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Jüdische Rundschau · 1912-05-25 · Heft 21 (25.5.1912) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVII (1912)
Issue
Heft 21 (25.5.1912)
Date
1912-05-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 21 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seife 187 Mil einem Worte: Das, wovon ich mir viel ver• >j)r»cI1e. lautet: Jungiuamischaft. Das sind kleine Kreise von jungen, ganz jungen LeuUn, die person• In!1 miteinander Fiililun^ tiehnien, im zwanglosen Verkehr unter sich harmlos /war ״diskutieren‘•, nicht ahei in» theoretischen Hanne bleiben, sondern /um tatsächlichen Erleben und betätigen erstarken.!)er letzte Pelcgiertenlag hat in dieser Hinsicht l\sc iltisse gefallt! Warum hierum iibwcichcn? Sie aus der Welt schaffen, noch bevor die Mehr/ald sieh di, 4ei: mul Muhe nahm, durch ihre Unfähigkeit das l'nn/ip überhaupt angreifbar /u machen? Wariun vtv. ־ verurteilen, bevor es erprobt wurde?* *) X ir vv'irdcn einen erheblichen Fortschritt er• |>!. ’» 11. wenn der Posener Dclegiertcntag die alten IVchhisse verschärfen und bekräftigen würde im tni,* i.lc.1 Sinne: ede Ortsgruppe, die über ein Halbdut/end junge (ah*, wirklich junge) Zionisten verfügt, wird au• giha'.•en, eine ״ju11g1n.׳u1n>cl1aft“ von der Ortsgruppe ah/11! »svn. Diese Jungmannschaft ist autonom, unter• -1* 1וי aber hinsichtlich ihrer öffentlich-agitatorischen Iatigkeit dein Einverständnis des Ortsgruppcnvnr. Standes. Sie verpflichtet sieb zu (mindestens) v<,deutlichen Zusammenkünften und zur Abführung üis Schekels an die Ortsgruppe. Die Zusammen• kaufte dienen zur Besprechung und Erörterung /io. indischer mul alljüdischer (iegenvvartsfragen mul Millen stets mit einer Presseschau eingeleitet werden. Mit erreichtem 25. Lebensjahre wird man in die Oitsgruppc übernommen. (Sehr diskutabel wäre für diese die I leratifsetziing des erforderlichen Mindest, oller*• bis etwa 22 Jahren.) Line (irtippe soll nicht nähr als •P) Mitglieder zählen. 11 h bin weit entfernt, diesen kaum skizzierten Vorschlag als alleiuseligiiiachend den Ansichten meines Vorredners gegoiuiber/ustellen. Es gibt Städte, die ihm mul andere, die mir recht geben. Ich kenne manche Jtmginannschaft, die keines, wegs .,den Kernpunkt der trage verfehlt•• und die nichts anderes erzielt, als dall sie ,,die Jugend jü• disch macht, jüdisch bis auf die Knochen**. S o j s e 11 r j ü d i s c 11, d a II ihre Mitglieder so. g a r vv i e d e r tur n e n g e h e n. — Ob der Turnverein entjudete oder indifferente Juden vvolil wieder s 1 jüdisch zu machen versteht, dait sie ideell wieder im Judciitunitimt Wurzel fassen* Abgesehen davon, dall er solche entjudete Juden me bekommen wird? Aber die Parole soll keineswegs lauten: hie Jtingmamischaft ־••*hie Turnhevvegmig! Der Del••, giertentag wird voraussichtlich Resolutionen am nehmen, die zur Turnbevvcgmig im Sinne meines Vuircdners sich äiiitcrn. Dies wird eine Tat sein, wenn er ergänzend die alte Idee der Juugmaniischatt endlich lebensfähig macht. Das eine ohne 11:1s andere w äre eine unrechtmäßige und die logischen (intiullagen , verkeimende Monopolisierung, die uns Scheuklappen aufdrängt. Zwei neue Institute in Palästina Der rührigen und glücklichen Werbetätigkeit des energischen Leiters der jüdischen landwirtschaftlichen Versuchsstation, Herrn Agronom Aaron Aaroitsohn, h.