lielien Worten, die stürmischen Beifall liei vorrnfeii, die Befriedigung über den Verlauf des I )elegiertentages aus. Der Dclcgicrtcntag sei merkwürdig dadurch, daß er alte, früher oft behandelte Streittragen wiederum aufgerollt, aber doch zu wahrem Einvernehmen gelangt sei. Besonderer Pauk gebührt I lerrn W 0 I f f s 0 11 n , der durch sein Erscheinen und seine Teilnahme au dem Pelcgicrtcntage zum Frieden gewirkt habe und uns allen ein Vorbild sei, wie man in der zionistischen Organisation wirken solle. Herr Wo! ff soll 11, mit stürmischem Beifall empfangen, erwidert, daß dieser Pauk ihm nicht gehiilire, denn es sei kein Eingreifen von seiner Seite nötig gewesen. Pie Mcinungskämpfe im Zionismus seien notwendig und könnten nie schaden, wenn sie in dem brüderlichen Geiste ausgckiimnft würden, der die zionistische Organisation beseelt. Besonderer Pank gebühre dem Präsidium und seinem .Vorsitzenden Pr. II a 111 k e. Dann ergreift Herr Pr. i l a ח t k e das Wort. Er dankt sdc11 Poscncr Gesinnungsgenossen, die diesen Dclcgicrtcntag veranstaltet haben und stellt mit Nach• druck fest, daß die Debatten wiederum gezeigt haben, worin die Stärke der deutschen Lendesorgnuisalion beruhe: 111 der straffen organisatorischen Zusammenfassung der Kräfte und in dem entschiedenen Auftreten nach außen, das keine Kompromisse kennt. Der Friede, den wir auf dieser Tagung koustatiereu konnten, sei ein wirklicher Friede, und wenn wir in dem Geiste, in dem wir heute versammelt sind, auf dem nächsten Kongreß erscheinen, so werden wir in der deutschen Landsmannschaft keine Majorität und Minorität haben und unsere Beschlüsse werden von einheitlichem Geiste beseelt sein. Um 7 Uhr abends schließt der Vorsitzende die Tagung. Bericht der Natlonalfonds «Verwaltung für Deutschland Wir haben dem Delegicrtcntnge zu Posen über das Ergebnis zweier Jahre Bericht zu erstatten. Die Einnahmen der deutschen Sammclstelle beliefen sich im Jahre 1910 auf insgesamt 56217,61 M. gegenüber einem Betrage von 43 507,15 M. im Jahre 1900. Die Mehreinnahmen in 1910 erreichten somit die Höhe von 7710,19 M. Im Jahre IQll hatten wir eine Einnahme von 111603,19 M. zu verzeichnen; hierbei ist aller* dings zu berücksichtigen, daß in diesem Betrage eine Spende von 510(10,— M. enthalten ist. welche ein in Deutschland wohnhafter ausländischer Gesiuuuugsgciiosse dem NatianaUFomls /»gewendet hat. Man muß somit diese zufällige Spende von dem Gesamtertrage Deutschlands abziehen, um das 1911er Erträgnis mit dem Vorjahr vergleichen zu können; tut man das, so ergibt sich für 1011 wieder ein, wenn auch bescheidener Zuwachs, nämlich 1335,55 M. Die Gründe, weshalb die Sammlungen in Deutsch- Land im verflossenen Jahre keine größeren Fortschritte gemacht haben, sind verschiedener Art. Erstens beteiligten sich die deutschen Gesinnungsgenossen neben den Spenden für den NationaUFonds auch im erheblichen Maße an den anderen Spenden für palästinensische Zwecke; sic unterstützten tatkräftig den B c z. a 1 c I, das hebräische Oymnasium in Jaffa, die Taschkcin0ni-SchuIc und andere Institutionen in Erez-Jisroel, Diese Bcträge werden dem NationaUFonds .nicht hinzugcrcchnet, weil dieselben nicht vom Hauptbüro in Köln gebucht werden, sondern durch Vermittlung dcr'Londotier Bank an die Anglo-Palcstinc Company in Jaffa zur Verteilung au die betreffenden Stehen gesandt' werden. Audi ein anderer sehr erheblicher Betrag, der in obiger Zahl nicht einbegriffen ist, ist von unseren deutschen Freunden aufgebracht worden, nämlich über >0000 M. für die Franz. Oppenheimer sehe S i e (II u n g s - G c 11 o s s e 11 s c 11 a f t. Wir haben uns mit diesem Betrage an die Spitze aller Sani!»