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Jüdische Rundschau · 1912-05-25 · Heft 21 (25.5.1912) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVII (1912)
Issue
Heft 21 (25.5.1912)
Date
1912-05-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seife 186 Wettspiel um( Tauziehen zeige». I ür die ״Nur• Turner" ist Wcilhochsprimg mul Sclilcuilerballivcifeu vorgesehen. I leri* RcehUanwalt (i re i f f e n 11 <1 g c 1) wird iinf dem l'la(/e eine Anspradie halle». Ala» sieh!, es ist tlnrelt ei» vielseitiges Programm Ihr AI)• weehshnig gesorgt. Umfassende Vorkehrungen sind für die Bequem• lichkcit «ler Zuschauer getroffen wurde». In »lern Zuge, der um J Uhr 23 Mi», vom Sleltiiier llahnliof ahfährt, ist für unsere ITcumte ein hesumlervr Wagen reserviert. Ei» auslülirlielies Programmheft orientiert über de» Verlauf der Kampfe, und auch für Er• frisclnmgen ist in geeigneter Weise gesorgt. Schulzen• durf selbst mit seiner idyllische» Lage im Tegeler Forst ist ein beliebter Ausflugsort der berliner und lohnt gewiß alleine den Pfingstausfliig. Uns Zionisten aber wird dieser Tag, wo /um erste» Male so grolle Schare» der jüdischen Jugend, die /u 1ms stellt, in friedlichem Wettkampf ihre Kraft messen wird, mehr bedeuten. Wahrend in!*ose» die allere Generation die Mittel berät, wie die jüdische Jugend aufrechtem jüdische» Wollen /u ge• winne» sei, wird das Meeting /eigen, dall die Arbeit der Tnrnersriiaft bereits werlvolle Voiailuil und einen guten Anfang bedeutet. Ein Vorschlag für den ״J. N. F.“ Die heutigen Sammelmctlinden lassen ganz zweifellos erhebliche Werte a» (ield mul Arbeit*• energie unseren zionistischen Fonds verloren gehen. Ein blick in den Spciiden-Ausweis dieses blattes mit den unzähligen 50 Pfennig-Ausweise» muH doch zum Nachdenken veranlassen, welche verhältnismäßig hohen Spesen durch die Ucbeiseiidtmg des betrages, durch den Ausweis in der Zeitung und durch das bnrenti entstehen; mich wen» man aimchuien darf, daß ein betrag von 31) Pf. selten allein überwiesen wird, kann oder muß doch durchschnittlich mit einem Verlust von mindestens 10״,■׳ gerechnet wer• den, in welchen sich die N.«lr.*Verwaltung und der Spender /um Schaden unserer Fonds zu teilen haben. Von erheblich größerer Hedeußmg ist jedoch ein Ausfall, den die /inuistisclicn Fonds dadurch erleiden, daß die Ucbcrweisung von Spenden (rot/ Postscheck• und bank'Konto noch immer mnstüiullich ist. Ein Gesinnungsgenosse, welcher nicht gerade im ständi• gen Verkehr mit der Speudcn-Zeißraie steht, ist in den meisten Fidlen leider sehr schwerfällig; die bcschafbmg eines Ein/aldungsformularcs, das Nach• suchen der Nummer des Postscheckkontos, die Ein• Zahlung selbst usw, usw, sind inihepiem; einem an* deren Gesinnungsgenosse» (leid und Ausweistext zur Mitübcrweisuug nul anderen Spenden zu übergehen, ist nicht immer Gelegenheit. Was ist die Folge? Giinstigenfallcs nimmt der Spender ein N.*F.*Tcle* gr.immformtilar (wenn nicht die bcschafbmg eines solchen ebenfalls schwierig ist!) und begnügt sich somit mit einer Spende von ganzen Iß Pf. statt des sicher liölieren betrages, welcher zum Ausweis kommen sollte, Ungünstigcidulles aber, und dieses ist der baldigere, unterbleibt die Spende wegen der geschilderten Unbequemlichkeiten ganz, und die zia• nistischen Fonds sind die Leidtragenden. ־ Um den Fonds Spenden im erhöhtem Maße zukomme» zu lassen, müssen daher Mittel und Wege gefunden werden, um das Spenden bequem zu machen. Ich möchte der zionistischen Ocffcntlichkcit einen Vorschlag unterbreiten, von dem ich mir große Er• folge verspreche. Die