-.heu wir neuerdings die Entstehung zweier wich* tiger Institute zu verdanken eines Ci e s u 11 d heit 8• a in t e s und der Ferienkurs e f 11 r «I i e p a I a s t i n i s e 11 e u L e h r e r. Das (iesimdiieitsamt, welches de« Kampf mit den endemischen Krankheiten ,־mf/unehmen hat, soll in eister Linie der Malaria zu Leihe rücken. Ein, iient. zwei Mediziner, in Verbindung mit einem Entlio• mulogen sollen die Kampagne führen, und die Re״ •iiltate der l.aboratoriiiiusarbeil und der Foisdiimgen "irden dann der Bevölkerung durch populäre Schrillen mul belehrende Wandervortrage mit Lichtbildern be• kanntgegebeii. Ein Jaliresbudget von 25 00b Fres. i>t von Herrn Nathan Straus (Nevv.York) zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt und vorläufig ,für drei Jahre zu• gesichert worden. Wenn manchen, die gerne in Palästina ein hy. gienisches Institut grollen Stils sehen möchten, diese I Summe für wenig ausreichend erscheint, so ist darauf! zu erwidern, dali eine lokale Malariabekämpfnng hier zu Lande bei einem kleinen (ieldaufwände mit äußerst günstigem Resultate bereits geschieht. So hat der rühmlich bekannte Dr. Ilillel Jofe Siehron• Jacob die Einwohner der kleinen Kolonie Atlith, die in sanitärer Beziehung berüchtigt war, auf einen (lesumlheits/iistainl gebracht, der jetzt den anderen Kolonien nicht nachslcht. Die Malaria hat er durch prophylaktisches Eingehen kleinerer Chiiiindoscn, 1 durch Pctroljsicren einzelner Stauwasser (haiipKich• lieh auf dem der landwirtschaftlichen Versuchs. ’) Die Gründung und Unterstützung der Jugend• gruppen wird dem Dclcgicrtcnlagc auch in einer Re• *olution des Zentralkomitee» vorgcschlagcu werden. D. Red. Station gehörenden (irmidstiiek) mul durch andere Maßregeln zum Ruckzuge gezwungen. Statistische Daten, die Dr. Jofe hoffentlich bald veröffentlicht, werden das Gesagte am besten illustrieren. Das (ic• siimlhcitsamt wirst seinen Sitz voraussichtlich in der Kolonie Chederah haben, wo Dr. W. Brünn seil einiger Zeit ein mikrobiologisches Laboratorium leitet. Eventuell soll auch ein Tierarzt zwecks Sludinins der hiesigen Tierseuchen dem Gesundheit*• amt beigeordnet werden. I >!e Einneblung der F e r i e 11 k u r» e für die ין a I ä s t i n i s c 11 e 11 L e h r c r entspricht einem lauge gefühlten Bedürfnis. Die hier zu Laude ihrem Beruf naehgcliendcn Damen und Herren verfugen nicht immer über eine systematische Bildung, und so wird sieh ihnen jetzt die Gelegenheit bieten, ihre Lücken aus/ufiillen. Die Ferienkurse, mit einem Budget von 12 (KM) Francs ausgestattet und zum großen Teil von ameri■ kanisclicit Freunden der Sache und I lerrn Aaronsohns gedeckt, sind für HK) Teilnehmer bestimmt und für die I)auer von einem Monat (erstmals im August PH2) berechnet. Sie werden sieb auf folgende Dis• zipiiiien erstrecken: 1. Hebräische Sprache — Prof. David Ycllin (Grammatik und Lexikologie) vom Lehrerseminar zu Jerusalem. 2. Schulhygiene — Dr. H. Jofe. 3. Botanik — Agr, A. Aarousohu. •I. Geologie — Agr, A. Aaroitsohn. 5. Einführung in die Laiidwirtschaftslehre — Agr. A. Aaroitsohn. (>, Zoologie — Aharoni, Kustos am Bc/nlcI-Mu* SCUIU. 7. Gesang — Karczcwski (vom hehr. Gymnasium zu Jaffa). $. Turnen — Orloff (vom hehr. Gymnasium zu Jaffa). 9. Zeichnen — eine Lehrkraft von Bezalcl. Dazu kommen noch iXmionstrntionen, Exkursionen 11 sw. Die Kolonie Sieliron-Jacob ist wegen ihrer zeit• tralen Lage als passender Ort für die Kurse aus״ ersehen worden. Dort wird noch im Laufe dieses Sommers eine freundliche Zeltstadt entstehen, die die Teilnehmer der Ferienkurse aufnehmeu wird. Dr. M. Levvite, Bath-Schlomoh bei Caiffa, Soziales und Hygienisches aas Palästina Von Dr. Elias Auerbach, Haifa.