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Jüdische Rundschau · 1912-05-31 · Heft 22 (31.5.1912) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVII (1912)
Issue
Heft 22 (31.5.1912)
Date
1912-05-31
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 196 JUEDISCH E RUNDSCHAU Nr. 22 Hslcnntg erhält auch das Rcistigc Leben innerhalb, der Organisation die strafte Einheit des Denkens, die wiederum die Einheit im Wollen und im llan• dein erzeugt, deren Erfolge wir überall sehen. Sozial• demokratic, Zentrum, Bund der Landwirte sind, um nur Ucispiclc politischer Parteien zu nehmen, deut* liehe Beweise, was eine derartig im Denken und Handeln geeinte Organisation vermag. Bereits jetzt zeigen sich die Folgen dieser Tätigkeit in dem Wachs• tum unserer Institutionen, die bereits vor einem Jahr auf einen Vermögeiishestand von nenn Millionen Mark und auf eine Jahreseiiiiinhme von $00 0(10 M. ge• stiegen waren. Die Schckelsainmlmig zum bevor• stellenden XI. Kongreß des, Jahres 1013 mul die Sammlung für den Zcntralfonds des Aktionskomitees werden auch die Ausdehnung unserer Ortsgruppen durch ziffernmäßiges Anwachsen der Schekclgeldcr und Zentralfondsbeiträgc dartun. Dieses äußere Wachstum der Vereine, der Schckclgcldcr und der Sammlungen ist, soweit nicht die allgemeinen poli• tischen Verhältnisse ihr Ergebnis beeinträchtigen, auch für das geistige Leben innerhalb unserer Ürga• nisation, für die fortschreitende nationale Erziehung unseres Volkes das beste Barometer. Denn dieses Wachstum kann nur die Folge intensiver nationaler Arbeit in unserer Mitte sein. Und diese intensive nationale Arbeit kann insbesondere bei allen Saiimi• hingen nur deswegen diese Erfolge zeitigen, weil sie das palästinensische Prinzip in den Mittelpunkt des nationalen Gedankenbaus setzt und so jeden einzelncu persönlich mit Palästina verbindet. So wird die nationale Propaganda zur CI rund• läge und Voraussetzung unserer Pa- Iästinaarbeit und erweist sieb somit als echtes Kind unserer palästinozentrischcn Nationaipotitik. Dieser kurze Ucberblick über die Arbeit unserer Zcntralinstanzen ist erforderlich, wenn man die Spe* Zialarbcit unseres deutschen Landes verbau• des richtig einschätzen will. Denn cs wäre ungerecht, wenn wir unsere Leistungen in Dcutclilsaiul losgelöst von dem allgemeinen zionistischen Lehen betrachten würden. Die einzelnen Leistungen und ganz hcsoiulers das Ocsamtbild der geistigen Entwicklung des deut• selten Zionismus sind bedingt durch die allgemeine zionistische Tendenz und auch da von ihr abhängig, wo gerade deutsche Zionisten die Richtung und die Tendenz bestimmt haben. Diese gegenseitige Ab• hängigkeit der Landesverbände von einander zu hetonen, ist um so notwendiger, als die Tendenzen der Zersplitterung, wie wir sie im Leben der assimilier• ten Juden sehen, infolge des Einflusses unserer Um. gebuiig sich immer wieder auch in unseren Reihen geltend machen und die Verschmelzung der Zionisten aller Länder zu einer einheitlichen Organisation auf. halten. Die Geschichte unserer Bewegung zeigt uns, daß gar oft angeblich prinzipielle Differenzen ihren wahren Grund in dem mangelnden geistigen Ziisam• meuliang hatten. Heute, wo sicli überall die Erkeimtnis von der Notwendigkeit einer starken Zen• tralisation durchgcsetzt hat, wo eine wahre Sehn• sucht nach Einheitlichkeit in der Arbeit und in der Propaganda herrscht, sollten diese Zusammenhänge immer wieder betont werden, ganz besonders von dem deutschen Landesverband, dessen Bedeutung in unserer Organisation von Jahr zu Jahr gestiegen ist. Der Verlauf aller Zionistcnkongrcssc vom VI. Kon• grell im Jahre 1903 ab, wo zum erstenmal eine starke deutsche Landsmannschaft erschien, ließ diesen hohen Rang des deutschen Zionismus besonders deutlich erkennen. Er hat seinen Grund nicht im zahlenmäßigen Aufschwung. Bilden