berliner Spcndeio/cntrale ent• schließe sich dazu, den Zionistischen Ortsgruppen, den Vertrauensleuten und besonders Einzelpersonen Konten nach Art von Scheckkonten cin/nrichtcn, auf welche ein zu bestimmender Miiideslhetrag, sagen wir 20 AE, einge/ahlt werden müßte. An die Konten• inhaher werden gegen Erstattung der Selbstkosten, die sicher gern getragen werden, Scheckbücher in Form von Postkartenhlocks heraiisgegehen, etwa mit folgendem Text: ״ich ersuche um Ausweis in der ״], R." (cd- Rvmle . . . betrag , , . zu Lasten meines Kontos: (folgt Bestimmung des Fonds, resp. Oelbaum• garten« und Ausw.cistext) zusammen M. Unterschrift. Diese Karten können ebenfalls zur Bestellung von N.*F.•Marken und Telegrammformular•! leben benutzt werden, wodurch der Besteller oft schneller in den besitz der N.-F.-Wertzcichc» gelangen kann, als wenn er sie an seinem Wohnort zu erlangen sucht. Die Rückseite dieser Schcckpostknrtc ist mit der Adresse der Spendcn-Zcidrale zu bedrucken. Das Aufkleben einer 5 Pf.*Marko genügt und die ganze Arbeit wäre geleistet. Auf diese Weise disponiert der Konten* inhaher über sein Guthaben, von dessen Zurneigc* gehen er rechtzeitig durch eine Drucksachcukartc von der Zentrale in Kenntnis zu setzen wäre. — Die JUEP1SCHE RUNDSCHAU Vorteile eines solche» Systems liege» auf der Hand. Keiner wird in Abrede stellen, «laß ein Konten• inhalier 11 leid mir nielil, wie es früher wegen der Umständlichkeit des Ueherweisimgsverfaluens nur zn häufig geschah, eine Spende iiulcrlälil, sondern viel• mehr durch eine derartige bequeme Weise, Spenden ausweise» zu können, direkt zum Spende» g«reizt wird. Die Spemleii-Zenlralc wurde mit absoluter Sicherheit beträchtliche Hetrage «furch den Fortfall der vielen bestellgehler lind Bnelmugsgehühren sparen köitncu und dürfte außerdem einen kleinen Zinsgcwinn ans den Guthaben ihrem Regiekonto gut• schreiben, da die Guthabenbeträge nicht zinsenlos auf Postscheckkonto verbleiben, sondern zinstragend bei einer Sparkasse cingc/ahlt werde» könnten. Wer «len Ausweis verfolgt, wird beobachten, «laß es eine nicht kleine Anzahl deutscher Gesinnungsgenossen gibt, welche an Spenden und Oclbäumen jährlich mehr als 50 M, durch die Rundschau ausweise» lassen. Alle diese GesimmngsgeiiONseu, sowie die Knsscuverwulter «ler Ortsgruppen und Vnlraueus• leule würden nach meiner Meinung eine solche Ein• riihlung mit Freuden begrüßen und sie eifrig in Anspruch nehmen, wenn sielt die berliner Spenden• Zentrale zu ihr verstehen wollte. ־־ Ich habe diese Idee nur in groben Zügen zu Papier gebracht; organisatorischen Talenten, wie wir sie ja glücklicherweise in unserer Leitung haben, bleibt es Vorbehalten, diese Idee unseren Fonds nutz• bar zu machen, Leopold Landau• Hamburg. Zur Jugendbewegung Von Heinrich MarguHcs-Breslau. Neuerdings ist die Parole ausgegebe» worden: «las Schwergewicht unserer Jugemlerzidiungsarbcit ist iu die Turnetschaft zu verlegen! Die Diskussion über diese Parole wurde in «ler Rundschau vorläufig nur einseitig geführt. Wir sind nicht optimistisch genug, dies für ein Zeichen der Einmütigkeit zu halten und wittern, wie so häufig, auch hier hinter «ler Wider* spruchslosigkcit Ungeklärtheit. , Aber wir stehen vor dem Delegiertentag, und unsere Freude am klare» Programm fallt es nicht unmöglich erscheinen, daß die Parole in Posen — zum Dogma erhoben wird. Diese Befürchtung läßt meine Zeilen entstellen. Nicht als oh damit auch nur das leiseste Wort gegen die Ttiruhewegimg verknüpft werden sollte ־ nicht in diesem Sinuc reite ich von einer Befürchtung. Wer zweifelte wohl