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Jüdische Rundschau · 1912-05-31 · Heft 22 (31.5.1912) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVII (1912)
Issue
Heft 22 (31.5.1912)
Date
1912-05-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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1 I 1 I Abonnements ן ■ mit di« wüchfnllii)« *m Freitaj» rr• | 5 ״iir'infnil« ,,JlWlUihe Itund«chau<' « I ko.lrn I«•! der Ktperiition und l><d ■ | ,Hi n I’01l8ml«rn vitririjillirlith l,50M■■ I ItuCriltnU) DcntsUdoml« und Or-1Ur• | rrirli-Uniati» 3,— M.j für Mitglieder , I jädiwltrr Vereine im S«mmtlUciUg J i durch den Verein t,-־־ M. | ן Verlag JOdlarlie Runilichaa I I E. 0. m. U. II. ן! UIIRI.IN W.1S, Stt. h.l.d.0 Straße 8. 1 ן Telephon! Amt Uhland 8JS. ן I Cr«rI1rdtMtundeni V — l und 4—7 Uhr, ן | autier Sonnabend und Sonntao. * c /■׳“*> i 'י V LJ ר r's fpm• Anzeigen r. ■ t 11. 1 L״-/ ' I ך• ׳' % \ J x V-..*,/ . J 'V ג׳ ..J r~\ J für <{!* *!־tI^2M!taUfnc fMU• rctlc *hIm׳ ticfrtt küutn 40 l*f,; Stellen• An׳vr יו!ו»«ו urul •C1f*uJie fcowic■ Veetint• M.U« .lullen und .Kleine A1»1e׳i'cn• Q a nur 30 *,fennSi׳. Q Q ht*nuhkt»p\f>. werden, wenn Porto lxr»!»fi״t, iUU xaru^k׳t'e^Trui(, Kr<!rtkt1t>fiS»4J1lu8j MtUwiecJt vormittag«. HnitnUtton JUJUtlia RumlitJiaa IU UL1NW.I5, SlkHiUclic Straß« «, Telrj.1,001 Amt UhUnd 645, Sprech»tu1־Hjf n DieatUf und Donntrttaf 5-<# UHr fv*ütmlua2%. mJ Nummer 22 15• Ssiwan 5572 XVII. Jahrgang ״Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schnflun״ einer öf« cntllcli-rcchtl icl» gesicherten Heimstätte ln Palüstlnn." Baseler Programm Der XIII. Delegierten^ f70־ //Tljff, .* * ־־־1131 vom 20.־ iiscuen Vereinigung für Deutschland 3. Mai 1012 in Posen Das Ergebnis unseres XIII. Delegiertentages, der nunmehr der Geschichte angehört, bietet die sichere Gewähr dafür, daß die kräffige Entwicklung, die die beiden zuriiekliegon• den Jahre dem deutschen Zionismus gebracht haben, auch während der kommenden Periode anhalten wird. Denn die Tagung hat in allen Punkten den Erwartungen, die man billigerweise an sie stellen durfte, entsprochen. Die äußere Signatur mögen ihr für viele die prinzipiellen Debatten des ersten Tages gegeben haben, in deren Verlauf die Gegensätze recht scharf aufeinanderstießen. Es war ein Nachluitsgefecht, das die Vertreter der Opposition zu führen hatten. Denn es erwies sich, daß ihre Zahl auch in den letzten Monaten, seit dem Kongreß, noch weiter zusammcngcschmolzen ist und daß sie heute kaum noch ein Viertel der deutschen Zionisten zu vertreten hat und zudem graduell noch außerordentlich differenziert ist. Diese letzte Aussprache war notwendig im Interesse beider Gruppen unserer Gesinnungsgenossen. Denn nun, nachdem der Minderheit Gelegenheit gegeben wurde, ihre prinzipielle Uebcrzeugung noch einmal mit aller Deutlichkeit vorzutragen, wird sie erst recht die Möglichkeit und den Willen haben, rückhaltlos an den großen Aufgaben, die uns bevorstchen, mitzuarbeiten. Dieser Tatsache wurde inan denn auch bei den Wahlen gerecht. So haben wir die Gewißheit, daß die Arbeitskraft und Erfahrung eines jeden Zionisten in Deutschland, der zur Mitarbeit herufen ist, der Leitung der Landsmannschaft zur Verfügung stehen wird. Die prinzipielle Debatte wurde in erster Linie befruchtet durch das großzügige und tiefgrundige Referat Motzkins über ״Unsere Palästinapolitik“. Die Resolution, die im Anschluß daran vom Dclegiertentagc angenommen wurde, ist bis zu einem gewissen Grade der Ausdruck jeitcr Synthese zwischen ״politischem“ und ״praktischen!