doch mich die deutschen Juden mir 51/e׳n,0׳ des jüdischen Volkes, also eine verschwindende Zahl — nicht in der Fort• eiitwickiung der nationnljüdisehcn Gedankenwelt, deren Huuptvcrtrctcr wir mindestens in gleicher Au• zahl unter unseren russischen, österreichischen und gali/ischeii Freunden finden, sondern in der Energie des Auftretens nach außen und in der Fähigkeit, die Kräfte organisatorisch ׳/tisanimeuzufasscii. Die Zahl der organisierten Zionisten Deutsch• lands ist in den Jahren 191U und 19 U \o« (»,iUb auf 8100 gestiegen. Wir marschieren damit schon rein zahlenmäßig an der Spitze der jüdisch-politischen Organisationen Deutschlands, und wir dürfen dieses Ergebnis um 80 höher aiisclilagvn, als wir wirklich von unseren Anhängern mehr fordern, als irgend eine ändere jüdische Organisation: Umwertung aller Be• griffe über das Judentum und seine Zukunft, Betüti• gütig der neugewonnenen Anschauung durch dauermte, oft mühsame Kleinarbeit und verhältnismäßig grolle Ocklopfcr! Unter diesem Gesichtspunkt verdient fcstgestcllt zu werden, daß wir in Deutschland in den beiden letzten Jahren für zentrale zionisti• sehe Zwecke — ganz abgesehen von den großen lokalen Aufwendungen für Propaganda und Orga• nisation — über 300 000 Mark aufgebracht haben. Und diese Summe setzt sich‘aus den unzähligen Bei• trägen oller unserer Freunde zusammen — kein einzelner Miieen hat sie gestiftet! — mul so wird sic zum Beweis für die allgemeine, unsere ganze Orga• Itisa iondurchdringende Opferwilligkeit. Hölujr aber als diese Sprache der Zahlen he• werten wir den Umschwung, den das geistige Lehen der deutschen juilcnhcit der kraft• vollen Energie und Einheitlichkeit der zionistischen Propaganda‘7.u verdanken hat. Nur fünfzehn Jahre trennen uns von den ersten merkbaren Anfängen zionistischen Lebens in Deutschland, lind schon jetzt gruppiert sich die gesamte deutsche Judeiilieit je nach der Stellung zum Zionismus in zwei Lager. Und diese beiden Lager charakterisiert nichts besser, als daß in dem einen ein positives, an die besten Tra• diliouen unseres Volkes sielt nnlelmemles Programm, ohne Konzessionen und ohne schwächliche Kompromissc, von einer neu hcraurcifciulcn Jugend he• geistert vertreten und in heiligem Eifer propagiert wird, während in dem anderen Lager eine bloße Negative — der Aiitiz.louismus — jedes positive fdeal ersetzen muß. Anstelle frischer jugendlicher Begeisterung muß dort allein schwächliche Abwehr der immer stärker vordringenden unjüdischen Tendcnzcii ihre Danaidenarbeit leisten. Dem religiösen Konservativismus konnte die Assimilation wenigstens noch ein positiv scheinendes Gegenbild — <Ic11 rcli• giüsen Liberalismus — entgegensetzen. Auch er ist in den I läiiden seiner in der Assimilation befau• geilen Vertreter ein rein negatives Prinzip geworden. Dem neuerw,׳!eilenden Nntionaljudcuhim aber hat die Assimilation nicht einmal den Schatten einer positiven Ansicht cutgegenziiset/'.n. Sic muß vielmehr Zusehen, wie unsere Ideen l.v.gsam ihr mühsam aufgerichtetes Gcdnukcngchäudc nbtrngcn, und gerade ihre besten Vertreter müssen immer wieder neue Kompromisse mit dem verhaßten Nationalismus schließen. Wir wollen der Entwicklung nicht vorauscilcn. Noch sind die jüdischen Notablen, die Führer der älteren Generation, in ihrer großen Majorität unsere Gegner. Nocli herrschen diese in fast allen Gemeinde• stuhen. Noch stellt uns eine große Mehrheit ge• schlossen gegenüber. Noch weiß sic uns die politische Tagespresse fast zu verschließen. Und doch! Unsere Ideenwelt hat schon heute eine feste Heimat in der deutsc!1 cn Juden• heit gefunden. Sie ist nach einem Kampfe wc• niger Jahre zum Schiholeth des deutschen Judentums geworden und hat die Aufmerksamkeit der uiiab. hängigen Gebildeten Deutschlands gefunden. Unsere Ansichten von SelhsthewuBtsciu utul Volksgefühl, von der Bedeutung der Kolonisation Palästinas, ja sogar von dem Wiedererwachen der hebräischen Sprache dringen immer tiefer in nichizionistisclic Kreise ein. Mußten doch auch die Führer unserer Gegner den Buimstrnhl, den sie gegen uns geschleudert hatten mul der uns vom jüdischen Leben Deutschlands iso. iieren sollte, stillschweigend nufhebenl Diese Erfolge können wir schon heute festste!