daran, daß wir jenen Tag, der uns die Mehrzahl unserer Jugend in «ler Turnerschaft vereint sehen läßt, als «feil Tag «les endlichen Sieges preisen werden? Wohl sind auch wir uns bewußt, gleich «len Verfassern «ler Turnartikel,*daß die Mann• schäften «les Turiierhodeits mit unser wertvollstes mul zuverlässigstes Material darstelleu mul «laß es keine bessere Möglichkeit vorderhand gibt, die nationale Idee aus einer blassen Idee zum konkreten Lehen erstarken zu lassen, als die nalionale Turn• hcwegimg. Vor einem aber sollte» wir 1ms hüten: vor der Monopolisierung einer guten Blee. Zweifellos: die Richtschnur, das uäclistliegcmlc praktische Ziel soll, wo irgend möglich, der Eintritt in die Ttirncrsclialt sein. (Wir sind ehrlicher gevvortien; früher waren wir mit dem Entrichten des Schekels zufrieden.) Aher diese Idee büßt in dem Moment all ihre Vortrefflichkeit ein, wo sie mono• polisiert, zum Prin/ip, zum Dogma erhöhen wird. Und das aus folgendem Grunde: Das Prinzip ist nur logisehdlieorctiseh, keinesvvegs aber real-praktisch klar formulierhar. In der Praxis stößt es ilrum fast überall auf so iniuiense Schwierigkeiten, daß man mit diesen reelmen, nicht nur sic überwältigen müßte. Logisch uwanteehthar ist «ler Satz meiner Vorreiluer: bringt die Jungen auf «len Turiihoileu, dort werden sie schon ‘national werden! Trefflich ge• sproehen. Theoretisch unbestreitbar ist die These, daß ein Mitglied der jüdischen Turnerschaft ungleich schwerer zu entnationalisieren ist, als ein schlapp• knochiger Schvvengcltypus. Ergo (sagt die Logik); ״Schleppt die Jungen auf den Turiihode»!" Doch griesgrämig humpelt die Wirklichkeit nach und fragt mit aufdringlicher Neugier — ״aher wie?" Ja wie? Jene sagen; Laßt sie nur turnen, dann werden sie schon gute Juden werden! Mancher aber weiß: nur «I a n » \v e nlcn sie in d e 11 j ä «I i s c 11 e n T u r 11 v e r e i » g e 11 m, vv c »n s i e gut jüdisch bereits empfinden. Die Mehrzahl der Jungen hat überhaupt kein be. ilürfnis zu turnen. Haben sie cs, so gehen sie in den ersten besten Turnverein. Abgesehen von den studen• tischen verschließt ihnen nicht häufig einer die Tür. Haben sie das Bedürfnis, mit *Juden zusammen zu turnen, tuen sie es in dem sogenannten ״pari• N21 .׳ tätisilnn" Verein. Natiulieli sind das keim• .,11^,. meinen Reg,«•In. Hier ist es so, «lort nml«1v ״ן einer Stadt wie Breslau laulen nicht nur alle solidem mich manche, die der zionistische» <)(,,;״״] salio» augelibii'ii, in pai italische I umuml Sjvon. vereine. Ihr Itedurfms »ach ״Aufmache" hm ״c mit aller N.itmluliked einen Veiem Waiden, dem 111 ni.iteiuIler wie in gesellschaftlicher HuiMiht ,jk. «lenkbar ergiebigsten Hdlsqnelleii zur Vcrfugim,, stehn), der de» Mitglieder» (iroß/ugigkeil, ein eigen«« Heil», erstklassige Turner usw. bietet. Andere Städte - andere Schwierigkeit«״, Allen gemeinsam jedoch die Lehre: die na11<(n,1l«• Tiirnirsciinft kann, wenn überhaupt, den Koiikum»/. kämpf einzig »ml allcih bestellen kraft der umi• m.ilcn Idee! Nur der Impuls, der ihre Mitglieder lttM־«it, verleiht ihr Zugkraft. Nur die Begeisterung (״!