*) III. Pi ä ti f i g e s u n d vv e n i g e r hantiges V 0 r k o m m e n der Kr a n k 11 c i t c u. Ich möchte jetzt kurz voiführen, was im all* gemeinen über die Verteilung der Krankheiten, soweit ich es beobachten mul in der Literatur finden konnte, zu sagen ist. Zunächst möchte ich die Erkrankungen in zwei Gruppen ordnen, nämlich diejenigen, die im Vergleich mit Europa seltener >iu*l und diejenigen, die vor•" vv icgcii. Um zunächst mit den Krankheiten zu beginnen, denen wir in Palästina seltener begegnen, so nenne ich an erster Stelle die I iiberkulose. Die Tuber• kulosc in der Form der Lungentuberkulose als Massen״ erkrankung existiert nicht, man begegnet nur hin und wieder einem Pall von Lungentuberkulose, Wenn ich mich recht erinnere, habe ich in den 2! Jahren, die ich dort bin, höchstens 12 bis 15 Fälle ge• •eben. Die Europäer bringen häufig die Tuberkulose in da!« Land mit, die sie außerhalb schon erworben haben. Man . kann aber immer wieder fcststcllcn, das I alle, die am Anfang reclü schwer verlaufen *,iml, liier zur Heilung kommen. Ich kenne Kranke, die vor 2:1 Jahren nach Palästina als aufgegebene Kranke gekommen, heute klinisch geheilt situl v»wt arbeiten können. Die Knochentuberkulose kommt etwas häufiger vor. Aber auch in den größeren Hospitälern hat man nicht häufig Gelegenheit, der Knochentuberkulose zu begegnen. Die Tuberkulose der inneren Organe ist noch seltener. Ebenso selten sind die akuten Exantheme, Sehatlaeh und Masern, besonders Scharlach; selten Diphtherie. Ich habe bisher nur vier Fälle in Haifa gesehen, und zwar sämtliche vier bei europäischen Kindern. Es war nicht immer klar, woher diese Di• phtheriefälle eingeschleppt sind. Erwähnen möchte ich noch, daß, überall im Lande erreichbar, jetzt 1)1• phiheriesermn zu haben ist, und man die Einspritzungen machen kann. Was ferner dem europäischen Arzt auf fällt, ist die grolle Seltenheit der Blinddarmentzündungen. Auch wenn mau ganz besonders darauf achtet, hat man doch seilen Gelegenheit, sie zu sehen. Mir sind bisher nur vier Palle bei Europäern zu Gesicht gekommen, die aber leicht verlaufen sind. Das hängt vielleicht zusammen mit der grundverschiedenen Ernährungsweise, welche in einem Vorwiegen der vegetabilischen Kost urul einem Znrücktreten der Fleischkost bestellt. Sieber ist jedenfalls und wird von allen Acr/tcii bestätigt, dall diese Erkrankung außerordentlich selten vorkömmt. Ebenso sind recht selten• die Krebserkrankungcn. Zwar sicht man hin und wieder welche, doch lallt sich ihre I lätifigkcit nicht vergleichen mit der 11 Europa üblichen. Jeder Arzt sieht jedes Jahr nur ganz vereinzelte Palle. Dementsprechend findet 1 כוח auch in den besteingerichteten chirurgischen Abtei• hingen sehen einen Fall von Karzinom. leb mochte liier noch anschlicllen — obwohl darüber noch viel schwerer exakte Angaben gemacht Werden können — das seltene Vorkommen von Ge• schied,tskrankheiten, von Lucs, ebenso von Ganor, rliac. Die Lues tritt sicher seltener auf, denn die Araber, auch die einheimischen, pflegen, wenn auch immerhin etwas verspätet, mit Geschlechtskrankheiten doch stets zum Arzt zu gehen, wenn sie zwei oder 'drei Versuche bei Pfuschern gemacht haben. Aber im allgemeinen bildet sich bei dem Arzt der Eindruck, dall luetische Erkrankungen dort seltener sind als bei uns. Dementsprechend sind auch die Befunde, die wir als nietasyplnlitische bezeichnen; man sieht