• len. Wir verdanken sie der Einheitlichkeit und Rein• heit unserer nationalen Propaganda, der Stoßkraft unserer Organisation und der — allen Assiniilantcn zum Trotz — auch unter den deutschen Juden licrr* schcmlen Liehe und Verehrung für Erez Israel, die uralte Heimat unseres Stammes. Und dieses Ergebnis haben wir — so könnte es dem Außenstehenden erscheinen — zwar nicht ohne Anstrengung, so doch in freiem, befriedigenden Geisteskampf erreicht. Wir selbst wissen, daß dem tatsächlich nicht so ist. Die auschcinciid so große Aktion setzt sich leider in eine Anzahl kleiner, ja kleinlicher Arbeiten um. Anstelle des einen großen Ergebnisses tritt eine wechselnde Zahl uubedeuten• der Erfolge, unterbrochen von ärgerlichen Mißerfolgen. So seiiwindet dem täglichen Arbeiter das Gefühl der Romantik und z.wiugt’ zu nüchterner Be• traclitmig der Dinge. Diese Gedanken möchte Ich vorausscliickcn, ehe ich zu einer Schilderung der einzelnen Arbeiten übergehe, die wir in Durchführung unserer Propaganda erledigt haben. Hand in Hand mit der Vermehrung unserer Schckeleiiigäiigc ging das Anwachsen unserer Gruppen. Wir haben seit dem XII. deutschen Delegier• teil Inge, der 1910 in Frankfurt n. M. stattfaml, in über zwanzig׳ Orten neue Stützpunkte gewonnen, l.'iiüge von ihnen haben sich in ganz kurzer Zeit zu selbständigen Zentren unserer Idee entwickelt. Un. sere Gruppcuvcrhüudc sind jetzt mit Ausnahme cltii• ger unbedeutender Bezirke überall durcligefiihrt und haben die ihnen unterstellenden Gruppen zu inten. 8»ver Arbeit zusnnmieiigcfaBt. Wir können wohl kotu •taticrcn, daß wir hierin eines der erfreulichsten Er• gelmisse des Frankfurter Dclegicrtcntagcs selten dürfen. Die Finanzen unseres Verbandes gehen dauk der Opferwilligkeit unserer Freunde vollkommener Gesundung entgegen. Die Einzelheiten wird Ihnen der Finanzbericht unseres Schatzmeisters geben. Von dem Aufschwung unserer Sam 111• 11111 g e n habe ich schon iu anderem Zusammenhang gesprochen. Es sei nur noch erwähnt, daß ich im Interesse einer von Zufälligkeiten freien Statistik dort eine Einzeispemlo für den Jüdischen National, l'omi•! von 51000־■ Mark unberücksichtigt gelassen halie, so daß Wir in den letzten zwei Jahren tatsächlich über 330 üüü Mark aufgebracht haben. Diese Ergebnisse verdanken wir im wesentlichen dem systematischen Zusammenwirken folgender Fak• loren: unseren Propagantlaschriflcn, der Korresponden/, unseres Bureaus, unserem Parteisekretnriat und unserer Presse. Die Broschüre Richard L i eh 111 c i ווו s mit ihrer ruhigen Sachlichkeit und ihrer glänzenden Diktion hat uns einen neuen Typus einer Propaganda* schrift geschaffen. Sic' entspricht den Bedürfnissen des gebildeten Mittelstandes, dein ja die deutsche Judeiilieit Im wesentlichen angehurt, in vorbildlicher Weise und hat* uns in den verschiedensten Kreisen die besten Dienste geleistet. Den äußeren Erfolg beweist der in acht Monaten erzielte Absatz von 17 000 Exemplaren. Achnlichc Erfolge erwarten wir von der Broschüre unseres nach Palästina ühergesiedelteu Gesinnung«• genossen Elias Auerbach: ״Palästina als Juden• laud", die vom Zionistischen Zeiitralhurcau auf unsere Anregung vor zwei Monaten herausgegeben wurde lind in und außerhalb Deutschlands die größte Anerkennung gefunden hat. Das ״Zionistische Merkbuch" Hugo Sc 11 ach• tcls, das wir ihnen zum vorigen Dclcgicrtcntag in erster Auflage hatten vorlegcn können, ist inzwischen iu zweiter mul