■ (|j<! jüdische Volksidee gibt Unzähligen die Krall, suh gerade diesem Verbände nii/useliliellen. I s wau \״||. kommen verfehlt, nur diesen nationalen I ii1Iihm.ii, Hills, der die Voraussetzung der I um, he weg 11 ng bildet, zmn I ntl/iel (IciM'lln 11 zu stempeln. .'Lin maelit vielleicht durch den /! .m«. »ins wieder jüdische Turner mul bringt unmhen zum Sport, der ohne die Berührung mit «kr!i iig. jüdische» Ideenwelt nie und nimmer an anderes ’daild hatte, als au seine schlappe beqiiemlnlikcit. Wie will mau tuukcltrcml da aus guten I urm rn - gute Juden machen? Meine Vorredner .sprechen von den jungen Leuten, deren Lehen erfüllt ist vom ״Mädel, nochmal Math! mul wieder Mädel —", Und diese ״verwöhnten Mutter• sölmehen", verehrter Herr Unna, wollen Sie ״.ml den Turiihoileu locken?" Sie sagen ja selbst, «« sei ״unendlich schwer“. Mehr noch: es ist ganz mt. mögiieh wofern Sie nicht vorher die jüdische I he in ihnen wachgcrufc» haben! Sie machen es •uh etwas leicht, verehrter Herr, mul reden von ״der merkwürdigen Metamorphose, die diese jtnn«n Hern heil in de» Tiirmereiiicn durchlaufen, sohild sie die angeborene und anerzogenv Scheu »her. wunden haben ־ " Wirklich? Dünkt mich doch, «Uli diese m e r k w 11 r d i g e M c t a m nrphos v g c r a d e d a rin b e s t c I! t, d a ß s i e diese S e 11 >• 11 überwinde», also noch vor den Eintritt in den Verein fallt. Kehren wir zu dem frühere» Wege zurück! Die Turnhevvegung wird uns immer das wesentlichste u׳nl wertvollste Werkzeug bleibe» im Dienste der K'c• gviieration. Aber sie darf nicht zum alleinseligmai,'1.11• den Prinzip erhöhen werilen! Das hieße blind wen/« 1 für tiie Vorbedingungen. De» Turnvereinen sei unsere intensivste Arbeit gewidmet; darüber dürfen wir aber nicht vergessen, daß cs giß, die Vorbedingungen zu schaffen. Doch wie? Iheoretiseli ist «he Aiuuoit *״;*> gehen : die Vorbedingungen sind ideeller Art. Dt i n nur die nationale Idee Mutzt und erhalt die 111111« sehaft. Also iinißU׳ die Vorbcrcilmigsarlic I gleicn• falls ideeller Art sein. Dies berührt aher «■nun Punkt, in dessen scharfer Kritik ich meinem V,! J reduer heipflichten muß. ״Durch Diskussionen im.l Vortrage reitet mau kein jüdisches Volk." 'Irefthui gesprochen. (Zwar sagt mir eine leise hist ni-eln׳ Erinnerung, daß gerade das jüdische Volk 'ich nur durch Diskussionen überhaupt erhalten ii.it. '•«'•׳ wären wir In ule ohne «len Talmud?) Doch trettluT ges|auel1e» deshalb, weil es die Kritik «les gelalltliebsten und tmerfienlichstc» Punktes unserer IW■• vvegtmg enthalt. Doch hier sieht man bereits eins: die Schule am Mißerfolg liegt nicht im Wesen «ler Sache, sonslvn, nur an der Form der Ausführung. Das heut 1<t nichts g e g «11 ־ d j «• N «11 vv c n d i g k c i t dies«! kleinen Klubs, Das Problem lautet '1111״'■ I! Wie hevvahie ich diese kleinen Zirkel vor lm theoretisch-akademischen Fahrwasser? Nicht •>!■ r wie ersetze ich sie? Die Aufgabe lautet «loch 1! ul wie vor: Lehendigmaehe» der jüdischen UW«. U.,% wv dürfen und können wir doch nicht abgeheit, ׳. eil man es bisher nicht recht an/ufnsscu verstoul! Seien Sie versichert, verehrter Herr, mau kamt nl durch Diskussionen ״das Wollen unserer Jugend wieder jüdisch mache» Hier nähern wir uns dem Schlußpimkt. Ich hui vollkommen Ihrer Ansicht, wenn Sic all den Körper• schäften, die mir dazu dienen, Wissen mul Können zu verbreiten, Fehde ansagen. Nichts ist vcrilerbhilur, als diese kleinen oder großen Zirkel, an deren Spitze einige Leute mit Namen oder Titel oder lilun eines Namens stehen, die nun der ״Masse" instruktive uml belehrende ״Vorlräge“ halten. Alle sechs Woche״ einmal! Wenn wir dergestalt auf die Struktur von Jugend vereinen ein wirken wollen, ist die Zeit wahr• lieh vergeudet! Doelt es gibt, glaube ich, Mittel, solche Organ!• sationen vor diese» Schäden zu bewahren. Fm* hqstelit darin, daß man ,,sie nicht zu groß werden hißt. Man darf «lie persönliche Fühlung nicht ver• lieren. Ein nmlercs darin, daß man — unter sich bleibt. Will sagen: Altersparagraphen.

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