sie'selten, zumal die schweren Erkrankungen des Nervensystems. Ich habe bisher keinen Fall von Paralyse oder Tabes bei Eingeborenen gesehen. bn Gegensatz zu den aiifgefuhrteii, seltener vorkommenden Krankheiten gibt es jedoch eine Anzahl Erkrankungen, die in der Morbidität der Bevölkerung vorherrschen, in erster Linie die Malaria. Diese ist, wie Sie wissen, zum grollen Teil aufzufassen als Krankheit der Unkultur. Wir haben in früheren Jahr• hunderten auch in Deutschland eine außerordentlich große Verbreitung der Malaria gehabt, die auf die schlechten hygienischen Zustände /iiruck/uführcn war. Jetzt ist ihre völlige Ausrottung wohl nur noch eine Frage der Zeit. In Palästina i>t die Malaria eine Erkrankung, die jedem Ar/t fortwährend vor Augen kommt und das Bild der Praxis so außerordentlich beherrscht, daß man in vielen Fällen, wo die Diagnose nicht ganz klar und sicher ist, immer an Malaria zu denken hat. Man nennt sie kurzweg: das Fieber. Man spricht aber auch von einer Typho-Malaria, einer Meningo-Mahria usw., wenn es auch Zweifelhaft ist, ob es sich nicht um Erkrankungen Sui geiuris handelt, die heute noch nicht näher imischrie• Inn sind. Die Malaria fuhrt bekanntlich nur in seltenen Fällen zum Tode; liier und da jedoch tritt sie in bösartigen Formen auf. Es gibt Fälle, die schon jahrelang bestellen, bevor sie /um ersten Male in Behandlung des Arztes treten. Pa man weiß, daß dieses Leiden mit Chinin zu heilen ist, so hat jeder Chinin im Hause und nimmt es, wie ihm dieser oder jener empfohlen hat. Wir finden auch diejenige Komplikation, die am meisten gefürchtet ist, das Sehwar/.vvasserfieher, von dein noch nicht entschic* den ist, ob es eine Nebenform der Malaria selbst ist, oder ob es in ätiologischem Zusammenhänge mit der Chininbchamllimg steht. Jedenfalls kann man sagen, daß man in Orten, wo die schwersten Malaria* fälle• Vorkommen, auch hin mul wieder Schwarz• wasscrfieberfälle trifft. Die schweren Malariafälle kommen heute in Palästina sicherlich erheblich seltener vor als vor 20 bis ']() Jahren. Die deutschen Bc• richte sprechen aus der ersten Zeit viel häufiger von schweren Erkrankungen. Genau dasselbe ist der Fall in den jüdischen Kolonien, wo die Krankheit früher zahlreiche Menschenleben forderte, und wo heute Todesfälle an Malaria zu den Seltenheiten gehören. Es gibt auch heute noch ungünstige Platze, vornehmlieh in Sumpfgegenden, wo die Malaria sehr schwer auf tritt- Im großen und ganzen hat sich der Zustand gebessert, einerseits durch Aufklärung der Be• völkerimg, dann durch Hebung des allgemeinen Ni• vc.ius, und so ist die Malaria etwas seltener ge* worden gegen früher. Es gibt heute Gegenden, die früher notorisch mit Malaria durchseucht waren, die aber heute zum größten Teil als saniert bezeichnet werdet! können. Ein beliebtes Mittel zur Sanierung sumpfiger Geßetuien ist die massenhafte Anpflanzung von Euka• j Typten, ferner Praiiiienuigcn von stehenden Gewässern und Pciroli'.icrtm;: von W.1Nserpfut/en. Häufig ge. tmg aller' sehcilern d1e־,c Sanieningsarbeiten an der Gleichgültigkeit der Behörden. Wenn auch die Malaria in der Mortalität nicht so stark zum Ausdruck kommt, so spielt sie doch eine große Rolle als wichtiges disponierendes Mo* ment. Besonders auch unter den Kindern, die häufig schon in sehr frühem Alter an Malaria erkranken, ist sie auf diese Weise eine der Ursachen der großen Sterblichkeit. ) Siehe Nr. 18 und Nr. 19. (Fortsetzung folgt.)

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