dritter verstärkter und verbesserter Auflage erschienen und bereits ein uneuthelirliclics Vademccuiii für jeden Zionisten geworden. Seine beredte Zaliieuspraelie ersetzt vielfach die eindring• Hellste Propngnmlasehrift. Als Spcziaisciiiift über die Fragen der Gemeinde• Organisation gaben wir die klar und populär gesclirie• bene Broschüre von Rechtsanwalt Koltenschcr ״Zionismus und liberales Judentum'1 heraus, in der Fhighlättcrlitcratur begnügten wir uns mit dem Flug, blatt: ״Was will der Zionismus?" Auch dieses Pro• pagamiamittcl hat sich, wenn auch in beschränktem Maße, bewährt. Es scheint freilich, daß die Be• deutiing der Flugblätter für die Propaganda in Deutschland nachgelassen hat. Unseren Ortsgruppen und Mitgliedern gaben wir schließlich in unserem ״Jahresberichte für da• Jahr 19U" zum erstenmal eine kurze Ucbersiclit über unsere Tätigkeit und unsere finanziellen Lcistun• gen im Geschäftsjahr, die viel Anklang gefunden hat und bereits in 71)00 Exemplaren verbreitet ist. Er• gelmislos geblieben ist leider unser Preisausschreiben für eine Jugendsettrift über Palästina. Doch haben wir iu dem Buch von T r i e t s c 11 ״Bilder aus Pa• lästiun" einen guten Ersatz erhalten. Der J ü d i 8 c 11 e V e r I a g befindet sich seit seiner Uebersiedlmig nach Berlin in ständiger, sehr er• treulicher Entwicklung. Wir haben ihm daher die Butliliaiullmigsahleilmig des Verlages ״Jüdische Rundschau" übertragen. Die Korrespondenz unseres Bureaus ist in den letzten zwei Jahren vollständig!ungestaltet worden und hat sich im wesentlichen in eine Einzelkorrcspon• den/, umgewandell. Sie erstreckt sich weit über die Ortsgruppenvorstäiulc hinaus und hat insbesondere zwischen den vielen zerstreut wohnenden Partei• genossen und Berlin ein dauerndes Band gesclilun• gen, das wesentlich dazu beigetragen hat, die Stirnimiiig im Landesverband zu vereinheitlichen und die Schlagkraft der Organisation zu erhöhen. Die Korre• spunde״/ belief sich bereits im Jahre 1911 auf 28 000 Sendungen und ist seitdem weiter gestiegen. Vom 1. Januar bis 13. Mai sind 9S96 Briefe, 383 Postkarten, 7333 Drucksachen mul 130 Pakete heraus• gegangen. Unser Parteisekretariat befand sich bis zum Oktober 1911 in den bewährten Händen Kurt Bl 11• mcnfclds. Er hat dieses Amt geschaffen und die Art «einer Tätigkeit für die Zukunft festgelegt. Wir kOimcu mit Befriedigung konstatieren, daß diese Form der Propaganda, seitdem Herr Bhiinenfeid Be• ander des Aktionskomitees geworden ist, Gemein• gut aller unter ähnlichen Verhältnissen arbeitenden Landesverbände zu werden beginnt. Sein Nachfolger R o 8 e n b n 11 m hat zu unser aller Zufriedenheit die Tätigkeit Bhmieiifelds fortgeführt. Daneben haben natürlich, wie auch iu Ruberen Jahren, eine große Reihe von Gesinnungsgenossen auch außerhalb ihres Wohnort« Propag.mduvorlrägc gehalten und so die Arbeit des Parteisekretariats unterstützt. Diese frei• willige Mitarbeit ist um so wertvoller, als sie die so notwendige Abwechslung in die Propaganda bringt. Sic befriedigt nticii mehr als früher, da der Redner i!1 ganz anderer Weise als in früheren Jahren ein vorbereitetes Auditorium findet. Seit dem Ok• tober 1911 sind insgesamt über 500 zionistische Ver• Sammlungen in Deutschland zu unserer Kenntnis ge• laugt. In mehr als Imudert von ihnen haben unsere Sekretäre gesprochen, Unsere presse hat weiter befriedigende Fort• schritte gemacht. Wir verdanken dies insbesondere der besseren Organisation unserer Ortsgruppen. Denn nur durch diese war es möglich, in immer steigen• dem Maße das Gesamtahoimemeiit aller Ortsgruppen• mitglieder für die ״Jüdische Rundschau" einztifült• reu. Diese• Ziel ist überall da erreicht worden, wo die Ortsgruppen auf unsere Anregung einen Orts• gruppenbeitrag von 12,— Mark mit monatlicher oder

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