“ Zionismus, zu der wir nunmehr ge• langt sind. Blumenfelds Referat über ״Er- Ziehung zum Zionismus“ brachte wertvolle Beiträge für die Propaganda und fußte bereits auf einer reichen Erfahrung, die mit der vom Frankfurtcr Delegiertentag empfohlenen Methode gemacht worden ist. Die Frage der Jugend- Propaganda wurde besonders eingehend erörtert, und man darf wohl hoffen, daß auch hier mmmehr die Wege unserer Arbeit endgültig festgelegt sind. Wieviel wir noch immer tun können, um die Technik unserer Sammlungen auszubauen, daß zeigte uns das gründliche Natioualfonds- Referat unseres Freundes Dr. Sichel mit seinen vielfältigen Anregungen. Daß diese Tagung so außerordentlich fruclitbar an praktischer und theoretischer Anregung werden konnte, daß verdanken wir in allererster Linie dem Umstande, daß ein jeder das Bewußtseit, hatte, daß wir über eine tragfähige Ürganisation verfügen, die die Gewähr für die Durchlöhrung eines jeden Beschlusses bietet. Ganz besonders erfreulich —ל und doch wohl nur von wenigen in seiner vollen Tragweite gewürdigt — ist die Tatsache, daß unsere Landsinauuschait mm endlich im fünfzehnten Jahre ihres Bestehens eine sichere finanzielle Basis gewonnen hat. Und die beste Anerkennung für die geleistete Arbeit ist gewiß die Einmütigkeit, mit der die Durchführung des Zwölf-Mark-ßeiträges für die Ortsgruppen beschlossen wurde. Der Opferwilligkeit der deutschen Zionisten stellt der Bericht unseres Schatzmeisters das beste Zeugnis aus. Weil die Berichtsperiode bewiesen hat, daß die Beiträge, die wir für die Organ»• sation leisten, so eminent produktiv für unsere Sache arbeiten, deshalb durften und mußten in dem Etat, der von der Versammlung genehmigt wurde, die Anforderungen gegen das Vorjahr nicht unwesentlich erhöht werden. 111 organisatorischer Hinsicht wertvoll ist auch die endgültige Festlegung unserer neuen Satzungen, die iu vielfacher Hinsicht einen Fortschrill gegen ihre Vorgänger bedeuten. Der Posener Ortsgruppe und ihren Leitern gebührt unser Dank für die Umsicht, mit der die Tagung vorbereitet wurde, und für die herzliehe und fürsorgliche Aufnahme, die den auswiirtigcn Delegierten zuteil wurde. + Alontag-Vorm iltagssltzung. Punkt 10 Uhr eröffnet der Vorsitzende des /Zentralkomitees, Herr Rechtsanwalt Dr. 11 a n t k c , in Anwesenheit von 130 Delegierten und zahlreichen Gästen den Delcgicrtentag und erstattet den Geschäftsbericht ü e c h r t c r 1) e 1 e g i e r t c n t a g! Aus dem Wesen der zionistischen Bewegung ergeben sich für die Tätigkeit unserer Organisation zwei Hauptgcsiclitspimktc: Die Nationalisierung des Volkes mul die Schaffung einer neuen Siedlung iu Palästina. Beide Seiten unserer Arbeit bedingen ein. ander. Die Neusiedlung im Lande unserer Vergangen, heil wird nie unsere Zukunft ,bedeuten, wenn sie nicht mehr von nationaler Begeisterung getragen sein wird. Die Wiedererweckung des jüdisch-nationalen Lebens wird nie gelingen, wenn den Nationalisierungsprozeß nicht der Erdgcriich Palästinas durchzieht. Für den Versuch einer methodischen Charakterisierung unserer Arbeit aber ist unsere Einteilung die gegebene. Iu Palästina zeigen unsere Positionen eine ruhige, stetige Entwicklung, die auch der türkisch, italienische Krieg bisher nicht unterbrochen hat. Die netieiiigewandcrten Juden aus Ycmcn haben unseren Kolonien ein Material von landwirtschaftlichen und gewerblichen Arbeitern gegeben, das in Verbindung mit ihren osteuropäischen Ikrufsgenossen wenigstens den dringenden Bedarf an jüdischen Arbeitern deckt und die jüdischen Dörfer von den arabischen Ar• beitem unabhängiger zu machen beginnt. In der wegen ihrer Fruchtbarkeit aUberiihmten Ebene Jcsreel in Galiläa ist zum erstenmal durch die Palestine Land Development Company und die Siedhmgsgcnossenschaft lirez-Israel, die wir der Initiative imseres Gcsimumgi genossen Franz. Oppenheimer verdanken, ein größerer Landbesitz in jüdische Hände iibergcpangcti. Das Stadtviertel