- hingen für diesen Zweck־ gestellt. Wenn wir diesen Bctrag׳■ den offiziellen NationnUFonds-Ziffern hinzurcchneu, und das können wir sehr wohl tun, dann rücken wir an die zweite Stelle aller Sammlungen in der ganzen Welt und werden nur noch von der russischen Landsmannschaft, die ja über ein zehnfaches Menschenmnterial verfügt, ühertroffen. Es bleibt ferner zu berücksichtigen, daß im vorflosscucn Jahre die materiellen Kräfte unserer Gcsinniingsgenossen durch Beiträge für die Organisation, für die Jüdische Rundschau usw. sehr stark in An- Spruch genommen wurden, so «laß naturgemäß zu einem gewissen (trade der einen Institution diejenigen Mittel entzogen werden, welche die andere erhält. Immerhin können wir mit Genugtuung koustatieren, daß sich trotzdem die Sammlungen in Deutschland immer noch in aufsteigender Linie bewegen, und wir hoffen, daß vermöge der weiter unten näher spezifizierten Sammelmittel die Erträgnisse auch künftighin eine weitere Vermehrung erfahren werden. Was nun die einzelnen Abteilungen des National- Fonds anhelangt, so sind im Jahre 1910 an Geldern ohne Zweckbestimmung 9973,18 M., im Jahre 1911 63790,00 M. (in dieser Summe steckt der oben erwälmte Betrag von 51 000 M.) cingegangcn. Pie Eintragungen in «las ״Goldene Buch" haben im Jahre 1910 Sil2,63 M. und im Jahre 1911 6033,46 M. erbracht. Wir müssen immer wieder be* ziiglich dieser Rubrik die Bitte aussprechen, daß nur solche Neiieiutragungeu beantragt werden möchten, bei denen die Spender sich auch für die volle Summe, die bekanntlich 203,— M. beträgt, verbürgen können. Wir waren in beiden Berichtsjahren wieder gezwungen, eine ganze Anzahl angefangener Eintragimgen zu annullieren und die Gelder anderweitig zu plazieren, da sich niemand mehr um die Vollzahhing der Eintragung gekümmert hat. Pie Oelbaumspendc weist für das Jahr 1910 20825.77 M., für 1911 21 279.89 M. auf. Diese , Institution bleibt das populärste Sainnielmittel und cs findet in zionistischen Kreisen wohl kaum ein Familienfest statt, bei welchem nicht Oelbämne gcspendet werden. Soll einmal das Projekt, aus dein . Ertrage der niizupflanzendcit Oelbämne eine Jüdische Hochschule in Palästina zu unterhalten, zur Verwirk* lichung gelangen, so müssen wir darauf bedacht sein, gerade diesen Zweig der Sammeltätigkeit immer weiter auszudehnen ußtl die Oelbaumspendc auch in niehtzioiiistischen Kreisen einzubürgern. Pie Sammlungen aus den B ü clisen stellen sich für 1910 auf 10 224,18 M., für 1911 auf 15251,61־ M.; somit ist für 1911 ein Plus von über 5000 M., also etwa 50°;״, erzielt worden. Dieses konnte nur gcschellen, weil wir die Sammeltätigkeit aus dcfi Büchsen von Grund aus neu geordnet und organisiert haben. Wir haben über 3000 neue Büchsen in Deutschland zur Verteilung gebracht und haben ferner eine Kartotlick eingerichtet, mit deren Hilfe wir jede in Deutsch* latid befindliche Büchse kontrollieren. Wir stellen von Zeit zu Zeit fest, ob jede durch uns zur Verteihmg gebrachte Büchse geleert worden ist und schreiben an die betreffenden Ortsgruppen Malm- Briefe, wenn das nicht geschieht, Pie S e l b s t b e s t e 11 e r u n g ist immer noch ein arg vernachlässigtes Stiefkind ties Nation; 11-Fonds. Dieselbe erbrachte im Jahre 1910 2118,08 AL, in 19U 1138,90 M. Es liegt dies wohl in der Hauptsache daran, daß cs in «len Ortsgruppen an geeigneten Agitatoren für diesen Zweig fehlt. Will man auch für diese Abteilung in Zukunft größere Summen einnehmen, so müßten sich in jeder Gruppe einzelne Gesinnmigsgenossen bereit finden, allmonatlich oder vierteljährlich alle in Betracht kommenden Personen in ihrer Wohnung aiifzusuchen und von ihnen «len Betrag der Sclbsthestcuenmg cinfordcrn. Vorerst hat sich die Spende als nicht so populär erwiesen. Andererseits darf man nicht vergessen, daß im Jahre 1911 für den Organisations-Fonds der Zionistischen Vereinigung für Deutschland mehr als 18000 M, cingegangcn sind, welcher Betrag eigentlich eine Sclbsthestcuenmg der deutschen Gesinnungsgenossen darstellt. Wenn diese Summe auch nicht direkt dem NationaLFonds?.!!geflossen ist, so stellt sic doch werbendes Kapital dar, das auch zugunsten des National-Fonds Verwendung findet. Ferner ist hier zu bemerken, daß die großzügigen Sammlungen unserer obcrschlcsischcn Freunde, die in anderen jahren recht Etat der Zionistischen Vereinigung für Deutschland für 1912 Elnnahmo Ausgabe ✓ M ״ Landcsorganisations-Beiträgc. 24 000 Gehälter und Gratifikationen ...... Miete und Heizung.. Telephon... Beleuchtung.. N.-F.-Marken. ... י .... י . Agitationsunkosten und Reisespesen des Partei- Sekretärs »••••«•»••״•*• Porti, Kopialicn und Materialien. Diverses (Vcrsicherungsbcitr., Krankenkasse, Zinsen, Inkasso). Unvorhergesehenes. . . .. Zuschuß für ,Jüdische Rundschau*4..... Defizit-Abdeckung 9000 700 200 200 200 4 500 4 200 500 500 2000 2000 24 000 * 24000 '