Tel Awiw in Jaffa mit dem hebräischen Gymnasium bat sielt zum Denkmal jüdischen Unternehmungsgeistes in Palästina entwickelt und zeigt, ebenso wie unsere Dörfer, einem jeden, daß die Schaffung einer jüdischen Siedlung iu Palästina für die Menschheit ein Hinauswachscn lies europäischen Kulturkrcises bis an den Rand der großen arabischen Wüste bedeutet. Die Kuustgewerheschule Bezalel in Jerusalem, die Wolffsohn-Stifniiig zur Schaffung von Arbeiter• häusern, die vom Verband für Frauenarbeit in Pa• lästina geschaffenen Spitzenatcfiers, die Oclbaum* spende, der fortschreitende Landerwerb mit Hilfe des jüdischen N'ationnl-Fomls, unsere Bank, dieAnglo Palestine Company mit ihren sechs Niederlassungen, das Palästinaamt, die Farmen der bereits erwähnten P.' L. D. C, die Schulen des Odcssacr Komitees, unsere landwirtschaftlichen Kurse, die landwirtschaft. liehe Versuchsstation brauchen in diesem Zusammen• hang nur genannt zu werden, um den Fortschritt des jüdischen Palästina zu zeigen. Dieser Fortschritt ist deswegen so bedeutungsvoll, weil er auf einer syste. matischen Arbeit unserer Organisation beruht, welche gleichmäßig den landwirtschaftlichen, gewerblichen und kommerziellen Interessen, wie den kulturellen Erfordernissen gerecht zu werden versucht. Und nur eine melhodisclic, planni ißige Leitung bietet die Oewähr, daß all diese Ein ׳elaktionen in einem cinhcit« liehen Rahmen gehalten, sich zu einem kolonisatori• sehen System zusainmcnfügen. Dieses kolonisatoriscitc System wiederum ist ein Teil des politischen Programms, nach dem wir arbeiten und stellt daher in unmittelbarem Zusammenhang mit unserer im engeren Sinne politischen Arbeit, die ihr Zentrum in Konstatdinopcl hat. In K o n s t a n t i n 0 p e I, dem Zentrum des tür* kischen Reiches und des türkischen Judentums, muß auch die Entscheidung über unsere Arbeit in Palästina fallen. Ist doch Palästina als Provinz, des türkischen Reiches von den allgemeinen Schicksalen dieses Landes, von der Ausgestaltung seiner Gesetz« gcbung, seiner Verwaltung, seiner kulturellen Eilt• wickhmg abhängig. Und sind wir doch darauf angcwiesen, die türkische Judeiilicit, d. 11. die altcinge« scssene Judcnhcit der Türkei für unsere Ziele zu ge• wiimcii, da wir ja iu diese!. Land eine neue jüdische Einwanderung lenken. Auch hier können wir konsta• tieren, daß die auf dem Gebiete jüdisch-nationaler Erziehung, durch Entwicklung einer nationalen Presse, durch Gründung von Turn- und Studenten vereinen geleistete Arbeit dank der einheitlichen Leitung unserer Organisation in das System unserer Palästinapolitik sicli harmonisch ein fügt. Auch unsere im wesentlichen informatorische Arbeit gegenüber den c 11 r o p ä i s c h c 11 Mächten, die bisher als unsere politische Arbeit Kv:’ i; v/r,v bezeichnet wurde, erfolgt unter dem Gesichtswinkel der Palästinapolitik. Unter diesen Aktionen für das Land darl die Arbeit für das Volk oder besser gesagt, die Ar* beit i in Volk, nicht leiden. 111 den Jahren der Ausgestaltimg unseres Systems, des Werdens der zio• iiistisclieu Theorie war die Arbeit im jüdischen Volk selbst teils vernachlässigt, teils systemlos betrieben worden. Hier ist erfreulicherweise in den letzten Jahren ein Umschwung ciugetreten, der allmählich alle unsere Landesverbände ergreift. Die Organisation festigt sich, denn überall verbreitet sich die Einsicht, daß Parteisekretariate für die Propaganda und Parteibtircaus für die Organisation, eine vom Landcsvcrband beeinflußte Presse, festgefügte Ortsgruppen unerläßlicbe Vorbedingungen für eine einheitliche nationalc Erziehung sind, daß hinter dem Agitator eine stramm organisierte Partei als Deckung stehen muß. Nur durch eine starke Zentra-

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